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bestohlen und ermordet worden; fann dir denn nicht auch das Nämliche begegnen?" „Ja, das ist schon wahr, aber ich rechne darauf, daß die Räuber nicht zu mir kommen werden.“

Wie, meine Christen! ist eine solche Antwort nicht die größte Thorheit und ein wahrer Unsinn? Indessen aber können alle jene Menschen, die sich rechtfertigen wollen, wenn sie im Stande einer Tods sünde fortleben, keine andre Antwort geben. Man frage einen solchen Sünder: „Weißt du nicht, daß jeder Mensch, der in einer Todsünde stirbt, verdammt wird ?" ,,Ja, das weiß ich wohl." „ Wenn dich nun der Tod in diesem Zustand überrascht, so bist du auf ewig verloren.“ „Ja, ich gesteh es selbst.“ „Wie magst du denn aber auch nur einen einzigen Tag in diesem Zustand bleiben?“ „Ich denke mir, daß mich Der Tod nicht überraschen wird.“ „Worauf kannst du denn deine Hoffnung stüßen?“ „Ich bin ja noch jung.“ „Aber alle Tage sterben Leute von deinem Alter!" ,,Das ist schon wahr; aber ich befinde mich recht wohl." ,,Tausende von Menschen find aber schon gestorben, die sich gerade vorher noch wohl befunden haben.“ „Ja, das läßt fich nicht läugnen; aber das wäre ein besonderes Unglück, wenn der Tod gerate mich unter so vielen Menschen aufsuchen und so ganz unvermuthet wegnehmen würde.“ „Aber dieses Unglück begegnet alle Tag solchen Menschen, die eben das Recht haben wie du, den Tod nicht unversehens zu erwarten; und mehrere deiner Mitmenschen haben dieses Unglückschon erfahren.“ „fa, das ist wohl wahr, aber ich rechne darauf, daß mich der Tod in dem Zustand, in welchem ich jegt bin, nicht überraschen, und daß ich noch Zeit haben werde, mich von meinem sündhaften Zustand loszus machen.“ Wie, mein Christ! ist das nicht eine ebenso tbörichte und unsinnige Antwort wie die Antwort des Bürgers in der Parabel? Ist ein solcher Mensch nicht der größte Thor, welcher in einer Todsünde ruhig fortlebt, da doch Jesus beim Evangelisten Matthäus 24, 45. selbst sagt, daß der Tod oft ganz unvermuthet hereinbreche, wie der Dieb in der Nacht. Der Tod macht zwischen alten und jungen Leuten keinen andern Unterschied, als daß er bei den Alten schon vor der Stubenthür fißt und den Jungen heimliche Fallstricke legt. Die Alten müssen also bald sterben, und die Jungen fönnen auch bald sterben. Ein Beispiel hievon zeigt uns das heutige Evangelium an dem verstorbnen Füngling, welchen man zu Grab getragen hat.

Weinend ging seine Mutter hinter seinem Todtensarg, weil sie von ihrem guten Sohn hoffen konnte, daß er sie in ihrem Wittwenstand und in ihrem Alter unterstüßt hätte. Das ist aber auch Pflicht und Schuldigkeit der erwachsnen Kinder, daß fie fich um ihre alten fraftlosen Eltern annehmen und sie unterstügen. Der h. Kirchenvater Ambrosius macht eine gar schöne Beschreibung, mit welcher Sorgfalt die Storchen ihre alten kraftlosen Eltern zu ernähren und zu erhalten pflegen. Wenn diese zum Fliegen zu schwach werden, so tragen die Jungen selbe auf dem Rücken hin und her; sie bringen ihnen Speis und Nahrung, weil sie nicht im Stande find, diese selbst zu suchen. Und wenn den Alten die Federn ausfallen, so hören die Jungen nicht auf, ste mit ihren Flügeln zu bebeden, um ihnen die nöthige Wärme zu verschaffen. Gerechter Gott! müssen denn wir Menschen uns sogar noch von den unvernünftigen Thieren in unsern Pflichten unterrichten und beschämen lassen?! Wo sieht man denn bei uns eine solche Liebe und Sorgfalt für alte kraftlose Eltern? Ist sie nicht etwas Seltenes ? Was ist wohl lästiger und verächtlicher im Hause des Sohnes oder der Tochter, als eine alte Mutter oder eine alte Wittwe?

Eine Wittwe gleicht gar oft einem Holzapfelbaum, der nicht im Garten unter den edlen Obstbäumen gepflegt wird, sondern der draußen auf freiem Felde ganz einsam und verlassen dastehen muß. Und gleichwie der Holzapfelbaum eine saure bittre Frucht trägt, so ist oft auch der Wittwenstand mit vieler Bitterfeit verbunden. Eine arme bedrängte Wittwe hat oft nach dem Tod ihres Mannes nicht viel Gutes mehr zu erwarten, und man sagt manchmal nicht umsonst: wenn der Mann stirbt, soll man das Weib auch gleich miteinscharren. Aber Gott nimmt fich der armen und verlassnen Wittwen an. Jesus selbst erbarmte fich im heutigen Evangelium über die Wittwe zu Naim und erwedte ihren verstorbnen Sohn wieder zum Leben, damit er sie in ihrem Wittwenstand unterstügen könnte. Sogar ein Wunder hat Jesus gewirkt, damit einer Wittwe geholfen werde.

Aber alle Leute, welche dieses Wunder gesehen hatten, erstaunten darüber, lobten Gott und sagten:

Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk heimgesucht.“ Das glaub ich gern, daß sich alle Leute werden verwundert haben, als die Träger mit der Leiche still standen und der todte Jüngling fich aufrichtete und zu reden anfing. Wenn wir, meine Christen! dabei gewesen wären, wir hätten uns auch darüber verwundert. – Was aber das ganze Volk damals gethan hat, das wollen wir auch heute thun: Gott loben und preisen, daß Christus der Herr in die Welt gekommen ist, und also Gott in Menschengestalt sein Volk heimgesucht hat. Die Erinnerung an die Wunder Jesu sol unsern Glauben an ihn vermehren, unsre Hoffnung auf ihn stärken, und unsre Liebe zu ihm entzünden. Amen.

Frühlehre auf den sechzehnten Sonntag

nach Pfingsten. Wozu ist der Sonntag da, und wie foll

er gefeiert werden?

„Ist es erlaubt, am Sabath einen Kranken gesund zu machen?“

Luc. 14, 3. Jesus speiset nach dem heutigen Evangelium zu Mittag bei einem Pharisäer an einem Sabath, an welchem bei den Juden alle, selbst die geringsten Arbeiten, und recht übertrieben sogar die Heilung eines Aranken verboten war. Während der Tischzeit brachte man einen wassersüchtigen Mann, welcher in der listigen Absicht hieherbestellt war, um Jesus zur Heilung desselben zu verleiten und ihn dann als einen Uebertreter des Sabaths angeben zu können, was auch geschah. Allein Jesus, der all dieses schon im Voraus kannte, beschloß deßungeachtet, den Wasfersüchtigen zu heilen. Er fragte sie zuvor: „Ist es erlaubt, am Sabath gesund zu machen, oder nicht?“ Da sie ihm hierauf keine Antwort gaben, nahm er den Wassersüchtigen und machte ihn gesund. Jegt erbosten sie theils über das Wunder, theils über die Sabathverlegung. Er ließ ihnen aber keine Zeit zu Vorwürfen, sondern er sprach nur: „Wer aus

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