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p. 106), wie aber soll sie als selbstständiges Kunstwerk sich behaupten können? Dadurch, dass sie nichts weiter sein will, als was sie ihrem Wesen nach ist, ein ästhetisches Spiel mit der Form bildlicher Darstellung, bei welchem der Gedanke, der Gehalt des Bildes, nur so weit in Betracht kommt, als er diesem Spiele zur stofflichen Grundlage dient, damit an ihm der Reiz der Verbildlichung hervortrete. Wie also in dem ersten Abschnitt der selbstständigen Sprachkunstwerke solches Formenspiel sich darstellte in den zusammenhängenden Sprachbildern der Lautund Worträthsel und der Laut- und Wortwitze, im zweiten Abschnitt in denen des Sinnräthsels und des Sinnwitzes, so haben wir in diesem dritten zu betrachten: das allegorische Räthsel und den bildlichen Witz.

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Zusammenhange Licht erhält. Ein anschauender Blick umfasst die Werke dieser beiden Künste, und wenn diesen das allegorische Dunkel momentan auf sich zieht, lenkt es ihn doch nicht ab; dagegen wird Reflexion nöthig, ein erkältendes Vergleichen, wenn die Bedeutung einer Composition in der Malerei und Poesie unter ihrer allegorischen Verhüllung aufzusuchen ist. Wir haben allerdings allegorische Dichtungen. Auch kann viel Sinniges und Feines in diese Schattenwelt verwebt werden, wie es Göthe in den zweiten Theil des Faust geheimnisst hat, und viel Energie der Leidenschaft, der Liebe, des Grimmes, des Spottes kann so in vornehmer und erhabener Form sich geltend machen, wie in Dante's Hölle; aber alles Dies giebt doch mehr für Commentatoren eine Beschäftigung, als für Menschen einen Genuss. Muss ein Dichter, um einen Stoff zur Darstellung zu bringen, sich der Allegorie durchgängig bedienen, so ist solcher Stoff eben für dichterische Bebandlung nicht geeignet. Was übrigens für die Allegorie der Sprachkunst der Zusammenhang der Rede ist, das leistet für die Plastik jener Zusammenhang, in welchen ihre Werke durch ihre Aufstellung gelangen, da sie für bestimmte Orte, Tempel, Hallen, Säle entworfen werden. Den sogenannten „gemischten Allegorieen“ der Sprachkunst (vid. Bd. II, 1 p. 106) lassen sich etwa diejenigen Gestalten der Plastik vergleichen, welche ihre Erklärung durch hinzugefügte Attribute erhalten. Die allegorischen Gedichte grösseren Umfangs betrifft eine Bemerkung Lessing's (y Zum Laokoon“. Ausg. Lachm. Maltz. Bd. 11 p. 160), an welche wir erinnern. Er sagt: „Eine von den schönsten kurzgefassten allegorischen Fiktionen ist beim Milton (Parad. I. III, 685), wo Satan den Uriel hintergeht. oft though Wisdom wake, Suspicion sleeps At Wisdoms gate, and to Simplicity Resigns her charge, while Goodness thinks no ill Where no ill seems

Und so gefallen mir die allegorischen Fiktionen, aber sie weitläufig ausbilden, die erdichteten Wesen nach allen ihren Attributen der Mahlerei beschreiben, und auf diese eine ganze Folge von mancherlei Vorfällen gründen, dũnkt mich ein kindischer, gothischer, mönchischer Witz.“

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1. Das allegorische Räthsel. Die auf der Metapher beruhende Allegorie und das Räthsel (Aenigma) dachten die Alten eng verbunden. Aristoteles (Poet. 22) sagt, wenn die Rede sich durchgehends der Metapher bediene, so entstehe das Räthsel (aivıyma), denn darin bestehe das Wesen des Räthsels, dass man, indem man sage, was sei, Unvereinbares verknipfe (αινίγματος ιδέα αύτη εστί, το, λέγοντα τα υπάρχοντα, αδύνατα συνάψαι), durch blosse Verbindung von Worten, die im eigentlichen Sinne gebraucht würden, lasse sich dies nicht machen, aber es werde möglich durch Verwendung der Metapher, wie wenn man z. B. sage: Einen Mann sah' ich, der mit Feuer Erz anklebte einem Andern (κατα Σιέν ούν την των ονομιάτων σύνθεσιν ουχ οίόν τε τούτο ποιήσαι κατά δε την μεταφοράς ενδέχεται· οίον, "Ανδρ' είδον πυρί χαλκός επ' ανέρι xolanoarta). [cf. über dieses Räthsel auch oben Bd. II, 2, p. 151 und Arist. Rhet. III, 2. Gemeint ist „das Schröpfen.“] Von demselben Standpunkt aus sagt Quintilian (VIII, 6, 52; wozu cf. Jul. Victor, ars rhet. bei Halm p. 432): „Haec allegoria, quae est obscurior, aenigma dicitur, vitium meo quidem judicio, si quidem dicere dilucide virtus, quo tamen et poetae atuntur (Virg. Ecl. III, 104):

