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treuherzig sagen, warum man nicht gar zu sehr für das Zeitliche sorgen soll. Ich sage also:

1. Die gar zu große Sorge für das Zeitliche ist Gott nicht gefällig.

2. Die gar zu große Sorge für das Beitliche ist auch dem Menschen nicht nüßlicy.

Seht hier, meine Christen! den Inhalt und die Abtheilung meiner heutigen Frühlehre, worauf ihr eure Aufmerksamkeit zu richten habt.

1.

Die gar zu große Sorge für das Zeiliche ist Gott nicht gefällig. Darum sagt Jesus im heutigen Evangelium: „Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen werdet, noch für euern Leib, was ihr anziehn werdet. Seht die Vögel des Himmels an, sie säen nicht aus und ernten nicht ein, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Betrachtet die Blumen auf dem Felde; fie arbeiten nicht, fie spinnen auch nicht, und doch sind sie schöner gekleidet als der vornehmste Herr in der Welt. Suchet nun zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, so wird euch Gott im Zeitlichen segnen." Diese Worte Jesu sagen uns deutlich genug, wie mißfällig unserm lieben Herrgott eine zu große Sorge für das Seitliche ist.

Und wie könnte eine solche Sorge Gott angeDreer, Frůhlehren. III.

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nehm sein, da sie ein offenbares Mißtrauen auf Gottes Hilfe anzeigt? Ein Mensch, der ein wahres Vertrauen auf Gott hat, der weiß ja auch, daß Gott unser Vater ist, und daß wir seine Kinder sind. Und wo ist denn ein guter Vater, der für seine Kinder nicht sorgt? Ein Mensch, der ein wahres Vertrauen auf Gott hat, theilt seine Sorgen gleichsam mit Gott und wenn er sich selbst nicht mehr helfen kann, so erwartet er mit tröstlicher Zuversicht diese Hülfe von Gott. Wer aber diese Hülfe von Gott nicht erwartet, sondern glaubt, daß Alles von seiner eignen Sorgfalt, von seinem eignen Dichten und Trachten abhange: der segt ein offenbares Mißtrauen auf Gott und verläßt sich ganz auf sich selbst.

Wenn ein solcher Mensch in seinem Unternehmen oder in seinem Handel und Wandel glüdlich gewesen ist, so meint derselbe, er habe sein Glück Niemanden zuzuschreiben als sich selbst. Er bedenkt nicht, daß ihm Gott Kräfte, Gesundheit, Gelegenheit und die übrigen Mittel dazu gegeben hat. Einem solchen Menschen geht es wie einem Kind, das einen groBen Stuhl aus eignen Kräften in die Höhe zu hes ben glaubt, weil es die helfende Hand des Vaters nicht merkt, welcher dem Kind eine Freude machen will. Einem Kind kann man auch so was verzeihen. Aber ein Mensch, der Vernunft hat, soll doch die Hand seines himmlischen Vaters merken, der ihm alle Augenblicke hilft, und er soll sich also der Sorge dieses guten Vaters mit findlichem Vertrauen überlassen.

Wenn Gott gewollt hätte, daß wir nur einzig und allein für das Zeitliche sorgen sollten, so hätte er uns gewiß keine Pflicht auferlegt, auch für das Ewige zu sorgen; denn Gott legt einem Menschen nicht mehr auf, als er tragen und leisten kann. Weil aber die unsterbliche Seele, die ewig lebt, weit mehr werth ist, als der sterbliche Leib, der im Grabe fault: so ist es ein Seiden, daß wir auch vorzugsweise für die Seele sorgen follen, und daß dem lieben Gott eine gar zu große Sorgfalt für den Leib und für das Zeitliche äußerst mißfällig sein muß.

Wir Menschen sollen ja doch allezeit denken, daß wir unsterblich und nicht für diese Erde, sondern für den Himmel bestimmt sind. Wir sollen also auch nach unsrer Bestimmung trachten, und unsre größte Sorge auf das Ewige wenden. Wer gar zu sehr für das Beitliche sorgt, der wird zulegt von Gott verlassen, und geht mitten in seinem zeitlichen Sorgen und Herumwühlen zu Grunde, wie ein Wurm, der immer im Roth herumkriecht, endlich in demselben zertreten wird. Sorgen wir also, meine Christen! zuerst für das Ewige, weil die gar zu große Sorge für das Zeitliche Gott nicht gefällig ist. Es ist aber die gar zu große Sorge für das Beitliche auch dem Menschen nicht nüßlich.

2.

Was hilft denn alle Sorge des Menschen, wenn Gott nicht will, was der Mensch will. Gesegt z. B. ein Mensch möchte dem Leib nach größer werden, als er wirklich ist. Dieser Mensch mag nun Tag und Nacht besorgt sein; er mag fich hierüber halb todt fümmern, so wird er deßwegen doch nicht größer, wenn ihn Gott nicht wachsen läßt. Darum sagt Jesus im heutigen Evangelium: „Wer aus euch kann durch seine Sorge der Länge seines Leibes eine Elle zuseßen ?" Wenn ein Kranker, der nicht gern sterben will, wegen seiner Krankheit in den größten Rummer fällt und auf das Sorgfältigste alle Mittel aufsuchen läßt, die ihn bald wieder gesund machen könnten, so wird doch all diese Sorgfalt nichts nügen. Niemand wird die rechten Mittel finden, alle Geschidlichkeit der Aerzte wird umsonst sein, wenn Gott will, daß dieser Kranke nicht mehr gesund werden, sondern sterben soll.

Wenn ein Reicher Tag und Nacht bei seinem Gelbe wacht, wenn er sich alle Mühe gibt, seinen Reichthum täglich zu vermehren, wenn er alle Vorsicht und Sorgfalt anwendet, daß sein Vermögen, sein Hab und Gut weder durch diebische Hände geraubt noch durch ein andres Unglück zerstört werde: so ist doch all diese Vorsicht und Sorgfalt nuglos, wenn Gott beschlossen hat, daß dieser Reiche arm werden und fein Vermögen, sein Hab und Gut verlieren soll. Ein Schauer, eine Feuersbrunst, eine Viehseuche und tausend andre Strafen, die auf den Wint Gottes bereit stehen, tönnen alle Sorgfalt des Reichen vereiteln und ihn auf einmal arm machen. Was hilft also die gar zu große Sorge für das Seitliche, da am Ende doch nur das geschieht, was Gott will, und nicht was wir wollen.

Die gar zu große Sorge für das Zeitliche ist dem Menschen auch deßwegen nicht nüßlich, weil fie ihn von Gott zu sehr abzieht, und sein Herz zu sehr an die Welt hängt. Denn es ist unmöglich, daß ein Mensch, der ganz in das Zeitliche vertieft und immer von zeitlichen Sorgen voll ist, zugleich auch an Gott denken und ihm mit ruhigem Herzen dienen kann.

Es find sechs Tage in der Woche, an welchen ibr, meine Christen! arbeiten und mehr für das Beitliche, mehr für euern Unterhalt besorgt fein fönnt. Aber der flebente Tag ist der Tag des Herrn, und diesen sollt ihr heiligen, d. h. mit heiligen gottseligen Gedanken und Geschäften zubringen. Aber Leute, die für das Zeitliche gar zu sehr bes forgt sind, bringen auch diesen Tag, den Sonntag,

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