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dung des Psalters ist eine glorreiche Segens- und Siegesgeschichte. Es gibt kein alttestamentliches Buch, welches sich so ganz und gar aus Herz und Mund Israels in Herz und Mund der Kirche übererbt hätte, wie dieses alttestamentliche Gesangbuch ohne Gleichen.

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Grätz' Monatsschrift (1886 p. 113) in dem Aufsatze: „Ein Wort über das jüdische Gebet" sagt: „Psalmen bilden daher noch jetzt einen bedeutenden Bestandtheil des synagogalen Gottesdienstes, indem sie die Tefilla einzuleiten und zu schliessen pflegen . Die Psalmen ragen bis in die frühesten Tage hinauf und bildeten, von den Leviten unter Begleitung von Instrumentalmusik in Chören. gesungen, einen nicht unwesentlichen Bestandtheil des Opferrituals. Die anwesende Gemeinde betheiligte sich insofern daran, als sie bei jedem Absatze, bei jeder Pause, wobei der Trompetenschall ertönte, auf die Kniee fiel." Und in demselben Aufsatze p. 120 heisst es: „Dass der christliche Gottesdienst ursprünglich dem synagogalen entlehnt und nachgebildet wurde, und der Ursprung für die Synagoge somit zugleich der Ursprung für die Kirche ist, darf als bekannt und im Gange der Geschichte als begründet vorausgesetzt werden." Diese 3 Zeugnisse könnten von unzähligen jüdischen und christlichen Forschern bestätigt werden, da aber an der Wahrheit des Einflusses der Psalmen auf die Liturgie nicht gezweifelt wird, genügen die 3 angeführten Aussprüche.

Soweit dem Schreiber dieses Versuches bekannt ist, haben 2 Benedictiner-Mönche es unternommen, von Psalm zu Psalm die Beziehungen zur katholischen Liturgie und theilweise zur Hymnologie nachzuweisen Es sind dies 1) der Benedictiner-Abt Dr. Maurus Wolter in seinem Werke: „Psallite sapienter. Psallite weise." Erklärung der Psalmen im Geiste des betrachtenden Gebetes und der Liturgie, und 2) Le R. P. Emmanuel, des Bénédictins de Notre-Dame de la Sainte Espérance, in seinem Werke: „Nouvel essai sur les psaumes étudiés au triple point de vue, de la lettre, de l'esprit et des applications liturgi

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ques." Mesniel-Saint-Loup (Aube). Chez les Pères Bénedictins. 8. Décembre 1869. Merkwürdiger Weise erschien auch Dr. M. Wolter's Arbeit Psallite sapienter" in demselben Jahre 1869 in der Herder'schen Verlagsbuchhandlung in Freiburg (Breisgau). Während aber das französische Buch alle 150 Psalmen behandelt, sind dem Schreiber dieses nur die ersten 71 Capitel der Psalmen von Dr. Wolter's Buch vor Augen gewesen. In beiden angeführten Werken spielt die Liturgie nur eine Nebenrolle, da sie an letzter Stelle angeführt wird. Wolter's Buch ist mehr im Geiste des betrachtenden Gebetes", während Emanuel den textkritischen Standpunkt in erster, den Sinn des Psalmes und dessen Beziehung auf die christliche Religion in zweiter und an dritter Stelle erst die Liturgie berücksichtigt. Deshalb ist auch nichts vollständiges erzielt worden, selbst in Bezug auf das Missale Romanum.

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§. 2.

Begriff der Liturgie.

