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ich will dir nicht gehorsamen.“ Willig und mit Freuden sollen daher Kinder ihren Eltern gehorchen; denn der h. Kirchenvater Ambrosius sagt: die Furcht Gottes und der Gehorsam gegen die Eltern find die schönste Zierde und die größte Ehre der Jugend. Es gibt wahrlich nichts Abscheulicheres und nichts Schändlicheres als ein Kind, das gegen seine Eltern widerspenstig ist, ihre Worte nicht achtet und bloß seinem eigenen Willen folgt. Um aber ein gutes Mind, ein guter Sohn, eine gute Tochter zu ein, brauchte nichts mehr, als daß man seinen Eltern in allen Stüden unterthänig sei. Ein Kind, das feinen lieben guten Eltern gehorsam und unterthänig ist, das ist allemal ein gutes Kind, sowie hingegen ein ungehorsames Kind nie ein gutes, nie ein auf Erden gesegnetes, nie ein glückliches Kind ist, nie sein kann und nie sein wird.

Unser Heiland war auch arbeitsam. Er arbeitete in seinem Zimmerhandwerk so fleißig, daß die Leute, als er in seinem dreißigsten Jahre das erste Mal in der Synagoge zu Nazareth predigte, die Köpfe zusammensteckten und zu einander sagten: ,,Dieser ist ja der Zimmermann von unserm Ort, wir kennen ihn ja, er hat sein Lebtag nichts als gezimmert.“ Vermuthlich war unter dieser Zeit sein Nährvater Joseph gestorben, und so lag denn auch das ganze Handwerk und der ganze Brodverdienst auf unserm göttlichen Heiland.

Seht, der Sohn Gottes, der Heiland und Erlöser der Welt, arbeitete von seinem zwölften bis zu seinem dreißigsten Jahr, also achtzehn Jahre lang in einer Zimmermannswerkstatt und führte ein armes, stilles, verborgenes Leben, weil es sein himmlischer Vater so haben wollte. Kommt und lernt von unferm göttlichen Heiland, wie Jeder in seinem Stande auch bei harten und beschwerlichen Arbeiten zufrieden leben kann! Merf es dir also recht wohl, mein Christ! wenn dir deine Arbeit beschwerlich und sauer wird, wenn Tag für Tag eine Arbeit der andern gleichsam die Hand gibt, und es das Ansehen hat, daß es in deinem ganzen Leben so fortgeht: denke an deinen Heiland zu Nazareth und an seinen Schweiß! Es stund ihm auch nicht gleich alles bei der Hand; die Engel thaten nichts für ihn; er mußte immer selbst geben, holen, heben, tragen, zurichten und fertig machen. Er wurde dabei doch auc recht müde, und er hat es wohl selbst erfahren, was es heiße: sein Brod im Schweiße seines Angefichts effen.

Hat dir Gott, mein Christ! auch eine körperliche Arbeit auferlegt, so sollst du es nicht besser haben wollen, als dein Heiland. Vielmehr hast du den Trost dabei, daß du, weil du zur Handarbeit

berufen bist, in das Handwerk deines Heilandes eingeschrieben bist. Ja, unser Herr und Heiland sei also unser Beispiel und Antrieb, unsere Standesarbeiten gern zu verrichten.

Warum ist denn aber Jesus in seiner Jugend ein Zimmermann gewesen? Es ist das zwar keine unanständige Handthierung, es hätte aber denn doch manches andere Geschäft gegeben, das weniger mühsam und auch vortheilhafter gewesen wäre. Jesus ein Zimmermann! was ist doch das für eine Beschäftigung für einen Heiland, der bestimmt war, das Licht und das Heil der Welt zu sein? Soll denn der Sohn Gottes hingehen und den Leuten zu Nazareth ihre Stubenböden und Hausdächer, ihre Tische, Stühle und Bänke machen? Jesus hätte ja doch wohl selbst denken können, dieß sei zu gering und zu schlecht für ihn, er sei zu was Besserem geboren.

Jesus dachte aber nicht so. Seine Mutter und sein Nährvater wußten jegt nichts Andres für ihn, und dem Heiland war dieses Handwert selbst recht, weil es nach dem Stande seines Nährvaters das nächste und auch das natürlichste Handwerk war; er konnte dabei in der Stille und in der VerborgenHeit bleiben, biß die rechte Zeit da war, seine Herrlichkeit zu offenbaren.

Seht, meine Christen! wie Gott das Geringe, das Niedrige, in der Welt hervorzieht! Was vor den Augen der Menschen gering geachtet wird, das ist von Gott hochgeachtet. Gott fteht weit weniger auf den Stand, als auf den Menschen, der in diesem oder jenem Stand lebt. Der Stand mag lo gering und so niedrig sein, als er will, wenn nur der Mensch ehrlich und rechtschaffen ist; ein solcher macht jedem Handwerk, jedem Gewerb und jedem Stand eine Ehre. Wir sollen also keinen Menschen seines Standes wegen gering achten oder gar verachten. Amen.

frühlehre auf den zweiten Sonntag nach dem

Fest der h. drei Könige.

Warum der Ehestand für so viele ein

We bestand ist.

„Zur selben Zeit war eine Hochzeit zu Cana in Galiläa.“

Job. 2, 1.

Das Evangelium von der Hochzeit zu Cana habt ihr schon oft gehört, und gewiß haben sich die Meisten dabei gedacht: „Wie glüdlich müssen doch diese Brautleute gewesen sein, denen der liebe Herr Fesus selbst auf die Hochzeit gegangen ist! Eine solche Hochzeit und eine so glückliche Ehe möchte ich auch einmal haben; denn gewiß müssen diese glücks lichen Brautleute auch eine recht glückliche Ehe mit einander geführt haben." Ja, meine lieben christs lichen Pfarrkinder! ich zweifle nicht, daß die Ehe dieser guten Leute so glüdlich gewesen ist, wie ihre Hochzeit es war, und ich wünschte euch vom ganzen Herzen auch dieses Glück. Aber gar Viele find nicht so glücklich; ja Manche sind schon recht unglüclich in der Ehe geworden; und für Viele ist der Ehestand leibhaftig ein Webestand, wie das Sprichwort sagt. Daran ist aber nicht der liebe Gott, sondern nur der Mensch selbst Schuld, weil gar Viele nicht so in den Ehestand treten, und nicht so im Ehestand leben, wie's recht und vernünftig ist. Es ist aber sehr zu bedauern, daß fich viele Menschen aus eigner Schuld den Ehestand zum Webestand machen, und darum will ich euch heute zeigen, wie dieses geschieht, nämlich 1. Weil man oft nicht weiß und nicht überlegt,

was man thut, wenn man den Ehestand

antritt; 2. Weil man oft die Schuldigkeit des Ehestan

des nicht fennt, obwohl man schon lang verheirathet ist.

Seht, meine Christen! das ist der Inhalt und die Abtheilung meiner Frühlehr, aus welcher fich fo

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