Obrazy na stronie
PDF
ePub

Alphons Modriguez den Mitgliedern der

Gesellschaft Jesu.

Der heil. Gregor wurde einst gebeten, eine Anleitung zum geistlichen Leben für einige Ordenshäuser zu schreiben. Er lehnte es brieflich ab in folgenden Worten: ,,Die Ordenéleute, welche sich in der Abtödtung und im Gebete üben, und deshalb in sich selber die Quelle der Weisheit besiken , brauchen nicht von außen her mit einigen Tröpfchen, womit unsere Trockenheit sie zu bespréngen vermag, befeuchtet zu werden. Im irdischen Paradiese regnete 'es nie. Es war auch nicht nothwendig, weil sich in der Mitte desselben eine Quelle befand, die dasselbe ganz bewässerte und es frisch und grün érhielt. Eben so brauchen Die, welche im Paradiese des Ordenslebens sich befinden, nicht von außen befeuchtet zu werden, weil sie in dem Gebete und der Abtödtung eine Gnadenquelle besigen, welche ihre Tugenden in guter Frische und Schönheit zu erhalten vermag.“

Auf diesen Grund hin fönnte ich mich, meine ehrwürdigen Väter und Brüder, und zwar mit viel größerem Nechte, als der heil. Gregor, bei den treuen Seelen entschuldigen, welche der Herr in den Garten der Gesellschaft Jesu gepflanzt hat, und welche er in demselben durch das darin täglich übliche innerliche Gebet heranzieht und befeuchtet. Diese Entschuldigung wäre ganz an ihrem Orte, wenn ich mir eins bildete, daß Sie von mir neue, noch ganz unbekannte und ungeübte Dinge erwarteten. Sie fällt aber weg, weil ich mir in diesem Werke nur vorgenommen habe, bekannte und täglich geübte in frische Erinnes rung zu bringen. Dieses entspricht völlig der Anordnung unseres heiligen Stifters in einer seiner Saßungen, der gemäß uns alle oder wenigstens alle vierzehn Tage die Obliegenheiten des geistlichen Lebens wieder vor Augen gestellt werden sollen, damit wir uns von

[ocr errors]

unserer menschlichen Schwädje nie zur Nachlässigkeit in Erfüllung uns serer Pflichten verleiten lassen, sondern deren stets eingedenk bleiben und fie unausgeseßt erfüllen. Diese Vorschrift wird Gott Dank in der ganzen Gesellschaft zumt nicht geringen Vortheil für dieselbe genau beobadytet. Aus Gehorsam habe ich über vierzig Jahre zu ineiner größten Beschämung diese vorgeschriebenen geistlichen Vorträge for wohl den Novizen als den älteren Ordensleuten gehalten, und deshalb inanches dahin Gehörige gesammelt. Meine Oberen und mehrere an. dere Personen, die ich sehr verehre, waren der Ansicht, ich würde Gott und dem Drden einen Dienst erweisen, und meine Arbeit würde einen größeren und dauernderen Nußen stiften, wenn ich sie auf's Neue durdysähe, ausfeilte und in Truck gäbe, dem Beispiele des seraphischen Lehrers, des heil. Bonaventura , gemäß, welcher dasselbe that, wie et es selber in der Vorrede zu seinem Werke : De Profectu Religiosorum (vom Fortschritte der Ordensleute), bekennt.

In der oben angeführten Saßung stellt der heil. Ignatius diese Alternative auf: „Entweder foll Einer," sagt er, „diese geistlichen Vorträge den Ordensleuten halten; oder diese sollen wenigstens dazu verpflichtet sein, etwas Derartiges zu lesen.“ Dieser Zusaß und der in der Gesellschaft eingeführte und von den Heiligen angepriesene Gebrauch, alle Tage eine für unseren geistlichen Fortschritt nüßliche Lesung vorzunehmen, hat mich noch mehr zu meiner Arbeit ermuntert. Zu dem Zwede habe ich dieses Werk verfaßt, und deshalb so klar und kurz wie möglich die wesentlichsten und gewöhnlichsten Dinge, die wir in unserem heiligen Stande zu beobachten haben, auseinander geseßt, damit sie uns als Spiegel dienen, in dem wir uns täglich betrachten, um unsere Fehler und Unvollkommenheiten abzulegen, und unsere Seelen - so zu zieren, daß sie vor den Augen der göttlichen Majestät desto lieblicher erscheinen.

