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Wir haben oben an einzelnen Stellen (cf. Bd. II, p. 73, 81, 107) der Tropenlehre aus der Rhetorik der Araber erwähnt.*) Die Einteilung der Redefiguren hatten sie von den Griechen angenommen. Mehren (die Rhetorik der Araber p. 97) sagt: „Je nachdem diese Verschönerungsmittel der Rede überwiegend entweder im inneren Wesen oder in der äusseren Form des Ausdrucks begründet sind, werden sie in die begriffsmässigen und die formellen eingeteilt, obgleich mehrere die Eigenschaften beider Arten in sich vereinigen.“ Im einzelnen wird freilich viel Wunderliches geboten. Qazwînî stellte 29 Kategorieen begriffsmässiger Figuren auf. Unter den verschiedenen Arten der Antithese wird u. a. von ihm eine solche genannt, bei welcher die Entgegensetzung durch Farbwörter hervorgebracht wird, wie z. B. in einem Verse des Abû-Tammâm: „Er warf um sich die Gewänder des Todes, rot gefärbt, aber nicht sobald brach die Nacht über sie herein, als sie bereits von Paradiesbrokat und grün waren“. – Weiter wurde aufgestellt; „eine harmonische Übereinstimmung zusammengestellter Begriffe“, wie z. B. in einem Verse Buhturî's von der Reise abgemagerte Kameele beschrieben werden: „Wie die gekrümmten Bogen, vielmehr wie die Pfeile abgeschabt, ja wie die Bogensehnen.“ – Die sechste Figur war die Umdrehung“ z. B. in dem Verse des Abu-'l-Fath-al-Bustî: „Die Sitten der Gebieter sind die Gebieter der Sitten“; ebenso: „Die Worte der Fürsten sind die Fürsten der Worte.“ Die neunte Figur ist die Dienstentlehnung“, bei welcher von mehreren Bedeutungen desselben Wortes die einen durch das Wort selbst, die anderen durch Fürwörter ausgedrückt werden z. B. im Verse des Mua’wijah b. Mâlik:

*) Mit Bezug auf die zum öfteren von uns gegebene Hinweisung auf die besondere Ausbildung der Sprachkunst bei den Semiten, namentlich den Arabern, ist die Thatsache zu erwähnen (Mehren I. c. p. 3), dass die Sprache bei den Arabern auch als der erste Gegenstand der wissenschaftlichen Studien in einem weit höheren Grade als bei anderen Nationen hervortritt“, und „So finden wir, dass schon der Neffe des Propheten ‘Ali-ben-Abi Talib als der erste Begründer der grammatischen Wissenschaft und als Gewährsmann des ältesten arabischen Grammatikers Abu-l-Aswad (+ 96 d. H.) betrachtet wird.“. In den Kommentaren zum Koran, welche die einzelnen Schönheiten der Sprache hervorhoben, lagen die ersten Keime der Rhetorik, welche später diese Einzelschönheiten unter allgemeinere Gesichtspunkte zusammenfasste und mit Beispielen aus den Dichtern ausstattete. Am meisten gerühmt und noch heute in den Schulen des Orients gebraucht ist das Werk des Qazwînî († 793 = 1338 n. Chr.), zu welchem es viele Kommentare giebt und das auch mehrmals zu einem Lehrgedicht umgearbeitet wurde. Gerber, die Sprache als Kunst. II. Band. 2. Autl.

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„Wenn der Regen auf das Gebiet eines (fremden) Stammes herabfällt, weiden wir ihn (d. i. das durch den Regen entstandene Futter) ab, mögen sie (die Stammangehörigen) immerhin zürnen“.

– Die letzte Figur ist die gleichmässige Fortbewegung“, wenn nämlich neben dem Namen einer Person auch deren nächste Vorfahren in natürlicher Reihenfolge aufgezählt werden. (Bei Mehren werden [p. 129] auch mehrere von anderen aufgestellte Figuren angegeben.) Unter den formellen Verschönerungsmitteln befinden sich z. B. die Paronomasie: Wiederholung der Schlussworte des vorhergehenden Verses im Anfange des nächsten. Verschiedene Dinge werden aufgezählt und mit derselben ebenso oft wieder-, holten Benennung bezeichnet, wie z. B. in den Versen: „Und sie kredenzt mir und trinkt selbt einen Wein, der wert ist, den ehrenden Beinamen Khalûq zu bekommen. Der Becher in ihrer Hand und an ihrem Munde scheint ein Rubin in einem Rubin an einem Rubin zu sein“; das Aufzählen der Eigenschaften, wie in dem Verse des Mutanabbî: „Mich kennen die Rosse, die Nacht, die Wüste, das Schwert, die Lanze, das Papier und die Feder“; „die einzigen Perlen, eigentümliche“, durch andere nicht zu ersetzende Ausdrücke; „die Reimprosa“; „Formgleichheit ohne Reim“; „das Sichergiessen“ d. h. zufällige Verse in der Prosa; „die Umdrehung“, wann ein Wort oder Satz ohne Sinnunterschied vorund rückwärts gelesen werden kann; „der freiwillig übernommene Zwang“, wenn z. B. ein bestimmter Buchstabe in der Rede nicht vorkommen soll u. a. m.

