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Dr. L. WIESE,
Geh. Ober - Regierungs- und vortragendem Rath im K. Ministerium der geistl., Unterrichts- und Medic.-

Angelegenheiten.

II.

1864—1868 (1869).

Mit einer Schulkarte und 10 Abbildungen von Schulhäusern.

BERLIN.
Verlag von Wiegandt und Grieben.

W
v. 2

57718

VORREDE.

Bei der Herausgabe der ersten historisch-statistischen Darstellung des höhern Schulwesens in Preussen vor nunmehr fünf Jahren war die Absicht, damit eine Reihe periodischer Veröffentlichungen der Art zu beginnen. Die vorliegende er-scheint als zweiter Band, d. h. nicht als eine neue Bearbeitung der ersten Darstellung, sondern als eine selbständige Fortsetzung derselben: die Aufeinanderfolge der Bände wird den Fortgang der Geschichte des betreffenden Schulgebiets nachweisen. Während der erste Band auf die ganze Vergangenheit desselben zurücksehen musste, umfasst dieser nur den Zeitraum der seitdem verflossenen fünf Jahre, ohne jedoch dasjenige auszuschliessen, was aus dem laufenden Jahr noch Bemerkenswerthes hinzugefügt werden konnte. Bei diesem Zusammenhange bleibt der erste Band die Grundlage des Ganzen, auf welche deshalb schon zur Vermeidung von Wiederholungen oft Bezug genommen ist, ebenso wie auf die inzwischen herausgegebenen Verordnungen und Gesetze für die höheren Schulen in Preussen“, in denen viele Angaben dieses Buchs ihre nothwendige Ergänzung finden.

Zweierlei ist es, wodurch die gegenwärtige Darstellung ein besondres Interesse in Anspruch nehmen kann: die Vergleichung des jetzigen Standes der Schulen in den alten Provinzen mit demjenigen, welchen sie vor 5 Jahren erreicht hatten; sodann aber der Zuwachs, welchen in Folge der grossen Ereignisse des Jahres 1866 durch die Erweiterung des Staats auch das höhere Schulwesen innerhalb desselben Zeitraums erhalten hat. Die Mittheilungen über die altpreussischen Schulen sind meistentheils von dem erwähnten vergleichenden Standpunct aus gegeben, und von dem höhern Schulwesen der neupreussischen Landestheile ist nicht nur das Geschichtliche gehörigen Orts zusammengestellt, sondern es ist auch über den Fortschritt der Organisationsthätigkeit daselbst in den wichtigeren Beziehungen das Nöthige bemerkt worden.

In der Eintheilung ist im ganzen die Ordnung des ersten Bandes beibehalten worden. Die Bestimmung der K. C. 0. v. 4. Sptb. d. J. über die Aufeinanderfolge der Provinzen hat hier noch nicht zur Anwendung gebracht werden können. Der I. Abschnitt giebt einleitend eine zusammenfassende Nachricht über einige Hauptmomente der äussern und innern Weiterentwickelung des höhern Schulwesens so. wie über dasjenige, was gegenwärtig darin vorgeht und sich vorbereitet. Wie das ganze Buch eine Darstellung des Thatsächlichen zur Aufgabe hat, so ist es auch in diesem Abschnitt weder auf Kritik noch auf Apologie noch auf Polemik abgesehen; das Urtheil, welches in der einfachen Zusammen- oder Gegenüberstellung factischer Verhältnisse und verschiedener Auffassungen liegt, hat nicht verhindert werden können oder sollen; und wenn der Bericht nicht verschweigen durfte wo ein Fortschritt erkennbar ist, so enthalten seine Angaben eben so oft den Hinweis auf vorhandene Mängel und noch unerfüllte Aufgaben. Auch im Schulwesen kommt das Leben der Idee in einer Mannichfaltigkeit von Formen zur Erscheinung, die unter dem Einfluss dessen stehen, was die Zeit am tiefsten bewegt. Gehört

dazu in der Gegenwart unverkennbar das Streben nach absoluter Realisirung aller Forderungen des Rechtsstaats und die Verweisung alles Religiösen in das Gebiet der Subjectivität, so erfährt die Schule auch ihrerseits die Consequenzen davon. Bei den Mittheilungen darüber musste es als in der historischen Aufgabe des Buchs liegend angesehen werden, auch die principielle Differenz der einander dabei jetzt sich entgegenstehenden Ansichten darzulegen, wie dies z. B. in Betreff der Confessionalität der höheren Lehranstalten geschehen ist, seit drei Jahrhunderten der wichtigsten von allen Fragen über die deutsche Schule.