„Dic, quibus in terris, et eris mihi magnus Apollo,

tris pateat caeli spatium non amplius ulnas“? et oratores nonnunquam, ut Caelius „quadrantariam Clytaemnestram“ cet. Namque ut nunc quidem solvuntur et tum erant notiora, cum dicerentur, aenigmata sunt tamen: nec ea, nisi quis interpretetur, intelligas.“ Quintilian hält indessen hierbei nur dies fest, dass die Allegorie eine dunkele Rede sei, nicht, dass diese Dunkelheit durch den bildlichen Ausdruck bewirkt wird, denn, wenn auch die Bezeichnung der Clodia, welche ihren Gemahl Q. Metellus Celer vergiftet haben soll und um ein Viertel-Ass käuflich genannt wird, als „Clytaemnestra quadrantaria“ auf einer Vergleichung beruht, so ist doch Virgil's Räthsel auf keine Weise Allegorie. Es ist Sinnräthsel, wenn man mit Servius an einen Brunnen denkt, von dessen Inneren aus der Himmel nur 3 Ellen breit scheint, und Worträthsel, wenn Virgil den Verschwender „Caelius“ aus Mantua im Sinne hatte, der beim Verkauf seines

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Grundstücks sich drei Ellen zu seinem Grabe vorbehielt. Ebenso denkt Demetrius (de eloc. Sp. T. III, p. 285) überhaupt nur an Verdunkelung des Sinnes, wenn er in Bezug auf den Gebrauch der Allegorie warnt: φυλάττεσθαι μιέντοι καπι ταύτης το συνεχές, ως μιή αίνιγμα ο λόγος ημίν γένηται, und so denkt Cicero nicht an bildliche Darstellung, wenn er an Atticus schreibt (II, 20): De re publica breviter ad te scribam. Jam enim charta ipsa ne nos prodat pertimesco. Itaque postbac, si erunt mihi plura ad te scribenda, aranyosials obscurabo. (cf. hierüber Bd. II, 1, p. 99 sq.)

Nirgend aber haben die Alten die Allegorie als selbstständiges Sprachbild betrachtet. Die als durchgeführte Allegorie bekannte Ode des Horaz (I, 14) findet sich in folgender Weise bei Quintilian (VIII, 6, 44) besprochen: Allegoria

fit plerumque continuatis translationibus, ut

,,O navis, referent in mare te novi
fluctus: o quid agis? fortiter occupa

portum, totusque ille Horati locus, quo navem pro re publica, fluctus et tempestates pro bellis civilibus, portum pro pace atque concordia dicit. tale Lucreti (4, 1) „avia Pieridum peragro loca“ cet. Kleinere allegorisch dargestellte Sprachbilder, 2. B. Gnomen, wie die Pythagorischen Sprüche, nannten die Alten eben Räthsel. So Plutarch (de educ. lib. XVII): TOÛTO GÈ παρήγγελλε και Πυθαγόρας αινίγμασιν

οίον: Μή γεύεσθαι διελανούρων· τουτέστι ιή συνδιατρίβειν διέλασιν ανθρώποις δια xaxon Elav cet. Tryphon (tepi tpor. Sp. V. III p. 193 sq.) nennt als erste Art des αίνιγμια die κατά μέν όχιoιoν, οίον

olov 'Ανδροκύθης και Πυθαγορικός έλεγε, ζυγον μια υπερβαίνειν αντί TOù tò dixalov men tapaßalvɛlv cet. (Bei Diog. Laërt. (VIII, 17) heissen diese Sprüche o úll Bona, bei Athenaeus (X, p. 452) αινίγματα).