Mit diesem Werke wollte ich also hauptsächlich meinen mir in Christus überaus theuren Vätern und Brüdern, denen ich aus vielen Gründen sehr verpflichtet bin, dienen. Doch weil man die Wirkungen der liebe so weit wie möglich ausdehnen muß, wozu wir durch unsere Saßungen noch besonders verpflichtet sind, so habe ich dasselbe so einzurichten gesucht, daß es nicht bloß unserer ganzen Gesellschaft im Bes sonderen und allen Ordensleuten im Allgemeinen, sondern auch allen

VIII

Denen, welche nach der christlichen Voltominenheit streben, großen Nußen bringen kann. Um dem Werke einen entsprechenden Titel zu geben und anzudeuten, daß es ein Buch für Alle sei, habe ich ihn fols gender Maßen abgefaßt: „Uebung der christlichen Vollkoms menbeit.Uebung, weil Alles darin so behandelt ist, daß es leicht, in Ausübung gebracht werden tann.

Ich hoffe von der göttlichen Barmherzigkeit, daß meine Arbeit nicht vergebens sein, sondern daß dieses Samenkorn des göttlichen Mortes, in ein so gutes Erdreich gesäet, wie das der nad Volls kommenheit strebenden Seelen ist, nicht nur dreißig- oder sechzigfältige, sondern hundertfältige Frucht bringen werde.

Erster Theil.

Erfte A b h a n d lung. Von der Hochachtung und liebe, die Allem, was unserem geistlichen Foric ritte förderlich ist, gebührt;

und was uns dahin führt.

Erstes Kapitel. Von der Þochadhtung, die wir geistlichen Dingen fuldig find.

„Id bat um Verstand," sagt der Weise, „und er ward mir gegeben. Ich rief, und der Geist der Weisheit kam zu mir. Und ich gab ihr den Vorzug vor Königreichen und Thronen, und ich hielt den Reichtum für nichts in Vergleich mit ihr. Auch verglich ich mit ihr keinen kost: baren-Stein; denn alles Gold ist im Vergleich mit ihr schlechter Sand, und das Silber vor ihr am Werthe, wie Roth)." Die wahre Weisheit, nach welcher wir verlangen müssen, ist die christliche Vollkommenheit, welche in der Vereinigung mit Gott durch die Liebe besteht, gemäß den Worten des Apostels : Vor allem Diefem aber babet die Liebe, welche das Band der Vollkommen beit ist?)." Folglich müffen wir die christliche Vollkommenheit und Alles, was uns dazu hinführt, eben so achten, wie Salomon nach seinem eigenen Geständnisse die Weisheit achtete, und „glauben,“ wie derselbe Apostel jagt, „daß, wenn wir nur Jesus Christus gewinnen, alles te brige Roth i sto)."

Das ist das vorzüglichste Mittel für uns, um zur Vollkommenheit zu gelangen. In dem Maße, wie diese Hochachtung in unserem Herzen wächst, wird auch unser eigener geistlicher Fortschritt und der des gesammten Ordens zunehmen. Denn wir tragen nur nach einem Gute Verlangen, je nach dem wir es schäßen, weil der Wille als eine blinde Seelenkraft nur Dem folgt, was der Verstand ihm vorlegt. Nach dem Werthe also, den dieser auf einen Gegenstand legt, wird sich nothwendig unser Verlangen gestalten. Und da in uns alle übrigen inneren

1) Optavi, et datus est mihi sensus ; et invocavi, et venit in me spiritus sapientiae ; et praeposui illam regnis et sedibus, et divitias nihil esse duxi in comparatione illius ; nec comparavi illi lapidem pretiosum, quoniam omne aurum in comparatione illius arena est exigua, et tanquam lutum aestimabitur argentum in conspectu illius. Sap. VII, 7. 8. 9.

