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üulserer oder innerer Art. Der Gedanke ist nicht gegeben, er wird erzeugt; und man kann diese seine Bewegung von seinem Entstehen bis zu seinem Abschluis, vom Erfassen des Stoffes bis zu dessen Durchdringung und Beseelung etwa bezeichnen als einen Weg vom Anreiz bis zu dessen Befriedigung, von der Frage, dem Problem bis zur Antwort, zur Lösung, vom Eindruck, den ein Subjekt bietet, zum Ausdruck, welchen das Prädikat hinzufügt. Es giebt der Darstellung eine Richtung, ein Ziel, Leben, wenn sie diese Bewegung ihres Gedankens durch irgend welchen Bezng auf jenen Anlais, durch Anlehnung an ein sinnliches oder vorgestelltes Einzelne an sich erkennen lässt. Sinnsprüche dieser Art nennen wir Epigramme. - Ruhiger, in sich gehalten, freilich auch abstrakter erscheint die Darstellung, wenn sie nur das Resultat der Gedankenbewegung zum Ausdruck bringt. Für die ihr mangelnde Frische bietet sie dann Ersatz durch das Gepräge der Würde und Bedeutsamkeit, welches ihrer Art eigen ist. Wir nennen diese Sinnsprüche Gnomen. – Es gehören ferner hierher die den Wortwitzen und Worträtseln der ersten Abteilung entsprechenden Sinnwitze und Sinnrätsel..

Haben wir nun mit dem Namen Epigramm und Gnome die Hauptabteilungen der kunstmälsigen, litterarischen Werke dieser Abteilung bezeichnet, so bleibt noch übrig, die naiven, volkstümlichen Sinnsprüche zu bestimmen, für welche der terminus „Sprichwort" - obwohl mit wenig umschriebener Geltung – hergebracht ist. Es scheint ratsam, zuerst für diese eine Abgrenzung zu gewinnen.

I. Das Sprichwort.

Das Sprichwort, napovuía, proverbium, zeigt als Simspruch gedanklichen Gehalt; als naive Schöpfung entbehrt es in seiner Form einer beabsichtigten und bestimmten Ausprägung zum Epigramm und zur Gnome, obwohl beide jener zu Grunde liegen; als volkstümlich, also als anerkannt in seinem Wert und in seiner Geltung erfreut es sich einer Geschichte, auf welcher sein eigentümlicher Charakter wesentlich beruht.

Die gefällige, treffende, wirksame Darstellung eines Gedankens ist an sich selbst eine Aufforderung zu dessen Beachtung bei unsern Erwägungen und Entschliessungen. Kann man also in diesem Sinne

von einer didaktischen Tendenz der Sinnsprüche reden (cf. Bd. I, p. 63–67), so tritt nach dieser Seite als Unterschied des Sprichworts von jenen kunstmälsigen Formen zunächst hervor, dass es die Erwartung nicht spannen will, wie das Epigramm, und uns nicht zum Nachdenken stimmen, wie die Gnome, da es Neues nicht bringt; dass es ferner Urteil und Gesinnung nicht zu bilden oder anzuregen beansprucht, wie diese Arten des Sinnspruchs, sondern auf Grund seiner geschichtlich ihm gesicherten Anerkennung sich mur in Erinnerung bringt, Befolgung erwartet, mit einer gewissen Kraft entscheidet, indem es unsere Entschlielsungen bestätigt oder verwirft. Das Sprichwort ist freilich ursprünglich, wie die anderen Sinnsprüche, von einem Einzelnen ausgegangen.*) Aber wie Un