Zu dem Behörden-Verzeichniss in Abschn. II sind die im Laufe des Jahres 1869 eingetretenen Personalveränderungen in Abschn. XII nachgetragen.

Der IV. Abschnitt, welcher über das Schulwesen jeder Provinz und über jede Anstalt Auskunft giebt, ist der umfänglichste von allen. Bei den bereits in B. I besprochenen Schulen beziehen sich die Mittheilungen nur auf die letzten 5 Jahre, bei den neuanerkannten und bei sämmtlichen höheren Schulen der neupreussischen Landestheile sind in der Weise des ersten Bandes die wichtigsten Momente aus der ganzen bisherigen Geschichte zusammengestellt. Die geschichtlichen Nachrichten über die einzelnen Anstalten verdankt der Herausgeber zum grössten Theil den Directoren derselben; viele von ihnen sind mit grossem Interesse auf die Intention des Buchs eingegangen, haben auch Ergänzungen und Berichtigungen zu B. I, sowie Notizen über frühere Lehrer und Schüler ihrer Anstalten mitgetheilt. Die Ungleichmässigkeit dieser Schulgeschichten erklärt sich aus der verschiedenen Beschaffenheit des zu Gebot stehenden Materials, was die Redaction desselben nicht auszugleichen vermochte.

Seit dem Erscheinen des ersten Bandes hat sich die Literatur dieses Gebiets ansehnlich vermehrt durch sorgfältige und gründliche Forschungen z. B. von Dr. Arnoldt über das Gymnasium zu Gumbinnen, von Dr. Breda über das zu Bromberg, von Pror. Schwarze über das zu Frankfurt a. O., von Dr. Kraffert über das zu Liegnitz, von Dr. Schön wälder und Dr. Guttmann über das zu Brieg, von Dr. Götze über das zu Stendal, von Dr. Hölscher über das zu Herford, von Dr. Ahrens über das zu Hannover, von Dr. Sonne über das zu Verden, von Dr. Piderit über das zu Hanau, von Dr. Mommsen über das zu Frankfurt a. M. u. a. m. Und wie im ersten so geben auch im vorliegenden Bande nicht wenige Lebensgeschichten einzelner Anstalten ein belehrendes Bild von der Entwickelung des Schulwesens in Norddeutschland überhaupt. Ich zweifle nicht, dass man in dieser Beziehung die Geschichte z. B. des Andreanums zu Hildesheim, des Johanneums zu Lüneburg, des Pädagogiums zu Ilfeld u. a. mit Interesse lesen wird. Hin und wieder wo es für den Zusammenhang der Mittheilungen wichtig war, ist in den allgemeinen Vorbemerkungen der Blick auch über die höheren Schulen hinaus auf die anderen Schulen einer Stadt gerichtet worden, z. B. bei Berlin, Halle, Elberfeld, Barmen.

Für die statistischen Angaben im ganzen vierten Abschnitt musste ein Semester als Grenze festgehalten werden; es ist das Sommersemester 1868. Wichtige seitdem eingetretene und während des Drucks zur Kenntniss gekommene Veränderungen sind theils schon in den statistischen Uebersichten Absch. V–VIII, theils in den Nachträgen, Abschn. XII, berücksichtigt. Die Abiturientenzahl ist nur von den Gymnasien und Realschulen regelmässig angegeben; über die Anstalten geringern Umfangs werden im Ministerium nicht in gleicher Weise Listen geführt. Nur bei denjenigen Directoren altpreussischer Anstalten, welche im Jahre 1864 noch nicht im Amt waren, ist ihr früheres Dienstverhältniss angegeben; von den übrigen findet es sich in B. I erwähnt. Der Etat ist vollständig, so weit es möglich war, nur bei den neuen Anstalten aufgeführt; bei den schon in B. I enthaltenen sind nur die Veränderungen in den Hauptpositionen mitgetheilt. Die Pensionsverhältnisse konnten bei dem Stande, in welchem sich die Verhandlungen darüber befanden, nicht wie im ersten Bande sogleich den Etatsnotizen beigefügt werden; einige wichtigere Mittheilungen darüber haben in Abschn. VIII p. 642 ff

. eine Stelle gefunden. Unnöthig schien es, überall den Zuwachs der Bibliotheken und anderen Sammlungen

