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aus dem Menantes, oder vielmehr Hrn. Neumeister neh men. Es steht a. d. 253. S.'

Wozu entschließt sich mein Gemüthe?

Wo findt mein Herz die beste Ruh?
Welch Glücke zeigt mir seine Güte?,
Und welch Vergnügen deckt mich zu?
Doch was mir längst ist vorgeschrieben,
Das ist der freye Weg im Lieben.

Echo. Im Lieben!

Wie? artge Nymphe, willst du scherzen?
Und stimmest dem Enschlusse bey:

Daß Lieben für galante Herzen

Das allerbeste Labsal sey?

So laß sich alles glücklich fügen,

Mich durch die Liebe zu vergnügen.

Echo. Vergnügen.

Vergnügen! doch nicht bloß durch Worte,
Die That muß selber Zeuge seyn 20.

Obwohl ich nun diese Erfindung an sich nicht verwerfe: kömmt mir doch dieses etwas zu gezwungen vor, wenn der Verfasser, alle diese Schlußwörter seiner Strophen, zusammen genommen, einen besondern Sinn ausmachen läßt; als ob ihm nämlich die Waldnymphe die Sittenlehre, hätte zuruffen wollen: Im Lieben Vergnügen suchen, betrüget Tho ren; ich (scil. hab es ) erfahren: als nämlich Echo in den Wiederhall verwandlet worden. Denn dieses erhellet, aus der gewaltsamen und unerlaubten Auslassung, in dem legten Nachklange: zugeschweigen, daß ein Echo, das zwo Sylben nachruffet, allemal dabey bleibet, und schwerlich drey, aber gewiß nicht vier nachruffen kann.

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3. §. Noch eine weit gezwungenere Art von Liedern, haben die Provenzalpoeten, und Wälschen an ihren Sechs Stinnen eingeführet: wobey es aber auf nichts anders, als aufs Reimen, und die Wiederholung und Verwechselung der Reime ankommt. Das Muster, das uns Crescimbeni davon giebt (L. I. p. 25.) ist vom 1560sten Jahre, von dem friaulischen Dichter Amalteo, und die erste Strophe Lautet so :

L'au

L'aura, che gia di quefto fragil legno,
Hebbe 'l governo, et la guarda da fcogli,
Or me contefa da rabbiofi venti,
E ver me fento congiurate l'onde
Ne fra tante procelle fcorgo il porto,
And'io pavento a cofi lungo corfo.

Hier sieht man kun eine sechszeiligte Strophe, deren Verfe fich gar nicht reimen: deren Schlußwörter abek in den folgenden fünf Strophen, denn soviele müssen noch dazu gemacht werden, wieder vorkommen; so daß das leßte davon, Corfo, gleich in die erste Zeile der folgenden Strophe kömmt; die andern aber wechselsweise, von oben und von unten folgen. In diesem Falle nämlich. kommen die Reime der folgenden Strophen so.

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Venti Porto Onde Scogli
corfo venti porto onde
3).
fcogli 4). legno 5). corso

fcogli

legno corfo

venti porto

l'onde

fcogli legno

corfo venti

venti. porto. l'onde. fcogli. legno.

Hier sieht man wohl, was einem Dichter von dieser tyran, nischen Art der Ordnung der Reime, für ein hartes Joch auferleget wird: indem es nicht anders ist, als ob er lauter Bouts-rimez, zu machen hätte, wie er denn wirklich nicht Reime zu den Versen und Gedanken; sondern Gedanken und Verse zu den Reimen zu suchen hat. Ob sich nun dabey die Mühe verlohne, die man bey Anstrengung seines Wiges und der Erfindungskraft anwenden muß, das ist eine andere Frage. Der Wohlklang der Reime verliert sich ja durch ihre Entfernung und Vermischung ganz und gar: und in der That sind es nicht einmal Reime zu nennen, da nur jedes Wort in sechs Strophen sechsmal wiederholet wird, ohne daß sich ein anderes darauf reimet.

4. §. Vielleicht ist das die Ursache gewesen, warum andere, noch einen größern Zwang gesuchet, und in öfterer

Wiederholung derselben Schlußwörter ihre Kunst bewiesen haben. Einige machten zwölfzeilige Sechstinnen, worinn ein Schlußwort z. E. Donna, sechsmal mit andern Wörtern, als tempo, luce, freddo, pietra, vermischet ward, welche bey den leßtern auch zweymal wiederholet wurden. Andere blieben zwar bey sechszeiligten Strophen, brauchten aber jedes Schlußwort, z. E. donna und pietra, wechselsweise dreymal: so daß in der ganzen Sechstinne jedes Schlußwort achtzehnmal am Ende zu stehen kam. Ja weil sie noch die Zahl der Strophen zu verdoppeln für gut befan den: so kam sowohl donna als pietra jedes sechs und dreyBigmal darinnen vor. Was für ein Geklingel derselben Wor ter, und was für ein Ekel der Ohren daraus entstanden, das kann sich ein jeder aus dieser Strophe vorstellen:

Chi non sa ben, com'una fiera donna,

L'altrui nifere membra võlga in pietra:
Miri il guardo crudel de la mia donna,
Ch'a forza di cangiar ciascuno in pietra.
Alma non è fi di fteffa donna

Ch'ella con gli occhi suoi non faccia pietra.