*) Woher die Sprichwörter stammen, bespricht Des. Erasmus in den „Prolegomena in suas proverbiorum chiliades“. Er sagt: ,,Veniunt in vulgi sermonem vel ex oraculis numinum: quod genus illud, OÜTE Toitoi QÜTE TÉTUOTOI.“ (cf. Paroem. Gr. ed. Gaisf. e cod. Bodl. 79: Alyčiş oïtɛ tos101 ούτε τέταρτοι: επι των ευτελών και μηδενός αξίων. Οι γαρ Αίγιείς νικήσαντες Αιτωλούς την Πυθίαν εξηρώτων, τίνες είσι κρείττονες των Ελλήνων ń xinev, jučīs d' Aiyaç oŰte toitou oŭte tétoTot. Turès quoi &Mɛyu.QÉWV hey Invou.) „A sapientum dictis, quae quidem antiquitas oraculorum instar celebravit: quale est illud: dúoxoao to xurde." (cf. Plat. Crat. p. 384: nuhald trugovuía őri Yahenů Toxuño XoUV, wozu Schol.: φησί δε αυτήν Δίδυμος υπό Σόλωνος αναφωνηθήναι κ. τ. λ.) , Ε poeta quopiam maxime vetusto, ut Homericum illud: de zèv VÝNIOS čyvw, item illud Pindaricum: noti névtoov Muxtešbuer, et illud Sapphus: pri' tuoi quéãe, unre mélioon, ferner aus Euripides: űrw notaur, aus Aristophanes: Bura' xoşuzuç. (cf. Nias 17, 32; Piird. Pyth. 2, 172; das Beispiel der Sappho bei Tryphon (Sp. Vol. III, p. 206); Eurip. Suppl. 521; Arist. Nub. 143; Plut. 782.) „Nonnulla ducuntur ex fabularum argumentis, ut άπληστος πίθος ex Danaidum fabula, 'Αϊ δος κυνέη ex fabula Persei.“ (Zu önanotoç miloş cf. Par. Gr. Zenob. II, 6: XnÀ TÙv nohá Gió'Tuy vai Y4OTQua Yoó"Tan cet. zu didog xin cf, it. I, 41: Joo, Tous Émixgúntovtaş čuvrovs diá trwy uncovnuútwr cet.) „Quaedam trahuntur ex a pologis: e quibus illud: At non videmus manticae quod in tergo est.“ (cf. Phaedr. IV, 10; Babr. 56.) „Aliquot ex eventu nascuntur, sicut hoc: üzza uèv 18vxwv, ömlu 1 8vxwvos ovos gépet.“ (cf. Paroem. gr. e cod. Bodl. 102: ¿tūv dovu quruç tous lóyouş toīş čoyoış Youévwr cet.) , Ex historiis aliquot mutuo sumpta sunt, quorum est illud: Romanus sedendo vincit.“ (cf. Varr. r. r. 1, 2, 2; Cic. de sen. 4, 10; Virg. Aen. VI, 846.) „Quaedam profecta sunt ex apophthegmatis, hoc est, scite breviterqne responsis, sicut illud: Os avtos autovoux éYEL Sáuoy Jéhab.“ (cf. Plut. apophth. Lac. ed. Hutten p. 238.) „Sunt quae ex verbo temere dicto sunt arrepta, velut: où poortis Innoxhald,.“ (cf. die Erzählung hierzu bei Herod. VI, 129.) „Denique mores, ingenium seu gentis sive hominis alicujus, sive etiam animantis, postremo rei quoque vis quaepiam

zähliges sagten nicht und sagen immer noch die Einzelnen, was zur Lehre dienen könnte, und was doch sich spurlos verliert! Das Sprichwort erweist sich somit durch sein blosses Bestehen als nicht auf die Beobachtungen eines Einzelnen gegründet, sondern als Erfahrungsurteil des Volkes. Das Volk aber vernachlässigt oder verwirft nicht sowohl, was ihm unrichtig scheint oder was unschön ist im Ausdruck – eine philosophische Kritik würden nur wenige Sprichwörter aushalten, und dem ästhetischen Gefühl widerstrebt die naturwüchsige Derbheit gar vieler – sondern, was es nicht brauchen kann. Brauchen aber kann es im wesentlichen nur solche Beobachtungen und Gedanken, die ihm jederzeit hülfreich zur Hand sein können, an denen es sich in zweifelhaften Umständen orientiert und stärkt, solche also, die unmittelbar wirksam sind, sei es zur Bestimmung des Urteils, sei es für sein Handeln. Darum erscheint das Sprichwort vorzugsweise praktisch, auf die Gegenwart berechnet, die Gnome aber ihm gegenüber als zeitlos.

Aus dieser Rücksicht auf die Praxis, durch welche das Sprichwort lebt, erklärt sich auch seine Kürze. Die Sprichwörter sind teils deswegen kurz, weil ein durchschlagend kurzer Ausdruck sie von Anfang an empfahl und zugleich ihre Erhaltung begünstigte, teils deshalb, weil der Gebrauch sie möglichst abkürzte. *) Selten

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insignis ac vulgo nota locum fecerunt adagio, cujusmodi sunt: Súooi προ Φοίνικας; ακκίζειν; αλώπηξ ου δωροδοκείται; δις κράμβη θάνατος; Kanuariç Ayuntia. (cf. Par. gr. Diog. VIII, 19: Súpou n. 0: &xútepa to.

ovn divpádovrut, navowoya &xúotore di' črtous sioi; 1. c. 2, 4: ακκίζεσθαι: 'Ακκω γυνή τις επι μωρία διαβαλλομένη, ήτις εσοπτριζομένη I ñ oixeia oxiū šréou diehéyato; ib. 2, 18: dhur, dwood.; įrì tớv Sudíws Suoous choxou évwv; zu diç xo. 9. cf. Juv. sat. VII, 164: occidit miseros crambe repetita magistros; Kanu. Aiy, erwähnt 1. a. bei Diog. Laert. VII, 1.)

