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auch der große Gewinn der Menschen, daß, wenn sie nach den Gütern des Himmels trachten, er ihnen Verdienst und Arbeit verschafft, den aus denselben hervorgehenden Gewinn segnend vermehrt, und ihnen am Ende die Güter des Himmels ertheilt, nach wela chen wir vor allem trachten sollen! Amen.

frühlehre auf den fünften Sonntag in

der faften.

Wir sollen nicht lästern, wie die fuden,

sondern sanftmüthig sein, wie s esu 8.

„Die Juden antworteten: haben wir nicht Recht, wenn wir sagen, daß du ein Samariter bist, und den Teufel hast ?" Joh. 8, 48.

Der heutige Sonntag heißt der Paffion- oder Leidensonntag und ist von der katholischen Kirche dazu angeordnet, um uns auf die fünftige Charwoche vorzubereiten. Zum Andenken, daß fich Jes sus vor den Juden, die ihn steinigen wollten, vers borgen hatte, läßt die katholische Kirche heute bis zum Charfreitag alle Crucifixe auf den Altären mit blauer Leinwand verhüllen.

Das heutige Evangelium erzählt uns von den Schimpfreden und Lästerungen, welche die fuden gegen unsern gerrn ausstießen und von der bewuns derungswürdigen Sanftmuth, mit welcher Jesus seine Feinde widerlegte. Beides wollen wir nun heute in Kürze mit einander betrachten. Merkt also fleißig auf!

Der göttliche Beiland stellte im heutigen Evans gelium an die Schriftgelehrten und Pharisäer die Frage: „Wer aus euch kann mich einer Sünde bes schuldigen?" Dann sagte er ihnen, daß sie keine wahren Gottesverehrer seien, weil sie fich seiner göttlichen Lehre so hartnädig widersegten. Darüber wurden sie aber so erbittert, daß sie ihm eine breifache Beschimpfung anthaten. Erstens nannten sie ihn einen Samariter, D. i. einen Reger oder verstod ten Irrgläubigen. Zweitens beschuldigten sie ihn, daß er vom Teufel besessen sei. Und drittens strebs ten sie ihm nach dem Leben, indem sie Steine aufhoben, um ihn zu steinigen.

Sind nun diese Juden, welche unsern Herrn beschimpften und beleidigten, nicht ein lebhafte Bild jener Christen, welche Jesum durch Sacramentiren beschimpfen und beleidigen? Das Sacramentiren ist auch hier eine herrschende Gewohnheit, aber wahrhaft eine recht abscheuliche Gewohnheit und zwar Erstens wegen der großen Unehre, welche man dadurch Christo dem Herrn anthut, weil er der Urs heber, der Stifter aller heiligen Sacramente ist. Das Wort Sacrament ist ein lateinisches Wort und heißt auf Deutsch ein göttliches Geheimniß. Muß man aber die göttlichen Geheimnisse nicht in Ehren halten? Sind die heiligen Sacramente als göttliche Geheimnisse nicht eben so ehrwürdig wie der Name Gottes? Das zweite Gebot Gottes heißt aber: du fodst den Namen Gottes nicht eitel nennen, Wer also die heiligen Sacramente eitel nennt, begeht auch eine Sünde wider das zweite Gebot Gottes, und beleidigt Gott um so mehr, je stärker er fich das Sacramentiren angewöhnt hat. Die heiligen Sacramente haben durch die Einsegung Jesu Christi die Kraft in fich, dem Menschen die Gnade Gottes mitzutheilen. Der Mißbrauch, die Verachtung der heiligen Sacramente ist also eine wahre Verunehrung der Gnade Gottes, und daher ist das Sas cramentiren eine recht abscheuliche Gewohnheit.

Zweitens ist aber das Sacramentiren auch eine abscheuliche Gewohnheit wegen des groben Undanks für die Gutthaten, die uns Christus der Herr in dem heiligen Sacrament erweist. Sind denn diese nicht zu unsrer Heiligung und als Mittel zu unsrer Seligkeit eingesegt? Was soll man denn also von solchen Leuten denken, die so gern aus Born

und Unwillen sacramentiren? Entweder glauben fie an unsere sieben heiligen Sacramente, oder sie glauben nicht daran. Glauben sie nicht daran, so find fie unglüdlich genug; denn ihr Unglaube schließt sie aus von der katholischen Kirche und von der Gemeinschaft der Heiligen. Glauben sie aber daran, wie tann es ihnen denn einfallen, die heiligen Sacramente, diese Brunnenquellen der göttlichen Gnaden durch Schelten und Fluchen zu mißbrauchen? Wie können fich denn solche Menschen denken, die heiligen Sacramente am End ihres Lebens mit Nußen zu empfangen, da sie dieselben in ihrem Leben immer vers unehrt haben? Hört doch auf, meine Christen! hört doch auf zu sacramentiren, oder hört auf zu sagen: „Hochgelobt und gebenedeit sei das allerheiligste Sacrament des Altars von nun an bis in Ewigkeit." Wenn wir also unsrem göttlichen Erlöser eine Ehre erweisen wollen, so laßt uns heute den festen Vorsaß fassen und gleichsam einen Eid ablegen, daß wir nie mehr sacramentiren, sondern uns alle Mühe geben wollen, diese abscheuliche Gewohnheit in allen Häusern unsrer Pfarrei gänzlich auszutilgen.

Jesus wurde im heutigen Evangelium über die Beschimpfungen und Lästerungen seiner Feinde nicht erbittert; er schimpfte nicht wieder, er dachte nicht auf Rache, sondern bewies mit einer bewunderungswürdigen Sanftmuth, daß man ihm Unrecht thue, wie ihr, meine Christen! aus dem heutigen Evangelium gehört habt. Aber wie unendlich weit entfernt von dieser Sanftmuth find jene rohen, zántischen, stolzen, jähzornigen, einbilderischen, stürmtschen und boshaften Menschen, deren es auch unter un so Biele gibt? Wir wollen das Betragen dieser Menschen etwas näher betrachten, dann wird es fich zeigen, was für eine schöne Tugend die Sanftmuth sei. Es gibt unter uns

1. rohe Menschen, und ihr rohes Wesen besteht darin: sie sind in ihrem ganzen Betragen und besonders im Umgang mit andern Menschen durchaus hart, steif und unfreundlich; fie fahren Jeden, der mit ihnen reden will, mit den rauhesten Worten an und sagen Einem mit faltem Blut und mit aller Gleichgültigkeit nichts als Grobheiten ins Gesicht. Sie gehen mit Ausübung ihres Rechts immer den rauhesten Weg, und nehmen sich nie Zeit zu überlegen, ob sie keine gelindern Mittel anwenden könnten, um ihre Absicht zu erreichen. Es gibt unter uns

2. zänkische Menschen, und ihr zänkisches Wesen besteht darin: fie haben den Geist des Widerspruchs und wollen überall Recht haben. . Sobald man in ihrer Gegenwart etwas erzählt oder behauptet, fo erzählen und behaupten sie das Gegentheil, und wenn man ihnen nicht nachgibt, so nehmen fie es mit einem Jeden auf und fangen mit ihm einen

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