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die der Sprache. Die Erkenntnis erfolgt durch die Sinne, zu denen von den Dingen her Bilder (eidwła) ausströmen. (Lucret. IV, 35: rerum simulacra, Quae quasi membranae summo de corpore rerum Dereptae volitant ultro citroque per auras.) Bei wiederholten Eindrücken derselben Art (tútos) kommt es in uns zu einer (rtgólnurs) Vorstellung, und was die Sinne so geben, ist nur Wahres (łvaoyés). Verknüpfen wir dann die Vorstellungen, so irren wir leicht, und es ist so der Irrtum lediglich eine Zuthat von uns. So nun erzeugt sich auch die Sprache durch Ansammlung von Naturlauten (9 Jóyyois) je nach der verschiedenen Erregbarkeit der Völker. Später tritt dann die Konvention der Menschen hinzu und damit denn vieles Verkehrte. (Diog. Laert. X. 75. sq.) In neueren Zeiten hat namentlich Wüllner mit Gelehrsamkeit und Feingefühl versucht, die Wurzeln auf ursprüngliche Interjektionen zurückzuführen, so z. B. („Über Ursprung und Urbedeutung der sprachlichen Formen“, p. 5.) oyouai, aidów, dhaddsw, iéxw, ächzen, jauchzen cet. Von der im Lateinischen und Deutschen Stille gebietenden Interjektion st leitet er stare, otsvai, stehen, das Sanskrit: sta, atékeiv, stellen; von der Interjektion dă, beim Überreichen gesprochen, das griechische , (z. B. Od. 1, 347: xxxA00, T7, Tít oĨvo) dare, doỡvai cet. – Es versteht sich nach dem obigen, dass diese Ableitungen sich auf ein Richtiges stützen und in zahlreichen Fällen richtig sein können; da aber das Wort einen höheren, freieren Ursprung hat, als dies Lautmaterial, so ist Sicherheit der Nachweisung vom Worte aus nicht möglich, und es zeigt sich bei zu grossem Eifer im Nachweisen deutlich die Gewaltsamkeit, mit welcher ein Symbol zu einem Naturlaut gemacht werden soll. — *)

Untersuchen wir nunmehr die Weiterentwickelung des Bewusstseins, wie sie durch diese Thätigkeit der Lauterzeugung vermittelt wird. –

Wollen wir die Aussenwelt mit dem Namen Wirklichkeit bezeichnen, so ist das, was den Lauten des Schreiens, Weinens, Lachens, den weiteren Empfindungslauten als Bedeutung zu Grunde liegt, ein nicht Wirkliches, oder genauer: ein nur für den Menschen Wirkliches; nicht die Dinge treten ins Bewusstsein, sondern die Art, wie wir zu ihnen stehen, je nach den einzelnen Lebensmomenten, in denen wir zu ihnen in Beziehung treten. Das ganze und volle Wesen der Dinge wird selbst nach dieser Seite, nach welcher sie eine Einwirkung auf uns ausüben, niemals in einem Blicke von uns erfasst. Unsere Lautäusserungen warten keineswegs ab, bis unsere Wahrnehmung und Erfahrung uns zu einer vielseitigen, irgendwie respektablen Erkenntnis der Dinge verholfen hat; sie erfolgen sofort, sobald der Reiz empfunden wird, sie verzichten darauf, dem Dinge homogen zu sein, sie wollen eben nur sich genügen. Es ist dies natürlich nicht so zu verstehen, als spräche die Seele nur ihre Empfindung aus, wenn sie im Laute austönt, losgelöst von der übrigen Welt, ohne Bezug auf die Wirklichkeit – vielmehr schafft der Mensch, (und zwar wirkt dabei sein eigner Organismus als Teil dieser Wirklichkeit) seine Laute unter dem übermächtigen, tonangebenden Einfluss der Natur, und deren Färbung also zeigt sich überall. Ertönte beim Regnen ein Menschenlaut, wie etwa plu, beim Geräusch des Brechens wie frag oder brech, beim Schnüren, Würgen, wie dex oder áyx, so ist dies immer Interjektion, aber eine von der Natur der Vorgänge mitbestimmte, und wenn also auch der Laut unmittelbar ein Wirkliches nicht bedeutet, so deutet er doch auf analoge Vorgänge in einer Welt, welche nur durch die Einwirkung der Wirklichkeit zustande kommt und sie so gleichsam abspiegelt.

*) Ein natürliches Entsprechen der Sprachlaute als Symbole der Dinge in Bezug auf die Bedeutungen behauptet P. Nigidius bei Gell. N. A., X. 4: nomina verbaque non posita fortuito, sed quadam vi et ratione naturae facta esse cet. Er erörtert dies an: vos, nos; tu ego; tibi, mihi.

