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quoddam carmen adsignat.“ *) Das Wiegenlied bei Theokrit (Id. XXIV, 7) ist nicht mehr naives Sprachbild:

εύδετ' εμά βρέφεα γλυκερών και εγέρσιμον ύπνον,
joc cua Uza di d

doa TÉxva, όλβιοι ευνάζοισθε και όλβιοι άώ ίδοιτε. Ursprünglicher scheinen die allitterierenden Worte des lakedämonischen Tanzliedes, welches Lucian (de salt. c. 37) anführt: nóóów naidɛş móda perdßate zaì xwuáčate Béltiov, ebenso das å v teu a bei Athenaeus (XIV, p. 629), von Blumensammlerinnen gesungen:

που μοι τα ρόδα, που μοι τα ία, που μοι τα καλά σέλινα;

ταδι τα ρόδα, ταδι τα ία, ταδι τα καλά σέλινα, auch die Probe eines sogenannten los oder "Iovhos bei Athen. (XIV, p. 618):

πλείστον ουλον ούλoν ίει, πλείστον ίoυλoν ίει. Auch bei den uralten Klageliedern (Joñvos), z. B. bei der Adonisklage, bildeten Klagelaute wohl den Kern, wie ai, ai, ai, ai, oi, oi, óhoov, bloov, aïlivov, , , aivov, ioú, ioú cet., von deren Verwendung wir u. a. bei Äschylos (Sept. adv. Theb. 963 sq.) ein Beispiel haben; ebenso der Ruf: in naiv bei den & ủztixà uénn. Ähnliches hat man sich wohl vorzustellen in Bezug auf die Lieder z. B. der Ammen, Winzer, Schneiderinnen bei den Römern, wie sie Ausonius (ep. 16, 90) erwähnt als „nutricis lemmata lallique (oder lillique) somniferos modos“, oder Varro (bei Non. p. 56): homines rusticos in vindemia incondita cantare, sarcinatrices in machinis.

Es findet sich weiter ein mehr geschlossener Sinn in bestimmteren Worten dargestellt, welche durch kräftigen Rhythmus oder durch Parechesen verknüpft sind und für gewöhnlich unter der allgemeinen Benennung von Volksliedern mitbegriffen werden. Sie berichten oder begleiten einen einzelnen Vorgang, zeigen die Empfindung eines Augenblicks, geben einen Einfall, Scherz oder Spott in einer Form, welche durch Lautwirkung Interesse erregt, eine Stimmung hervorruft, erheitert, belustigt. Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn man den Namen Volkslied auch zur Bezeichnung solcher Laut-Sprachbilder verwendet, sofern man eben

*) Ch. Marelle (Herrigs Archiv für neuere Spr. Jahrg. 1876. Bd. LVI. Hft. 2. p. 213 sq.) giebt: „quelques uns des jolis couplets avec lesquels les mamans bercent et amusent chez nous leurs bébés“.

unter Volkslied eine im Gegensatz zur kunstmässigen Lyrik einfache Darstellung eines einzelnen Seelenmoments verstehen will, welche zu einer weiteren Entwickelung, d. h. also zu einer eigentlichen Dichtung nicht fortgeht. Man kann sich dabei erinnern, dass früher bei uns nur der Plural: diu liet ein aus mehreren Strophen bestehendes Gedicht bezeichnete, der Singular: daz liet hingegen eine einzelne Strophe.

Das Urteil darüber, ob im einzelnen Falle ein Lied als Werk der Sprachkunst zu betrachten sei oder der Poesie, wird im allgemeinen den Grundsätzen zu folgen haben, welche Band I, p. 50—70 entwickelt wurden, worüber später noch das Nähere zu sagen ist. Wir bemerken aber an dieser Stelle, dass erst durch Anerkennung der Sprachkunst als einer besonderen Kunst der Streit, welche Dichtgattung, ob Epos oder Lyrik, als die älteste anzunehmen sei, mit Klarheit zu beurteilen ist. Ohne uns hier weiter auf geschichtliche Untersuchungen einzulassen, welche übrigens unsere Ansicht bestätigen würden, weisen wir nur darauf hin, dass Poesie nicht allein eine mehr entwickelte Gedankenwelt voraussetzt, sondern auch eine mehr ausgebildete Sprache, als dass überhaupt von ihr schon in ältesten Zeiten die Rede sein könnte, denn ohne eine irgendwie bestimmte Weltanschauung und – was damit zusammenhängt – ohne eine solche Herrschaft über die Sprache, dass diese von dem Schaffenden für das Ganze der Darstellung als blosses Mittel gefühlt und verwendet wird, ist Poesie nicht zu denken. Weder also dem Epos noch der Lyrik gehörten die ersten Hervorbringungen der Kunst an, welche durch Sprache sich darstellte, sondern es keimte sicherlich und blühte vor diesen längere Zeit daz liet der Sprachkunst, das Sprachmaterial bewältigend zu genügendem Ausdruck des Seelenmoments und es gestaltend zur Schönheit der lautlichen Form. Die Dichtung selbst aber war ohne Zweifel zuerst epischer Art, denn Aufnahme und phantasievolle Umgestaltung der objektiven Welt musste dem Bedürfnis wie der Fähigkeit zur Einkehr in sich selbst, zur freien Formierung des Seelenlebens vorangehen, und es zeigen deshalb auch die ersten Schöpfungen der Lyrik noch wesentlich epischen Charakter.