2). Super omnia autem haec caritatem habete, quod est vinculum perfectionis. Coloss. III, 14.

3),Omnia arbitror ut stercora, ut Christum lucrifaciam. Philipp. III, 8. Rodrigues, Uebung der Vollkommenheit 2. I.

1

und äußeren Kräfte und Fähigkeiten der Seele in der Dienstbarkeit des Willens stehen, fo streben und arbeiten wir nur nach Dem, was der Wille begehrt. Von der größten Wichtigkeit ist es folglid), daß wir Alles hochachten, was unseren Fortschritt in der Vollkommenheit anbelangt, Damit wir gleichfalls ein inbrünstiges Verlangen barnach haben und mit Sorgfalt daran arbeiten; denn alle diese Dinge geben gleichen Schrittes mit einander.

Wer mit Edelsteinen Handel treibt, muß sich wohl darauf verstehen, wenn er nicht getäuscht werden will; sonst wird er einmal einen sehr werthvollen Stein für irgend eine Kleinigkeit hergeben. Wir handeln mit kostbaren Steinen; denn „wir sind Kaufleute des Himmelreichs, die gute Perlen fu chen').“ Wir müssen also febr wohl den Werth der Waare kennen, womit wir handeln, damit wir nicht durch einen seltsamen Mißgriff Gold für Koth hingeben und den Himmel für die Erde vertauschen. „Der Weise," spricht der Herr durch den Mund des Jeremias, rühme sich nicht seiner Weisheit, und der Starke „rühme ich nicht seinet Stärke, und der Reiche rü l m e sich nicht seine s Reich thums, sondern wer sich rühmen will, rühme sich, daß er mich kenne?)." Der größte Schaß von allen ist Gott kennen, ihn lieben und ihm dienen. Das ist unser wichtigstes, oder besser gesagt, unser einziges Geschäft. Deshalb sind wir erschaffen worden; deshalb sind wir in den Orden eingetreten, und darin allein, wie in unserem einzigen Ziele müssen wir unsere Nuhe suchen, darin unsere Ehre seßen.

Möchte deshalb diese Achtung vor der Vollkommenheit und den darauf bezüglichen geistlichen Dingen fich tief dem Herzen Aller, und besonders dem der Ordensleute einprägen, und möchten wir uns sorgfältig gegenseitig da311 anfeuern, nicht blos durch Norte und in unseren gewöhnlichen Unterredungen, sondern mehr noch durch unsere Werke und durch unsere ganze Lebensweise. So ivürden sowohl Die, welche den Weg der Tugend zu wandeln beginnen, als Die, welche schon weiter darauf vorgerückt sind, und Alle insgesammt erkennen, doß man im Orden nur Werth auf geistliche Dinge legt; und daß man, wie der heil. Ignatius in seinen Constitutionen) sagt, an einem Ordensmanne nicht am meistcu seine tiefe Gelehrsamkeit, fein Predi: gertalent und alle übrigen natürlichen und menschlichen Anlagen und Fähigkeiten schäßt, sondern feine Demuth, feiteit Gehorsam, den Geist der Sammlung und des Scbetes. Das muß man Anfangs NL len, die in den Orden aufgenommen werden, wohl einprägen, und mit dieser Milch muß man sie Anfangs nähren, damit ein Jeder von ihnen, sebend, daß das am meisten geschäßt wird, daß dieses Jene anstreben, welche die Eitelkeiten der Welt erkannt haben, und daß nur Diese geliebt und geachtet werden, alsbald seine Gedanken dahin richte, und seine ganze Sorge darauf verwende, nicht durch Gelehrsamkeit oder

1) Simile est regnum coelorum homini negotiatori, quaerenti bonas margaritas. Matth. XIII, 45.

2) Non glorietur sapiens in sapientia sua, et non glorietur fortis in fortitudine sua, et non glorietur dives in divitiis suis ; sed in hoc glorietur. qui gloriatur, scire et nosse me. Jerem. IX, 23. 24.

3) Const, p. 10. §. 2. Reg. 16.: es summ. Reg. 19.

« PoprzedniaDalej »