Im übrigen bemerkt ein Kommentator zu Qazwînî, wenn man diese Verschönerungsmittel anwende, ohne den Forderungen der Angemessenheit und Deutlichkeit des Ausdrucks zu genügen, so „schlinge man Perlen um einen Schweinehals“.

Abschnitt III.

Die selbständigen Werke der Sprachkunst.

(Das Sprachbild.)

Begriff und Einteilung.

Die Werke der Sprachkunst stehen ihrem Begriffe nach zwischen denen der Tonkunst und denen der Dichtkunst; sie stellen die Bewegungen, die Daseinsmomente der Seele dar, wie jene, und sie bedienen sich hierzu der Sprache, wie diese. Da sie sich in artikulierten Lauten darstellen, so geben sie ihrem Inhalt eine Bestimmtheit des Ausdrucks, welche die Tonkunst nicht zu erreichen vermag; da die glückliche Verkörperung der Seelenmomente durch Sprache ihr einziges Ziel ist, so beanspruchen sie eine Vollendung und Auszeichnung ihrer sprachlichen Form, um welche sich die Dichtkunst als solche nicht kümmert. Dagegen fehlt ihnen die Naturgewalt der Musik, und es fehlt ihnen die Gedankenentfaltung, die geistige Durcharbeitung der Poesie. Wir bezeichneten als die ersten Kunstwerke der Sprache die Wurzeln (cf. Bd. I, p. 108, p. 165 sq.), denn in ihrer Hervorbringung bethätigt sich zuerst jenes symbolisierende Kunstvermögen des Menschen, von welchem die unartikulierten Naturlaute, welche auch ihm nicht fehlen, noch nichts aufweisen. Es entstanden diese Schöpfungen auf Anlass von Seelenreizen, und die künstlerische Freiheit und Eigenart, welche in ihrer Gestaltung sich geltend machte, schuf sie sicherlich mit Freude aber ohne Bewusstsein über ihr Schaffen. Was so an sich als Werk naiver Kunst zu betrachten ist, trat mit Vorteil, weil mit mehr Bestimmtheit, an die Stelle der Naturlaute und damit in den Dienst der Bedürfnisse und der Mitteilung. Lange Zeit musste verfliessen, bis die materielle und geistige Entwickelung

unseres Geschlechts der Menschenseele die notwendige Unabhängigkeit und Ruhe verschaffte, um die Hervorbringung eines sich selbst genügenden Schönen auch wollen zu können; und die Werke dieser bewussten Kunst zeigten dann die inzwischen zu grösserem Reichtum, zu festerer Umgrenzung gelangten Vorstellungen in der bestimmteren Ausprägung von Satzformen, welche nichts sind, als Entfaltungen der Wurzeln.

Man kann eine zwiefache Art unterscheiden, wie die Satzform sich ausbildet und vollendet; denn der Satz ist sowohl Urteil, wie auch Entwickelung eines Lautbildes. In ersterer Eigenschaft hat er durch die Mittel der Grammatik den Forderungen des Verstandes zu genügen, und er baut sich aus teils durch Bestimmungen, welche er seinen Gliedern anschliesst, teils dadurch, dass er Begriffe, welche sich schon zu Sätzen entwickelt haben, wiederum als Glieder grösserer Ganzen verwendet, indem er sie miteinander verbindet oder ineinander verflicht. So wird durch Genauigkeit der · Bezeichnung, klare Ausbreitung der Vorstellungen, Übersichtlichkeit der Gedankenverknüpfung den Zwecken des Verständnisses gedient. Freier gestaltet sich die dennoch in sich abgeschlossene Darstellung des Seelenmoments, wenn es sich um die Ausführung der einzelnen Züge eines Lautbildes handelt. An Stelle der logischen Einheit, welche den grammatischen Satz beherrscht, tritt dann die künstlerische Einheit, darauf beruhend, dass nur der Eine Seelenmoment zum Ausdruck kommt, der Eine Einfall, der Eine Begriff, das Eine Bild. Diese Einheit nun bleibt auch gewahrt, wenn die Darlegung des Inhalts in wechselnder Form sich wiederholt, oder wenn sie überhaupt mehrerer grammatischen Sätze bedarf. (cf. Bd. I, p. 57 sq., 60 sq., 104 sq.) Dem Begriffe eines sprachlichen Gebildes dieser Art kann der ihm auf dem grammatischen Gebiete allerdings entsprechende Namen des Satzes ohne Verwirrung nicht gegeben werden, und wir schlagen deshalb für ihn den terminus ,,Sprachbild“ vor, der beides bezeichnen kann, den Begriff des selbständigen Sprachkunstwerkes und dessen sprachliche Form. *)