Wenn man nun mit Recht annimmt, es sei durch die Schöpfungen der Sprachkunst jeder Art auch die Volkssprache im allgemeinen ausgebildet und so für ihre Verwendung in der Dichtkunst tauglich gemacht worden – erhielt man doch durch sie nicht nur einen Vorrat fertiger Formen, glücklicher Beiwörter, formelhafter Wendungen für das Gedächtnis (die Schrift wurde erst von der Poesie gefordert), sondern mehr noch Modelle gewählter und treffend bezeichnender Ausdrücke, nach deren Muster ein entsprechender Inhalt dargestellt werden konnte – so würde es doch schief sein, sie deshalb als eine unvollkommene Art von Dichtung, als eine Vorstufe zur Litteratur zu betrachten. Wir setzen Bernhardys Worte (Grundriss der griech. Litt. T. I, p. 65 sq.) hierher, da sie lebensvoll jene Werke der Sprachkunst bei den Griechen schildern, in der Gesamtauffassung des Geschilderten aber der angedeuteten Schiefheit verfallen. B. sagt: „Alle hellenische Bildung hat ihren Keim in der Naturpoesie, woraus später die Litteratur hervorging; dort fand jede Thätigkeit, jeder gemütliche Moment im täglichen Lebenslauf, am meisten aber der frohe, durch das Zusammenwirken von Genossenschaften und Kunstverwandten angeregte Sinn einen natürlichen oder (?) objektiven Ausdruck. Diese dichterische Stimmung, die sich im Kreise natürlicher Menschen als ein unmittelbares Schaffen (Troinois) offenbart, wird zum sangbaren Vortrag und konnte nicht ohne lebhaftes Gebärdenspiel bestehen; soweit aber griechische Rede galt, war die Naturdichtung bis zu den geringsten Ordnungen des Volks in einer Mehrzahl von Landschaften und Örtern gedrungen. Daher übten Gewerbe, Lebensalter, Festlichkeiten, Ereignisse heiterer oder widerwärtiger Art, von der Wiege bis zum Tode, ihr eigentümliches Recht auf die flüchtige Volkspoesie, in aller Unbefangenheit und auch in schwankender Form, denn sie war nicht durchaus an ein metrisches Gesetz gebunden und selten von künstlerischer Hand geregelt Späterhin brachten also Sammler und Grammatiker nur wenige Texte zusammen, sonst begnügten sie sich einige Klassen und Titel zu überliefern: Titel etwa von Liedern der Ammen und Klageweiber, der Handwerker und Landarbeiter, der Festgenossen und der erfindsamen Bettler. Die Gegenwart nahm die Blüten derselben auf, sie allein konnte das gefällige Lied tragen und fortpflanzen; die feinsten Ausserungen dieses Triebes zu dichten wurden ein Eigentum der Mitlebenden und der Gesellschaft, aus deren Schoss sie hervorgingen. Manches Stück fand wegen seiner niedrigen Haltung nur in bürgerlichen Ordnungen einen Platz, und verschwand weiterhin ohne bleibende Spur; einige behaupteten sich durch den Adel der Form und Gesinnung.“ – Es stimmt die Auffassung Bernhardys, nach welcher aus solchen Produktionen „später die Litteratur hervorging“, überein mit der bereits (Bd. I, p. 83 sq.) besprochenen von Hegel, welcher die zur Sprachkunst gehörigen Werke „gleichsam nur als Vorkunst zu betrachten“ weiss, oder mit Vischer (Aesthetik, Bd. III, p. 98 sq.), dem diese Schöpfungen der „naiven Kunst“ als eine „Kunst vor der Kunst“ gelten. Solches „vor“, von der Zeit verstanden, ist ja zum Teil berechtigt, sofern gemeint wird, dass eine naive Sprachkunst sich früher müsse entwickelt haben, als Poesie, aber es wird weiter in dem Sinne genommen, dass es ein an sich Unbedeutendes kennzeichne, so etwa den Vorläufer oder Vorreiter des eigentlich Erwarteten. Aber was wäre sie denn nun selber, diese „Kunst vor der Kunst“ ? Ist sie nicht Poesie, doch aber Kunst, so wird sie eben besonders zu fassen sein. Man sieht wohl, es soll eine noch unreife, unvollkommene Kunst bezeichnet werden, gleichsam ein Kind, welches später zum Manne wird; und auch dies ist ja nicht unrichtig, obwohl nur ein Bild, welches von einer pädagogischen Betrachtung der Geschichte herrührt, nicht aber die Sprachwerke aus sich selber würdigt – wenn man nur nicht aufser acht lässt, dass ein Kind zu keinem anderen Manne werden kann, als zu demjenigen, der gerade in diesem Kinde steckte. Die Fehler, welche zu jener unklaren Vorstellung von einer Vorkunst führten, sind unschwer aufzufinden. Einmal stellte man sich vor, es sei diese Art der Kunst nur anfänglich da; sie sterbe, sobald die Poesie geboren werde. Dies ist falsch. Allerdings treten die Werke der Sprachkunst meist – nicht immer – litterarisch zurück vor denen der Poesie, aber sie werden fortdauernd, heute noch, geschaffen, wie in ältesten Zeiten, und sie beherrschen sogar, wie oben angeführt wurde, bei manchen Völkern beständig die Litteratur. Der zweite Fehler ist, dass man das Streben, dem Seelenmoment in einem Sprachbilde kunstvollen Ausdruck zu geben, gering achtete, ja als solches übersah, weil man es verglich mit jener ganz anders gearteten Kraft der Phantasie und Besonnenheit, welche Dichtungen schafft. So nämlich erschienen die Sprachbilder nur als unvollkommene Werke der Poesie, während der Erkenntnis ihrer eigentümlichen Art auch die Anerkennung ihres besonderen Wertes gefolgt sein würde. *) Allerdings zeigen die Werke der naiven

