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schlagen werden, das Ei, die untere Hälfte des Eies soll zertrümmert werden. Nun soll aber zwischen dem Wasser eingeschlagen werden. Das liegt ff. Wir wissen, dass das Weltenwasser sich in der unteren Eierschalenhälfte befindet. In dieser Beziehung haben wir also die untere Hälfte des Eies da, wo das Wasser ist. Macht man also den Einschlag beim Wasser, so macht man ihn an der unteren Hälfte der Eierschale. Gerade an der Stelle nun aber, welche der Stelle entspricht, wo die Oberfläche des Wassers in der Eierschale steht, gerade an dieser Stelle darf man nicht einschlagen, denn dann ginge der Riss zu leicht mit in die obere Hälfte hinein, und der zukünftige Himmel bekäme einen Riss. Es ist also sachentsprechend, dass tiefer unten eingeschlagen wird, dann ist der zukünftige Himmel vor dem Riss gesichert. Hierauf zielt es nun ab, wenn es heisst: es sei eine Rakia zwischen dem Wasser, D27 7103. Dem muss man nicht den Sinn unterlegen, als solle das Wasser in seiner Mitte eingeschlagen werden: das wäre selbstredend eine Perversität, Wasser kann man nicht einschlagen. Nein, es soll heissen, man solle das Ei einschlagen, wo das Wasser steht, und da solle die Stelle nicht zu hoch nach oben hin gegriffen werden, sondern mehr nach unten hin, an einer Stelle, wo man, wenn der Schlag ein Loch setzt, mit der, den Schlag ausführenden Faust mitten in das Wasser des Welteneies geräth.

Also die erste Hälfte des vorliegenden Verses heisst kurz und bündig: Und Gott sprach, die untere Hälfte des Eies soll eingeschlagen werden.

Die zweite Hälfte des Verses führt uns in dem „Unterschied des Wassers" das WasserverwandlungsExperiment vor. Bei diesem handelt es sich nämlich um zwei Arten von Wasser, das erste Wasser ist das, mit dem das Experiment vorgenommen wird, das zweite das, welches sich über das zu Boden gehende Präcipitat stellt. Es kann also das Wasserverwandlungs-Experiment derartig aufgefasst werden, dass man sagt, dasselbe besteht darin, dass ein Wasser sich in ein anderes verwandelt. Das eine Wasser ist das Wasser, mit dem das Experiment vorgenommen wird, das andere das, welches sich nach dem zu Boden Gehen des Präcipitates präsentirt. An der Hand einer solchen Auffassung macht denn derjenige, welcher experimentirt, einen Unterschied zwischen zweierlei Wassern, zwischen Wasser und Wasser, und der Ausdruck: Un

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lungs-Experiment an, vor sich zu gehen. Wir haben also 2 Wasser, A und B. B ist sofort da, wenn der Einschlag institutirt wird. Denn mit dem Einschlagen coincidirt die Bildung eines Principitates an der Wand des Gefässes, welches Präcipitat um so zu sagen ein Gefäss im Gefässe bildet, damit das Wasser nichs ablaufen kann. Folge hiervon ist nun, dass auch coincident mit dem Einschlagen das Wasser B da sein muss, denn wo auf der einen Seite Präcipitat entsteht, muss auch auf der anderen Seite Wasser B entstehen. Dies Wasser B steht nach dem, was wir vorhin exponirt haben, oben, wohingegen das Wasser, welches noch kein Präcipität hat fallen lassen, das ist A, unten steht. Das ist nun die Sachlage, die hier gezeich net wird, wenn es heisst, Gott machte einen Unterschied zwischen dem Wasser unter und dem Wasser über der Rakia. An und für sich brauchte es blos zu heissen, Gott machte einen Unterschied zwischen dem Wasser unten (A), und dem Wasser oben (B). Es wird aber die Rakia mit in die Situation gezogen. Das ist Rakia wird als Einschlagestelle genommen, und angenommen, die Fläche, welche A und B von einander trennt, treffe die Eierschale an der Stelle, wo eingeschlagen wird. Dann ist eben das Wasser, welches oben steht (B), über der Rakia, und das Wasser, welches unten steht (A), unter der Rakia. Eine solche Zeichnung der Sachlage haben wir hier, indem es heisst: Gott machte einen Unterschied zwischen dem Wasser über und dem Wasser unter der Rakia. Aber warum bleibt denn der Autor nicht einfach beim Wasser, welches oben und unten steht, warum zieht er die Rakia mit in die Sache? Die Antwort ist, er will es prägnant hervorheben, dass Einschlagen und Anfang der Wasserverwandlung coincident sind. Dieser Umstand ist gar zu wichtig, als dass er nicht prägnant hervorgehoben werden sollte. In Vers 6, wo die beiden Verstheile durch ein einfaches „Und" verbunden werden, ist die Coincidenz nicht prägnant gezeichnet, hier wird sie es, indem das Oben und Unten auf's innigste mit der Rakia ver schmolzen wird.

.8 .Vers ויקרא אלהים לרקיע שמים ויהי ערב ויהי בקר יום שני:

Und Gott nannte die Rakia „Himmel". Und es ward Abend, und es ward Morgen: der zweite Tag.

Luther: Und Gott nannte die Veste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der andere Tag.

