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sagen, Sätze, und dass die aus ihnen gebildeten Wörter nur mit beständiger Beziehung auf den Satz geformt wurden, so sieht man, dass diese Lautbilder nichts ausdrücken wollten und konnten, dem ein bestimmtes, einzelnes Ding entsprochen hätte, sondern dass es Gemälde, Weltanschauungen sind, welche wir selber schaffen;

- selber schaffen, denn auch unsere Vorstellungen bilden ja nicht die Wirklichkeit ab, selbst unsere Farben- und Tonempfindungen reduzieren sich ja auf Schwingungen des Aethers, der Luft, wie die Naturforscher zeigen, und Schwingungen selbst, sind sie nicht wieder nur Gesichtsempfindungen von uns? – Alles nun, was die Harmonie einer solchen Bild-Schöpfung in uns nicht stört, sollte es auch unter anderen Umständen noch so viele anderweitige Betrachtung gestatten, wird leicht von denselben Lautbilde mitgemeint und bezeichnet.

Und so entdeckt sich an der Allgemeinheit der Bedeutung des Lautbildes die allgemeine, d. h. die unbestimmte Natur der menschlichen Vorstellungsbilder selbst, welche die Dinge der Welt ideell erfassen, nicht individuell, symbolisch, nicht real, sie darum auch nicht stückweise bezeichnen, sondern bündelweise. Hierin ist die notwendige Erleichterung der Weltauffassung gegeben, wie sie dem Menschengeiste verliehen ist, hierin auch die feste Begrenzung seiner Fähigkeit, die Dinge sich anzueignen. Natürlich meint in jedem konkreten Falle der Redende das Einzelne, Individuelle, nie aber kann er es sagen, und die sinnliche Welt, die Umgebung, der Zusammenhang muss seine Meinung ergänzen. Darum versteht auch keiner den anderen vollständig durch die Rede; er versteht ihn nur, soweit er seine Stimmung teilt, seine Weltauffassung, Erfahrung; soweit er imstande ist, sich in seine Seele zu versetzen.

W. v. Humboldt (Versch. d. m. Sprachb. p. 66) sagt: „Keiner denkt bei dem Wort gerade und genau das, was der andre, und die noch so kleine Verschiedenheit zittert, wie ein Kreis im Wasser, durch die ganze Sprache fort. Alles Verstehn ist daher immer zugleich ein Nicht-Verstehen, alle Übereinstimmung in Gedanken und Gefühlen zugleich ein Auseinandergehen.“ – Wir mögen uns nicht enthalten, hier in kurzem den Inhalt eines Vortrags des Professor M. Bréal mitzuteilen, welchen er unter dem Titel: „Les idées latentes du langage“ veröffentlicht hat. Es heisst da (p. 8 sq.): „Je me propose de montrer qu'il est dans la nature du langage d'exprimer nos idées d'une façon très-incomplète, et qu'il ne réussirait pas à représenter la pensée la plus simple et la plus élémentaire, si notre intelligence ne venait constamment au secours de la parole, et ne remédiait, par les lumières qu'elle tire de son propre fonds, à l'insuffisance de son interprète. Nous avons une telle habitude de remplir les lacunes et d'éclaircir les équivoques du langage, qu'à peine nous sentons ses imperfections. Mais si, oubliant pour un instant ce que nous devons à notre éducation, nous examinons un à un les éléments significatifs dont se composent nos idiomes, nous verrons que nous faisons honneur au langage d'une quantité de notions et d'idées qu'il passe sous silence, et qu'en réalité nous suppléons les rapports que nous croyons qu'il exprime.“ Bréal zeigt z. B., wie verschiedene Bedeutungen des Suffixes ier der Franzose je nach den Umständen erraten müsse in Wörtern, wie pommier, encrier, prisonnier, chevalier, voiturier, carrossier cet. Er sagt (p. 20), dass die Sprache dem Gedanken nur zu seiner Entstehung den Anlass gebe (provocation), mehr aber nicht, und vergleicht die Wirkung einer Horazischen Ode oder Periode des Demosthenes treffend mit einem Tizianischen Gemälde, welches seine Wirkung lediglich dem Gesamtschein verdankt, welcher verschwindet, wenn wir nahe herzutreten (p. 29 sq.). In der That zeigt die Sprache auch in dieser Erregung der Illusion durch die angewandten Kunstmittel jene Art der Wirkung, welche der Kunst eigen ist.

