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27, 83; VII, 1): kaduría víxn; konieczu; hivo hivov GUVCNTEIS; húxvov ļv leonuBoiç åtteiv; vegéhoş Çaivew; Övov oud. – Simrock (1. c.) giebt von dieser Art unter den Sprichwörtern kleine Fabeln und Erzählungen, wie: „Sind auch Kleien da? fragte die Sau an der Tafel des Löwen.“ „Unserm Herrgott ist nicht zu trauen, sagte der Bauer. Da machte er Heu am Sonntag.“ „Nicht um meinetwillen, sagte der Wolf, aber ein Schaf schmeckt doch gut.“

Wenn nun nach dem Gesagten ein Unterschied im Inhalt wie in der Form auch zwischen den lehrhaften Sprichwörtern und den kunstmässigen Gnomen vorhanden ist, so kann doch eine feste Grenzlinie nicht gezogen werden, denn es hindert nichts, dass die litterarische Gnome als ehrwürdig, als praktisch, als treffend und anziehend im Ausdruck auch volkstümlich wird und dadurch zum Sprichwort. In beschränkterem Kreise werden beständig litterarische Sinnsprüche und Worte bekannter Personen als Citate zu einem freilich mehr weltbürgerlichen als volkstümlichen Gemeingut der Gebildeten und Gelehrten. G. Büchmann hat in unseren Tagen eine Sammlung von solchen Citaten unter dem Namen: „Geflügelte Worte“ (Ed. Fournier (Paris) hat ähnliches unter dem Titel: l'esprit des autres) gegeben, die zu irgend einer Zeit Eindruck auf einen grösseren Kreis, gewöhnlich von Zuhörern, gemacht haben.“ Bei uns werden dergleichen Sinnsprüche mur allmählich und nur zum Teil in die unteren Volksschichten dringen, wie umgekehrt das eigentliche Sprichwort von den Gebildeten nur ausnahmsweise citiert wird; wo aber der Unterschied zwischen Gebildeten und Ungebildeten sich in geringerem Grade ausprägte, wie bei den Griechen, wird die Gnome unmittelbar zum Sprichwort, und das Sprichwort bleibt im Gebrauch aller Volksgenossen. In Platons Dialogen z. B. finden sich Sprichwörter in grosser Zahl. Bei uns also sind Citate, wie etwa: „Die schönen Tage in Aranjuez sind nun zu Ende“ (Schiller); „ŠOGETOI muco“ (Homer); „utile dulci" (Horaz); „Vous l'avez voulu, George Dandin“ (Molière); „Something is rotten in the state of Denmark“ (Shakesp.); „Lasciate ogni speranza“ (Dante) durchaus zu Sprichwörtern der Gebildeten geworden, nicht aber des Volkes; dagegen sind volkstümlich z. B.: „Allemal derjenige, welcher“ (Angely); „Alles schon dagewesen“ (Gutzkow); „Es kann ja nicht immer so bleiben“ (Kotzebue); „Du hast es eingerührt, du musst es auch aufessen.“ (Ter. Phorm. II, 2: Tute hoc intristi; tibi omne est exedendum); „Dreimal ziehen ist so schlimm, wie einmal abbrennen.“ (Franklin: Three removes are

as bad is a fire); auch Apophthegmen, wie Hansemanns: „Bei Geldfragen hört die Gemütlichkeit auf“; Schulenburgs: „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht“; Roons: „angenehme Temperatur"; Bismarcks: ,,Eisen und Blut“ cet. - Die Gnomen, der Bibel sind natürlich in grosser Zahl als. Sprichwörter bei den Kulturvölkern in Gebrauch, wie (Spr. Sal. X, 2): yens sym; Unrecht Gut gedeihet nicht; Bien mal acquis ne profite pas; M gotten goods do not prosper. (ib. XXVI, 27): -E! 177 now 779; Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein; Celui qui creuse la fosse, y tombera: He who digs a pit for another, may soon fall himself therein. Aristoteles berührt demnach für die n 2001Mia*) mit seinen knappen Worten das Wesentliche. Er sagt (Rhet. II, 21): éviai tōv napovprāv zdi yvõuci cioiy z. B. Attixos 71 00012oç und definiert (ib. III, 11): xcì ai napovícı ustagogai απ' είδους επ' είδος εισιν' οιον άν τις ως άγαθον πεισόμενος αυτός επαγάγηται, είτα βλαβή, ως ο Καρπαθιός φησι τον λαγώ: άμφω yào conuévov nenÓVIativ. – (Der Karpathier hatte ein Hasenpaar nach seiner Insel gebracht, dessen Sprösslinge dann die Feldfrüchte abfralsen. Ar. meint also nach dem Beispiele hier die epigrammatische Art des Sprichworts, wie auch vorher.) Wie wir

