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fällt mir das Schreiben, an einen Herrn von Stofch, ben Gelegenheit eines neuerbauten Pallastes, ein:

Wo jemals Phobus mir die Feder hat geführt,
Wo jemals meinen Sinn ein rechter Trieb regiert,
So ist es dieser Tag, da du bey deinem Bauen,
Uns endlich, großer Stosch! läßt Maaß und Ende schauen.
Die Eitelkeit der Welt ist ja genug bekannt:

Man baut oft in ein Schloß mehr als ein halbes Land.
So oft ein Ziegel steigt, so steigen auch die Sorgen,
Mit denen wir das Geld zu unsrer Wollust borgen.
Doch, wenn man ausgebaut, so schreyen Kalk und Stein,
Daß sie der Bürger Blut, der Wittwen Thränen, seyn.

Wie glücklich ist ein Herr, der auch in solchen Dingen,
Wie du, o Tugendfreund! kann seine Neigung zwingen!
Der alles, was er thut, mit guter Art beginnt,
Mehr auf der Bürger Heil, als auf Pallåste, sinnt,
Und seinen hohen Geist, wenn ihn das Glücke kirret,
In enge Schranken seßt. So oft ein Armer irret,
So irrt er nur für sich: allein, ein großer Mann
Ift wie ein schneller Strom, der vielen schaden kann;
Und der, wofern sein Lauf, sich einmal nur verrücket,
Stadt, Dörfer, Volk und Land in das Verderben schicket.
Beyde können Anfängern zu Muftern dienen, wiewohl beybe
noch mehrere von der Art verfertiget haben.

8. S. Fraget man überhaupt nach den äußerlichen Eigenschaften eines solchen Briefes: so ist erstlich dieses zu merken, daß er im Anfange denjenigen anreden muß, an den er gerichtet ist: es sey nun, daß es gleich in der ersten Zeile ye schicht; oder doch bald hernach kömmt. So fängt eukirch 3. E. einmal an:

-Mein König, zürne nicht, daß mich dein Glanz bewegt, ze. Dieses ist, so zu reden, das eigentliche Merkmaal eines Briefes von dieser Art: dan was ist ein Brief überhaupt an ders, als eine geschriebene Anrede an einen Abwesenden? In der Mitte kann dieselbe zuweilen wiederholt werden; doch allemal ohne große Titel, als die nur die Zeilen füllen und nichts sagen. Großmächtigster Monarch, heißt nichts

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mehr,

mehr, als König: und durchlauchter Fürst und Herr, bedeutet nur eben so viel, als: mein Prinz, mein Herzog, oder schlecht weg. Herr. Doch wollte ich ben diesem leg tern Worte wohl rathen, es nicht auf einen jeden Dorfedelmann zu verschwenden; geschweige denn, bey bürgerlichen Personen zu gebrauchen. Es steckt so was großes darinn, daß es billig nur regierenden Häuptern zukommen kann, die viel zu befehlen haben. Diese Anmerkung is nöthig, da es allmählig einreißen will, einem jeden halbigten Patron, der oft keinen Diener zu beherrschen hat, ein so prächtiges Herr zuzuruffen. Am Schlusse der Briefe muß man gleichfalls nicht viel complimentiren, sondern nach Art der Alten lieber kurz abbrechen. Aber das Jahr und den Tag mit in die Verse hineinzukünfteln, das ist was kindisches, ohngeachtet es einige neuere haben aufbringen wollen. Seis nen Namen in den Reim zu zwingen, ist noch abgeschmackter; es wåre denn, daß man scherzen wollte: denn das Mufter dazu hat Hans Sachs gegeben, der kein Gedicht anders, als damit zu beschließen pflegt.

9. §. An eine besondere künstliche Disposition bindet sich ein Poet in feinen Briefen nicht; vielweniger wird er die weisischen Handgriffe per Antecedens und Confequens nöthig haben. Die Vernunft weis ihm schon, ohne solche Gångelwagen, eine natürliche Ordnung der Gedanken an die Hand zu geben. Es muß ohnedem in Briefen was freyes und ungezwungenes seyn: und die Einfälle hången gemeiniglich so am besten zusammen, wie sie hinter einander entstanden sind. Mennt man aber Schülern, durch Regeln, die Verfertigung solcher Briefe zu erleichtern, so kann man es zwar geschehen lassen: nur glaube man nicht, daß solche schwache Geister, die noch gegångelt werden müssen, etwas besonders hervorbringen werden. Wer noch nicht einen Vorrath von Gedanken und Einfällen hat, der muß sich lieber mit prosaischen Briefen behelfen. Verse, die nach einer künstlichen und gezwungenen Ordnung gemas

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chet werden, haben insgemein weder Art noch Geschick. Die altvåterischen Regeln davon haben uns wohl magere Reimschmiede, aber keinen einzigen muntern Dichter gezogen; es wäre denn, daß dieser solches Joch bald wieder abgeschüttelt hätte. Was haben aber alsdann die Regeln dabey gethan?

