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den phonetischen der litterarischen entsprechen diejenigen selbständigen Werke der Sprachkunst, welche wir Laut- und Wortspiele nennen, den syntaktischen und den noëtischen Figuren diejenigen, welche wir überhaupt als Sinnsprüche bezeichnen, den Tropen einerseits, andrerseits den ästhetischen Figuren diejenigen, für welche wir den Namen der symbolischen Sprach bilder vorschlagen.

I. Die Laut- und Wortspiele.

Die Werke der ersten Abteilung entstehen durch eine Entfaltung des Lautkörpers der Sprache, gegen welche die Bedeutung des Sinnes zurücktritt. Der Sinn ist nämlich entweder, wenn er nicht geradezu fehlt, für sie doch von ganz geringem Werte, oder er erscheint als ein bloss zufälliges, weil aus der Laune der Lautkombination hervorgehendes Ergebnis, oder es wendet sich das Spiel der Klänge und Rhythmen gegen ihn mit einem gewissermassen ironischen Verhalten zur Sprache und stört oder vernichtet ihn absichtlich. Der logische Verstand kann dergleichen, worin er eine Verkehrung sieht von Mittel und Zweck, nur missbilligen, und es ergiebt sich hieraus die Sphäre, in welcher diese Laut- und Wortspiele sich halten. Wir begegnen ihnen in der Kinderzeit der Menschen und der Völker, welche den Ernst des Verstandes noch zu wenig kennt oder ehrt, und wir finden sie, weil ihnen an sich schon der Kontrast innewohnt, in Zeiten fortgeschrittener Kultur benutzt zum heiteren Spiel, zum Scherz und zur Komik. *)

sich durch glücklichen Gedanken oder Ausdruck besonders auszeichneten, verbreiteten sich schnell und gingen von Mund zu Munde. Unter diesen Umständen waren die Macht und der Einfluss, die das poetische Talent ausübte, unberechenbar.“ Von der arabischen Poesie in Andalusien heisst es (p. 69): „Mindestens sechs Jahrhunderte lang ist dieselbe mit einem Eifer und von einer so grossen Menge von Individuen kultiviert worden, dass ein Verzeichnis aller spanisch-arabischen Dichter allein ganze Folianten füllen würde.“ Es wurden also die Hervorbringungen dieser Poesie in ähnlicher Weise zum allgemeinen Sprachgut, wie bei uns etwa die Redefiguren. Schack sagt (p. 70 sq.): „Die Höchsten wie die Niedrigsten kultivierten die Poesie“, „es wird beispielsweise angeführt, in der Umgegend von Silves habe fast jeder Bauer die Gabe der Improvisation besessen und selbst der Ackersmann hinter dem Pfluge über jedes beliebige Thema Verse gemacht.“ Auch ins alltägliche Leben, in den Briefwechsel, in wissenschaftliche Werke, in Staatsschriften, ja in Reisepässe drang die poetische Form. Hieraus erklären sich dann (p. 90) „die ewigen Wiederholungen des schon Gesagten“, und jene allgemeine Gewohnheit der Plagiate, von welcher Mehren (Rhetor. d. Arab. 1. 147-151) handelt. (cf. Bd. I, p. 111 sq.)

Wir erinnern in Bezug auf den Geschmack, welchen wir als Kinder an solchen Spielen nicht bloss naiver Weise finden, sondern als kultivierte Kinder auch schon mit einigem Bewusstsein bethätigen, an einige Mitteilungen Goethes (Aus meinem Leben): „Die Grammatik missfiel mir: – und wäre nicht der gereimte angehende Lateiner gewesen, so hätte es schlimm mit mir ausgesehn; doch diesen trommelte und sang ich mir gern vor. So hatten wir auch eine Geographie in solchen Gedächtnisversen, wo uns die abgeschmacktesten Reime das zu Behaltende am besten einprägten, z. B. Ober-Yssel, viel Morast Macht das gute Land verhasst.“ Goethe erzählt, welche Erbauung Klopstocks Messias („, bei dem man sich im Anfang gewundert, wie ein so vortrefflicher Mann so wunderlich heissen könne“) für ihn und seine Schwester gegeben, wie sie Satan und Adramelech sich zu eigen gemacht, und wie „die wechselseitigen, zwar grässlichen aber doch wohlklingenden Verwünschungen ihnen nur so vom Munde geflossen und wie sie jede Gelegenheit ergriffen, sich mit diesen höllischen Redensarten zu begrüssen“. An einer anderen Stelle heisst es: „Es lässt sich bemerken, dass Knaben, denen ja doch alles zum Scherze dienen muss, sich am Schalle der Worte, am Falle der Silben ergötzen und durch eine Art von parodistischem Mutwillen den tiefen Gehalt des edelsten Werkes zerstören.“ – Die naiven Lautspiele der Völker, schwer mit Bestimmtheit für die ersten Zeiten nachzuweisen, sind aus Ammenmunde, von Dreschern, Ruderern u. a. doch immer zu hören. Wie sehr hierbei der Sinn dem Klange untergeordnet vorzustellen ist, bezeugt z. B. Welcker (Allgem. Schulzeit. 1830. Abt. II, 2, p. 24) in Bezug auf das uralte, schwermütige Linoslied der Griechen. Seine Ansicht giebt Koester (de cantilen. popular. vet. Graec. Berl. 1831. p. 23): „Welckerus linum cantilenam, quam a saltatoribus, a convivis et vindemiatoribus