*) Über die Ableitung des termims vid. Bergk (Griech. Litt. Bd. 1, 1). :363): „Wie iooo1uiov yon oğun abgeleitet den Eingang des Liedes bezeichnet, NUOO1uiu soviel als Zwischengesang. Beigesang oder Schluss vers, der die einzelne Strophe oder das ganze Lied abschliesst, daher auch soviel als Refrain: wie z. B. in mawr auch als nu.govuíu bezeichnet wird, a. 1. εφύμνιον, επίφθεγμα oder επίρρημα (Athen. XV, 696) s. Klearch bei Athen. XV, 701, obwohl der Kompilator den Gedanken seines Gewährsmannes nicht recht wiedergegeben zu haben scheint. Doch ist auch eine andere Erklärung des Wortes nupovív möglich: nooovuív konnte eine in poetischer Fassung überlieferte Erzählung (oľun) sein, die zur Vergleichung, als Beispiel mitgeteilt wurde, wie nuquivɛiv von uiros, uirkiv gebildet ist; ähnlich sagt Eurip. Iph. Aul. 1147 Tuoqda vivíyuotu, die nicht direkt auf das Ziel losgehen, sondern den Sinn nur andeuten. Irrig leiten die älteren Grammatiker vooluiu von očuoç ab, wie Hesychius und Diogenian. Wie man upapvlid sagte und mupuuvlíov, ebenso nupoluíu und noooíuiov.“ Die Lateiner hatten neben proverbium anch den terminus adagio, worüber T. Varro (L. L. VII ed. Sp. p. 318 sq.): „Apud Valerium Soranum vetus adagio est. P. Scipio quod verbum usque eo evanuit, ut Graecum pro eo positum magis sit apertum; nam idem quod nuootuíuv vocant Graeci – Adagio est littera commutata abagio, dicta ab eo quod ambit orationem, neque in aliqua una re consistit sola. Adagio dicta ut Adustum quod circum ustum est“ cet. (Später auch adagium z. B. Gell. N. A. praef. - Festus: „Adagia ad agendum apta.“ cf. Vossius, Or. Inst. P. II, p. 211 sq.)

