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selbst zuschreiben, wenn es ihm wohl geht. Ja, heißt es oft, das hat mich Mühe und Arbeit gekostet, das ist mir sauer geworden; aber durchgeseßt, zu Stande gebracht hab ich's doch: -- und von Gott wird auch nicht ein Wort gesagt! Wie undankbar und schändlich handeln also diejenigen, welche in guten Tagen so leichtsinnig und gottvergessen dahinleben, als wenn ihr Wohlsein nicht von Gott, sondern nur von ihnen allein abhinge!

Ein noch größrer Uebermuth ist es aber, wenn man sich durch die guten Tage zu allerlei Unordnungen und Ausschweifungen verleiten läßt, nämlich zur Unmäßigkeit, Schwelgerei, Verschwendung, zum Stolz, Hochmuth und zur Verachtung Andrer, die weniger haben. Wie leicht und wie oft das unter uns geschieht, gebt ihr selbst, meine Christen! deutlich zu erkennen, wenn ihr öfters sagt: dem Mens schen geht es so wohl, daß er vor lauter Uebermuth nicht weiß, was er anfangen soll. Aber wie wenig Ursache haben wir, Andre deßwegen geringer zu schäßen, weil wir uns in bessern Umständen bes finden! Wenn wir mehr haben als Andre, so sind wir ja deßwegen nicht besser und tugendhafter als fte. Wäre ein solches Prahlen und Großthun nicht eben so unvernünftig und thöricht, als wenn von zwei Bettlern einer den andern deßwegen verachten wollte, weil er eine größere Gabe als der andre

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erhalten hat? Darum sagt auch der weise Sirach in seinen Sprüchwörtern 5, 1.: „Verlaß dich nicht auf deinen Neichthum, und denke nicht, ich habe genug für mich; folge deinem Muthwillen nicht; thu nicht was dich gelüstet; und denke nicht: „Wer will mir das wehren," – denn der Herr wird dich (trafen.“

Um aber im Glück nicht übermüthig zu werden, sollen wir öfter daran denken, daß auch das größte Glück unbeständig ist. Es ist ja ein altes bekanntes Sprüchwort: das Glück ist fugelrund. Man will damit sagen, daß fich die Umstände oft sehr schnell ändern, auf Glück Unglück, auf gute Tage schlimme kommen. „Wenn es dir wohl geht, so denke daran, daß es dir auch wieder übel geben könne," sagt der weise Sirach 11, 27. So wie wir aber in guten Tagen nicht übermüthig werden sollen, To sollen wir auch in schlimmen Tagen nicht kleinmüthig werden.

Darum sollen wir uns schon zum voraus gefaßt machen, und öfters daran denken, daß unser Wohlsein durch allerlei Unfälle gestört werden könne. Bist du z. B. fo gesund, daß dir in deinem Leben noch teine Aber weh gethan hat, so stelle dir vor, daß du auch einmal krank werden kannst. Þat dich, so lang du deine Hauswirthschaft führst, noch kein Unglück getroffen, so denke öfters daran, daß der liebe Gott auch einmal Mißwachs, Hagel und Schauer, oder ein andres Unglück über deine Haushaltung schicken könne. Der Verständige sieht das Unglück vor und macht sich darauf gefaßt, sagt der weise Sirad 22, 3. Und auch die Erfahrung lehrt es, daß ein Unglück, welches man vorausgesehen und auf welches man sich gefaßtgemacht hat, allzeit weniger weh thut. In schlimmen Tagen kann uns aber das wieder trösten, daß nämlich, sowie auf gute Tage schlimme, so auch auf schlimme Tage wieder gute kommen. In der Natur wechseln Sonnenschein und Regen, im menschlichen Leben wechseln Freud und Leid, gute und schlimme Tage mit einander ab. Doch bleibt das Allerwichtigste bei diesem Wechsel, daß wir sowohl von guten als auch von schlimmen Tagen den besten Gebrauch machen.

Was die guten Tage betrifft, so werden wir den besten Gebrauch davon machen, wenn wir durch das viele Gute, das wir genießen, dankbarer und liebevoller gegen Gott werden, nach seinem Wohlgefallen leben, seinen Willen thun, sowie wir auch sein Brod essen. Wir sollen uns nicht füttern lassen, um seine Gebote zu übertreten, sondern um sie gern und mit Freuden zu halten. Da sollten wir in guten Tagen öfters zu uns sagen: „Sieh, du hast jegt gute Tage, willst du nicht auch diesem oder jenem Armen einen guten Tag bereiten? Du hast mehr als du brauchst, willst du nicht einem wahrhaft Nothleiden

den, dem es an dem Nöthigen fehlt, von dem Deinigen etwas mittheilen? Gott hat sich gegen dich sehr gütig gezeigt, willst du nicht eben darum auch gegen Andre gütig sein?

Was hingegen die schlimmen Tage betrifft, sollen wir zuerst untersuchen oder nachdenken, ob sie nicht nothwendige Folgen unsrer Unordnungen oder Fehler find. Und wenn sie das sind, so müssen wir zu uns selbst sagen, was der Prophet Jeremias im 2. Kap. 19. Vers sagt: „Es ist deine Schuld, es ist die Schuld deiner Bosheit, daß du gestrafft wirst; du mußt es also erfahren und inne werden, was es für Jammer und Herzleid bringt, den Herrn, Deinen Gott, zu verlassen und ihn nicht gefürchtet zu haben." Es muß uns daher nichts angelegner sein, als die Ursach aufzusuchen, aus welcher das Uebel entstanden ist, und diese Ursach auch zu beseitigen trachten.

Bist du z. B. durch deine Trägheit und Faulheit in Armuth und Noth gekommen, so mußt du ein fleißiger Arbeiter und ein guter Hauswirth werden. Hast du dich durch deine Ungerechtigkeiten und Falschheiten, durch zänkisches und feindseliges Betragen verhaft gemacht, so mußt du dich von nun an desto redlicher, gerechter und friedfertiger gegen Jedermann betragen. Hast du durch schändliche Ausschweifungen deine Gesundheit geschwächt und zerrüttet, so mußt du dich genau nach dem richten, was der h. Apostel Petrus 1. Br. 4, 1. schreibt: ,,Wer an seinem Leib leidet, hört auf zu fündigen." O! wenn du in schlimmen Tagen selbst besser geworden bist, dann sind die schlimmen Tage für dich Tage des Heils und des Segens gewesen.

Seht, meine Christen! so soll der Wechsel guter und schlimmer Tage für uns nüglich werden, wenn wir uns dabei redyt verhalten, wenn wir nämlich in guten Tagen nicht übermüthig und in schlimmen nicht verzagt und kleinmüthig werden. Amen.

frühlehre auf den ersten Sonntag nach

Pfingsten.

Ueber das Verhalten gegen die Armen.

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater

im Himmel barmherzig ist.“ Luc. 6, 36. In der ganzen h. Schrift wird den gläubigen Christen Liebe und Fürsorge gegen die Armen eingeprägt; ja sogar das h. Evangelium wird ein Evangelium für die Armen genannt; sowie Christus selbst spricht: ,,Den Armen wird das Evangelium gepredigt." Sowie nun die Armen in die allgemeine Liebe und

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