*) Über die carmina des P. Opt. Porfyrius (vide näheres unter den später mitgeteilten Beispielen) sagt Lucian Müller in seiner Ausgabe desselben (p. XIII), nachdem er sehr wegwerfende Urteile über dessen Künste mitgeteilt: „Ego me a judicibus tam severis quadamtenus dissentire non nego – Itaque Porfyrii carmina, licet principiis stent perversis, non poterunt nulla laude videre digna.“ Das Urteil über solche Produktionen wird nur eben dann so hart, wenn man sie der Dichtkunst zurechnet d. h. ihr principium pervertiert.

cantata sit, perpauca verba tantum exclamationibus intermixtis, neque ullam, neque mythi narrationem, nec lyricam rei amplificationem continuisse statuit, et alio loco ipsum Lini nomen nihil aliud significasse affirmat, quam lugendi quandam ejulationem, et comparat Aegyptiorum lulululu, Graecorum alala, ololy et eleleu, Romanorum ululo, lugere et lessus, Germanorum Leid et Bascorum lelo, quod aeque atque Linus exclamatio est et nomen proprium (W. v. Humboldt Mithridat. t. IV, p. 353) quo efficiatur, ut Linus juvenis, si mythica posteriorum temporum inventa missa feceris, universe de juvene misero (Der Jüngling des Achs) accipiendus sit.“ Gervinus (Gesch. der dtsch. Dicht. Bd. I, p. 17) sagt: Jene Art von Poesie, welche der ungekünstelte rauhe oder weiche Ausdruck heftiger oder sanfter Gefühle und Leidenschaften, oder des Lobes und Spottes auf öffentliche Handlungen ist, verschmäht nicht leicht irgend einen Raum der Erde; sie findet sich bei den Negern der Tropenklimate, wie bei den Kamtschadalen.“ „Diese Art von Dichtung reicht endlich auch bis in die entferntesten Zeiten hinauf, denn es ist schwerlich ein Zweifel, dass nicht die ersten Menschen – bald den Gesang mit rhythmischem Falle der Worte oder mit ebenmässiger Bewegung der Fülse begleiteten.“ Als Beleg für eine Überwucherung solcher Lautspiele in Zeiten der Kultur folge noch eine Stelle aus J. v. Hammer (Geschichte der schönen Redekünste Persiens, p. 33): „In den Wort- und Buchstabenkünsteleien, welchen auch in Lehrbüchern der persischen Poetik ihre Stelle angewiesen ist, übertreffen die Orientalen alle Akrostichen- und Anagrammenschmiede des Occidents bei weitem. Verse, die aus lauter Buchstaben mit oder ohne Punkten bestehen, die alle mit demselben Buchstaben anfangen oder enden, die symmetrisch mit gleicher Buchstabenzahl ins Viereck, in die Runde, oder in andere Figuren geschrieben werden können, die sich vorwärts und zurück, hinauf und herab, und in Kreuz und Quere lesen lassen, gehören unter die Kunststücke der persischen Poesie.“ – „Minder tadelnswert sind die Chronographen, die Rätsel und Logogryphen, die sich auch im Occidente noch am Leben erhalten haben, aber hier nie zu solchem Ansehen gelangt sind, als im Oriente.“ „Mehrere berühmte persische Dichter haben mit ganzen Bänden solcher Buchstabenkünsteleien Zeit und Mühe verloren. Die Rätsel- und Logogryphenkunde macht einen eigenen Zweig des dreihundertarmigen Baumes der orientalischen Encyklopädie bei Hadschi Chalfa aus, und sowohl Watwat, der persische, als Sururi, der türkische Boileau, führen dieselben in ihrer Poetik auf.“