sahen (cf. Bd. II, p. 24 sq. 26 sq.) sind die petay opai án xidovs Én kidoç die Tropen, welche später Metonymie hielsen, und auf denen die Parabel beruht (vid. l. c. p. 66 sq.); demnach giebt nach Aristoteles die nagovnía, sofern sie nicht blosse Gnome ist, eine bildliche Darstellung, deren Verständnis bei der Übertragung auf ähnliche Vorgänge, welche unter denselben allgemeineren Gedanken zusammengefasst werden können, auf Reflexion beruht. Man sieht, wie eng sich hiernach Sprichwort und Fabel berühren. (Quint. V, 11, 21: napovuíaç genus illud, quod est velut fabella brevior.) In der That hat auch die Fabel manche Sprichwörter geliefert. So bei Simrock (dtsch. Sprichw.): „Die Trauben sind sauer, sagte der Fuchs.“ (Paroem. gr. Zen. C. III, 75): „vďtetai uou try keovthv.“; (Petron. 74): „inflat se tanquam rana“: auch erfindet der Witz wohl eine Art von Fabeln, damit sie citiert werden können, wie etwa (Aus der Gegend von Hildesheim): „Et werd all' Dage slimmer, säe de Krei, as man den Galgen afbrok.“ „Nimmt nich öwel, säe de Voss, da harr 'he ne Gos bim Wickel.“ „Ek kann 'r nich vor, säe de Wulf, da draug he en Schap weg.“ Dennoch ist es nicht richtig, dass Fabeln Sprichwörter sein können, und Aristoteles hat sich geirrt, wenn er die nagovui ce für eine Trope oder für eine Parabel, also für eine ästhetische Figur erklärte, denn das Sprichwort geht aus von einem wirklichen Vorgang, die Parabel und ebenso die Fabel dagegen erdichtet den ihrigen, jenes empfängt den Anlass aus einer Erfahrung, diese schafft ihn durch Phantasie: das Sprichwort ist eben Gedanke, die Fabel beruht auf Tropus, was später noch genauer zu erörtern ist. Die von uns als Sprichwörter angeführten Fabeln sind lediglich Citate, welche den Inhalt einer Fabel als bildliches Beispiel anführen; die Fabeln aber, welche folgen, zeigen nicht Tiere, welche statt der Menschen auftreten, sondern Menschenwitz, der mit der Tiernatur scherzt. *)

Zur Begrenzung des Begriffs „Sprichwort“ wäre endlich noch zu erinnern, dass diejenigen formelhaften Redensarten Sprichwörter nicht zu nennen sind, welche keinen selbständigen Gedanken aus

*) Etwas anderes ist der Zusammenhang zwischen Sprichwort und Fabel. Auf ihn weist öfters bin Gervinus in seiner „Geschichte der Deutschen Dichtung“, als auf eine „Verbindung und Wechselbeziehung“ und bemerkt (Bd. II, p. 135): „Die Fabel ist mit dem Sprichwort so verwandt, dass man sie nur eine poetische Verkörperung desselben nennen möchte, und bekanntlich sind die Epimythien der einfachsten Fabeln von jeher nichts als einfache Sprichwörter gewesen.“

sprechen oder andeuten. Wendungen also etwa, wie: Zahn der Zeit; samt und sonders; vor den Rils treten; Haare lassen müssen; sich aus dem Staube machen; kalt wie Eis; mit Sack und Pack; extremis digitis attingere; Sãov roditizóv; 'TO??? ?????; juste milieu; food for powder; Dolce far niente sind keine Sprichwörter; dals bei dieser Ausscheidung Grenzstreitigkeiten möglich sind, ist zuzugeben, wie z. B. bei: receptui canere; premere pollicem; ad amussim; £x diquérpov; wie Schuppen von den Augen fallen; die Worte auf die Goldwage legen; den Krebsgang gehn; die Zähne weisen; 1721 1761; la grande nation; u. d. m., und die Beurteilung wird davon abhangen, ob die Wendung noch etwa wie eine Redefigur empfunden wird (worüber unten), oder ob sie nur noch einfach als Glied der Rede wirkt.

Die Bedeutung des Sprichworts ist sehr hoch anzuschlagen seine Einwirkung auf Gestaltung und Wahrung der Denkweise; auf die Kultur der Völker ist ungemein weitgreifend, und es bestimmt in stiller Leitung ebenso kräftig und vielfach die öffentliche Meinung, wie die Beurteilung privater Lebensverhältnisse, *) ja selbst die Erwägungen Hochgebildeter. Den Grund für diese Macht findet Quintilian teils in der erprobten Wahrheit des Sprichworts, teils darin, dass es als Gemeingut jedem einzelnen anzugehören scheint, der es geltend macht. Er sagt (V, 11, 41), wo er von dessen „auctoritas“ spricht, „,ea quoque, quae vulgo recepta sunt, hoc ipso, quod incertum auctorem habent, velut omnium fiunt, quale est: „ubi amici, ibi opes“, et „,conscientia mille testes“, et apud Ciceronem (Cato m. 3, 7): pares autem, ut est in vetere proverbio, cum paribus maxime congregantur: neque enim durassent haec in aeternum, nisi vera omnibus viderentur.“ Nach Demetrius (de eloc. Sp. Vol. III, p. 297) sind Sprichwörter an sich anmutig, und selbst ihre Häufung gefällt: pugeu xáqlev rtpãyu &oti napovuía, os ó Soggoy uév, 'Enricans, šin, Ó Tòv at a τέρα πνίγων, και άλλαχόθι πού φησιν, εκ του όνυχος γαρ τον Akova chọapy 1000vay vỏ xíuvov #7 +10. rào đời παροιμίας και τρισίν επαλλήλοις χρήται, ως επιπληθύωνται αυτό ai zápitaç. Da bei uns die Verwendung des Sprichworts mehr als bei den Alten den Gegensatz zwischen den litterarisch Gebildeten

