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weniger praktischen Zwecken dienenden Grammatiken, zu denen ergänzend die betreffenden Lexika treten.

Die Betrachtung des usus zeigt den Vertretern der vergleichenden und historischen Grammatik nichts Neues. Sie denkt sich nur den Fluss der Sprachentwickelung in Bezug auf eine bestimmte Sprache gleichsam gefroren, verfährt, als ob es für ihr Objekt eine wirkliche Gegenwart gäbe, als ob deren Züge bleibende wären.

Es ist diese Art der Betrachtung die uns natürliche; die Momente einer eingebildeten Gegenwart bedeuten dem Menschen die Zeit, und nur der Lebende hat recht. Auch ist die immer sich erneuernde Aufstellung und Behauptung dieses Standpunktes nicht ohne Einfluss auf die geschichtliche Entwickelung der Sprache. Zwar überschätzen leicht die Regeln machenden Grammatiker ihre Einwirkung auf Gestaltung der Sprache, aber diese macht sich doch immerhin geltend durch Fixierung der herrschenden Ansichten über Barbarismen, Soloecismen, Archaismen, Neologismen, Provinzialismen, Kakophonieen u. d. m.

Für uns ergiebt sich nun für die folgenden Ausführungen eine grosse und zunächst nur sehr ungenügend zu überwältigende Schwierigkeit. Die Beobachtungen nämlich, welche bisher in Bezug auf die Kunsttechnik der Sprache gemacht wurden, und deren Terminologie rühren sämtlich von solchen her, welche nur diesen Standpunkt des usus kannten. Griechen und Römer wussten von vergleichender und historischer Sprachwissenschaft nichts, und die Umgestaltung unserer eigenen Vorstellungen reicht nicht zurück über Bopp und Grimm und W. v. Humboldt. Da nun es zweckmässig ist, die alte Terminologie festzuhalten, so weit es möglich ist, wird unsere Darstellung sich zu allerhand Kompromissen zwischen Altem und Neuem verstehen müssen.

VIII. Das Wort, betrachtet nach seiner Bedeutung und deren Wandel; d. h. von den Tropen. – Das Wort, betrachtet nach seinem Lautkörper; von den phonetisch-grammatischen Figuren. Das Wort, betrachtet in seinen Beziehungen; von den syntaktisch

grammatischen Figuren.

A. Von den Tropen. Das Lexikon giebt uns die Wurzeln und Wörter der Sprache, die Grammatik deren Formierung, welche eintritt, sobald sie sich zu vollständiger und bestimmt abgegrenzter Darstellung ihres Inhalts entfalten und so zu einander in Beziehung treten. Nach dem bisher Entwickelten finden wir in beiden zusammen die Darlegung der Sprach-Kunsttechnik, so jedoch, dass die Bedingungen, unter denen allein die Einwirkung von Natur und Geschichte die Sprache in der Wirklichkeit erscheinen lässt, die reine Gestaltung der Kunst vielfach beschränken.

Um die Verletzungen und das Hinschwinden der Sprachkunstwerke erklärlich zu finden, erinnern wir uns daran, dass die Kunstthätigkeit, welche sie schuf, keine bewusste war, aus einem Triebe hervorging, den schon Cicero (de or. 37) der eigentlichen Kunst entgegenstellt: „non arte aliqua perpenditur, sed quodam quasi naturali sensu judicatur“; dass man also die Kunsterzeugnisse der Sprache wohl liebte, aber als solche nicht kannte und festhielt. Die herrlichen Darstellungen der Seelenmomente durch den Laut fanden sogleich Anwendung auf die Praxis des Lebens, wie die Zellenbauten der Bienen. Da der Kunsttrieb sich nur auf den glücklichen Ausdruck des Moments richtete, die Interessen des Lebens dagegen sofort die Momente aufeinander bezogen, war Beeinträchtigung eines Lautes durch den anderen – je nachdem die Zwecke sie über- oder unterordneten – war Schädigung der Sprachkunstwerke unausbleiblich; und so, wie etwa bei den Körperformen, welche die Wirklichkeit zeigt, in der Landschaft, weil nur eine bewusstlose Natur die Bildnerin war, das Schöne uns nur zufällig, zerstreut und getrübt erscheint, finden wir es auch in der Sprache nur selten ohne irgend welche Bedingtheit.

Betrachten wir zunächst, was das Lexikon uns bietet, die Wörter mit ihren Bedeutungen.

Wir stellen folgenden Satz an die Spitze:

Alle Wörter sind Lautbilder und sind in Bezug auf ihre Bedeutung an sich und von Anfang an Tropen. Wie der Ursprung des Wortes ein künstlerischer war, so verändert es auch seine Bedeutung wesentlich nur durch künstlerische Intuition. „Eigentliche Worte“ d. h. Prosa giebt es in der Sprache nicht.