Wie wenig die Dinge sich decken mit den Lautbildern, durch welche wir sie bezeichnen, ist leicht zu sehn. Es giebt eine unzählige Menge von Dingen und eine unzählige Menge verschiedener Zustände der Dinge, unzählige Vorgänge auch zwischen ihnen, und nur eine beschränkte Zahl von Wörtern, von Kunstwerken, welche wir zu ihrer Bezeichnung verwenden. . So fehlt für vieles, was wir doch empfinden, das Wort – man denke z. B. an die Empfindungen des Geruchs und Geschmacks, oder daran, wie entschiedene Abweichungen in der Art der Sinnesempfindung unbezeichnet bleiben, wenn wir gewisse Farben blau oder grün nennen, oder wenn wir gewisse Lust- oder Schmerzgefühle kenntlich machen wollen; dann wieder, als sei auf unserer Seite der Überfluss, haben wir für dasselbe Ding zahlreiche Synonyma, bilden auch besondere Namen für dasselbe Tier aus verschiedenen Wurzeln, nur um Geschlecht oder Alter zu bezeichnen u. d. m. Auch wechseln die Dinge, während das Wort für sie dasselbe bleibt, wie wenn von vepna gesprochen wird zur Zeit der Goten, im Ahd. von wâfan, jetzt von Waffen; es wechseln auch die Vorstellungsbilder, ohne dass das Wort davon berührt wird, wie z. B. bei himins, himil, Himmel; bei oưocvós, coelum; und ebenso ändern die Wörter ihre Bedeutungen, obwohl die Dinge in ihrem Wesen beharren.

Man sieht, wie die Frage, ob die Wörter Individuelles bezeichnen oder Allgemeines, schief gestellt ist; weder Individuelles bedeuten sie, noch Allgemeines, bedeuten überhaupt nicht die Dinge, sondern – und zwar bildlich – nur uns selbst, nur unsere Welt. Allerdings sollen unsere Worte die Dinge bedeuten – und dies giebt dann die rastlose Arbeit für das Menschengeschlecht, welche gleichbedeutend ist mit der Aufgabe der geistigen Entwickelung überhaupt.

Wie demnach schon früher (p. 225) das Verhalten der Sprache uns daran erinnerte, dass der Gegensatz von Sinnlich und Unsinnlich nur unserer Abstraktion angehört, so entnehmen wir ihr jetzt, dass der Gegensatz von Individuum und Gattung eben nur von uns so gesetzt wird.

W. v. Humboldt (Versch. d. menschl. Sprachb. p. 31) sagt: „Das Ahnden einer Totalität und das Streben danach ist unmittelbar mit dem Gefühle der Individualität gegeben. – Jenes Streben und der durch den Begriff der Menschheit selbst in uns gelegte Keim unauslöschlicher Sehnsucht lassen die Überzeugung nicht untergehen, dass die geschiedene Individualität überhaupt nur eine Erscheinung bedingten Daseins geistiger Wesen ist.“

VI. Verhältnis der Sprache zu der menschlichen Entwickelung überhaupt. – Die Sprache als Mittel. – In welchem Sinne die Sprache unser Eigentum ist. – Das Denken und das Sprechen. Die sogenannte innere Sprachform. — Die Sprache des Bedürfnisses, die Sprache der Mitteilung, die Sprache der Prosa, die Sprache der Poesie in Bezug darauf, wiefern sie Sprache als Mittel verwenden. – Die Sprache an sich ist Verwirklichung des menschlichen Erkennens durch fortgesetzte Kunstschöpfungen; als Bild des Menschen vereinigt sie in sich sinnliche und geistige Natur, stellt nur eben dieses Mittlere dar, und hat hieran ihre Grenze.

– Sprache bezeichnet ungenügend das Sinnliche, wie das abstrakt Geistige. – Untersuchung, wie der Kunstcharakter der Sprache die gesamte Entwickelung des Menschengeistes, namentlich in der Wissenschaft, bedingt. — Anhang: Analogie der Entwickelung von

Schrift und Sprache. Es sei uns vergönnt, ehe wir in die Erörterung des Einzelnen weiter eintreten, zum Abschluss unserer. Erörterungen von der Wechselwirkung der Sprache und der Seelenthätigkeit einen Blick zu werfen auf das Verhältnis der Sprache zu der menschlichen Entwickelung überhaupt, dann anzudeuten, von welcher Bedeutung sich hierbei die Bildlichkeit der Wörter erweist, und wie namentlich die menschliche Wissenschaft von dem Kunstcharakter der Sprache bedingt wird.

Sprache ist so sehr eine dem Menschen wesentliche Lebensthätigkeit, dass er ohne sie nicht zu denken ist. Darum fällt auch dies zuerst ins Auge, dass die Sprache für ihn Bedürfnis ist, Bedürfnis ebensowohl für sein sinnliches Dasein, wie für seine geistige Entwickelung. Daraus ergiebt sich von selbst, dass sie uns nach allen Seiten als blosses Mittel zur Verwendung zu kommen scheint. Überall gehn wir ja bei unserer Betrachtung der Dinge von dem Interesse aus, welches sie für uns haben, und wir meinen zunächst, sie erkannt zu haben, wenn uns ihre Wertschätzung in Bezug auf uns gelungen ist, wenn wir sie im Verhältnis zu unserer Existenz bestimmt haben.