.7 .Vers ויעש אלהים את הרקיע ויבדל בין המים אשר מתחת

Bedeutung des | לרקיע ובין המים אשר מעל לרקיע ויהי כן:

Und Gott machte die Rakia, und machte einen Unterschied zwischen dem Wasser unter der Rakia und dem Wasser über der Rakia. Und so geschah es.

Luther: Da machte Gott die Veste, und schied das Wasser unter der Veste von dem Wasser über der Veste. Und es geschah also.

Es handelt sich wieder um Worte des Originals. Im vorigen Verse spricht Gott das Werde aus, hier geschieht's, hier wird eingeschlagen, hier geht das Wasserverwandlungs-Experiment vor sich, das heisst denn, dasselbe beginnt.

Es handelt sich wieder um Worte des Originals. Im Vers 6 haben wir die erste Bedeutung von Rakia, welche ist das Einschlagen. Im Vers 7 kommt dreimal Rakia vor. Das erste Mal kann man Rakia als Einschlagen nehmen und auch als Einschlagestelle. Thut man das erstere, so übersetzt man: Gott nahm das Einschlagen vor, thut man das letztere, so übersetzt man: Gott machte die Einschlagestelle. Beides bleibt sich gleich. Die beiden folgenden Rakia sind in der zweiten Wortes zu nehmen, als: Einschlage stelle. Die beiden Uebersetzungsarten, welche bei der ersten Rakia des Vers 7 statt haben können, zeigen, dass Einschlagen und Einschlagestelle mit verwischten Grenzen in einander übergehen. Hier, im Vers 8, kommt die dritte Bedeutung von Rakia an die Reihe, welche, wie wir bereits oben haben kennen lernen, ist: das durch das Einschlagen Gesetzte, das Zertrümmerte. Dies Zertrümmerte sind nun aber nicht die Trümmer der unteren Eischalenhälfte, auf die wird ja, wie wir wissen, weiter kein Werth gelegt, nicht reflectirt. Nein, das Zertrümmerte ist das zertrümmerte Ei im Ganzen. Die intacte Eierschale, das intacte Weltengefass ist das Ei; die zertrümmerte Eierschale, das zertrümmerte Weltengefäss ist das „Zertrümmerte“ die Rakia. Rakia im dritten Sinn ist also die obere Eier

worden ist, welche intact geblieben. Diese intacte obere Eierschalenhälfte, diese Rakia, nennt Gott nun hier Himmel, das ist, sie constituirt den Himmel, sie ist der Himmel, den wir über uns haben.

Wir haben das Wasserverwandlungs - Experiment vom Gesichtspunct des Unterschiedes von Wasser und Wasser. Das eine Wasser, mit dem das Experiment gemacht wird, wollen wir A nennen, das andere, welches nach Beendigung | schalenhälfte, welche durch das Einschlagen nicht getroffen des Experimentes über dem Präcipitate steht, wollen wir B nennen. Dann ist also vor dem Anfang des Experimentes A da, nach Beendigung des Experimentes ist A verschwunden, und es handelt sich blos noch um B. Während der Zeit aber, dass das Experiment am Vor-sichgehen ist, haben wir A und B zusammen; B steht oben, und A steht unten. B ist dann das Wasser, welches bereits die Verwandlung erlitten hat, A ist das Wasser, welches die Verwandlung, das Verlustigwerden der Erde, noch erleiden soll.

In dem vorliegenden Vers fängt das Wasserverwand

Schliesslich bemerken wir, dass wir, der Rakia gegenüber, an das Wasserverwandlungs-Experiment im Kleinen anlehnen, bei dem der Alchemist vor dem Gefäss steht, und es nun einschlägt. Beim Weltenei muss man vor Augen haben, dass, da Gott sich in demselben befindet, das Einschlagen von Innen nach Aussen statt haben muss. Gott braucht sich übrigens nicht seiner Hand zum Ein

schlagen zu bedienen, er kann sich auch seines Fusses bedienen. Im letzteren Falle tritt er das Ei ein.

Dritter Tag.

ange

Am 2. Tag beginnt, coincident mit dem Einschlagen des Himmelseies, das Wasserverwandlungs-Experiment vor sich zu gehen. Dasselbe dauert nun den 2. Tag an. Das entstehende Präcipitat setzt sich mehr oder weniger flächenweis ab. Den 3. Tag dauert es abermals an, bis sich alles Präcipitat abgesetzt hat, dann ist Orbis terrarum fixus et fluidus zugleich absolvirt. Es wird nun nommen, dass, wie bereits so eben gesagt, am 2. Tage das Präcipitat mehr oder weniger flächenartig entsteht. Dagegen wird angenommen, dass das Präcipitat am 3. Tage sich in unregelmässiger Form absetzt: hier entsteht ein Präcipitathügel, dort einer, und zwischen den Hügeln sind dann natürlich Vertiefungen. In diese Vertiefungen stellt sich dann das Wasser, welches Product des Wasserverwandlungs-Experimentes ist. Dieses Wasser repräsentirt das Meer, wogegen die hervortretenden Präcipitathügel das Land bilden. Meer und Land sind absolvirt da, wenn das Wasserverwandlungs-Experiment im Grossen seine Endschaft erreicht hat.

. .Vers ויאמר אלהים יקוו המים מתחת השמים אל מקום

אחד ותראה היבשה ויהי כן:

Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an einem Orte (an einen Ort), und das Trockne werde sichtbar. Und so geschah es.

Luther: Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Oerter, dass man das Trockene sehe. Und es geschah also.