Wir betreten mit Untersuchung dieser Sätze das Gebiet der Bedeutungslehre, deren Schwierigkeit wir schon in anderer Beziehung früher (p. 230 sq.) hervorhoben. Es handelt sich da um die wissenschaftliche Ordnung unserer ganzen, geistigen Welt, um unser Alles; die Lautstoffe lassen sich wohl klassifizieren, aber ihr Wirken in der grossen kleinen Welt, das ist uns eben: alles Mögliche.

Man müsste doch vor allem über die Bedeutung der Wurzeln im klaren sein. Aber die Wurzeln mussten, so lange sie den Sprachschatz allein bildeten, jedenfalls für noch mehr Bedeutungen ausreichen, d. h. unbestimmter in Bezug auf ihren Sinn sein, als später die Wörter. Die chinesische Sprache ist über die Wurzelbildung nicht hinausgegangen, und so kommt sie dazu, eine Menge von Bedeutungen an dieselben Laute zu binden und deren Verständnis durch unschöne und winzige Nüancierung des Tons oder Accents zu sichern. Bei Hermes („Über das grammatische Genus“ p. 21) finden wir z. B. die folgende Aufstellung: Im Chinesischen bedeutet:

î: Kleidung, kleiden. Jener. Ich; sich freuen. Gesetz, Muster, zwei. Verlassen, übrigens. Heilen. Ernähren.

1: Verschieden, Verschiedenheit, scheiden. Bewundern, bewundernswert. Richtig, Gerechtigkeit; vernünftig, allgemein. Schwarz.

i: Gebrauchen; mit; aus; weil; dass. Stützen. Vergleichen; betrachten; bestimmen. Sitz. Ruhe; ruhig.

i: Eins. Dorf. Auch. Friede. 100,000. Traurigkeit. Grenze. Ziehen; rauben. Hell. Lachen. Begegnen; unangenehm.

Allerdings muss ein natürlicher Zusammenhang zwischen dem Wurzellaut und der Wurzelbedeutung vorausgesetzt werden, und leicht bilden wir uns ein, dass dieser sich auch jetzt noch verständlich für uns andeutet (wie z. B. Wüllner sich hiermit viel Mühe gegeben hat. cf. Pott, etymolog. Forsch. T. II, p. 260), aber weder besitzen wir noch das Verständnis für den Urlaut, wie ihn die ersten Sprachbildner auffassten, noch vermögen wir die Unbestimmtheit oder Eigentümlichkeit des Sinnes in uns wiederzuerzeugen, für welche die Menschen ursprünglich ihr Lautbild bestimmten. Pott (etymol. Forsch. T. II, p. 921) sagt: „Für das Schwierigste halte ich immer die Ermittelung der allen radikal zusammengehörigen Wörtern gemeinsamen Bedeutungen d. h. der Bedeutung der Wurzel. Wie weit kann man hier, und nicht minder, wenn konkrete als wenn abstrakte Wörter vorliegen, an der Wahrheit vorbeischiessen.“

Wie grosse Annäherung der Bedeutung mehrerer Wörter möglich ist, zeigen uns die Synonyma, wie grosses Auseinandertreten der Bedeutung bei demselben Worte die Homonyma. Die Synonymie in den Sprachen („quum idem frequentissime plura significent, quod ovvwvouía vocatur“. Quint. VIII, 3, 16) lässt uns einen Schluss machen auf die Unbestimmtheit vieler Wurzelbedeutungen; man denke etwa zusammengestellt: Rauch, Dampf, Qualm; Fluss, Strom; Schein, Schimmer, Glanz; Platz, Ort, Stätte, Stelle, Fleck; Pferd, Ross, Gaul, Mähre cet. (cf. oben p. 232 sq.).

– Ebenso zeigt die Homonymie („quum pluribus rebus aut hominibus eadem appellatio est“. Quint. VII, 9, 2), wenn sie auch von der Wurzel an noch nicht vorhanden gewesen ist, wie unbedeutend die Differenz der Lautbilder war, welche als Wörter so früh schon in denselben Laut zusammenflossen, wie bei xiqxos, Habicht und Kreis; déw fehle und binde; jus Recht und Brühe; calx Kalk und Ferse; reif und Reif; arm und Arm u. d. m. Zeigte sich doch auch später bei Ableitungen aus verschiedenen Stämmen die Sprache wenig besorgt um die wünschenswerte Lautverschiedenheit, wie bei nóois Gemahl und Trank; doyós weiss und unthätig; salio springe und salze; catella Kettchen und Hündchen, dtsch.: bereiten (ein Pferd, eine Speise), Küchlein (Deminut. von Kuchen und Huhn) namentlich, wenn aus fremden Sprachen entlehnt wurde, wie frz, aune = alnus und ulna; fin = finis und fein; engl. grave = Grab und gravis; pine = Pein und pinus.

