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von unverständigen thörichten Menschen, die es gar
nicht wissen und verstehen, wie nüßlich und noth-
wendig der Bauernstand ist. Denn wer diesen Stand
an und für sich selbst schon verachtet, und dem Bauer
blos deßwegen verächtlich begegnet, weil er ein Bauer
ist, der ist ein unverständiger thörichter Mensch, er
sei wer er wolle. Ein Solcher ist ein Mensch,
welcher über den Bauernstand redet und disputirt
wie ein Blinder von der Farbe oder ein Tauber
von der Musit. Und an der Verachtung solch unver-
ständiger Menschen darf euch, meine christlichen
Bauersleute! so wenig gelegen sein, als dem stillen
Mond daran gelegen ist, wenn ihn die Hunde bei
der Nacht im Wasser anbellen; er läßt sich dadurch
in seinem Lauf nicht stören.

Ja, sagen Manche von euch, der Bauer ist halt
doch immer ein verachteter Mann; die andern Stände
chauen ihn oft faum über die Achsel an; man hört
nur allzu oft, wenn vom Bauer die Rede ist, verächt-
liche Aeußerungen; oder heißt es nicht oft: es ist halt
ein grober dummer Bauer. Aber nicht jeder Bauer
ist ein Dummkopf und ein Grobian. Dumme und
grobe Menschen gibt es in andern Ständen auch.
Der Bauer ist nicht dumm; denn er versteht seine
Feld- und Hauswirthschaft, seinen Handel und Wan-
del, seine Arbeiten und die dazu nöthigen Werf-
zeuge, kurz er weiß, was er als Bauer zu wissen

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nöthig hat, um sich und seine Familie ehrlich in der Welt fortzubringen; er ist also kein dummer, sondern ein verständiger Mann. Der Mensch ist nur in solchen Sachen dumm, die er nicht kennt und nicht versteht. So würde mancher Bauer ein dummer Bürger und mancher Bürger ein dummer Bauer sein.

Der Bauer ist auch nicht grob, denn er achtet und respectirt seine geistliche und weltliche Obrigkeit, sowie auch andere Standespersonen, die höher sind als er; nur weiß er nicht allzeit seine Achtung und seinen Respect auf die gehörige Art zu zeigen, er kann nicht so reden und sich auch nicht so betragen, wie es der Anstand oder die Höflichkeit fodert, weil er mit dieser nicht so bekannt ist, wie die Stadtleute. Darum thut man also dem Bauern Unrecht, wenn man seine natürliche Offenherzigkeit und seine gerade Aufrichtigkeit eine Grobbeit nennt, weil er mit den Complimenten oder Höflichkeitsbezeugungen der Stadtleute nicht umgehen kann. Grob ist der Bauer nur dann, wenn er Andre geflissentlich verachten oder beschimpfen, beleidigen oder kränken wil.

Auch deßwegen ist der ganze Bauernstand nicht zu verachten, weil es in diesem Stand einige dumme und grobe Menschen gibt. Es wäre ja die größte Thorheit, wenn man eine Kirche darum verachten wollte, weil manchmal Einige durch ein unehrerbietiges und muthwilliges Betragen in der Kirche öffentlich zeigen, daß sie dumme und rohe Menschen sind. Eben so thöricht wäre es auch, eine gute brave Ges meinde deßwegen zu verachten, weil sich Einige davon durch eine schlechte Aufführung verächtlich machen.

Es hat ein jeder Stand gleichsam eine Musters tarte von verschiednen Menschen, wie der Kaufmann eine Musterkarte von verschiednen Zeugen und Tüchern hat, von feinen und groben, von guten und schlechten. Es wäre aber recht einfältig, wenn man einen Kaufmannsladen deßwegen verachten wollte, weil unter den feinen und guten Zeugen und Tüchern auch grobe und schlechte sind. Ebenso einfältig wär's aber auch, den Bauernstand oder irgend einen andern Stand darum zu verachten, weil es unter den verständigen auch dumme, unter den höflichen auch grobe, und unter den guten auch schlechte Menschen gibt.

Der Bauernstand ist und bleibt also immer ein ehrenwerther Stand, weil er nicht nur der nüßlichste, sondern auch der nothwendigste und unentbehrlichste Stand in der Welt ist.

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Denn wenn der Bauernstand nicht wär,
So hätt ein andrer auch nichts mehr.
Bom Bauernstand leben alle Stände;
Denn Alle nähren seine Bände. Amen.

frühlehre auf den Sonntag Wuinquagefima. Wir sollen die Schuld unsrer Sünden

nicht auf Andre schieben.

„Ein Blinder saß am Wege und bettelte." Luc. 18, 35.

Im heutigen Evangelium gab Jesus einem blinden Bettler sein Augenlicht wieder. Blindsein ist gewiß ein trauriges Ding, besonders wenn man noch dazu sein Brod betteln muß. Indessen ist doch die leibliche Blindheit nicht so traurig, wie die geistige. Ein Mensch, welcher dem Reibe nach blind ist, kann höchstens ins Wasser oder in eine Grube fallen, wer aber der Seele nach blind ist, der fällt von einer Sünde in die andre und zulegt in ewige Verderben. Viele Menschen meinen aber, ihre Süns den dadurch entschuldigen zu tönnen, daß fie die Schuld ihrer Sünden auf andre Menschen oder auf den Teufel schieben. Dieß ist aber ein grober Irrthum und ein großer Fehler, wie ich heute zeigen werde. Hört mich!

1.

Es ist gewöhnlich unter den Menschen, daß sie die Sould von etwas Bösem oder Schändlichem,

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das sie gethan haben, von sich wegzubringen und auf Andre zu schieben suchen. Um hievon überzeugt zu werden, darf man nur auf die Kinder Acht geben. Haben sie etwas zerbrochen, umgeworfen, oder sonst etwas angestellt, und die Eltern kommen gerade dazu, sehen zornig aus oder drohen sie zu schlagen, so läugnen sie sogleich die That, geben die Schuld dem Bruder oder der Schwester oder einem Andern, und suchen dadurch der Strafe zu entgeben. Geschieht es aber, daß sie zuweilen etwas thun, was sie nicht läugnen können, weil es die Eltern selbst mit eignen Augen gesehen haben, so wollen sie doch die Schuld nicht allein tragen, sondern suchen auch Andre mithineinzuziehen, und sagen, daß fie der Bruder oder die Schwester oder ein Andrer dazu verführt hätte, daß fie es niemals gethan haben würden, wenn sie nicht dazu wären angereizt worden, und daß sie also ganz unschuldig wären.

Sowie nun die Kinder die Schuld ihrer Fehler auf Andre zu wälzen pflegen, so suchen auch gemeiniglich die Erwachsenen die Schuld ihrer Sünden von sich wegzubringen und Andern zur Last zu legen. Das ist aber ein grober Frrthum und ein großer Fehler. Diesen Fehler beging schon unser Stammvater Adam und suchte itch dadurch zu entschuldigen, daß er gegen den ausdrücklichen Befehl Gotteß von der verbotnen Frucht im Paradies ge

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