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großen Herren geschieht. „Solche haben ihren Lohn schon empfangen,“ wie Jesus sagt. Die besten Wohlthaten sind die im Geheimen gespendeten, die nur das Auge Gottes fieht. Die linke Hand foll nicht wissen, was die rechte thut. Die Menschen, welche durch ihre Almosen gern bekannt werden möchten, und sich derselben rühmen, die suchen nur der Menschen Lob, nicht Gottes Lohn. Dieser wird ihnen dafür auch nicht zu Theil. Zudem ist auch das Almosen, welches so öffentlich gegeben wird, für verschämte Arme fränkend und schmerzlich. Gar häufig ist die Armuth vieler Menschen, besonders der Hausarmen, so beschaffen, daß sie derselben sich schämen, und die geheimen Wohlthaten für sie einen doppelten Werth haben. Es thut ihnen in der Seele weh, wenn die Leute erfahren, daß fie Almosen annehmen müssen. Nur die Gassenbettler nehmen das Almosen öffentlich an; den Hausarmen, welche ihre Armuth geheimhalten wollen, soll man auch im Ge. heimen wohlzuthun suchen. So will es auch unser Heiland, wenn er spricht: „Wenn du Almosen gibst, so tasse deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte gibt, auf daß dein Almosen verborgen sei, und der Vater, der ins Verborgne fieht, wird es bir öffentlich vergelten.“

Zum christlichen Almosen gehört aber auch Alugheit, d. h. wenn man jemanden eine Wohlthat er

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weist, so muß sie auch so beschaffen sein, daß fie ihm wirklich Nußen gewährt. Man muß darauf sehen, mit welcher Gabe man am besten helfen kann; denn das Almosen besteht nicht immer in Geld, gar oft hat ein andrer Liebesdienst mehr Werth. Die nämliche Arznei gehört nicht für alle Kranken. So schafft auch Almosen in Geld nicht allemal gleichen Nußen. Es gibt z. B. Arme und Bettler, welche lieber nothleiden als arbeiten. Solchen Menschen gehört kein Almosen; fie find gesund, haben gerade Glieder und körperliche Kräfte; diese sollen sich durch Arbeit ihr Brod verdienen. Wer solche Faullenzer und Müssiggänger unterstüßt, der befördert nur ihre Lüderlichkeit und handelt nicht wohlthätig, sondern verschwenderisch. Hingegen solche Arme und Nothleidende, welche durch Gebrechen und Kränklichkeit zur Arbeit unfähig sind, zu unterstüßen, ist ein gutes christliches Wert. Freilich wäre es zu wünschen, daß jede Ges meinde dergleichen Kranke oder Presthafte selbst versorgen möchte, damit sie nicht zur Schande ihrer eignen und zur Ueberlast fremder Gemeinden von Ort zu Ort, von Haus zu Haus betteln müßten. Die 1. Schrift meint, es sollten solche Anstalten ges troffen werden, daß gar kein Bettler unter uns sei. 5. Moj. 15, 4. Was einzeln nicht geschehen kann, fönnte durch milde Beiträge erhoben werden. Solche Wohlthätigkeit übten die ersten Christen in Antiochia aus. Als sie hörten, daß ihre im Judenland wohnenden Brüder von einer Theurung gedrüdt wurden, legten fte sogleich zusammen und überschickten es ihnen. Auch jeßt lastet die Theurung schwer auf unsern Armen. Es gibt viele hülflose Wittwen und Waisen. Diesen Unglüdlichen beizustehen, ist wahres Almosen; es geschehe an Geschenken, an Vorschuß, an Arbeit oder in anbrer Weise: so wird man ihr wahrer Wohlthäter sein. Es ist ja vorzugsweise eine gottgefällige Handlung, Wittwen und Waisen zu unterstüßen. An solchen Armen muß einer ganzen Gemeinde gelegen sein; denn falls für diese Kinder nicht gesorgt wird, so werden sie früher oder später ein Verderben für sie. O wie viele Gelegenheiten eröffnen sich heut zu Tag den Menschen, ihr Mitleid und ihre Freigebigkeit zu üben! Möchten doch auch so viele Hülfe spendende Reiche als nothleidende Arme sein! Aber viele gutmüthige Menschen sind 'außer Stand zu geben, und aus hartherzigen Reichen will wenig oder gar nichts heraus. Zwar scheint es auf den ersten Augenblick oft unmöglich zu helfen; wenn man aber gern gibt, so kann man hie und da ein Mittel zur Hülfe finden. Um wohlthätig zu sein, lebt ein Christ sparsamer und arbeitet mehr. So ermahnt auch der Apostel Paulus die Christen: sie sollen mit ihren Händen arbeiten und Gutes schaffen, auf daß fie den Dürftigen geben fönnen. Wohithun gehört unter die wahren vernünftigen Menschenfreuden. Und wer für diese schöne und belohnende Freude Sinn und Gefühl hat, der versagt fich manches Vergnügen, um die Kosten für Urme zu verwenden; und diese entsagende Sparsamkeit wird uns reichlichst vergolten; denn wir ges winnen dadurch das Wohlgefallen unsers Ķerrn und genießen die reinste Freude unsrer Seele, die Freude des Wohlthuns, die uns noch auf unserm Sterbelager einst erquicen und trösten wird, und schon auf Erden uns den Himmel vorempfinden läßt, welchen Fesus den Wohlthätigen als ihr ewiges Erbe verheißen hat. Amen.

frühlehre auf den zweiten Sonntag

nach Pfingsten. Freude ist uns erlaubt; wie soll sie aber

beschaffen sein?

Es bereitete ein Mann ein großes Gastmahl und lud Viele ein.“

Luc. 14, 16.

Wie mag etwa den Armen und Krüppeln zu Muth gewesen sein, als sie an der prächtigen Tafel saßen und in ihrem Hunger und Durst, welchen fie sonst kaum mit Wasser und Brod, genug stillen

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konnten, jegt mit den föstlichsten Speisen und Ges tränken sich laben durften. Ja, meine Christen! das wird eine Freude und Heiterkeit gewesen sein unter diesen armen Leuten; und es war ihnen auch gar nicht übel zu nehmen, wenn sie darüber fich freuten, daß sie in ihrem harten Leben doch auch einmal einen guten Tag erlebten. Ich nehme es auch euch nicht übel, wenn ihr unterm heutigen Evangelium etwa gedacht habt: Da möchte ich auch mit an der Tafel gesessen sein, da hätte ich's noch besser gehabt als auf unserm Kirchtag! Freuden und Vergnügen sind den Menschen schon erlaubt, wenn sie nur bescheiden und mäßig genossen werden. Leider, daß aber so wenig Maaß und Ziel, Tugend und Sittsamkeit im Vergnügen beobachtet wird! Wenn man einen Blid auf unsre Hochzeiten, Kirdyweihen und andre Volksfeste hinwirft, wie viele Ausgelassenheit und Nohheit herrscht ba, wie viele ungebührliche und schamlose Auftritte fallen da vor! Wahrhaftig! eine solche Freude kann nicht erlaubt sein!

Ich will heute, um euch den Unterschied zu zeigen, in meiner Frühlehre darstellen, wie unsere Freude beschaffen sein muß, und zwar will ich euch zeigen:

1. daß es allen Menschen erlaubt sei, eine Freude zu genießen, und

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