Aber lassen wir die Wurzeln, und sprechen wir von der Bedeutung der Wörter.

Bekanntlich hatte zuerst Reisig (lateinische Sprachwissenschaft ed. Haase p. 18) den beiden Teilen der Grammatik, Etymologie und Syntax, als dritten die Bedeutungslehre, Semasiologie, hinzugefügt. Es ist über diesen Anfang wenig hinausgegangen worden, so dass Schleicher (Dtsch. Sprache p. 66) sagen kann: „Nach welchen Gesetzen sich die Funktion der Worte selbst im Laufe der Zeit verändert, dies zu erforschen, d. h. aus der Masse der Einzelbeobachtungen das Gesetz zu finden, ist eine noch nicht ernstlich in die Hand genommene Aufgabe unserer Disziplin, deren Lösung allerdings auf grosse Schwierigkeiten stofsen dürfte“ und noch bestimmter (Kompendium der vergleichenden Gramm. T. I, p. 2): „Das folgende Werk umfasst nur zwei Seiten, welche die Sprache der wissenschaftlichen Betrachtung bietet, die Laute und die Formen. Die Funktion und den Satzbau des Indogermanischen sind wir zur Zeit noch ausser stande in der Art wissenschaftlich zu behandeln, wie wir es bei den mehr äusserlichen und leichter erfassbaren Seiten der Sprache, bei den Lauten und Formen vermögen.“ – Auch Pott („Metaphern, von Leben und von körperlichen Lebensverrichtungen hergenommen“ [Kuhn und Aufrecht, Zeitschrift cet. Bd. II, p. 101]) verlangt nach dem endlichen Aufbau eines, wenngleich noch ungeschriebenen, doch dringend nötigen Teile der Sprachwissenschaft d. h. der Bedeutungslehre.“ – Auch Curtius (Grundzüge der griech. Etym. p. 305) bemerkt, dass, „was die Bedeutungsübergänge betrifft, die etymologische Wissenschaft sich noch auf dem Standpunkt des Tastens befindet“ und deutet, als auf den Grund der Schwierigkeit, richtig darauf hin, dass die sprachbildende Geisteskraft der poetischen Phantasie näher liege, als der logischen Abstraktion“, –

Vielleicht erweist sich bei Untersuchung der Bedeutungslehre der Gesichtspunkt, von dem aus wir die Sprache betrachten, als günstig und förderlich; betrachten wir jedoch zunächst die Schwierigkeiten, welche uns dabei begegnen, im einzelnen. –

Man stellt sich gewöhnlich vor, es hätten die einzelnen Wörter ihre bestimmten Bedeutungen von Uranfang an, und, wenn nun statt solcher bestimmten Bedeutung sich viele im Gebrauch zeigen, so nimmt man unter diesen eine Urbedeutung an und zeichnet sie als die „eigentliche“ vor den anderen aus; sie soll die vornehmlich berechtigte sein. Die Schwierigkeit zeigt sich dann, dass man auf eine natürliche, ungezwungene Weise die Nebenbedeutungen von der eigentlichen ableiten muss, sich aber vergeblich nach einem Gesetze umsieht, welches den Umfang aller dieser Bedeutungen angäbe und umgrenzte, eine Ordnung, nach welcher sie sich bildeten, ein Mass, welches sie inne zu halten hätten. — Nach unserer Auffassung kommt dem Worte eine solche bestimmte Bedeutung, wie man sie voraussetzt, von Anfang an nicht zu. Das Wort, wie wir im einzelnen noch ausführen werden, ist an sich selbst Tropus, deutet allerdings in jedem bestimmten Falle, wo es zur Anwendung kommt, auf ein Bestimmtes, als dessen Lautbild, aber doch nur so, dass auch das Ähnliche, Verwandte, Analoge in einem anderen bestimmten Falle durch dasselbe Wort angedeutet werden kann. Allerdings bedeutet der Sprachlaut in seiner feinen Artikulation Bestimmteres, ein mehr Gesondertes, Abgegrenztes, als der musikalische Ton, aber wie in der Musik durch dieselben Töne und Tonreihen eine grosse Mannigfaltigkeit von Empfindungen und Gefühlen angeregt werden, deutet im Gebiete des Vorstellens und Denkens das Lautbild, vielseitig uns anregend, doch nur soweit an, was es meint, als der Kunst es gegeben ist.

Wir haben über diese bildliche Natur des Sprachlauts und die aus dieser sich ergebenden Begrenztheit für die Sicherheit, mit

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