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*) Die Entstehung von selbständigen Werken der Sprachkunst wird geschildert in den Worten W. v. Humboldts (Über die Verschiedenh. des menschl. Sprachb. p. 198): „Um den Charakter der Sprachen genauer zu betrachten, müssen wir auf den Zustand nach Vollendung ihres Baues sehen. Das freudige Staunen über die Sprache selbst, als ein immer neues Erzeugnis des Augenblicks, mindert sich allmählich. Die Thätigkeit der Nation geht von der Sprache mehr auf ihren Gebrauch über, und diese beginnt mit dem

Das Schema für die Einteilung der Sprachbilder ist uns schon gegeben. Den etymologischen Figuren der naiven Sprache,

eigentümlichen Volksgeiste eine Laufbahn, in der, keiner beider Teile sich von dem andern unabhängig nennen kann, jeder aber sich der begeisternden Hülfe des andern erfreut. Die Bewunderung und das Gefallen wenden sich nun zu Einzelnem, glücklich Ausgedrücktem. Lieder, Gebetsformeln, Sprüche, Erzählungen erregen die Begierde, sie der Flüchtigkeit des vorübereilenden Gesprächs zu entreissen, werden auf bewahrt, umgeändert und nachgebildet.“ Näheres lehrt die Litteratur namentlich des Orients, welche in überströmender Fülle solch' „glücklich ausgedrücktes Einzelne“ bietet. Es ist die Entwickelung der Poesie bei den Semiten durch den Reiz und durch den Glanz der Sprachkunst wenn nicht durchaus unterdrückt, doch wesentlich beeinträchtigt worden. Bei Ahlwardt („Über Poesie und Poetik der Araber“ Gotha, 1856) heisst es (p. 7): „Die Poesie der Araber beginnt mit einzelnen Versen, die einer bei vorkommender Gelegenheit, nach jedesmaligem Bedürfnisse sprach“; und weiter: „Mit kurzen Versen ganz subjektiven Inhalts, mit denen die arabische Poesie begonnen hat, und in denen sie eine augenblickliche Empfindung oder Wahrnehmung ausspricht, oder eine Seite des Lebens in und mit der Natur hervorhebt, fährt sie im Grunde auch dann noch fort, als sie bei grösserer Übung und angeeigneter Kunstfertigkeit zum Hervorbringen grösserer Gedichte vorgeschritten war. Ich meine nämlich dies, dass sie selbst in dieser Zeit - sich nicht zu einem grossen, einheitlichen Ganzen verstieg, sondern dass sie sich aus einer Anzahl einzelner Gedichtchen oder Bilder, wie sie die ältere Zeit gekannt hatte, zusammensetzte. Freilich war dies nicht ein ganz willkürliches Aneinanderfügen von Bild zu Bild; einem Ziele allerdings strebte der Dichter mit seinem grösseren Gedichte zu: allein die Teile, aus denen er dasselbe zusammensetzte, waren denn doch sehr verschiedenartig voneinander.“ – „So entstanden die Quassiden.“ - Es stimmen hiermit durchaus die Mitteilungen über die „Poesie und Kunst der Araber in Spanien und Sicilien von A. F. v. Schack“ (Berl. 65). Es heisst da (p. 4 sq.): „Die frühesten poetischen Ergüsse der Araber waren einzelne, auf Anregung des Augenblicks improvisierte Verse. Alle Traditionen und Sammlungen von Gedichten aus vor-islamischer Zeit sind voll von solchen kleinen rhythmischen Äusserungen ganz persönlichen Inhalts, wie sie durch diesen oder jenen bestimmten Anlass hervorgerufen wurden.“ „Es ist wichtig, diese Urform der arabischen Dichtung zu kennen, denn sie liegt nicht allein allen deren späteren kunstmässigen Gestaltungen zu Grunde, sondern hat sich auch neben denselben fortwährend unverändert erhalten. In der That macht das Subjektive und Persönliche, das Entstehen auf bestimmte Veranlassungen den Charakter aller arabischen Poesie aus.“ „Auch in den berühmten Mu'allakâts ist so an die Einheit einer leitenden Idee nieht zu denken (p. 8), vielmehr reihen sich Empfindungen und Schilderungen nur ziemlich lose aneinander.“ Statt der höheren Besonnenheit, statt des eigentlichen Dichtens bemerkt man (p. 21): ,,ein stetes blitzartiges Zucken der Affekte, ein Wirbeln und Schäumen der Leidenschaften.“ – Es stimmt hiermit die von uns als der Sprachkunst zukommend hervorgehobene Allgemeinheit und Popularität solcher Schöpfungen, wie sie Schack schildert. Er sagt (p. 9): „Verse, die

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