Das Original bringt dies: „unter dem Himmel", um mit Emphase darauf hinzuweisen, dass am 3. Tage der Himmel, der eigentliche Himmel da ist. Der Autor ist froh, dass er endlich einmal aus dem Zwitterzustande von PseudoHimmel und wirklichem Himmel heraus ist, und macht dieser seiner Freude durch den Hinweis auf den eigentlichen Himmel, den er jetzt hat, Luft.

Der Autor der vorliegenden Schöpfungsgeschichte fasst die Sache anders. Der macht wieder einen analogen Sprung, wie mit dem Licht und Sonne, Mond und Sternen im Vers 3. Dort sagte er, Licht einerseits, und Sonne, Mond und Sterne andererseits sind zwei verschiedene Dinge. Darum habe ich das Recht, sie zu trennen. Analog sagt er in Bezug auf den Vers 8: Und Gott nannte die Rakia Himmel" ff. Die Rakia ist der Himmel über uns, und da sie das ist, so ist es müssig, dass Gott sie noch einmal Himmel nennt. Dass Gott das nun aber doch thut, das führt darauf, dass es sich um 2 Dinge handelt, um Rakia und Himmel; Rakia ist das Firmament; Himmel, D', sind die Wolken. So bekommt er, worauf wir im vorigen Abschnitt hingewiesen haben, für den zweiten Tag: Himmel und Wolken. Demgemäss sammelt sich ihm hier im Vers 9 das Wasser nicht unter dem Himmel als Firmament an, sondern unter dem Himmel als Wolken. Diese Sachlage findet er sehr natürlich, weil Wolken Wasser. So kommt ein Wasser, Wolken, zum anderen Wasser, dem Wasser welches sich an einem Orte sammelt.

.11 .Vers ויאמר אלהים תדשא הארץ דשא עשב מזריע זרע עץ פרי עשה פרי למינו אשר זרעו בו על הארץ ויהי כן:

.10 .Vers ויקרא אלהים ליבשה ארץ ולמקוה המים קרא ימים וירא אלהים כי טוב:

Und Gott nannte das Trockne Erde (Land), und die Wasser-Ansammlung nannte er Meere. Und Gott sah, dass es gut war,

Luther: Und Gott nannte das Trockene Erde, und dic Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war.

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Es handelt sich wieder um Worte des Originals.

Um die Situation, die wir oben in Bezug auf das Absetzen des Präcipitates in unregelmässiger Form geschildert, mehr im Ganzen übersichtlich zu bringen, wird angenommen, es bilde sich vorab einmal ein PräcipitatKrater. Dieser eine Krater ist dann der eine Ort, an dem sich das Wasser sammelt (Vers 9), sowie das Trockne (Vers 9), welches sichtbar wird, die hervorragende, mehr oder weniger runde Höhe dieses einen Kraters ist, der Erdgürtel, mit dem dieser eine Krater umgeben wird. Nachdem nun vorab diese Einzeichnung gebracht, wird auf die Bildung einer Reihe von Kratern, einer Reihe von Erdgürteln übergegangen. Demzufolge ist in Vers 10 das Trockne", pluraliter zu nehmen. entsprechend den „Meeren“ D'D' (Plural). Luther hat im Vers 9 statt „an einem Orte, oder an einen Ort": an besondere Oerter, und Vers 10 statt „Meere" (Plural): Meer (Singular) was nicht richtig ist. Das Trockne des Vers 10 nun, das sind alle Erdgürtel, welche die einzelnen Krater überragen, nennt Gott Land, N, die Wasseransammlung, die Wasseransammlungen in der Summe der Krater nennt Gott: Meere. Also, wie bereits oben gesagt, die Psäcipitat-Bildung, der Niederschlag der Erde aus dem Weltenwasser erfolgt unregelmässig, es entstehen Hügel und Thäler. In die Thäler stellt sich das Wasser, welches das Product des Wasserverwandlungs-Experimentes ist, und repräsentirt die Meere der Erde, generaliter das Meer. Die Hügel bilden die einzelnen Länderabtheilungen, generaliter das Land.

Es ist etwas Lakonisch, wie im Vers 9 und 10 vom Einstandpunct auf den Vielstandpunct gesprungen wird. Diese Lakonität tritt aber in den Hintergrund, wenn man sich an die Septuaginta hält. Diese haben im Vers 9 noch einen angehängten Passus, welcher den Einstandpunct in den Vielstandpunct überführt. Dieser Passus der Septuaginta wir bringen ihn bei den Alexandrinern hat aber wohl ursprünglich im Bibeltext gestanden.

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Wir haben nun noch darauf hinzuweisen, dass es im Vers 9 heisst, es sammle sich das Wasser unter dem Himmel.

Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das sich besame; und fruchtbare Bäume, da ein jeglicher nach seiner Art Frucht trage, und habe seinen eigenen Samen bei sich selbst auf Erden. Und es geschah also. (Luther.)

.12 .Vers ותוצא הארץ דשא עשב מזריע זרע למינהו ועץ עשה פרי אשר זרעו בו למינהו וירא אלהים כי טוב:

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.19 .Vers ויהי ערב ויהי בקר יום רביעי:

Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag. (Luth.) NB. Wo Luther hier Veste des Himmels" hat, da steht im Text immer D'Own YP, Rakia des Himmels. Diesen Cumulativ-Ausdruck für, Himmel bringt der Autor seiner Version zu Liebe, gemäss der Rakia Firmament, und Himmel, Schamajim Wolken. In Rakia haschamajim hat er denn die Totalität: Himmel.