Eben so sehen alle eilf folgenden aus: und es scheint sowohl aus diesem, als aus vielen andern wålschen Erfindungen, die bloß aufs Reimen, und auf vieles und schweres, ja recht wunderliches und ekelhaftes Reimen hinauslaufen ; daß die Köpfe der wälschen Dichter sich etliche Jahrhunderte hin durch, in lauter Reimregister verwandelt gehabt: ja daß keine Verse in der Welt, den Namen Rime, mit befferm Nechte verdienet haben, als die italianischen; weil der bloße elende Reim eine geraume Zeit das Hauptwerk derselben geworden

war.

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5. S. Doch was soll Ah von unsern deutschen Sechstinnen sagen? Diese sind gewiß noch künstlicher geworden, als die bisherigen wälschen: wie mich die Beyspiele in unsern Dichtern davon belehren. Im Christian Gryphius, der fonst noch einen ziemlich gefunden Geschmack hatte, finde ich

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auf

auf der goosten u. f. S. eins, darinn er das Haar, die Aus gen, die Wangen, die Lippen, den Hals und die Brust des Frauenzimmers, um die Ehre des Vorzuges streiten läßt.. Jedes von diesen Mitwerbern redet in sechs Zeilen, die sich alle reimen: und das folgende behält eben dieselben Reimwörter, so daß es von dem legten der vorigen Strophe den Anfang machet; die übrigen aber in derselben Ordnung von oben herunter wiederholet. Ein paar Strophen machen die Sache klar: denn ganz mag ich das Papier damit nicht verderben :

Das Haar.

Wir fangen Geist und Seel und Leben, doch verschränket
Zu steter Dienstbarkeit; der Schnuck, so an uns henket,
Ift vieler Buhler Neh, wenn ist die Locke tränket
Ein süßer Himmelsthau, und uns die Freyheit schenket,*
Daß man sich Kerkerlos um beyde Brüste schwenket,
Und das erstarrend' Aug als wie ins Grab versenket.

Die Augen.

Hat jemals unsre Glut ein schwarzes Haar versenket,
Hat unsre Sonnen je der Locken Nacht verschränket,
Nein, wo der helle Stral von Diamanten henket,
Da quillt dar Liebe Brunn, der tausend Herzen trånket,
Wir haben Sterbenden das Leben oft geschenket,
Wenn unser reizend Bliß die Siegesfahn geschwenket.
Die Wangen.

Hier ist der Rosen Feld, wo sich Cupido schwenket, 26.... Doch ein jeder kann sichs nun schon selbst vorstellen, was das für eine ekelhafte Monotonie, und für ein kindisches GeElapper, einerley, zumal lauter weiblicher Reime giebt; die der majestätischen Art unsrer Sprache nicht im geringsten gemåß sind. Gleichwohl sind alle die Erempel und Regeln, in unsern vollständigsten Anweisungen der Dichtkunst, auf eben den Schlag eingerichtet. Man fehe des Menantes gal. Poef. a. d. 262. u. f. S.

6. S. Anstatt der großen Lobgefänge auf die Götter und Helden bey den Alten, die in heroischen Verfen gemachet waren, und in einem fortgiengen; haben die neues die

langen

langen Gefänge in eilffylbigten, oder alexandrinischen Ver sen, von acht bis zehnzeiligten Strophen eingeführet. Die eilffylbigten und achtzeiligten, mit wechselnden Reimen sind wohl zuerst von den Wälschen eingeführet, und werden Ottava Rima genennet. Sowohl Ariost hat seinen rasenden Roland, als Tasso seinen Gottfried, in solchen Strophen besungen; und beyde nannten daher, eine größere Abtheilung des ganzen Gedichtes, die bey den Alten ein Buch geheißen haben würde, nur einen Gesang: weil in der That, ein Gedicht von lauter gleichen Strophen, nach einer und derselben Melodie gesungen werden könnte. Aus dem Tasso habe ich schon im ersten Theile einige Strophen angeführet: igo will ich aus dem Ariost eine Probe geben. In der venetianischen Ausgabe von 1577. in 4. der ich mich bediene, lautet die erste Strophe so :

Le donne, i Cavalier, l'arme gli amori,
Le Cortefie, l'audaci imprese io canto;
Che furo al tempo, che paffaro i Mori
D'Africa il mare e in Francia nocquer tanto,
Sequendo l'ire, e i gioveni furori
D'Agramanto lor Re; che fi die vante,
Di vendicar la morte di Trojano,
Sopra Re Carlo Imperator Romano.

Hier sieht man nun, daß diese Ottava rima, im Anfange der Strophe jeden Reim dreymal wiederholet, und also mit zween abwechselnden Tönen sechs Zeilen schließt; hernach aber mit einem Dritten, die beyden lehten paaret. Und eben so ist auch der ganze Tasso, nicht nur in gewöhnlichen Ausgaben, sondern auch in der neapolitanischen Mundart, in welche man ihn 1689. übersehet, nebst dem Grundterte in fol. zu Napoli herausgegeben. Weil dieß Stück seltsam ist, will ich auch die erste Strophe mittheilen:

Canto la Santa Mprefa e la piatate

C'happe chillo gran Hommo de valore
Che tanto fece ne la libbertate

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