Liturgie (atovoyía) bezeichnet ursprünglich gewisse öffentliche Dienste, welche die atheniensischen Bürger persönlich und unter Bestreitung der damit verbundenen Kosten verrichteten. Ausserordentliche Dienstleistungen, zu welchen freie Städte, civitates foederatae, namentlich zu Lieferungen gegen Entschädigung verpflichtet waren, hiessen officia oder wie Strabo 8. B. p. 365 sagt qilmai Letovoyia, namentlich gehört hieher der Verkauf von Getreide (frumentum emptum), wie er in Halesae und Centuripae in Sicilien vorkommt. Cic. accus. in Verr. 3, 73, 4, 9, 20. Römische Staatsverwaltung von J. Marquardt 12, p. 79, Anmk. 3. In der christlichen Religion bezeichnet Liturgie zunächst den Gottesdienst im weitesten Sinn.1)

Wie bei den Juden, so ist auch bei den Christen im Laufe der Jahrhunderte die Liturgie vielfach verändert und in's unendliche erweitert worden, so dass überall sich

1) Der Sinn von hɛitovoyia kann also kein anderer sein als immolatio und consecratio, wie es in den lateinischen Messen heisst. Man übersetzt tovoria auch durch officium (Mone lat und griech. essen aus dem II. bis IV. Jhdt. Fkft. a/M. 1850 p. 62),

das Bedürfniss geltend macht, eine Revision der Liturgie vorzunehmen.

Dass die Liturgie nicht ausschliesslich aus Gesängen, sondern auch aus belehrenden Theilen, deren Grundstock auch in der christlichen Kirche zunächst das Alte Testament bildete,2) bestand, darf füglich als bekannt vorausgesetzt worden. Die Liturgie besteht vorzugsweise aus den Worten der heil. Schrift als den Worten Gottes, sagt Lüft im 2. Bande seiner Liturgik (p. 204).

Es wäre somit das ganze Alte Testament zu untersuchen gewesen, um den Einfluss desselben auf die Liturgie der christlichen Völker nachzuweisen, da auch viele gesang liche Elemente den übrigen Prophetenbüchern, besonders den 5 Büchern Mosis und dem Propheten Jesaja, Habakuk, Daniel und anderen entlehnt sind. Indem wri diese Arbeit einer späteren Zeit vorbehalten, wollen wir den Psalmen und deren Beziehungen zur christlichen Liturgie unser Augenmerk zuwenden und hier ganz besonders der katholischen und vorzugsweise der römischkatholischen.

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Der apostolische Stuhl theilt die ganze Liturgie in 2 grosse Hälften, in den Ritus der orientalischen und den der lateinischen Kirche ein. Zur orientalischen Kirche gehören 4 Ritus: der Griechische, Armenische, Syrische und Koptische. Der Ritus der lateinischen Kirche umfasst den Römischen, Ambrosianischen, Mozarabischen und verschiedene besondere Ritus einiger Orden.

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Jedoch ist diese Eintheilung erst eine späte; wie weit von einer Liturgie in den ersten 3 Jahrhunderten die Rede sein kann, hat Ferdinand Probst in seinem Buche: Liturgie der 3 ersten christlichen Jahrhunderte" (Tübingen 1870) und F. J. Mone in seinem Buche: Lateinische und griechische Messen" nachgewiesen. Letzterer sagt: „In der Art und Weise, wie sich die römische Liturgie im heutigen Missale verkörpert hat, wurde sie in den ersten 3 Jahrhunderten in der ewigen Stadt nicht

2) Mone lat. und griech. Messen p. 9: Es gab also im 1. Jahrhundert nur eine Lection, die aus dem A. T. besteht.

gefeiert, das setzen wir als unbestreitbare und allgemein anerkannte Wahrheit voraus" (ibid. p. 242).

Um nun auf das Wort Liturgie zurückzukommen, so sei bemerkt, dass dieses Wort bei den Griechisch-Katholischen die Messe mit den daran sich anschliessenden Gebeten bezeichnet; in der römisch-katholischen Kirche hingegen bezeichnet das Wort Liturgie nicht nur die Messe sondern auch das Breviarium, das Rituale und Pontificale. (La liturgie, grecque d'origine, le mot désignait primitivement la Messe et les prières qui s'y récitent. Chez les Chrétiens du rite grec, il a conservé ce sens. Chez les Latins le mot a pris une extension plus grande, et il désigne non seulement la Messe, mais le Bréviaire, le Rituel et le Pontifical. Ces quatre volumes comprennent ce qu'on nomme la Liturgie romaine, en prenant le mot Liturgie dans son sens le plus étendu). (Briefliche Mittheilung des Benedictinermönches F. Emmanuel aus Mesnil St. Loup vom 12. Nov. 1885.)