*) Bei Synesius (Eyxwuio quadxous. ed. Turneb. p. 59) wird als Aristoteles' Meinung von den Sprichwörtern angeführt: öti nahaios cioi φιλοσοφίας εν ταις μεγίσταις ανθρώπων φθοραίς απολομένης εγκαταλείμjuato ITEQIOWJÉvto dvd Ouvrouluv xai degiórnto. :- Bei Th. Bergk (Griech. Litteraturgesch. Bd. I. p. 362 sq.) heisst es: ,,Die praktische Weltklugheit (der Griechen) giebt sich besonders auch im Sprichworte kund. Die Griechen besitzen eine reiche Fülle von Sprichwörtern und sprichwörtlichen Redensarten, die meist durch ein besonderes Ereignis hervorgerufen, oder auf einen einzelnen Fall bezogen, doch eine allgemeine Wahrheit in ernster oder noch häufiger in scherzhafter Weise ausdrücken. Diese Sprichwörter berühren sich vielfach sowohl mit den Guomen, als auch mit der Fabel; eine feste Grenzlinie zu ziehen ist hier kaum möglich. Die Volksweisheit der alten

zeigen sie in ihrem Ausdruck den sinnlichen Anlass zu ihrem Entstehen noch neben dem Gedanken, welchen er weckte, und wenn z. B. in dem Sprichwörter-Verzeichnis bei Schottel (Von d. Teutsch. Haubtspr. p. 1112-1146) aufgeführt ist: „Alte Schuh verwirft man leicht, alte Sitten schwerlich“, so sieht dies eher aus, wie eine „sprichwortliche Redart“, als wie ein echtes Sprichwort. Es giebt vielmehr das Sprichwort.entweder den blolsen Gedanken, unterscheidet sich dann also von der Gnome nur durch die Art, wie es beglaubigt ist, und dadurch, dass über seine Wahrheit und Sittlichkeit nur die Praxis des Lebens zu richten hat; oder – und so ist es echtes Sprichwort auch in der Form und kommt am häufigsten vor – es stellt nur den sinnlichen Anlass hin, eine Parabel gewissermalsen, der Wirklichkeit entnommen, an welche der Hörer gewiesen wird, damit er sie auf den vorliegenden Fall übertrage. Gerade diese Sprache durch einen Umweg, dies Rätselhafte, was dem Witze des Hörers vertraut, dies Andeuten: „Ihr merkt doch wohl?“, ist dem Geschmacke des Volkes entsprechend. Welch' anschaulicher Trost, oder nach Umständen welch' anschauliche Warnung: „Wer am

Zeit ging nicht direkt auf ihr Ziel los, sondern pflegte in Bild und Gleichnis die Lehren mehr anzudeuten als auszusprechen, diese feine, sinnige Weise der Belehrung liegt tief im Wesen des griechischen Volkes. Eine solche Erzählung oder Gleichnisrede nannte man alvos (cf. Od. 14, 162-508); sie war in der Regel kurz und bündig, in der alten Zeit wohl meist in poetischer Form abgefasst; den Stoff boten teils Vorfälle und Erfahrungen des täglichen Lebens, teils die Tiersage dar; - diese Erzählungen eines Vorfalls, der anderen zur Lehre oder Warnung dienen soll, pflanzten sich im Munde des Volkes von Geschlecht zu Geschlecht fort, und eben, weil sie allgemein bekannt waren, zog man bald das Beispiel ins kurze, man begnügte sich mit dem Schlussverse, der in der Regel den Grundgedanken, die Moral, enthält (z. B. dievs manyeis vóoy oioel, oder vÚTOÙ Podoc, avtoù nádr, oder doày tùy vaūv xatodúow). Das Sprichwort ist also zunächst aus dem uivos hervorgegangen, nichts anderes als ein abgekürztes Beispiel, und eben weil sich nur die Lehre oder Nutzanwendung erhalten hat, heisst das Sprichwort gewöhnlich nu potuíd, was eben den Schlussvers einer Strophe oder eines kurzen Liedes bezeichnet; daher ist auch die katalektische anapästische Tetrapodie, welche in den aus alten Kurzzeilen bestehenden Liedern den Schluss bildete, allezeit die übliche Form des Sprichwortes geblieben und fand auch da Anwendung, wo ein Sprichwort nicht aus dem Beispiel hervorgegangen, sondern selbständig entstanden ist, wie dies später immer häutiger geschah." -- ,, Es kommen (als Metrum des Sprichworts) iambische, trochäische, daktylische Verse vor; aber die hervorragendste Stelle nimmt doch allezeit der sogenannte Paroemiacus ein, der Normalvers für das ältere griechische Sprichwort.“