Die Breite der Rede, entgegen der Lakonischen Schreibeweise des Originals, springt sofort in die Augen. Nun, der Autor thut sich bei Gelegenheit seiner: „Sonne, Mond und Sterne etwas zu gute. Der langen Rede kurzer Sinn ist übrigens nichts anderes, als das, was das Original aus den Worten des Vers 4 und 5 herausinterpretirt wissen will. Die Zeichen, Feste (), Tage und Jahre kommen in die Sache, indem der Autor an die Calculation anlehnt, welche das Original an den Abend knüpft, welcher dem Morgen vorangeht. Es handelt sich um das Heranziehen des Mondes. An diesen knüpfen sich Zeichen. Diese Zeichen sind keine Wunderzeichen, portenta, sondern es sind die Zeichen des Mondes, in ähnlichem Sinne, wie wir heute von zwölf Himmelszeichen sprechen. Ein Zeichen ist der Neumond, ein anderes das erste Viertel, das dritte der Vollmond, das vierte das letzte Viertel. Die Feste knüpfen sich an den Mond, indem die Juden ihre Feste nach dem Monde berechneten, wobei selbst auf den Sabbath zu reflectiren ist (vergl. oben beim ersten Tage). Die Tage und Jahre kommen einfach an der Hand des Mond-Jahres heraus. Nach diesem rechneten die Juden, und nicht nach dem Sonnenjahre. Man muss nun nicht im Vers 14 die Zeichen, Feste, Tage und Jahre an die Lichter des Himmels überhaupt knüpfen, an den Mond allein sind sie zu knüpfen. Dem steht an der Hand des Textes nichts im Wege. Gott sprach, es sollen Lichter werden an der Rakia-Schamajim, um einen Unterchied zu machen zwischen Tag und Nacht (na s b) und sie sollen sein (7) zu Zeichen, Festen, Tagen, Jahren. Hierbei sollen nun die verschiedenen Lichter verschieden employirt werden. Sonne, Mond und Sterne sollen employirt werden, um einen Unterschied zu machen zwischen Tag und Nacht. In dieser Beziehung kann man sich etwa auch blos an Sonne und Mond balten (Vers 16). Dagegen soll der Mond employirt werden für die Zeichen, Feste, Tage, Jahre.

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Das Uebrige bedarf, wenn man sich an die Interpretation des Originals beim ersten Tage hält, keiner weiteren Auseinandersetzung.

Den weiteren Verlauf dieser Schöpfungsgeschichte siche in früheren Abschnitten.

Die Jüdische Zahlenphilosophie.

Unmittelbar an die Jüdische Kosmogenese in 6 Tagen lehnt sich die Jüdische Zahlenphilosophie.

Die Jüdischen philosophischen Zahlen sind: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7.

Die 1 lehnt sich an den ersten Schöpfungstag, die 2 lehnt sich an den zweiten Schöpfungstag, die 3 an den den dritten, die 4 an den vierten, die 5 an den fünften, die 6 an den sechsten, die 7 lehnt sich an den siebenten Tag, welcher da ist der Sabbath, der Tag, an welchem Gott ruhte von allen seinen Werken, die er machte."

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Die Jüdischen philosophischen Zahlen sind directe und indirecte zugleich. Directe philosophische Zahlen sind sie, indem sie direct an das Ein-, Zwei-, Drei-, Vier-, Fünf-, Sechs-, Sieben-Arcanum anlehnen. Indirecte philosophische Zahlen sind sie, in so fern sie an die Kosmogonese anlehnen.

Unter den arcanologischen Zahlen steht die 7 im Vordergrunde. Denn es giebt effectiv 7 Arcana. In der 7 haben wir also die Realität. Die anderen arcanologischen Zahlen stehen im Hintergrunde, denn sie fallen der Speculation anheim. Nicht wird der Kranke curirt durch eine Anzahl von Arcanis, die man sich herausspeculirt, sondern durch die Arcana, welche reelle sind, das sind eben die sieben, die sieben Arcana, die man effectiv, reell in der Hand hat. Wenn demgemäss eine Zahlenphilosophie den arcanologischen Zahlenhudigt, und schiebt dabei die Sieben in den Vordergrund, so ist das ein grosser Vorzug. Das thut aber die Jüdische Zahlenphilosophie. Indem die 7 auf

den Sabbath kommt, steht sie im Vordergrunde, denn sie kommt auf den Tag, welchen Gott segnete und heiligte, darum, dass er an demselben geruht batte von allen seinen Werken, die Gott schuf und machte. Und ferner, wenn eine Zahlenphilosophie den speculativen arcanologischen Zahlen huldigt, so ist es immer ein Vorzug, wenn sie ihnen allen huldigt. Denn eine speculative arcanologische Zahl ist so gut, als die andere. Das thut nun aber die Jū dische Zahlenphilosophie wieder; sie huldigt allen specu lativen arcanologischen Zahlen von 1-6. Und endlich wenn einmal eine Zahlenphilosophie allen speculativen arcanologischen Zahlen huldigt, so ist es ein Vorzug, wenn sie darauf hinweist, dass nun auch die gebotenen Zahlen alle effectiv eine so gut als die andere sind. Und auch das thut die Jüdische Zahlenphilosophie. Sie stellt die 1 ebenbürtig neben die 2, die 2 ebenbürtig neben die 3 u. s. w. Denn jede der 6 Zahlen kommt auf einen Schöpfungstag. Ein Schöpfungstag ist aber dem anderen voll kommen ebenbürtig.