Wir werden nun in unseren Nachweisen stets alle 4 Theile der Römischen Liturgie berücksichtigen und in den Anmerkungen auf die übrigen Riten der christlichen Völker unser Augenmerk richten.

§. 3.

Liturgische Gesänge.

Da die Liturgie, wie wir oben im §. 2 gezeigt, auch Belehrendes und Erbauendes enthielt, so werden wir dies ausser Acht lassen, und uns mit dem gesanglichen und dichterischen Theile der Liturgie zu befassen haben. Die Gesänge haben verschiedene Namen je nach Zeit und Umständen. Die wichtigsten wollen wir kurz erörtern.

Der Apostel Paulus unterscheidet drei Arten liturgischer Gesänge u. zw. 1) die Psalmen Davids, 2) Cantica d. h. die übrigen biblischen Gesänge (z. B. Cantica Mosis, trium. puerorum, Benedicite, Zachariae, Mariae, Simeonis) 3) und die Hymnen, aber nicht die biblischen christlichen Gesänge.

Dass unter Psalmen nur die 150 alttestamentlichen verstanden werden, muss nicht erst bemerkt werden.

Allerdings zählen die in der Septuaginta beigefügten Psalmen, also auch die Psalmen Salomonis dazu.

Viel schwieriger steht es mit der Festsetzung des Begriffes Hymne (uvos) Hymnus. Da es bis jetzt keine Geschichte der kirchlichen Hymnodik) gibt, wird diese Frage endgiltig nicht gelöst werden können. Wir wollen hier nur zeigen, wie schwankend dieser Begriff war. Dr. Johann Kayser in seinem trefflichen Buche: „Beiträge zur Geschichte und Erklärung der ältesten Kirchenhymnen, mit besonderer Rücksicht auf das römische Brevier (Paderborn 1881)" sagt (p. 9): „Die Hymnen unterscheiden sich von den Psalmen durch die Form." Seite 10 sagt er: Fixiren wir nun den Begriff des kirchlichen Hymnus, so ist derselbe zu definiren als ein geistliches Lied, welches die religiösen Gefühle in gebundener Redeform vorträgt und zu öffentlichem liturgischen Gebrauch gedichtet oder doch herangezogen wird. . ." Gugetus unterscheidet Psalmen von Hymnen dadurch, dass die Psalmen das Lob Gottes im Allgemeinen, Hymnen aber mit Rücksicht auf ein Geheimniss oder einen Heiligen verkünden.

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Hingegen sagt Walafried Strabo ausdrücklich: Unde et liber psalmorum apud Hebraeos liber hymnorum vocatur (Walafr. Strabo, de rebus ecclesiasticis, caput 25).

Herder, der feinsinnige Kenner der Hymnen urtheilt nicht eben zu zart über dieselben1) wie folgt: „Gedanken sind in den Hymnen überhaupt sparsam, manche sind nur feierliche Recitationen einer bekannten Geschichte oder sie sind bekannte Bitten und Gebete. Fast kommt der Inhalt aller in allen vor." Nicht unerwähnt dürfen wir des Clichtoveus) Ansicht über den Begriff hymnus lassen: Nomen hymnus (ut probati sentiunt autores) Graecum est vocabulum, laudem Dei significans, alicuius metri lege 3) Nicht einmal die Hymnographie de l'église grecque (Dissertation accompagnée des offices du 16 janvier etc, par le cardinal J. B. Pitra, Rome 1867) bietet Befriedigendes.

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4) Gesammelte Werke, 7. Sammlung, Theil 9.

5) Elucidatorium ecclesiasticum ad officium ecclesiae pertinentia planius exponens et quatuor libros conplectens Jodoco Clichtoveo explanatore. Basileae 1519 p. 3b in folio.

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