Die Neueren sind in der Verurtheilung selbstständiger allegorischer Sprachbilder einig, es fehlt indess an der bestimmten Erklärung, dass sie überhaupt nur als Räthsel künstlerisch berechtigt sind. Mancherlei Bilder, welche man als Allegorieen bisher bezeichnete, sind vielmehr als Parabeln zu fassen. Es ist erklärlich, dass der Sprachgebrauch sich in diesem Gebiete wenig genau zeigt, aber wir meinen eben, dass grössere Bestimmtheit zu erreichen ist. Man betrachte etwa die von Quintilian angeführte Ode des Horaz: Ad navem. Es werden die Gefahren geschildert, welche die Sturmwinde einem Schiff bereiten, wenn es den sicheren Hafen verlässt, und es wird damit ein Bild der Gefahren gegeben, welche bürgerliche Unruhen dem Römischen Staate bringen würden, wenn er die feste Leitung des Augustus verlore. Räthsel sollte diese Allegorie sicher nicht sein (wenn es auch richtig sein sollte, dass Horaz die allegorische Darstellung „Sesvlábelav ñ de aloxuvnn“ gewählt hat), aber hat sie sich in der Unbestimmtheit ihrer Bedeutung nicht hinlänglich als Rätbsel ausgewiesen? Buttmann und Passow z. B. bezogen sie auf das Jahr 714, da 713 der perusinische Krieg ausbrach, 714 gegen Sext. Pompejus gekämpft wurde; Kirchner, Vanderbourg 3. A. denken an das Jahr 723, in welchem sich die Schlacht bei Actium vorbereitete, nachdem Antonius 722 durch seine Erklärung, die Gewalt niederlegen zu wollen (Dio. Cass. 49, 41), den August zu gleicher Erklärung hatte zwingen wollen; Grotefend und Franke wählen das Jahr 726, in welchem (Dio Cass. 52, 16) jene Berathschlagung zwischen Augustus, Maecenas, Agrippa stattfand, ob die republikanische Verfassung herzustellen sei, bei der Maecenas zur Begründung seiner Ansicht sich derselben Allegorie bediente. An sich kann ja eben dieses auch sonst nicht selten angewandte Bild vom Schiffe (vid. Bd. II, 1 p. 99.) gleich gut nicht bloss auf diese angeführten Nothstände Roms, sondern auf beliebige eines beliebigen Staates bezogen werden. Es kommt dazu, wodurch vollends die Schwäche und die Räthselnatur der Allegorie dargethan wird, dass man nicht wissen kann, ob überhaupt die Darstellung ein Bild oder die Sache selbst: das Bedenkliche, sich einem baufälligen Fahrzeuge anzuvertrañen, geben will, wie denn auch Muret, Tan. Faber, Bentley u. A. sie als Allegorie nicht betrachten wollten. Vischer (Aesthet. Th. III, 2, p. 1470) sagt desshalb mit Recht: „Das Räthsel ist enge mit der Allegorie verwandt, aber es ist ebrlicher, als diese: es gesteht, dass es bloss Spiel ist und hilft dem verlegenen Rather dnrch schliessliche Nennung des Worts oder Zugeständniss des richtigen Funds aus der Noth. So verhält es sich z. B. mit den Allegorieen im zweiten Theile von Göthe's Faust nicht; wir sollen rathen und werden nie wissen, ob wir richtig gerathen haben.“

Wir nun sind der Meinung, dass Horaz durch die Verse 17 und 18:

Nuper sollicitum quae mihi taedium,

Nunc desiderium curaque non levis --die Andeutung von seiner Sinnesänderung in Würdigung der politischen Verhältnisse Rom's gegeben und damit seine Darstellung als allegorisch bezeichnet hat. Wenn man dazu bedenkt, dass in der Entfaltung des Bildes durchgehends eine Warnung ausgesprochen ist, keineswegs also ein abstrakt ästhetisches Interesse befriedigt, sondern ein Gedanke durch eine Vergleichung mit einem Vorgange in der Natur eindringlich hingestellt werden soll, so wird man nicht schwanken, dieses Sprachbild für eine Parabel zu erklären.

Es verhält sich ähnlich mit der Allegorie Göthe's, welche unter dem Namen , Mahomet's Gesang" (d. h. ein Gesang zu Ehren Mahomet's) bekannt ist. Sie schildert den Lauf eines gewaltigen Stromes von seinem ersten Erscheinen als Felsenquell bis zum Eintritt in's Meer und giebt so ein Bild von dem erhabenen Wesen und von den weitreichenden Wirkungen eines grossen, für die Geschichte der Menschen bedeutenden Mannes. An ihrer Stelle in dem Drama „Mahomet“, welches Göthe zu bearbeiten vorhatte, wäre ihre Beziehung auf diesen Mann nicht zweifelhaft gewesen; als selbstständiges Sprachbild kann sie auf jeden anderen Religionsstifter nicht nur, sondern überhaupt auf jeden den Lauf unserer Geschichte bestimmenden Menschen angewandt werden, und selbst dies, dass sie noch etwas Anderes ist, als Schilderung eines Riesenstromes, kann mit Sicherheit aus ihr selbst nicht entnommen werden. Will man sich nicht begnügen, sie lediglich als Fragment eines ungeschriebenen Drama gelten zu lassen, so ist sie nur als Parabel künstlerisch gerechtfertigt. Nirgend zwar tritt der Gedanke, aus welchem sie entsprang, als solcher hervor, aber die Art, wie das Bild entfaltet wird, deutet genugsam auf ihn hin. Man erwäge etwa folgende Stellen: „Seine Jugend nährten gute Geister“; „mit festem Führertritt reisst er seine Bruderquellen mit sich fort“; „ihn hält kein Schattenthal, keine Blumen, die ihm mit Liebesaugen schmeicheln“; und die weiteren, welche zeigen, wie die grosse Bestimmung des Stromes von den geringeren Flüssen erkannt wird, wie er auf immer wei

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