Auch das ist ein Vorzug der Jüdischen Zahlenphilosophie, dass, wie oben bemerkt, die Jüdischen philosophischen Zahlen zugleich directe und indirecte sind. Denn wen auch den indirecten philosophischen Zahlen das Terrain der Alchemie im Allgemeinen eröffnet ist, fernliegender ist und bleibt es, dass eine Zahl, welche mit den Arcanis nichts gemein hat, in den Bund der Zahl der Arcana aufgenommen wird. So etwas hat nun in der Jüdischen Zahlenphilosophie nicht statt, ihr sind die directen philo sophischen Zahlen indirecte, und die indirecten directe, und das ist eben wieder ein Vorzug.

Wohin wir also bei der Jüdischen Zahlenphilosophie schauen, überall, allüberall erblicken wir Vorzüge. Sie ist das Muster einer Zahlenphilosophie, und bei so bewandten Umständen ist es leicht zu erklären, dass Pythagoras (s. diesen) sie zum Substrate seiner Alchemie macht.

Stellen wir nun die Indischen philosophischen Zahlen 1, 2, 3, 4, 6, 12 den Jüdischen philosophischen Zahlen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 gegenüber, dann tritt es zunächst in den Vordergrund, dass die Inder der 7 keine Rechnung tragen, die Juden aber wohl. Wir haben bei den Indern exponirt, wie es liegt, dass die 7 bei ihnen nicht vertreten ist. Wir wollen nun der Indischen Calculation, kraft derer man herausbekommt, dass die 7 nicht vertreten zu sein braucht, weiter nicht oppositorisch gegenüber treten. Indessen bei Lichte betrachtet ist die Sachlage doch immer so, dass die Inder die 7 nicht in den Bereich ihrer Speculation bringen können, und nachdem das vorab einmal fest steht, argumentiren sie, sie brauche gar nicht untergebracht zu werden. Man kann sich der Ansicht nicht verschliessen, dass die Inder, wenn ihre Speculationen Raum für die Sieben gehabt hätten, dass sie dann derselben nicht den Rücken zugekehrt haben würden. Die Indische Calculation von der Nicht-Sieben erinnert immer mehr oder weniger an die Fabel von dem Fuchse und den Trauben. Bedenken wir dies, so können wir nicht umhin, wenn wir gegen die Indische Nicht-Sieben auch gerade keine Opposition bilden wollen, da, wo es sich um das Gegenüberstellen der Indischen Nicht - Sieben und der Jüdischen Sieben handelt, auf Seiten der Juden zu treten.

Was die 5 betrifft, so ist es notorisch, dass die Inder der 5 keine Rechnung tragen. Lückenhaft ist das nun gerade nicht. Denn die arcanalogischen Zahlen von 1 bis 6 fallen rein weg der Speculation anheim. Wer aber kann es Jemandem verargen, vom Standpuncte der Alchemie verargen, mit Vorliebe entweder diese oder jene speculativ-arcanologische Zahl in's Auge zu fassen? Indessen eigenthümlich bleibt die Sache immer, dass die Inder den Zahlen 1 bis 6 huldigen, und hierbei die 5 im Stich lassen. Man fragt sich: Was hat denn nun gerade die 5 gethan, dass sie aus dem Bunde ausgeschlossen wird? Darum können wir nicht umhin, auch hier wieder auf die Seite der Juden zu treten, welche der 5 dasselbe Recht geben, welches sie der 1, 2, 3, 4, 6 geben.

Was endlich die Indische 12 betrifft, so lässt sie sich der Jüdischen 7 parallelisiren. Die Inder berechnen nämlich die Dauer ihrer Weltalter nach Jahren, sie tragen also in Bezug auf ihre Welt" hervorstechend dem Jahre Rechnung. Die Juden dagegen berechnen die Schöpfung nach der Woche (6 Schöpfungstage und ein Sabbath), sie tragen also in Bezug auf ihre Welt" hervorstechend der

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Woche Rechnung. Damit entspricht denn das Indische Jahr der Jüdischen Woche. Nun besteht ferner das Jahr aus Monaten, wie die Woche aus Tagen besteht. Damit ist denn das Verhältniss gegeben: das Jahr verhält sich zu den Monaten, wie sich die Woche zu den Tagen verhält. Endlich ist das Jahr die, vom Gesichtspunct der Einheit gefasste Totalität der Monate, wie die Woche die, vom Gesichtspunct der Einheit gefasste Totalität der Tage ist. Damit haben wir denn das Verhältniss: Die 12 der Monate verhält sich zur Einheit des Jahres, wie sich die 7 der Tage zur Einheit der Woche verhält.

12:17:1

12(entspricht der) 7.

Das ist

Wir werden später sehen, dass Pythagoras darauf Gewicht legt, dass die Jüdische 7 der Indischen 12 entspricht.

Alchemie bei den Griechen.

Die Hauptquellen sind Plato und Aristoteles; in Bezug auf Pythagoras auch Jamblichus. Man findet aber auch bei anderen Autoren sehr werthvolle Notizen, z. B. bei Plutarch: De placitis philosophorum, bei Clemens Alexandrinus: Stromata, u. s. w.

Thales von Milet.

