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Darum schreibt der h. Apostel Petrus in seinem Briefe an die Römer: „Þabt Salz in euch und Friede unter einander. Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, damit ihr wißt, wie ihr einem Jeden antworten sollt." Christen sollen freundliche bescheidne Leute sein, die nicht leicht durch unbesonnene Reden oder Handlungen Jemanden beleidigen oder betrüben. Denn gleichwie die ungesalzne Speise Edel erregt, so verursacht oft eine unbesonnene Rede oder Handlung Haß und Feindschaft. „Ein vernünftiger Mensch," sagt der weise Sirach, „schweigt zuweilen zu einer Stich- oder Schimpfrede und nimmt sie nicht gleich übel auf, weil er es für besser hält, eine kleine Unbild zu ers tragen, als durch bissige Reden Feindschaft zu stiften und den Frieden zu stören. Wer in glühende Rohlen bläst, der macht das Feuer größer; wer aber Wasser darauf schüttet, der löscht es aus.“ Einem Kranten hatte der Arzt Pillen zum Einnehmen verordnet. Statt sie aber gleich hinabzuschlucken, hat er sie getaut und sich so den Mund bitter gemacht. „Das Kauen," sagte der Arzt, „ist nichts, du mußt die Pillen hinabschlucken." Es geht uns auch oft so wie diesem Kranken. Wenn wir geschimpft und gelästert werden, kommt es uns auch recht bitter vor. Die Schimpfworte eines Schmähsüchtigen lassen sich sehr hart ungelaut hinunterschlucken; allein sie lange hin und herzutauen, ist auch nicht rathsam, sie füllen das Herz und die Sunge mit noch mehr Galle. Verschluđen, verschweigen und vergessen, ist das Beste.

Es gibt Menschen, die gern im Maßenbalg liegen, denen es ihre größte Freude ist, wenn sie was zu disputiren, zu streiten und zu zanken haben. Von folchen Leuten muß man sich aber fern halten. Es ist dieß oft das einzige Mittel, Bänkereien und Feindseligkeiten zu vermeiden. Geht also von solchen Menschen weg, wenn ihr könnt, und wenn ihr nicht weggehen könnt, so schweigt. Geht oder schweigt aus Liebe zum Frieden. Das Nachgeben und Schweis gen ist da für einen Christen keine Schande, sondern eine große Ehre. Christus der Herr selbst nennt die friedfertigen Menschen Kinder Gottes.

Ihrer Zwei famen einst in einen heftigen Wortstreit. Auf das Sureden eines friedliebenden Mans nes ging der Eine davon und ließ seinen Gegner allein fortlärmen. Hernach reute es ihn, daß er sos gleich nachgegeben, und er sagte: „Mein Gegner wird nicht das legte Mal an mich gefommen sein, wenn er sieht, daß ich ihm sein Schimpfen und Lärmen so fortgehen lasse; er wird mich für eine Ledfeige halten, die Alles annimmt.“ „Freund!" fagte der Friedenstifter zu ihm: Wenn du einen Berg hinansteigen wolltest und man rollte einen großen Stein gegen dich herab, wäre es dir wohl eine Schande, wenn du ihm auf die Seite gingest? So kann es dir auch keine Schande sein, wenn du einem zornmüthigen, zanksüchtigen Menschen ausweichst und wartest, bis fich sein Zorn gelegt hat. Muß man doch einem Stod ausweichen, wenn man fich nicht daran stoßen oder gar darüber fallen wil; um wie viel mehr soll man einem streitsüchtigen Menschen ausweichen!"

Nun wißt ihr, meine Christen! was ihr zu thun habt, wenn ihr mit Andern in Frieden leben wollt. Es steht nun bei euch, ob ihr Friede und Eintracht mit einander zu halten gesinnt seid. Der Friede ist das größte zeitliche Gut; und ein friedfertiges Leben ist gewiß das schönste und angenehmste Leben auf Erden. Was aber erst noch das Tröstlichste ist: die Friedfertigen werden auch Kinder Gottes genannt, und also auch einst bei Gott ewig glücselig sein. Amen.

Frühlehre auf den zweiten Sonntag nach Oftern.

Der Anblick des Saatfeldes erinnert uns an die Allmacht und Güte Gottes und ermahnt uns gut und christlich zu sein.

„Der Bauer wartet jeßt auf die töftliche Frucht der Erde.“

Iac. 5, 7.

Das heutige Evangelium ist ein schönes liebliches Gleichniß vom guten Hirten. Ueberhaupt find die schönsten und lieblichsten Gleichnißreden unsers Herrn aus dem Landleben hergenommen, weil dieses zu den nüglichsten und heilsamsten Betrachtungen hinführt, wie z. B. in gegenwärtiger Jahreszeit der Anblick der Saatfelder. Diese zeigen euch, meine christlichen Bauersleute:

1. Wie mächtig und gütig der liebe Gott ist; 2. wie gut und christlich ihr sein und werden sollt.

Das ist der Inhalt und die Abtheilung meiner heutigen Frühlehre, die euern leiblichen und geistlichen Nußen zur Absicht hat; darum merkt fleißig auf!

1.

Eure Felder, meine christlichen Bauersleute! sind nun mit der Hülfe Gottes angebaut; sie sind jeßt

ganz fertig; ihr könnt also weiter nichts mehr daran thun. „Der Bauer wartet iegt auf die töstliche Frucht der Erde." Ihr habt nun eure Sache gethan, das Uebrige muß alles Gott thun.

Aber das thut ihr denn doch noch, daß ihr manchmal auf das Feld hinausgeht und seht, wie Alles dasteht und euch dann recht herzlich freut, wenn es recht schön daherwächst, was ihr ausgefäet habt: Su E. im R.. thal, wo ich vorher Pfarrer war, herrscht der schöne Brauch, daß die Bauersleute von der Saatzeit bis zur Ernte alle Samstag Abend um das Kornfeld gehen und ihren ges wöhnlichen Rosenkranz beten. Es ist wahrlich ein herzerhebender Anblick, eine betende Christenschaar zu sehen, die ihren Herrn und Gott in der freien Natur, in diesem großen weiten und herrlichen Gotteshaus verehrt und anbetet.

Auch an Sonn- und Feiertagen gehen manche Bauersleute um ihre Saatfelder, die ihnen den schönsten Anlaß geben zu den nüglichsten und heilsamsten Betrachtungen. Gewiß ist für einen Bauersmann, besonders für Einen, der nicht lesen und schreiben kann, sein Saatfeld das schönste Betrachtungsbuch. Wie gut wäre es, wenn auch ihr, meine christlichen Bauersleute, an Sonn- und Feiertagen manchmal auf euer Saatfeld hinausgehen und einige gute Gedanken machen möchtet.

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