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delsgeist, welcher die Märkte auf die Sonntage verlegt hat, die herrschende Meinung, daß der Staat keinen Sonntag habe, das Rechen und muthwillige Lärmen um die Zeit des Gottesdienstes, die Arbeiten vieler Handwerksleute den ganzen Vormittag beweisen, wie tief die Sonntagsfeier gesunken ist.

Eine dritte Pflicht der Christen ist, den Sonnund Festtag, besonders den Nachmittag und Abend desselben, still im Geiste versammelt und mit guten Werken zuzubringen. Allein der Nachmittag und Abend wird meistens den Erholungen geweiht: Renn: spiele, Scheibenschießen, Tanz und Musik, Trinken, Spielen, Poltern und Lärmen bis in die Mitternacht oder am hellen Morgen, beschäftigen die geist- und andachtlose Menge und ermüden sie weit mehr als förperliche Arbeit. Sie fündigen am Tage des Herrn mehr als die Woche hindurch, wo sie sich zur Sünde vor Arbeit nicht Zeit nehmen. Dwie viele Sonnund Festtage werden entheiligt! Die schändliche Buhlerei und der freche unverschämte Umgang beider Geschlechter macht den Tag des Herrn zu einem Sündentag, ärgert die bessern Christen und entzieht den Segen, welchen die gehörige Sonntagsfeier über uns bringen soll. Die Feiertagsentheiligung zeugt von der Verachtung oder größten Gleichgültigkeit gegen die Religion, trägt zum Verfall der guten Sitten bei, und fann von Gott nicht ungestraft bleiben.

Erfület also das Gebot Gottes und der Stirche mit Eifer und Gewissenhaftigkeit und heiliget den Sonntag durch Gebet und wahren Christensinn. Amen.

Frühlehre auf den siebenzehnten Sonntag nach

Pfingsten.

Eine göttliche Vorschrift für ungeduldige

Kreuzträger.

„liebe Sott über Alles und ben Nächsten wie dich selbst.“

Matth. 22, 37.

Was Jesus Christus für das Erste und Wichtigste gehalten hat, das soll auch uns Christen das Erste und Wichtigste sein, denn sonst haben wir kein Recht, uns Christen zu nennen. Was aber das Erste und Wichtigste für uns Christen sei, das hat uns Christus im heutigen Evangelium selbst gesagt: ,,Du soust Gott deinen Herrn lieben von deinem ganzen Herzen, von deiner ganzen Seele, und mit deinem ganzen Gemüthe. Dieß ist das erste und vornehmste Gebot."

Wenn nun die Liebe Gottes in uns herrscht, so darf man uns nicht erst das Böse verbieten oder verwehren, sondern es ist uns selbst zuwider, Etwas zu denken, zu wünschen, zu reden und zu thun, was unserm himmlischen Vater mißfallen muß. Wenn die Liebe Gottes in uns herrscht, so unterwerfen wir uns auch den göttlichen Anordnungen mit Geduld, wenn es uns auch hart und schwer ankommt.

Aber Alles, was uns hart und schwer ankommt, jedes Leiden, jede Plage, jede Widerwärtigkeit nennen wir auch ein Kreuz. Und es ist kein Mensch in der Welt, der gar Nichts zu leiden oder gar kein Kreuz hätte. Aber die meisten Menschen tragen ihr Kreuz mit Ungeduld; dadurch aber machen sie ihr Kreuz nicht geringer, sondern nur viel schwerer. Gibt es denn aber gar keine Erleichterungsmittel? O ja, ein solches finden wir in der h. Schrift, nämlich: eine göttliche Vorschrift für ungeduldige Kreuzträger, wie ich heute in einem kurzen Vortrage zeigen werde. Hört mich!

Christus der Herr hat beim Evangelisten Lukas 9, 23. gesagt: „Wer es mit mir halten will, der verläugne fich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf fich und folge mir nach." Oft wird diese göttliche Vorschrift verkündet, aber selten befolgt. Wenige beherrschen ihren Eigenwillen und vereinigen fich mit dem göttlichen Willen, der ihnen mancherlei Trübsale, Leiden und Widerwärtigkeiten zuschickt. Sie lassen sich jede Sache zu hart und zu beschwerlich fallen; sie beklagen sich immer, daß sie von Gott so hart gehalten und gedrückt werden, murren und klagen beständig gegen das Kreuz, das sie tragen sollen, und meinen, daß sie jedes andere Kreuz leichter tragen würden, nur das ihnen Auferlegte sei ihnen zu schwer.

Sagt nicht mancher Kranke, daß er lieber die größte Armuth und Noth erdulden und bei Wasser und Brod leben, als seine Lebenstage auf dem Krankenbett zubringen wollte. Mancher Arme hins gegen seufzt über seine bittere Armuth und Noth und hält sie für das schwerste Kreuz; er meint und sagt es auch, daß das Kranfsein noch lange so beschwerlich nicht sei, als Armuth und Noth, und lacht über die Klagen der Kranken, die ihre Nahrung und Medizin haben.

Aber dadurch wird kein Kreuz geringer. Die ungeduldigen Kreuzträger vergessen, daß der Heiland ausdrüdlich verlangt, Feder jou sein Kreuz, welches ihm die göttliche Vorsehung auferlegt, auf sich nehmen und mit diesem Kreuz seinem göttlichen Heiland nachfolgen; denn Derjenige, der das Kreuz auferlegt, hat auch die Kraft genau bemessen und legt Reinem mehr auf, als er tragen kann. Um euch diese Wahrheit recht deutlich und anschaulich zu machen, hört folgende Parabel.

An einer Landstraße, die jeder Reisende unausweichlich passiren mußte, war ein ungemein großes Haus, in welchem ein schon sehr alter, aber überaus freundlicher Herr wohnte. Alles in diesem Hause war mit kleinen und großen und auch mittelmäßigen Kreuzen angefüllt, und auf jedem Kreuz stand der Name eines Reisenden.

Von allen diesen Kreuzen mußte jeder Reisende eines auf sich nehmen. Denn sobald ein Reisender ankam, sprach der ehrwürdige Greis zu ihm: „Nimm dasjenige Kreuz, auf welchem du deinen Namen angeschrieben siehst; es ist genau nach deiner Kraft und Stärke bemessen." Den meisten Reisenden war aber dieser Befehl gar nicht recht; sie hielten das für sie bestimmte Kreuz für gar zu schwer, ließen es daher liegen oder stehen und wählten sich ein andres, das ihnen leichter vorfam. Der alte Herr' bedauerte aber ihren Unverstand und ihren verkehrten Willen und ließ sie fortgehen mit ihrem selbst gewählten Kreuz.

Unter den ankommenden Reisenden war auch Einer, der die verschiedenen Kreuze recht aufmerksam betrachtete, und der alte Herr sprach zu ihm: „Willst du es auch so machen wie die Uebrigen, so suche dir nach Belieben ein Kreuz aus.“ Dieser Reisende antwortete aber: ,, Nach meinem Belieben will ich mir kein Kreuz aussuchen, sondern ich bitte dich vielmehr,

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