Die Griechen haben die Jüdische Schöpfungsgeschichte vor sich, und zwar diejenige, welche das erste Capitel im ersten Buche Mosis in's Auge fasst, weniger aber diese selbst, als diejenige, welche deren Autor ebenfalls vor sich hatte. Sie reflectiren indess nur auf den Anfang der betreffenden Jüdischen Schöpfungsgeschichte, indem sie die Schöpfung nach 6 Tagen für ein Characteristicum der Jüdischen Alchemie halten, welches sich an Nationalvorstellungen knüpft, die sie, als Griechen, nicht weiter angeht. Thales hält sich an das: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war ein Durcheinander, und Finsterniss auf der Oberfläche des Abgrundes, und der Geist Gottes schwebte auf der Oberfläche des Wassers.

Den Anfang nimmt er als den Anfang aller Dinge. Den Himmel nimmt er im Jüdischen Sinne als das Weltengefass. In diesem Gefässe geht das Wasserverwandlungs - Experiment vor sich. Wir haben bei der Jüdischen Alchemie die Frage aufgeworfen, warum denn nun das Himmelsgefäss eingeschlagen werden muss. Die Frage hält sich auch Thales vor, und indem er den Grund nicht gelten lässt, dass wir unter uns keinen Himmel haben, lässt er die Wasserverwandlung im Ei vor sich gehen. Wahrscheinlich nimmt er dabei bereits, wie die späteren Griechen es thun, das Weltenei nicht als Ei, sondern als Kugel. In dieser Weltenkugel, wie sie a Anfang aus Gottes Hand hervorgegangen, leben wir. Das Weltengefäss heisst nun aber Himmel, und ist daher der Himmel. Und da der Himmel mit Sonne, Mond und Sternen eins ist, so erschuf Gott, indem er das Weltengefass schuf, den Himmel und die leuchtenden Himmelskörper.

Erde. Am Anfang, das ist am Anfang aller Dinge, erschuf Gott die Erde. Er erschuf sie vor dem Wasser, denn Erde steht zuerst da.

Und die Erde war ein Durcheinander. Die Erde ist also nicht blos Erde, sondern es kommt etwas zu ihr, mit dem sie ein Durcheinander bildet. Das ist aber Wasser. Dass es gerade Wasser ist, geht deutlich, so sagt Thales, daraus hervor, dass es später heisst: Und der Geist Gottes schwebte auf der Oberfläche des Wassers. Den Passus: Und Finsterniss auf der OberFläche des Abgrundes lässt Thales fallen, indem er sagt, diese Stelle ist blos deswegen da, um den ersten Tag, der das Licht bringt, vorzubereiten. Ich, Thales, habe weder mit dem ersten Tage noch irgend einem Tage der Jüdischen Schöpfungsgeschichte etwas zu schaffen, und so tangirt mich auch der betreffende Passus nicht.

Thales bekommt also an der Hand der betreffenden Jüdischen Schöpfungsgeschichte heraus, dass zuerst Erde da ist, dann Wasser hinzukommt, dass dann das Wasserverwandlungs-Experiment im Grossen vor sich geht, und die Welt auf Grund des Wasserverwandlungs-Experimentes entsteht. Das Land ist das Präcipitat, welches das Experiment ergiebt, das Meer das Wasser, welches sich über das

Präcipitat, resp. in seine Tiefen stellt. Himmel mit leuchtenden Himmelskörpern lehnen sich an das Weltengefäss, in dem das Wasserverwandlungs-Experiment vor sich geht. Die Griechen nennen nun das, was zuerst da war, ülŋ now, Materia prima, erste Materie. Das, was zu diesem hinzukommt, auf dass die Welt entsteht, nennen sie σTOεTov, Elementum, Element, Das, was aus dem Zusammentritt beider entsteht, das ist die Welt, nennen sie bin oxáry, Materia ultima, letzte Materie, End-Materie, Final-Materie.

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Statt in norŋ sagt man auch kurzweg ülŋ, weil der Ausdruck in dozáry nicht nöthig ist, indem er durch zooμos gegeben werden kann. Giebt man aber ὕλη ἐσχάτη durch κόσμος, so kann das πρώτη bei ὕλη fallen, wei weiter kein Gegensatz des Ersten" zum Letzten" nöthig ist. Der Ausdruck Elementum für 0101%eiov passt nicht. Elementum ist ein Grundstoff, oтoizeior ist aber nicht Grundstoff. Der Ausdruck ist aber einmal gebräuchlich, und so müssen wir ihn beibehalten. Er kommt zur Ehre, in so verkehrter Weise dem oτ01%ɛiov an die Seite gesetzt zu werden, weil Empodokles das σ10%iov nennt, was Materia prima ist, und die Römer sich hieran haltend, eben Elementum übersetzten, ein Ausdruck, welcher sich an die Materia prima lehnt (Vergl. Empodokles). An und für sich ist o10%ɛior das, was bedingt, dass zwischen Materia prima und Materia ultima eine Reihe, eine Kette, zu Stande kommt, das ist Vermittelungs-Glied, denn es kommt her von oroizέw, hinter einander stehen.

Wir wissen nun von oben her, dass Gott zuerst die Erde schuf, denn sie wird zuerst aufgeführt, und hinterher erschuf er erst das Wasser. Demgemäss ist dem Thales Erde: Materia prima. Das Wasser ist das, was vermittelt, dass aus dieser Materia prima Erde die Erde, die wir bewohnen, das ist die Materia ultima, her-. vorgeht, und so ist das Wasser das 50%ɛior, Elementum. Auf die Weise kommt denn heraus, dass Thales das Wasser als Element constatirt. Dem Himmel, welchen Gott am Anfang schuf, wird bei dieser Calculation nicht ferner Rechnung getragen. Er ist das Gefass, in welchem die Entwickelung der Materia ultima aus der Materia prima durch Vermittelung des Elementes vor sich geht.

