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Er war

Land am Schönsten regiert? Durch was wird eine
Haushaltung am Schönsten geführt? Durch den
Frieden. Die schönste Regierung war gewiß die
Regierung des weisen Königs Salomon, so lang er
Gott gefürchtet hat. Er war nicht nur dem Namen
nach, sondern auch in der That der friedliebendste
König. Die schönste Haushaltung traf man gewiß
im Hause des Patriarchen Abraham an.
ein solcher Liebhaber des Friedens, daß er nicht nur
unter seiner Dienerschaft, sondern auch in seiner
ganzen Nachbarschaft keinen Zanf und keinen Streit
aufkommen ließ, wie wir im 1. B. Moj. 3, 8. lesen.

Solche Liebhaber des Friedens sollt ihr auch sein, meine Christen! Ihr seid gewiß keine Freunde von Unruhen und Aufruhr, wovon jeßt die Welt so vou ist. Seid aber fein auch keine Freunde von Streit und Händeln, die sich im Hause, in der Nachbarschaft oder in der Gemeinde erheben möchten. So schön der Friede ist, so ist es doch gar nicht schön, und bringt auch wenig Ehre, wenn ihr streitsüchtig seid und gern zankt. Wer nachgibt, ist immer auch ein Mann, und nur der Gescheidtere läßt fich berichten und gibt gern nach. „Befleißt euch des Friedens mit Jedermann,“ schreibt der h. Apostel Paulus in seinem Briefe an die Hebräer 12, 14. Dabei müßt ihr aber, meine Christen! nicht glauben, ihr hättet einen Schaden, wenn ihr aus Liebe zum Frieden

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nachgiebig seid; ihr gewinnt vielmehr dadurch; denn der Friede ist nicht nur sehr schön, wie ihr gehört habt, sondern auch sehr nüßlich, wie ihrjegthören sollt.

2.

Im heutigen Evangelium wünschte Christus der þerr seinen Jüngern den Frieden. Hätte er ihnen denn nichts Besseres wünschen können als den Fries den? Warum versprach er ihnen denn nicht Sicherbeit vor den Nachstellungen der Juden? Warum versprach er ihnen denn nicht einen glüdlichen Fortgang in der Ausbreitung des Christenthums? Warum versprach er ihnen denn nicht zeitliche Güter? Warum versprach er ihnen denn nur den Frieden? Darum, weil der Friede das größte und unschäßbarste Gut für den Menschen, und weil der Mensch ohne Frieden bei all seinem Ueberfluß dennoch armselig und elend ist.

Ohne Frieden gibt es fürwahr gar keine Glüdtseligkeit auf der Welt. Der Friede ist bei den zeitlichen Gütern eben das, was bei unsern Speisen das Salz ist. Gleichwie die besten Speisen ohne Salz nicht wohl schmecken: so erfreuen auch die herrlichsten Güter nicht ohne Frieden. „Es ist besser ein trodner Bissen Brod im Frieden, als eine reiche Mahlzeit mit Zank," sagt der weise Sirach 17, 1. Dreer, Frühlebren. III.

12

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Der Friede bewahrt unsere Gesundheit. Der Unfriede entsteht aus Neid und Born. Darum heißt es nicht umsonst im Buch Job. 5, 21.: ,,Den Thos ren bringt sein Zorn und den Einfältigen der Neid um's Leben.“ Man sieht es uns schon im Gesicht an, wenn wir aus Born oder Neid mit einander Händel haben; der Verdruß nagt an unsern Eingeweiden; wir haben keinen ruhigen Schlaf; Speis und Trank schmecken uns nicht mehr so gut wie sonst; das Blut in den Adern wallt auf vor Hiße; und wir sind nie recht gesund, so lang wir in Zant und Haber leben; ja wir fürzen uns das Leben selbst ab, wenn wir nicht bald Frieden machen mit unsern Gegnern. Denn der Friede ist die beste Arznei, um gesund zu bleiben und lang zu leben. Darum sagt auch Jesus bei Matth. 5, 4.: „Selig sind die Sanftmüthigen; denn sie werden das Erdreich bes figen.“ Für uns taugt also nichts so wohl als der Friede; denn der Unfriede verzehrt Leib und Leben.

Es gibt für den Menschen gar kein größeres Gut als den lieben Frieden. Dieß wußte der Heiland nur zu gut; darum sagte er auch zu seinen Aposteln: „Wo ihr in ein Haus kommt, da sprecht zuerst: Friede diesem Hause." Darum fingen auch die Apostel ihre meisten Briefe mit den Worten an: ,,Der Friede sei mit euch!" Darum muß auch ein Geistlicher, der einen Kranken zu versehen hat, auf Befehl der Kirche beim Eintritt in das Haus sagen: „Friede sei diesem þause und Aden, die darin wohnen." Und wenn Jemand stirbt, so sagt man gleich: „Er ruhe im Frieden!" Indessen gibt es Niemand, der nicht gern mit friedsamen Leuten zu thun hat; allein die wenigsten Menschen wollen die Mittel anwenden, um mit andern Menschen friedsam zu leben. Was muß man denn aber thun, werdet ihr denken, um mit andern Leuten friedsam leben zu önnen? Auch dieses will ich euch jeßt noch sagen.

3.

So wahr es ist, daß viele Menschen recht gern mit Aden in Ruhe und im Friedeu leben wollten, wenn man sie nur in Ruhe und im Frieden ließe: so kann man es doch auch nicht läugnen, daß die meisten Menschen selbst baran schuld find, wenn sie mit ihrem Nächsten nicht immer einig und im Frieden leben können. Was hat man denn also zu thun, oder vielmehr vorzüglich zu meiden, um mit Nies manden in Streit und Unfriede zu gerathen?

Ein Mensch muß dem andern nachgeben oder auss weichen, gemäß dem bekannten Sprüchworte: zwei harte Mühlsteine mahlen selten gut. Gleichwie zwei Fuhrleute, die sich auf der Straße begegnen, einander ausweichen müssen, wenn sie gut für einander auskommen wollen: so muß auch ein Mensch dem andern ausweichen, d. i. gute, bescheidne Worte geben, gemäß dem Sprüchwort: „Ein gutes Wort findet ein gutes Drt,“ oder gemäß dem Ausspruch des weisen Sirach 15, 1.: ,,Eine gelinde Rede stiüt den Zorn.“

Manche Menschen sind ziemlich friedfertig, so lang ihnen Niemand was zuwider thut; kommt ihnen aber Femand zu nahe, so find sie wie das Schießpulver, das ein kleiner Funke entzündet, und das mit ges waltigem Geprassel auffährt. Darum muß man auch Friede halten mit seinem Mund und mit seiner Zunge, und sich vor solchen Reden hüten, die Andere beleidigen. Denn wer redet, was er will, der muß oft hören, was er nicht will; und da gibt es dann einen Wortkrieg und große Erbitterung, besonders wenn Reiner dem Andern nachgeben und ein Jeder das legte Wort haben will.

Da fehlt es also an der Nachgiebigkeit und am Stillschweigen. Das Neden hat seine Zeit und das Schweigen hat auch seine Zeit. Es gehören ihrer Zwei dazu, wenn man zanken will. Der, welcher anfangt, hat allemal Unrecht. Allein der, welcher eine ungeschikte oder eine bissige Antwort darauf gibt, hat doppelt gefehlt. Denn hätte er geschwiegen oder ein freundliches bescheidenes Wort dazu gesagt, so hätte er den ganzen Bank vermeiden können,

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