Dagegen tritt nun die Lautäusserung als Laut wirklich ein in die Welt; sie wird selbst ein Ding, und zwar ein solches, welches den Menschen zum Schöpfer hat und deshalb von ihm verstanden wird. Nachdem die Empfindung die Laute plu – frag – årx ausgegeben hatte, wurden diese Eigentum der Seele, welches an ihnen sich in ihrem Verhalten zu diesen bestimmten Vorgängen erkannte.

Sehen wir nun, welcher Unterschied darin liegt, ob die Seele nur durch Anschauung und Wahrnehmung die Vorgänge der Wirklichkeit sich zu eigen macht, oder dadurch, dass sie sich der Vermittelung des Lautes bedient. — Der Empfindungslaut erfolgt sofort nach dem Reiz, wie wir sagten. Der Reiz aber kommt nicht schon durch den Vorgang oder durch das Ding an sich zustande, sondern nur so weit, als die Seele diesem ihre Aufmerksamkeit zuwendet; sie empfängt demnach den Reiz nur durch das, worauf sie merkt; sie nimmt statt des Dinges selbst nur wahr dessen Merkmal, bestimmte Eigenschaften des Dinges, wodurch sie es als ein besonderes von den anderen Dingen unterscheidet. So lange nun die Seele nur wahrnimmt, ist ihre Anschauung an das einzelne Objekt gebunden, sie kennt und fasst es nur als diese einzelne sinnliche Erscheinung. Jetzt ertönt der Laut, hervorgerufen durch das Merkmal, und indem die Seele den Laut vernimmt, erkennt sie an ihm nicht mehr diesen Vorgang, dieses Ding, sondern ihre Art dies aufzufassen. – Welche Art ist dies? –

Das Merkmal des Regens, welches zu dem Laut plu veranlasst, passt nicht nur auf den wahrgenommenen Regen, sondern auf jeden, und so passt der Laut auf alles, was solches Merkmal an sich hat oder haben kann, z. B. auf viele andere Bewegungen des Wassers; der Laut bu deutet nicht bloss auf dieses Rind, sondern auf die Tiere derselben Gattung überhaupt; ein Laut ha! kann jede Art der Überraschung bezeichnen, das weh! jeden Reiz, welcher Schmerz erregt. Die Seele empfängt also an dem Laut eine neue Wahrnehmung, welche allgemeiner ist, als die ursprüngliche, vielfach bestimmbar also und dabei der Bestimmung immer bedürfend, weil sie in jedem einzelnen Falle bestimmt sein soll, der Laut Bestimmtes immer zu bedeuten hat. Die Seele erhält damit den Antrieb, erfährt den Zwang, das Ding vorstellen zu müssen nach Anleitung des Lautes und gelangt dadurch zu einer Thätigkeit höherer Art, nämlich aus einem Allgemeinen das Einzelne zu finden; sie stellt das Objekt sich auf ihre Weise hin und lernt es in dieser Form kennen; sie erhebt sich damit von der Anschauung zur Vorstellung, wodurch weiter auch für das Bewusstsein der Gegensatz des Subjekts zu der objektiven Welt sich herausbildet. –

Wie die Seele aus dem Reiz des Lautes wieder zu dem Merkmal des Dinges gelangt, ist nicht schwer zu begreifen, denn aus der Reizung dieses Merkmals ist er ja selbst entsprungen, und wir haben die Erfahrung, dass auch sonst bei uns ein Äusserliches das analoge Innerliche erregt: zornige Gebärden entflammen Zorn, Gähnen erregt die Empfindung oder Vorstellung der Langeweile und steckt deshalb an, die Haltung des Hochmütigen fordert uns heraus; man zwingt sich heitere oder traurige Mienen an und wird dann wirklich so gestimmt – zwar auch, weil man eben will, aber man wählt doch diese Mittel. –

Aber wie kommt weiter die Seele von ihrem Merkmal auf das angeschaute Ding? Sie kommt, erinnern wir, zu diesem überhaupt nicht, denn sie schaute es niemals so an, wie es ist, sie empfing es nur als ein Subjektives. Demnach objektiviert nun der Laut diese unsere subjektive Auffassung, und es beginnt damit die Errichtung jenes Lautreiches, nach dessen Gesetzen wir vorstellen, denken und dichten, nach W. v. Humboldts Ausdruck: (Verschiedenh. des menschl. Sprachb. p. 76) „die von dem Menschen nach den Eindrücken, die er von der wahren empfängt, aus sich heraus objektivirte Welt“, –

Bei der Beschränktheit unseres Organismus ist uns nur so vergönnt, die Aussenwelt zu ergreifen, dass wir auf Aneignung des unendlichen Reichtums der Individualität verzichten und das Ähnliche gruppenweise zusammenfassen sowohl im Laut wie im Bewusstsein. Die Gebärdensprache, noch auf dem Standpunkt der unmittelbaren Wahrnehmung, ist dem Rechnen mit Ziffern zu vergleichen, die Lautsprache verhält sich wie das Rechnen mit Buchstaben.