*) Was Lichtenberg (Vermischte Schr. Bd. I, p. 321 sq.) von einer einzelnen Art dieser Kunst erinnert, gilt für alle: „Ich glaube, dass sich Leber - Reime schreiben lassen, die, ohne den Regeln dieser erhabenen Dichtungsart im geringsten zu nahe zu treten, dem Weisen selbst so viel Vergnügen machen könnten, als eine Stelle aus dem Homer.“ Und dazu: „Ein guter Ausdruck ist so viel wert, als ein guter Gedanke, weil es fast unmöglich ist, sich gut auszudrücken, ohne das Ausgedrückte von einer guten Seite zu zeigen.“

Sprachkunst – also z. B. die der ältesten Zeiten, und namentlich jene Lautspiele, von denen wir an dieser Stelle sprechen – sich wenig entwickelt wie in der Technik, so im Gehalt, aber ihre Entwickelung bis zur Uberkünstelung hin nach einigen Richtungen, im ganzen freilich in engeren Grenzen sich haltend, bleibt doch immer eine Entwickelung der Sprachkunst, leitet nicht etwa über zu den Werkeu der Poesie, so wenig, wie etwa die Reliefskulpturen, selbst solche, wie die Koilanaglyphen der Ägypter, zur Malerei. Ganz etwas anderes ist es, wenn man sagt, das Volk, indem es fortschreite in äusserer und innerer Kultur, entwickele seinen Geist dahin, dass Dichtkunst möglich wird, während es vorher nur Sprachkunst geübt habe. Man betrachte nur die Sprache Homers, um zu fühlen, dass – wie auch für sie eine Ubung der Sprachkunst schon lange vorher die Beherrschung der Sprache mochte vorbereitet haben (cf. Bd. II, p. 145 sq.) – doch gerade am wenigsten ein Hervordrängen des einzelnen Moments sich merkbar macht, wie vielmehr der grosse epische Sinn durchaus auch in dem einfachen, klaren, natürlichen Ausdruck waltet, der zwar schon durch seine Gewandtheit und Mühelosigkeit auf eine vorausgegangene Ausbildung in Heldenliedern hinweist, höchst selten aber Anlass giebt, an eine Erziehung zum Epos durch Werke naiver Sprachkunst auch nur zu denken.

Was den Rhythmus betrifft, welchen die naiven Lautspiele suchen und auf dem sie zuweilen ausschliesslich beruhen, so ist zu bemerken, dass er mit metrischen Gesetzen nichts zu thun hat. Er dient ihnen im Verein mit den Gleichklängen als das die einzelnen Laute zusammenhaltende Band; aber er herrscht vielmehr, als er dient, und eine feste Regelung seines Ganges wäre bei den leicht überschaubaren Sprachmassen auch überflüssig gewesen. Rhythmik statt Metrik findet sich auch bei allen sogenannten Volksliedern, z. B. bei den Lais oder Leichen. Damit stimmt überein, dass auch die Volksgesänge sich mehr rhythmisch als nach strengem Takt bewegen, wie es z. B. bei den mittelalterlichen Kirchengesängen der Fall war. Schon in Bezug auf die altgriechischen Orakelsprüche gilt Lobecks Wort (Aglaoph. II, p. 853): poesin sacram neque olim legibus metricis inserviisse neque nunc adstrictam teneri; und so sagte Beda (bei Putsche, Grammat. Lat. auct. ant. p. 2380) von den Gesängen, welche er als vulgaria, rustica bezeichnet: „videtur autem rhythmus metris esse consimilis, qui est verborum modulata compositio, non metrica ratione, sed numero syllabarum ad judicium aurium examinata, ut sunt carmina

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