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zu registriren; es ist nur geschehen bei ausserordentlichen Fällen und bei neuen Anstalten, sowie bei solchen, die in ein neues Entwickelungstadium getreten sind; die Programme der einzelnen Anstalten enthalten über alles dergleichen Detailnachrichten. Ebenso ist hinsichtlich der bei vielen Schulen vorhandenen wohlthätigen Fonds u. dgl. m. verfahren; für erwähnenswerth wurde es aber gehalten, wenn einzelne Directoren nach dieser Seite hin sich ungewöhnlicher Erfolge ihrer Fürsorge zu erfreuen gehabt hatten. Dass überall von den Programmen diejenigen, welche sich mit der Localgeschichte, der Heimatskunde und mit der Geschichte der Schule selbst oder mit einem pädagogischen oder didaktischen Gegenstande beschäftigen, besonders hervorgehoben sind, wird sich aus der Bestimmung des Buchs erklären. Die Angabe des confessionellen Charakters war zur Vollständigkeit der Nachrichten über jede Schule nicht zu entbehren; 8. darüber die Einleitung p. 23. Zu genauerer Kenntniss davon sowie von den Patronatsverhältnissen hat in vielen Fällen auf die specielleren Notizen in B. I verwiesen werden müssen.

Die statistischen Tabellen in den Abschnitten V bis VIII enthalten reichliches Material für culturhistorische Beobachtungen: die Zahlen gewinnen Leben und Bedeutung je mehr man sie in gegenseitige Beziehung setzt, z. B. um das Verhältniss der verschiedenen Kategorien von Schulen und ihrer Frequenz zu der Gesammtbevölkerung einer Provinz und zu der Zahl der evangelischen, katholischen und jüdischen Bewohner derselben zu finden, oder das Alter kennen zu lernen, in welchem meistentheils die Universität bezogen wird, oder die Zu- und Abnahme in der Wahl des einen oder des andern Studiums zu constatiren. In letztrer Beziehung ergeben die Listen p. 586 und 587, dass das Studium der evangel. und der kathol. Theologie abgenommen, dagegen das der Jurisprudenz, der Medicin, der Philologie und Philosophie sowie der Mathematik und der Naturwissenschaften erheblich zugenommen hat.

Die Zunahme der Aspiranten des höhern Lehramts ist p. 614 ff. Dachgewiesen, die Erhöhungen des Schuletats und des Aufwands für die Schulen tiberhaupt p. 628 ff. Die Pensions- und Wittwencassen-Verhältnisse haben in Abschn. VIII bei der Ausdehnung, welche die übrigen Theile des Buchs erhalten mussten, nur summarisch behandelt werden können. Aus demselben Grunde sind die Mittheilungen in Abschn. IX und X eingeschränkter geworden als ursprünglich beabsichtigt war; die Zusammenstellung der eingeführten Schulbücher für sämmtliche Lehrgegenstände aller Schulkategorien würde einen unverhältnissmässigen Raum erfordert haben.

Der elfte Abschnitt, über Schulbauten, wird dem Interesse entsprechen, welches aller Orten für zweckmässige und der Gesundheit zuträgliche Einrichtungen der Schullocale angeregt ist. Die hinzugefügten Abbildungen von Schulhäusern, die in jüngster Zeit in verschiedenen Theilen der Monarchie errichtet sind, können Proben der Liberalität sein, womit gegenwärtig von Seiten des Staats und der Communen für das Localbedürfniss gesorgt wird.

Die Hinzufügung eines besondern für Nachträge bestimmten Abschnitts (XII) ist dadurch nöthig geworden, dass der Druck sich über den grössten Theil des Jahrs hingezogen hat. Der Abschnitt musste sich aber ebenfalls auf das Wichtigste beschränken. Verschiedenes zur Mittheilung noch Geeignete, z. B. Instructionen und Statuten, welche für höhere Schulen in den neupreuss. Landestheilen in der letzten Zeit genehmigt sind, wird in einen Nachtrag zu den Verordnungen und Gesetzen" aufgenommen werden.

Ueber den Unterricht selbst konnte die gegenwärtige Darstellung ihrer Bestimmung gemäss nur wenige Bemerkungen aufnehmen. Eine Geschichte des Lehrplang nach seinen einzelnen Disciplinen und ebenso der dabei befolgten Methoden und benutzten Lehrmittel wird einen geeigneten Gegenstand der Fortsetzungen bilden. In denselben wird auch das statistische Material erweitert werden können, z. B. durch Mortalitätsberechnungen an der Lehrer- und Schülerzahl nach Provinzen und grösseren Zeiträumen.

Für ein Register am Schluss wird hoffentlich die nachstehende Inhaltsübersicht durch ihre Ordnung und ihre speciellen Angaben ein genügender Ersatz sein.

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