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gessen hatte. Denn als ihn Gott deßwegen zur Rede stellte und ihm seinen Ungehorsam vorwarf, da schob er die Schuld sogleich auf die Eva, und sagte: „Þerr! das Weib, das du mir gegeben hast, reichte mir die verbotene Frucht und reizte mich an, daß ich davon gegessen habe und dir ungehorsam geworden bin. Rege mir also keine Schuld bei, denn nur das Weib ist Schuld daran, daß ich dein Gebot übertreten habe.“ Hat aber Gott wohl diese Entschuldigung des Adam angenommen? Ist deßwegen die angedrohte göttliche Strafe ausgeblieben? Nein! fondern Gott sprach zu Adam: „Weil du der Stimme deines Weibes mehr als meinem Gebot gehorcht hast, so sei um deinetwillen die Erde verflucht, die du bearbeiten mußt. Im Schweiß deines Angesichts sollst du dein Brod essen; du bist Staub, und wirst wieder zu Staub werden.“

So bestrafte Gott den Ungehorsam unsers ersten Stammraters. So wenig ließ Gott sich dadurch besänftigen, daß Adam die Schuld seines Ungehorsams seinem Weib, der Eva, zuschrieb; weil er ihrer Anreizung hätte widerstehen können und sollen, und weil er den ausdrüdlichen Befehl Gottes gewußt hat. Wird nun vielleicht Gott unsere Entschuldigung annehmen, wenn wir uns damit zu helfen suchen, daß wir sagen: „Ich hätte diese oder jene Sünde gewiß nie begangen, wenn mich nicht böse Leute dazu verführt hätten? Ich bin unschuldig, mir wäre ein folches Laster nie eingefallen: aber sie ließen mir so lang keine Ruhe, bis ich endlich nicht mehr widerstehen konnte. Sie mögen es also verantworten."

Aber warum widerstehen wir denn solchen Leuten in andern Dingen? Wenn z. B. Jemand zu uns sagte: „Spring ins Wasser! Schneid' dir ein paar Finger ab! Schent mir deine besten Kleider!" Nicht wahr! wir thäten es nicht. Wir würden ihnen gewaltig widerstehen. Und warum gehorchen wir ihnen denn, wenn sie uns zur Sünde anreizen, die uns ewig unglücklich machen kann? Gott hat uns darum zu vernünftigen Menschen gemacht, um das Gute und Böse zu erkennen, und er hat uns darum die Freiheit des Willens gegeben, um das Eine oder das Andre zu thun oder zu lassen. Würde uns Gott wohl belohnen können, wenn wir deßwegen feine Sünde begingen, weil wir keine begeben fönnen? Gleichwie wir das Gute, das wir thun, nies mand Anderm als uns selbst zuschreiben, so ist es aud unsre eigne Schuld, wenn wir uns von Andern zum Bösen verleiten lassen, weil wir ihren Anreis zungen widerstehen können und sollen. Es ist aber auch ein grober Frrthum und ein großer Fehler, die Schuld seiner Sünden auf den Teufel zu schieben, was auch oft geschieht, wie ich noch zeigen wil.

2. Der Teufel war zuvor ein Engel und genoß die Himmlischen Freuden; weil er aber hochmüthig geworden ist, so wurde er zur Strafe aus dem Himmel verstoßen. Er weiß also, was es um den Himmel ist, und weil er diesen verloren hat, so wil er auch nicht, daß ein Andrer hineinkomme. Hätte er die Macht, uns mit Gewalt den Himmel zu nehmen, so würde er es ganz gewiß nicht unterlassen. Gott hat ihm aber keine andre Gewalt gelassen, als nur zu versuchen, aber Niemanden zu zwingen; und es steht allzeit noch bei uns, ob wir einwilligen oder nicht.

Man fann den Teufel mit einem Rettenhund vergleichen, der zwar bellen, aber nicht beißen kann, außer es geht Einer freiwillig hinzu. Lehrt euch dieß nicht die Erfahrung selbst; tönnt ihr es mit Wahrheit sagen, daß ihr jemals zur Sünde gezwuns gen worden seid? Die Versuchung, die Gewohnheit mag so start sein als sie will, so wird sie doch Niemanden zur Sünde zwingen. Der Teufel malt es einem Rachgierigen nur so vor, daß er nicht verzeiben könne, oder einem Unzüchtigen, daß er die Sünde und die Gelegenheit zur Sünde nicht mehr lassen fönne. In der That aber ist es nicht so. So viele Tausende haben diese Versuchung überwunden, warum sollst du es nicht können?

Unterdessen muß doch immer der Teufel die Sduld haben. Da hört man oft sagen: „Der Teufel hat mich verblendet; der Teufel hat mich in dieses Haus geführt; der Teufel macht die bösen Händel in der Ehe; der Teufel führt den Spieler zum Spieltisch, daß er verspiele.“ Mit einem Wort: der Teufel thut ades und er ist gar oft unschuldig. Der Mensch ist gar oft sein eigner Teufel. Zwingt dich denn Jemand, daß du selbst der Geles genheit zur Sünde nachlaufst und sie suchst? Klagt also nur euch selbst, eure böse Reidenschaft an, wenn ihr fündigt. Der Teufel hat von Gott keine größere Gewalt, als nur, euch zu versuchen; aber ihr könnt die Versuchung überwinden.

Es gibt allerdings Versuchungen, die schwer zu überwinden sind. Einem Sünder, der einmal an eine Sünde gewöhnt ist, dem ist's, als ziehe man ihn mit den Haaren dazu. Aber das kommt nur von seiner eignen Schuld. Je länger und je öfter man eine Sünde begeht, desto geneigter wird man dazu, so daß sie zulegt gleichsam zur Natur wird. Allein die Versuchung mag noch so groß sein, man kann sie dennoch überwinden.

An dem Blinden im heutigen Evangelium haben wir das Bild jener Sünder, welche das Elend, das Unglüd, die Gefahr und den Schaden ihrer Seele nicht einsehen, und also völlig zu Grunde gehen.

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Verliere aber du den Muth nicht! Thu nur das Deinige, denn du mußt einstens von deiner Haushaltung Rechenschaft geben. Dadurch wirst du bes währt, und wirst du bewährt gefunden, so wirst du auch belohnt. Nur durch Reiden verdienen wir uns die himmlischen Freuden, und die Leiden dieser Zeit find besser als die leiden der Ewigkeit. Amen.

frühlehre auf den erften Sonntag in der

faften. Wie man den alten Menschen ausziehen

müsse.

., A18 er vierzig Tage und Nächte gefastet hatte, fing es ihn zu hungeru an."

Matth. 4, 2. Wir lesen im heutigen Evangelium, daß Jesus vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet habe; sobald aber diese vorbei waren, fing ihn zu hungern an, und er zeigte dadurch, daß er nicht nur Gott, sondern auch wahrer Mensch gewesen sei. Aber es hungerte ihn nicht so fast nach einer leiblichen Speise als vielmehr nach unserm Seelenheil; deßwegen fing er sein göttliches Lehramt mit den Worten an: ,Thut Buße!"

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