Die Scheidung, welche mehr oder weniger deutlich bei allen Arten der selbständigen Sprachbilder hervortritt, in naive Hervorbringungen, wie z. B. Kinderlieder, Sprichwörter, und in litterarische, wie z. B. Akrosticha, Gnomen, ist dieselbe, welche zur doppelten Behandlung der unselbständigen Sprachkunstwerke nötigt, einmal als der grammatischen Figuren und (naiven) Tropen, dann als der rhetorischen und ästhetischen Figuren. Man vergleiche hierzu das oben (Bd. I, p. 113 sq.) Gesagte, wonach im allgemeinen festzuhalten ist, dass die Blüte der Sprachkunst alterniere mit jener der Dichtkunst, dass sie sich also vornehmlich zeige in den Zeiten der beginnenden Kultur und in jenen, welche von Gipfelpunkten der Poesie hinüberleiten in solche Zeiten, die vom Erworbenen zehren und als „prosaische“ gelten.

a) Die naiven Lautspiele. Abgesehen von den Spielen der Gebärdensprache, welche mit rhythmischer Bewegung bei Völkern geringer Kultur ohne Beifügung von Lauten oder Worten allerhand Seelenmomente darstellen (ef. Arist. Poet. 1: công đề htup uuuoỡvai (Qis αρμονίας οι των ορχηστών, και γαρ ούτοι δια των σχηματιζομένων gvŞuôv pipoūvtai xaì in xaì náIn xaÌ nocfxus), sind zuerst diejenigen Lautspiele zu erwähnen, welche entweder nur Laute verwenden oder sich doch der Worte nur als Laute bedienen. So singen z. B. die Kinder in Berlin bei dem sogenannten „Abzählen“: Ene mene men

Ene mene ming mang
Ti tukken tukken ten

Kling, klang,
Karabutte, Karabutte auch:

Ose pose packe dich
Witsch Watsch
Ab, dran!

Eier weier, weg! in Bromberg: Enkla, menkla, zickla, zeh

Rutschma, putschma, ab!
Aus „Dichtungen aus der Kinderwelt“ (Hamburg 1815):

Ine mine
Bucker, dine
Gerstenbrot
In der Not!
Puff, paff, ab!

Bei den Brüdern Grimm (Kinder- und Hausmärchen Bd. II, p. 289) wird erzählt: „Die Kinder liefen da herum, kriegten sich, und spielten Abzählens:

„Enecke, Benecke, lat mi liewen,
will die ock min Vügelken giewen.
Vügelken sall mie Strau söken,
Strau will ick den Köseken giewen,
Köseken soll mi Melk giewen,
Melk will ick den Bäcker giewen,
Bäcker sall mie 'n Kocken backen,
Kocken will ick den Kätken giewen,
Kätken sall mie Müse fangen,
Müse will ick in'n Rauck hangen

Un will se anschnien.“ Dabei standen sie in einem Kreis, und auf welchen nun das Wort „anschnien“ fiel, der musste fortlaufen, und die andern liefen ihm nach und fingen ihn.“ – Die Amme streichelt und kitzelt die innere Hand des Kindes, wobei sie sagt (Simrock, die deutschen Volksbücher Bd. IX, p. 78):

Thaler,
Maler,
Kühchen,
Kälbchen,
Schwänzchen,
Dideldideldänzchen.

Wenn das Kind allzu wissbegierig ist, heisst es (1. c. p. 94):

Warum?
Darum.
Warum denn darum?
Um die Krümm herum.
Warum denn um die Krümm herum?
Weil der Weg nicht schnack ist.

Das taktmässige Gesumme der Wiegenlieder bei den Griechen, von dem Sext. Emp. spricht (adv. Mus. p. 363): výrtia yoūv έμμελούς μινυρίσματος κατακούοντα κοιμίζεται (meist καταBavxaknoets [Athen. XIV, p. 618] genannt), brachte sicherlich mehr Klänge als Worte, wiewohl (Quint. I, 10, 32): „Chrysippus etiam nutricum illi quae adhibetur infantibus adlectationi suum

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