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Vorrede.

Aas Schicksal der danischen Sprache in Südjütland oder Schleswig ist ein Thema, welches den Historiker anziehen und zur Darstellung auffordern muß, nicht nur weil es eine große national-politische Bedeutung" hat und fernerhin behalten wird, sondern auch weil es an sich überaus interessant ist. Aber die Behandlung desselben ist keineswegs leicht, und die besondern Zeitverhäitnisse haben überdies bisher einer sichern und umfassenden Bearbeitung große Schwierigkeiten in den Weg gestellt, Die Geschichte einer Sprache besteht aus vielen feinen Fäden, und die mannigfachsten Verhältnisse greifen mitwirkend ein! kann man auch die Fäden mit dem Auge verfolgen, so glückt es doch nicht immer sie zu ergreifen und ihrem Zusammenhang und Ursprung nachzugehen! oft senken sie sich vor unfern Blicken in die geheimnißvolle Tieft des Volkslebens. Ueberdies wird Vieles von dem, das hierbei in Betracht kommt, ganz außer Acht gelassen von solchen, welche die merkwürdigen Begeben» heiken ihrer Zeit aufzuzeichnen unternahmen; findet sich aber etwas derartiges, so muß man es aus verschiedenartigen und zerstreuten Quellen zusammensuchen. Das größte Hinderniß, welches bisher einer solchen Bearbeitung im Wege stand, war die Unzugänglichkeit der Archive. Unter den früheren Verhältnissen erhielt man schwerlich Zutritt zu dem Orte, wo sich die Hauptsammlung aller Aktenstücke befand und das historische Material reichlich aufgehäuft lag, weil die Regierungsmänner jener Zeit die ganze Sache am liebsten in einem Halbdunkel hielten. Die jetzt in dieser Beziehung eingetretene Veränderung ist für das gegenwärtige Werk vom wesentlichsten Nutzen gewesen: die bisher verschlossenen Quellen wurden mir geöffnet und das Schleswigsche Ministerium gestattete den freien Zutritt zu seinen Archiven,

Den nächsten Anlaß zu vorliegender Schrift gaben unsere jetzigeii Zeitverhältnisse während des fortgesetzten Kampfes mit Deutschland, die entstellten Berichte der deutschen Presse über die schlesmigschen Sprachverhältnisse, und das falsche Licht, worin man sowohl die jetzigen als die früheren Zustände in Schleswig geflissentlich zu stellen bemüht ist. Aber unser Thema hat auch abgesehen von den augenblicklichen politischen Verwicklungen ein großes historisches Interesse. Wenn es sich auch meistentheils innerhalb der Grenzen einer einzelnen Landschaft bewegt, wirft doch oft dasjenige, was hier geschieht, ein fast blendendes Licht auf den ganzen Zustand, die Politik, das Regierungssyflem und die geselligen Verhältnisse des Reiches, Viele Seiten unserer inneren Entwicklung erscheinen erst in ihrem rechten Lichte, wenn man sie im Zusammenhang mit den schlesmigschen Verhältnissen betrachtet! und von diesen Verhältnissen mit ihren vielfachen und seltsamen Wendungen, die bald einer glücklichen Lösung entgegenzugehen, bald jeder Hoffnung zu spotten scheinen, von dem langen stillen Sprachstreit mit seiner gedämpften Bewegung, dem Vulkan mit verborgenem Feuer, führt uns die Geschichte zuletzt auf den mächtigen Kampfplatz hinaus, wo es das Bestehen des Reiches gilt und ein neuer Wendepunkt in der Geschichte Dänemarks beginnt.

Will man die schlesmigschen Sprachverhältnisse in ihrem Zusammenhange kennen lernen, so sind nicht nur die öffentlichen Ver» Hältnisse im Allgemeinen, sondern namentlich auch die inneren politischen Zustände, die national-politischen Stimmungen und Anschauungen zu berücksichtigen, welche im Kreise der Regierenden und gewisser Klassen vorherrschend gewesen sind, und von dort aus eine weitere Verbreitung gefunden haben. Diese Verhältnisse haben einen entscheidenden Einfluß auf die Geschicke der dänischen Sprache ausgeübt und sind deshalb von mir mit aller gebührenden Aufmerksamkeit behandelt morden i). Ich habe es mir zur fest» stehenden Regel gemacht, alle Behauptungen mit gültigen Zeug» nissen zu belegen, seien es öffentliche Akten oder die Aeußerungen unparteiischer, besonders und fast ausschließlich deutscher Schrift» steller, oder offenkundige Thaisachen oder andere unverwerfliche geschichtliche Beweismittel Dies Verfahren hat jedenfalls den Vorzug, daß es der Darstellung eine sonst schwer zu erreichende Sicherheit und überzeugende Kraft verleiht; im gegenwärtigen Falle aber, wo so viele fragliche Punkte berührt werden, und wo es zugleich in der Absicht des Verfassers lag, wenn möglich auf die deutsche Auffassung der schleswigschen Verhältnisse einzuwirken — obgleich die jetzige Stimmung in Deutschland wohl kaum einer richtigeren Betrachtung förderlich sein möchte — mar ein solches Verfahren fast durch die Nothmendigkeit geboten. Wir haben deshalb überall die Darstellung mit Auszügen aus den Akten und den Zeugnissen der Schriftsteller begleitet. Dadurch hat denn das Werk einen größeren Umfang erhalten, als bei einer andern Behandlung erforderlich gewesen wäre.

Einige gute Beiträge verdanke ich dem geheimen Archiv; vor» zugsweise aber war, wie schon angedeutet, das Archiv des schles» wigschen Ministeriums die reiche Rüstkammer, aus der die meisten und wichtigsten Aktenstücke und ungedruckten Mittheilungen hervorgeholt sind; hier fand sich ein großer Reichthum wichtiger Aufschlüsse, und ebenso vollständig und unbeschränkt war die freie Benutzung dieser Schätze. Den betreffenden Beamten, welche mich

'1 Diejenigen Äußerungen des nationalen Lebens dagegen, welche nicht unmittelbar die Sprachverbältniffe berühren, habe ich' bei Seite gelassen, und deshalb den früheren Titel des ersten Bandes: „Geschichte der dänischen Sprache und Nationalität" mit einem passenderen vertauscht.

hier bereitwillig in meinen Nachforschungen unterstützten und mir dadurch meine Arbeit wesentlich erleichterten, statte ich hiedurch meinen Dank ab. — Andere sehr schätzenswerthe Mittheilungen verdanke ich den Hrn. Conferenzrath Verlaufs und Professor Thorsen, Zu der reichen Ausbeute, welche die Archive der Hauptstadt gaben, kam noch eine nicht unbedeutende Nachlese aus den lokalen Archiven in Schleswig, Viele verschiedene geistliche und weltliche Beamte haben mir theils Beiträge aus den Akten, theils anderweitige werthvolle Aufschlüsse mitgetheilt, wofür ich ihnen hiedurch meinen Dank abstatte. Auch habe ich selbst Gelegenheit gehabt wiederholt Schleswig zu bereisen und auf diese Weise theils Aufschlüsse einzuholen, theils mich an Ort und Stelle mit den Verhältnissen bekannt zu machen.

Kopenhagen, den 1 Mai 1858.

C. /. Allen.

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