Die Beziehung dieser Lautwelt zu der wirklichen, der ja auch sie schliesslich angehört, ist deutlich; für sich hat sie keinen Bestand, aber sie führt nicht hinein in die Welt der Dinge, sondern begleitet sie gleichsam parallel. Wie auch ferner der strebende Mensch mit seinem Bewusstsein über das Wort hinaus will, das Tiefere, Ungesagte fordernd und suchend, immer nimmt ihn der Laut wieder gefangen, indem er momentan ihn befriedigt. Und so kann man hier ebensowohl sprechen von einer Entwickelung des Menschengeistes, der die Individuen in Genera verwandelt, statt des Einzelnen das Allgemeine ergreift, als man andererseits an dieser Stelle schon unsere Unfähigkeit bekennen muss, das Individuum, d. h. die Wirklichkeit zu erfassen. –

Auch die praktische Seite unseres Geistes erfährt natürlich eine Fortbildung, wenn die theoretische sich entwickelt; beide bilden sich an und durch einander. Die Aufmerksamkeit z. B., welche erst allmählich gelernt werden muss, ist schon Wille, der die Intelligenz anspannt, auf Reize zu achten. Da nun das theoretische Bewusstsein auf dem Standpunkt der Vorstellung sich dem Objekte gegenüber weiss, so entwickelt sich – worauf hier nicht weiter einzugehen ist – in praktischer Beziehung der Trieb zum Begehren.

Wenn man berücksichtigt, dass des Menschen Entwickelung hiermit nicht abgeschlossen ist, und dass dieser Umstand, dass sein Vermögen weiter reicht, auch schon die besprochene Stufe der Entwickelung zu einer anderen, höheren macht; als sie hier zunächst von uns beschrieben werden kann, so wird man im übrigen doch auch zugeben müssen, dass diejenigen Tiere, welchen mannigfaltige Stimmlaute zur Verfügung stehen, auch einen analogen Fortschritt ihrer Intelligenz aufzuweisen haben, welcher freilich in Bezug auf die Erhebung zur Vorstellung und zum Vorsatz in seinem Beginn auch schon abbricht. Man vergleiche hierüber: z. B. Max Müller,

Gerber, die Sprache als Kunst. 2. Aufl.

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Vorlesungen über die Wissenschaft der Sprache T. I. 9. Vorlesung - und Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung. Bd. II. p. 62 sq.: „Vom vernunftlosen Intellekt“, der den Tieren „bloss eine unmittelbare Erkenntnis“ zuschreibt, uns „neben dieser auch eine mittelbare“, doch aber bemerkt (unter Berufung auf Leroy, sur l'intelligence des animaux), dass „eine schwache Spur von Reflexion, von Vernunft, von Wortverständnis, von Denken, von Vorsatz, von Überlegung sich in den vorzüglichsten Individuen der obersten Tiergeschlechter allerdings bisweilen zu unserer jedesmaligen Verwunderung kundgebe“. — Den Zusammenhang solcher Entwickelung mit der Lauthervorbringung hat Schopenhauer nicht bemerkt.

Hegel (Encyklopädie, $ 451) nennt die Vorstellung „erinnerte Anschauung“, sagt, es übertrage diese „den Inhalt des Gefühls in ihren eignen Raum und ihre eigne Zeit“ und mache ihn dadurch zum „Bilde“, (Encykl. $ 452) in welchem die „unmittelbare, einzelne Anschauung“ durch „Subsumtion unter ein Allgemeines (die Vorstellung) eingereiht und so zum Eigentum der Intelligenz werde“ (1. c. $ 454). Es sei nun „dies Gebilde des Selbstanschauens noch

$ 457.) Sie äussere sich also, produziere Anschauung, mache Zeichen (8 458), werde zur Sprache, in welcher also die Empfindungen, Anschauungen, Vorstellungen ein zweites höheres, als ihr unmittelbares Dasein, erhielten, eine Existenz, die im Reiche des Vorstellens gelte" (8 459). – Es versteht sich aus dem Hegelschen Standpunkte, dass die Entwickelung, welche hier geschildert wird, darin ihre Erklärung findet (cf. z. B. $ 350), dass der Geist an sich selbst das ganze objektive Sein umfasse, so dass seine Erinnerung ihm eben nur sein Eigentum zuführe, welches er dann wieder äusserlich mache, frei behandele und zum Erweis seiner Eigentumsrechte stempele – so entstehe Sprache.

Der Ort der Sprache ist hier im allgemeinen richtig bestimmt, (siehe auch Rosenkranz, Psychologie, p. 250 sq.) die Auffassung im übrigen, nach welcher die Worte uns die Dinge gäben, sowie deren Verkettung den Zusammenhang der Welt – haben wir oben widerlegt.

Nachdem nun diese Stufe der Geistesentwickelung erreicht ist, zu welcher die Wechselwirkung von Seele und Laut den Menschen führt, tritt jene Hervorbringung von Lauten ein, welche man artikulierte Sprache zu nennen pflegt.

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