*) Quintilian (IV, 5, 16 sq.) untersucht, ob eine doppelte Art der Verteidigung vor Gericht anzuwenden sei. Sichtlich leitet ihn bei seiner Ansicht das Sprichwort: iniquum petendum, ut aequum feras in Verbindung mit dem anderen: non tentanda, quae effici omnino non possint.

und dem Volke erkennen lässt, da eben deswegen auch Natürlichkeit und volkstümlicher Ausdruck bei uns dem Sprichworte vorzugsweise eigen ist, so hat man besonders gegen fremdes Wort und fremde Weisheit dessen nationale Kraft und Eigentümlichkeit betont. So liest man schon bei Schottel (Von der Teutsch. Haubt-Spr. p. 1111): „In den Sprichwörtern oder in den Sprichwörtlichen Redearten stekket der rechte schmak, rechte Kuhr und das eigene der Sprache; Dan ein Sprichwort – nimmt seine Ankunft als ein eigenes angebornes Landkind im Lande, wechset und wird gebohren den Landsleuten im Munde, und ist also ein natürlich Klang der Sprache und ein Ausspruch und Schluls dessen, was als eine Teutsche Landlehre bekant worden. Und kan man bald vernehmen, was ein rechtschaffenes Teutsch Sprichwort, oder ein Teutschgemachtes Sprichwort sey: Dann die Griechischen, Lateinischen oder Frantzösischen Sprichwörter, wan sie verteutschet, werden es keine Teutsche Sprichwörter, ihre Uhrankunft und Geburt ist Ausländisch, wiewol die Meynung als gut zu behalten und im Teutschen nützlich anzuwenden.“ – Mau muss in dieser patriotischen Auffassung nicht zu weit gehen. Wie schon die Römer viele Sprichwörter den Griechen entlehnten, so zeigt bei uns ,,Fridankes Bescheidenheit“, dass wir sehr früh Sprüche aus dem Alten und Neuen Testament, Sentenzen der Griechen und Römer als Sprichwörter aufgenommen haben. Natürlich sind viele Sprichwörter charakteristisch für die Nationen, welche sie gern gebrauchen; so passt vornehmlich dem Griechen das undèv öyar, dem Römer: Romanus sedendo vincit, dem Engländer: Thoughts are free, dem Deutschen: Ein Mann, ein Wort; Es ist Hopfen und Malz verloren; Was lange währt, wird gut u. d. m.; aber die gemeinschaftliche Quelle der modernen Kultur, das griechische und römische Altertum, und die entnationalisierende Kraft des Christentums haben, auch abgesehen von dem Verkehr der Völker unter sich, dem Sprichwort statt des ursprünglich lokalen Charakters in hohem Grade einen weltbürgerlichen gegeben. Wie sollten z. B. jene Sprichwörter nicht auch echt deutsch zu nennen sein, wie: Gehorsam ist besser, denn Opfer (1. Sam. 15, 22); Geben ist seliger, denn Nehmen (Ap. G. 20, 35); Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb (2. Kor. 9, 7); Wer Pech angreift, besudelt sich (Sirach 13, 1); Nichts Neues unter der Sonne (Pred. Sal. 1, 9); Des Guten soll man nicht zu viel thun (ib. nach 7, 17); Das Licht unter den Scheffel stellen (Matth. 5, 15); u. d. m.?

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