10. S. Die Schreibart der Briefe ist nicht allemal gleich. In lobenden kann sie prächtig, scharfsinnig und pathetisch, aber doch nicht schwülstig seyn. Hierinn pflegt es Amchor leicht zu versehen; wie dieses sein Gedicht an Friedrich den III, König in Dänemark zeigen kann. Aber ein Muster von einer vernünftigen Hoheit der Schreibart giebt hier Neukirch in seinem Schreiben an den König, Friedrich den 1. Hier herrschen lauter gefunde Gedanken, die durch keine Schminke des Ausdrucks überfirnißt worden. Auch Heraus hat diese Schreibart wohl erreicht: ob er sie gleich mehrentheils in andern Arten der Gedichte angebracht hat. Doch kann ich nicht umhin, bey dieser Gelegenheit dieses großen Mannes eigene Worte, von der erhabenen Schreibart hier anzupreisen, die ich lieber schon im I. Theile, wo ausdrücklich davon die Rede war, angebracht hätte. Sie stehen in der Vorrede zu seinen Werken, auf der 27. Seite, und können dienen, die neuen Kunstrichter, die uns die Hoheit in Worten lehren wollen, vollends zu be, schämen. Auch Piersch ist in dieser Schreibart vortreff lich gewesen. In lustigen Briefen ist sie natürlich und gemein, doch nicht niederträchtig. Hierinn habens viel neuere. Poeten versehen, die aus Begierde, natürlich zu schreiben, gar die Sprache des Póbels in thren Briefen gebraucht haben: und selbst Günther ist hier oftmals zu tadeln, daß er sich bis in die tiefste Niedrigkeit herab gelassen hat In satirischen Briefen muß sie feurig und scharfsinnig, größtentheils aber natürlich seyn. Denn das ist zu merken, daß selten nur einerley Schreibart in einen Gedichte allein herrschet. Die Veränderung der Sa

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Sachen und Gedanken fodert allezeit einen andern Aus druck, wie man in den Erempeln der besten Poeten überall finden wird.

11. §. Schlüßlich erinnere ich noch, daß man nicht nur in eigenem, oder anderer lebendiger Leute Namen; sondern auch im Namen gewisser eingebildeter oder fabelhafter Perfonen, Briefe an jemanden schreiben könne. Dieses giebt nun einem Pocten viel schöne Erfindungen an die Hand, und ist eine Quelle vortrefflicher Gedanken. So hat z. E. Ulrich von Hutten im Namen Italiens an den Kaiser Maximilian, Lobanus Heffus aber im Namen des Kaifers die Antwort an Italien; imgleichen hat Flemming im Namen Deutschlandes an die Churfürsten und Stände geschrieben. Man lasse z. E. die Wahrheit an jemanden ein Schreiben abfassen, dergleichen im I. Stücke der Belustigungen des Verstandes und Wißes eins vorkömmt; oder man schreibe im Namen der Vernunft, der Weltweisheit, der Tugend, der Freyheit, oder anderer solcher allegorischen Personen: so wird man sehen, zu was für schönen Einfällen dieses Anleitung geben wird. Nur muß man freylich allemal die Wahrscheinlichkeit beobachten, und seine Personen nichts sagen lassen, als was sich für ihren Character schicket. So hat Neukirch die Aurora an den König in Preußen schreiben lassen, und ein rechtes Meisterstück daran gemacht, und Herr M. Schwabe einmal im Namen der Trägheit, an des Churprinzen Friedrichs Königl. Hoheit eins drucken lassen. Ja, man kann durch die Prosopopòie auch leblosen Dingen Briefe andichten, wenn es zu gewissen Absichten dienlich seyn könnte.

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Des I. Abschnitts XIV. Hauptstück. Von Sinngedichten, Grab- und Ueberschriften.

1. §.

ch bin mit allen größern Arten der alten Gedichte fertig, insoweit dieselben durch ihren innera Inhalt unterschieden sind. Nur fehlen mir noch die kleinern Arten, die unter verschiedenen Namen vorkommen, doch unter die allgemeine Benennung der Sinngedichte gezogen werden können. Wir geben ihnen im Deutschen diesen Namen, weil sie gemeiniglich etwas scharfsinniges, oder besser, etwas Sinnreiches in sich haben, das dem Leser ein angenehmes Nachsinnen erwecket. Jm Griechischen, ja auch im Latein nennet man sie schlechtweg Epigrammata, d. i. Ueberschrif ten; darunter man denn auch Unterschriften, unter Bilder, Bildsäulen, und andere Gemälde, oder Sinnbilder zu rechnen pflegt. Jmgleichen gehören Epitaphia, oder Grab schriften, und allerley kurze zufällige Gedanken der Dichter, über vorkommende merkwürdige Gegenstände hieher, die eben nirgends drüber oder drunter geschrieben werden sollen. Da nun so leicht kein großer oder kleiner Dichter in der Welt gewesen seyn wird, der nicht dergleichen Einfälle bisweilen gehabt, und in etliche Verse gekleidet haben sollte: so ist auch die Anzahl der epigrammatischen Dichter und Poesien ungleich größer, als aller obigen Arten geworden.

2. S. Was die griechischen Dichter anbetrifft: so haben wir theils vom Homer etliche, theils vom Rallimachus über ein Schock. Außer denen aber findet man in der großen Sammlung derselben eine unglaubliche Menge fol. cher Sinngedichte gesammlet, und in VII. Bücher abge theilet. Nur die Namen der Verfasser herauszuziehen, นน 5

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