Thales, und nach ihm die Griechen überhaupt, huldigen der Vierarcanenzahl. Sie nehmen also an die Arcana 1) Vitriolum (Eingesichtspunct von Acid. sulphur.- Ferrum), 2) Natron, 3. Liquor hepatis, 4) Pulv. solaris. In Bezug auf Vitriolum halten sie sich aber kurzweg an Acid. sulphur., was sie deshalb thun, um in Bezug auf feste und flüssige Arcana eine Gleicheit herauszubekommen. Indem sie dann aufstellen 1) Acid. sulphur., 2) Liquor hepatis, 3) Natron, 4) Pulv. solaris haben sie 2 flüssige und 2 feste Arcana, und damit reiht sich denn an das Vierarcanum zugleich das Zweiarcanum, indem die zwei flüssigen Arcana als eine Eins, und die zwei festen Arcana wieder als eine Eins aufgefasst werden.

Es ist nun eine geniale Idee des Thales die, die Summe der Arcana der Welt zu parallelisiren. Dann ist also Mater. ultima auch Summe der Arcana. Die Welt, kosmologisch aufgefasst, d. i. die Mater. ultima cosmologica, entsteht dadurch, dass man die Erde als Mater. prima hat, und dass zu ihr das Wasser als Element hinzutritt. Analog entsteht die Welt, arcanologisch aufgefasst, d. i. die Mat. ultima arcanolgica, dadurch, dass man die Erde, das ist die Summe der festen Stoffe, aus denen die Arcana dargestellt werden, als Mater. prima arcanologica hat, und dass zu ihr das Wasser, das ist die Summe der flüssigen Stoffe, aus denen die Arcana dargestellt werden, als Elementum arcanologicum hinzutritt. In arcanologischer Beziehung liegt es alsdann sehr nahe, Elementum als Operationsmaterial zu fassen. Dann kommt heraus: Wir haben eine Reihe von chemischen Stoffen, welche fest sind, Mater. prima, zu diesen tritt das chemische Operationsmaterial, oroixɛiov, Elementum, welches flüssig ist, hinzu. Das letztere wirkt auf die Materia prima, und die Folge davon ist, dass die Arcana, die Materia ultima, entstehen. An diese Parallelisirung der arcanologischen Welt mit der kosmologischen Welt knüpft Thales, und nach ihm die Griechen überhaupt, das Einarcanum. Es giebt nur eine Welt, also in der Parallele auch ein Arcanum. Damit

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Wir müssen jetzt die Stoffe in's Auge fassen, aus welehen die Arcana dargestellt werden, indem wir sie zerfallen lassen in die festen Grundstoffe und das flüssige chemische Operationsmaterial.

Es handelt sich um die 4 Arcana.

Beim Acidum sulphur. haben wir als Grundstoff: Eisenvitriol, und das chemische Operationsmaterial fehlt.

Beim Natron haben wir das Natron carbon. als natürlich vorkommendes. Bei ihm ist also weder auf Grundstoff noch auf chemisches Operationsmaterial weiter zu reflectiren.

Beim Natron nitricum haben wir das Kochsalz als Grundstoff und das Acid. nitricum als chemisches Operationsmaterial. So liegt die Sache, und nicht umgekehrt so, dass Kochsalz Operationsmaterial und Acid. nitric. Grundstoff. Denn man arbeitet mit Salz (Kochsalz), und erhält Salz, einen dem Kochsalz ähnlichen Stoff (Natr. nitr.). Also permutirt die Salpetersäure das Kochsalz, und ist damit chemisches Operationsmaterial.

In Bezug auf den Pulvis solaris haben wir

a) Den Quecksilbertheil des Präparates. Die Griechen stellten diesen, das ist das Hydr. oxyd. rubrum mittelst Salpetersäure dar (nicht mittelst Erhitzens in einem langhalsigen Kolben). Es liegt nun im Anschluss an das Natr. nitr. nahe, das Quecksilberoxyd als durch Acid. nitr. permutirtes Quecksilber aufzufassen. Damit ist denn der Grundstoff: Quecksilber, und das chemische Operationsmaterial: Acid. nitricum.

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b) Den Antimontheil des Präparates. Stibium sulphuratum nigrum kommt natürlich vor. Auf das ist also weiter nicht zu reflectiren. Sulphur aurat. wird dargestellt, indem man zu der Lösung des Schlippeschen Salzes, das ist zu der Verbindung von Stibium nigrum, Schwefel, Natron carbon., Kalk Schwefelsäure hinzugiebt. Das man hier die kleine Quantität Schwefelsäure, die man hinzugiebt, als chemisches Operationsmaterial auffasst, liegt auf der Hand. Es fragt sich blos, was soll bei der Lösung des Schlippeschen Salzes als Operationsmaterial und was als Grundstoff figuriren? Und da dient denn folgender Anhaltspunct. Man erhält Kermes, wenn man Stibium nigrum mit Natron carbon. behandelt. Die Alten waren sich aber wohl bewusst, dass sie im Kermes ein permutirtes Stibium nigrum, ein Spiesglaspräparat hätten. Also ist Natron das chemische Operationsmaterial, um aus dem Grundstoffe Stib. nigrum Kermes zu machen. Derselbe Standpunct, der in Bezug auf das Natr. carb. beun Kermes angenommen wurde, wurde auch beim Sulphur aurat. angenommen, und so rangirt denn Natron carb. auch bei diesem als chemisches Operationsmaterial. Dem Natron carb. wurde alsdann der Kalk zur Seite gestellt. Wenn aus keinem anderen Grunde, so geschah es schon dem Kalk bei der Darstellung des Liquor hepatis zu Liebe (siehe sogleich). Uebrigens kann auch der Kalk ganz fallen (vergl. die Darstellung der Arcana). In Bezug auf