Wege baut, hat viele Meister!“ – Dabei kann es wohl geschehen, dass der andeutende Ausdruck für weitere Kreise unverständlich wird, weil er von örtlichen oder zeitlichen Einzelfällen entnommen ist, wie z. B. (bei Binder, Sprichwörterschatz der dtsch. Nation 1873, No. 280, 594, 602): „Er weiss, wo Barthel den Most holt“; „Er macht's, wie St. Crispinus“; „Ist kein Dalberg da ?" *)

Nun ist das Sprichwort aber keineswegs ausschliesslich didaktischer Art, etwa eine volkstümliche Gnome, welche Klugheitslehren für das praktische Leben aufstellt; es zeigt ebensowohl jene Tendenzen, wie sie die bewusste Kunst in den verschiedenen Arten des Epigramms entfaltet hat, freilich auch hier mit der Richtung auf die Praxis des Lebens. Es rückt also z. B. irgend einen Vorgang in helle Beleuchtung dadurch, dass es für ihn eine Vergleichung bei der Hand hat, wie Livius (VIII, 8) erwähnt: Inde rem ad triarios redisse quum laboratur, proverbio increbuit. So etwa: Er ist auf den Hund gekommen; Da stehen die Ochsen am Berge; „he geit'r up los, as de Buck up de Hawerkist“; „he möt Hungerpoten sugen“. Arena cedere: Ad restim res rediit; Inter sacra saxumque stare; (Paroemiogr. Gr. ed. Gaisford. Diog. C. V, 17; E cod. Coisl. 257; E cod. Bodl. 356): nhiš nauza réortet; Froç ¿x unxavñs; ¿v Kapà o xivdvvoç. Es begleitet aber nicht nur das Sprichwort die Vorgänge mit einem passenden Bilde, sondern es übt viel häufiger damit zugleich eine Kritik, bald launig, bald scharf. So z. B. (Simrock, die dtsch. Sprichwörter): Wer's Glück hat, dem kalbt ein Ochs; Eine blinde Henne findet auch wohl ein Korn; Mehr Glück als Verstand; Von Herzen gern, sagen die Bauern, wenn sie müssen; Hahnreischaft ist die vornehmste Zunft; Er treibt die Hunde aus und geht selbst mit. Iliades post Homerum; Duabus sedere sellis; Aliud sceptrum, aliud plectrum; Non ex quove ligno fit Mercurius; Nemo feli tintinnabulum annectere vult; Lac gallinaceum. (Paroem. gr. Diog. V, 34; 58; VI, 16;

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*) Solche Sprichwörter finden sich auch bei den Alten, z. B. (Paroem. Gr. Cod. Bodl. 82): Axeoíus ídouto; (ib. 549): Kopúbov iki 9 uuteQOS; (A. Gell. N. A. XII, 2): Soterichi lecti; (Juven. Sat. XIII, 98): eget Archigene. – Wie das Rätselhafte in der Spruchform wirkt, bemerkt Aristoteles (Rhet. II, 21): τα αινιγματώδη, οίον εί τις λέγει όπερ Στησίχορος έν Λοκρούς είπεν, ότι ου δεί υβριστας είναι, όπως μή οι τεττίγες χαμόθεν έδωσιν, (cf. Demetr. de eloc. Sp. Vol. III, p. 281), und an demselben Beispiel zeigt er (ib. III, 11), wie das Geistreiche und Witzige in den Aussprüchen darauf beruhe, dass man die Meinung in den Worten zum Suchen hinstelle: Tõr αποφθεγμάτων δε τα αστεία εστιν εκ του μη ό φησι λέγειν. Gerber, die Sprache als Kunst. II. Band. 2. Aufl.

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