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und die gebotnen Feiertage größtentheils nur mit zeitlichen Sorgen und Geschäften zu. An diesen heiligen Tagen gehen sie dahin, dorthin, laufen dem Handel und Wandel, dem Gewinn, dem Gelde nach und versäumen darüber das Wort Gottes. An Werttagen, heißt es, haben wir nicht Zeit dazu; es muß also an Sonn- und Feiertagen geschehen. Ja, was für eine Zeit bleibt dann für eure Seele und Ses ligkeit übrig? Habt ihr also auch an diesen Tagen eine weit größere Sorge für das Zeitliche als für das Ewige?

Wenn solche Leute auch bisweilen das Wort Gottes hören, so haben sie einen geringen oder gar keinen Nußen davon; bei ihnen fällt der gute Same, wie Jesus sagt, unter die Dornen; er kann nicht Frucht bringen. Vor lauter zeitlichen Sorgen denken sie nie recht an das Ewige. Selbst die heil. Messe hören solche Leute auch an Sonn- und Festtagen vol Zerstreuung an. Mit dem Leib sind sie in der Kirche, und mit ihren Gedanken zu Haus, im Stall, auf dem Feld, im Holz, oder bei ihrem Handel und Wandel. Wer an eine Mette geschmiedet ist, der hat keine Freiheit mehr weiter zu gehen, und wer sein Herz ganz an die Welt hängt, der kann es nimmer recht zum Himmel ers heben. Niemand, sagt Jesus im heutigen Evangelium, „Niemand kann zwei Herren dienen; denn er wird entweder den Einen hassen und den Andern lieben, oder er wird dem Einen anhangen und den Andern verachten. Ihr fönnt nicht Gott und dem Mammon, d. i. den zeitlichen Gütern, zugleich dienen.

Es ist also nach dem Ausspruche Jesu nicht möglich, ein Liebhaber der Welt und zugleich ein wahrer Diener Gottes zu sein. Denn wer Gott dienen will, der soll auch an Gott denken und die Gebote Gottes vor Augen haben. Wer aber die Welt liebt, der denkt auch immer an die Welt. Er hat nichts als seinen zeitlichen Gewinn vor Augen. Wer also der Welt dient, cient Gott nicht, und wer Gott dient, dient der Welt nicht. Es ist aber das nicht so zu verstehen, als wenn man gar nicht an die Welt denken und gar keine Sorge für das Zeitliche haben sollte. Ihr würdet verhungern müssen, wenn ihr alle Sorge für das Zeitliche ablegen wolltet. Man muß auch für das Zeitliche sorgen. Nur muß die Sorge nicht gar zu groß und nicht gar zu übertrieben sein, damit man das Ewige dabei nicht vergißt.

Die zeitlichen Güter können ein Mittel werden, die ewigen zu erlangen, wenn man sie mäßig und nach der von Gott bestimmten Ordnung zu brauchen weiß. Sie gleichen einem scharfen Messer, das die Hand eines unvorsichtigen Kindes verwundet, aber dem Klugen und Behutsamen nüglich ist. Es ist also nur die gar zu große und übertriebne Sorge für das Zeitliche dem Menschen nicht nüglich.

Laßt uns also die gar zu große Sorge für das Zeitliche ablegen, weil sie Gott nicht gefällig und dem Menschen nicht nüßlich ist. Unser lieber Herrgott, der uns bisher erhalten hat, der wird uns auch ferner nicht verlassen. Er weiß ja, was wir nöthig haben. Wir wollen also alle zeitlichen Sorgen auf ihn werfen, denn Er sorgt für uns. Wir wollen desto mehr für das Ewige sorgen, und in dieser Welt die Ruhe der Seele und ein gutes Gewissen zu erhalten suchen, damit wir einst in jener Welt der ewigen Ruhe würdig werden. Amen.

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Der h. Evangelist Lucas erzählt uns im heutigen Evangelium von einem Reichenzug in der Stadt Naim. Gerade fam Jesus zum Stadtthor hin, als man den Todten heraustrug; es war ein Jüngling und der einzige Sohn einer Wittwe, die weinend hinter seinem Todtensarg ging. Als nun fesus die weinende Wittwe sah, wurde er von Mitleid gerührt und sagte zu ihr recht trostvol: „Weine nicht!" Der Heiland hat sie aber nicht nur getröstet, sondern ihr auch geholfen, und ihren verstorbnen Sohn wieder zum Leben erweđt. Viele Leute gingen mit der Leiche, und Ade, die dieses Wunder gesehen, überfiel eine Furcht; fie lobten Gott und sagten: „Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden und Gott hat sein Volk heimgesucht.“ Das ist der kurze Inhalt unsers heutigen Evangeliums; und nun, meine Christen! laßt uns eine kurze Betrachtung darüber anstellen und einige heilsame Lehrstücke für uns herausnehmen. Bört mich!

Der Jüngling im heutigen Evangelium hatte gewiß nicht daran gedacht, daß er schon so frühzeitig sterben sollte; denn ein junger Mensch in seinen schönsten Jahren, vol Gesundheit und Leben, vermuthet ja Ades eher als den Tod. Aber deßungeachtet geschah denn halt doch, was er nicht vermuthet hatte: er starb! - Nichts ist gewisser als der Tod, aber auch nichts ungewisser als der Augenblid, wann er kommt. Das ist eine Wahrheit, die schon so alt ist, wie die Welt. Jeder Mensch segt sich also einer augenscheinlichen Gefahr aus, auf ewig ohne Nettung verloren zu gehen, wenn er in dem Stand einer Todsünde fortlebt, wie uns folgende Parabel lehrt.

Eine sehr große Stadt war vol Räuber, und man hörte täglich nichts als von Diebstählen und Mordthaten reden. Jedermann war in der größten Bangigkeit und glaubte sich nicht genug sicher stellen zu können. Aber deßungeachtet war ein Bürger in der Stadt, der Tag und Nacht seine Hausthür offen ließ. Man erinnerte ihn an diese Unvorsichtigkeit, weil man glaubte, er habe die Hausthüre nur aus Vergessenheit offen gelassen. Aber man betrog fich in dieser Meinung, denn der Bürger sagte: „Ich weiß es schon, daß die Hausthür nicht verschlossen ist.“ „Aber was denkst du denn, weißt du denn nicht, daß die ganze Stadt voll Räuber ist, die alle Nacht rauben und morden?“ „Ja, das ist mir schon bekannt.“ „Wie kannst du es dann also noch wagen, dich muthwillig den Räubern preiszugeben?" „Ja, ich hoffe, daß sie nicht zu mir kommen werden." ,,So, du hoffst das, und worauf gründet sich denn deine Hoffnung ?" „Ich denke, unter den vielen Häusern wird man nicht gerade nur das meinige aussuchen.“ „Aber ein jeder Bürger, der bestohlen und ermordet wurde, hatte ja auch das Recht so zu denken wie du. Und doch sind diese und jene, die in deiner Nachbarschaft wohnten, von den Dieben

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