die Lösung des Schlippeschen Salzes figuriren daher Stibium und Schwefel als Grundstoffe und Natron carb. und Kalk als chemisches Operationsmaterial.

Den Liquor hepatis stellten die Alten dar mittelst Destillation von Schwefel, Salmiak, Kalk. Hier liegt gar kein Grund vor, den Schwefel nicht als Operationsmaterial zu nehmen, denn das Präparat charakterisirt sich ja durch seinen Geruch als Schwefelpräparat. Und bei einem Schwefelpräparat wird doch wohl der Schwefel der Grundstoff sein. Diese Stellung des Schwefels beim Liquor hepatis ist denn auch für die Stellung des Schwefels beim Sulphur aurat. massgebend. Salmiak wird als Grundstoff genommen, einestheils, weil er ein ähnliches Salz ist, als Kochsalz, und anderentheils, weil er als Ammoniak, welches im Sinne der Alten Salmiak ist, wie Hydrothiongas Schwefel ist, aus dem Präparate hervorriecht. Wenn aber Schwefel auf Grund dessen zum Grundstoff wird, dass er aus dem Präparate hervorriecht. so muss in analoger Weise den Salmiak dasselbe Loos treffen. Soll nun, was doch eine komische Annahme wäre, nicht die Totalität der Stoffe bei Liquor hepatis Grundstoff sein, so bleibt per exclusionen nichts anderes übrig, als den Kalk als chemisches Operationsmaterial aufzufassen. Und so haben wir denn in Bezug auf die Stoffe, aus denen die Arcana dargestellt werden Chemisches Operations

Grundstoffe:

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Die Grundstoffe werden, wie wir wissen, qua Materia prima als fest aufgefasst. Nun sind 5 Grundstoffe: Eisenvitriol, Kochsalz, Antimon, Schwefel, Salmiak, fest. Das Quecksilber ist aber eigentlich nicht fest. Trotzdem fasst es Thales als fest auf, indem er sagt, das Concretum für den abstracten Begriff „flüssig" ist Wasser. Sollte somit Quecksilber flüssig sein, so müsste es dem Wass parallel gehen. Daran fehlt aber noch viel, dass das Quecksilber dem Wasser an Flüssigkeit gleich kommt, und auf Grund dessen nimmt er es als fest, womit er ihm also mehr eine Erd- Natur als eine Wasser - Natur giebt. Wir werden übrigens in der Folge dem noch öfter begegnen, dass die Alchemisten das Quecksilber als fest auffassen.

Das chemische Operationsmaterial wird, wie wir wissen, qua Elementum als flüssig aufgefasst. Nun sind zwar Salpetersäure und Schwefel-äure flüssig, Natron und Kalk aber fest. Thales fasst aber auch Natron und Kalk als flüssig, und zwar auf Grund dessen, dass er sie sich nicht trocken, sondern in Solutior, als Natron-Wasser und Kalk-Wasser denkt.

Wir haben also das arcanologische Experiment ff. Man nimmt ein Gefäss, giebt hinein: Eisenvitriol, Kochsalz, Quecksilber, Antimon, Schwefel, Salmiak (Parallele beim Wasserverwandlungs - Experiment: Erde), fügt hinzu: Salpetersäure, Schwefelsäure, Natronwasser, Kalkwasser (Parallele beim Wasserverwandlungs - Experiment: Wasser), rührt sie durcheinander (Parallele beim Wasserverwandlungs-Experiment: Und die Erde war ein Durcheinander), und nun lässt man stehen. Dann ergiebt sich als Präcipitat: die Summe der festen Arcana, Natron und Pulvis solaris (Parallele beim Wasserverwandlungs - Experiment: Land), und darüber stellt sich die Summe der flüssigen Arcana, Acid. sulphur. und Liquor hepatis (Parallele beim Wasserverwandlungs-Experiment: Meer).

Es lieben nun die Griechen, Schemas (Paradigmata) aufzustellen, in denen sich ihre alchemistischen Auffassungsweisen concentriren. Das Schema des Thales ist: Natron Acidum sulphuricum Liquor hepatis

cana:

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Pulvis solaris

II.

I. Dieses Schema constatirt vorab einmal, dass die 4 ArNatron, Pulvis solaris, Acid. sulphuric., Liquor hepatis, entgegen der eigentlichen Siebenzahl der Arcana angenommen werden, dass man, indem man diese Arcana so stellt, dass man links und rechts eine Gruppe von Arcanis hat, dass man so die Arcanen-Zwei hat, und man, indem man ein Schema hat, die Arcanen-Eins hat. Dann wird das Schema aufgefasst: 1) Aus dem Gesichtspuncte der Stoffe, aus denen die kosmologische Welt

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