Es würde auch eine andere Art der Betrachtung gerade bei der Sprache fremd und ungehörig erscheinen, da sie ganz und gar dem Menschen angehört und eben nur dem Menschen. Ist sie doch viel deutlicher nur menschlich, als z. B. Vernunft, Geist, den auch die Tiere haben, zeigt sie doch allein deutlich, wie weit unser Denken von dem tierischen sich unterscheidet, beruht doch, um es mit Eins zu sagen, auf ihr der Charakter unseres Geschlechts. Auch haben die Untersuchungen, welche von alters her über den Ursprung und das Wesen der Sprache angestellt wurden, diese Vorstellung zur Grundlage, dass die Sprache Bedürfnis, Mittel, dass sie unser Eigentum sei. – Nun ist die Sprache aber nicht so unser Eigentum, wie etwa unsere Glieder, welche mit uns da sind und von selbst wachsen, eher so, wie die Luft, welche wir atmen. Diese nehmen wir auf mit unseren Organen, verändern sie, indem wir sie gebrauchen, und immer neu machen wir sie zu unserem Besitz. – Oder vergleichen wir mit dem Rechte, welches wir auf die Sprache beanspruchen, das Recht, mit welchem wir jene Summe von Vorgängen und Thaten, welche wir unsere Geschichte nennen, als unser Eigentum bezeichnen können. Zweifellos ist diese ein Produkt unserer Kräfte, wie sie sich an der Welt entfalten; sie wird stets neu von uns erschaffen; sie erhält sich als ein ideelles Besitztum, gleichsam als ein theoretischer Niederschlag der Prozesse, welche die Bemühungen der Einzelnen herbeiführten, in dem Gedächtnis, und nicht minder auch praktisch in der fortlaufenden Arbeit der Geschlechter. Aber, wie wir eigentlich nicht unsere Glieder haben, welche vielmehr uns konstituieren, und noch weniger die Luft, obwohl sie uns immer zu Gebote steht, so lange wir imstande sind, sie uns anzueignen, so ist auch die Geschichte unserer Machtsphäre entrückt, derart, dass wir willig in ihr das Wirken von Gesetzen ahnen, von Naturgesetzen, zu welchen vielmehr wir uns als Mittel verhalten. Alle unser Wesen konstituierenden Kräfte erscheinen so zugleich als unsere Herrscher und als Diener, – und namentlich in Bezug auf die Sprache ist deshalb immer wieder betont worden, dass sie – wie die Kunst - göttlicher Natur sei, zum Geschenk uns verliehen, zu notwendigem Gebrauch. Rötscher (Kunst der dramatischen Darstellung p. 187) führt von der Bettina an (im Briefwechsel mit der Günderode): „Sprache und Rhythmus sind nicht nur Werkzeuge, sondern selbstschaffende Mächte und Melodieen gottgeschaffener Wesen, die in sich fortleben, jeder Gedanke aus der Seele hervor lebendig; der Mensch erzeugt die Gedanken nicht, sie erzeugen den Menschen.“

- Fichte (Reden an die deutsche Nation p. 119) sagt: „Es kommt darauf an, dass eine Sprache (in ihrem Volke) ohne Unterbrechung fortgesprochen werde, indem weit mehr die Menschen von der Sprache gebildet werden, denn die Sprache von den Menschen.“ –

Welcher Art ist also wohl unser Eigentum an der Sprache ? - Dass sie uns der Anlage nach verliehen ist, wird nicht bestritten werden können, und ebensowenig, dass wir ihren wirklichen Bestand uns schaffen, ihre Verwendung uns erarbeiten. Wenn einerseits sie uns als dienendes Mittel überall zu Gebote steht, beweist sie doch vielfältig auch eine ihr eigentümliche Macht, der wir in unserer Entwickelung im ganzen wie in den Gedankenprozessen im einzelnen verfallen, und, wie man von den grossen Ideen der Geschichte noch eher sagen kann, dass sie den einzelnen und die Geschlechter beherrschen, als dass sie von diesen ausgehen, so darf von unserm Eigentum an der Sprache nur so die Rede sein, dass wir anerkennen, wie sie auch uns habe und beherrsche.

Es wird damit nur in einem erweiterten Gebiete das Gesetz der Wechselwirkung der Seelenbewegung mit dem Laut anerkannt. „Die Sprache – sagt W. v. Humboldt (Versch. d. menschl. Sprachb. p. 37) – erkennen wir als die erste notwendige Stufe, von der aus die Nationen erst jede höhere menschliche Richtung zu verfolgen imstande sind. Sie wachsen auf gleich bedingte

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