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tigen und beißenden Schreibart, sondern auch wegen der unreinen und harten Verse, die Horaz jenem rdmischen vorgerücket. Er verdient indessen noch gelesen zu werden: weil er überall eine gesunde Vernunft, eine gute Moral, und einen ziemlichen Geschmack zeiget; wie aus so vielen Stellen, die ich schon aus ihm angeführet, zur Gnüge erhellen kann. Wie aber Boileau sich keine Schande daraus gemachet, zu gestehen; daß er dem oraz, Juvenal und Persius fleißig nachgeahmet, ja bisweilen ganze Stücke daraus bloß übersehet: also können wir dieses auch vom Rachel gestehen. In etlichen scheint er ein bloßer Ueberfeßer dieser Lateiner, sonderlich Juvenals zu seyn: und es wåre gut, wenn man einmal in einer neuen Auflage, alle die Stellen anmerkte. Zum Erempel soll uns der Anfang der fünften Satire vom Gebeche dienen, wo man Juvenals und des Persius Geist leicht kennen wird.

Sey fröhlich,o Makrin! Halt diesen Tag in Ehren,
Der deiner Jahre Zahl von neuem wird vermehren.
Gib Dank und Opfer her, bring nur ein Löffel Wein:
Mit unserm Schaden will Gott nicht gedienet seyn.
Ein heiliges Gebeth, das nach dem Geiz nicht schmecket,
Sticht hundert Ochsen aus. Du trägest unverdecket
Den Wunsch des Herzens an, bringst alles deutlich vor,
Und raunest insgeheim den Göttern nicht ins Ohr,
Wie sonsten wohl geschieht. Ist jemand da zugegen,
So ruft man laut heraus: Gib nur in allen Wegen,
,, Jupiter, ein Herz, daß dir zu Dienste sey,

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Mit Schanden unbefleckt, vergnüget, redlich, treu, Dem Geiz und Wucher feind!" Das geht aus vollem Rachen: Inwendig aber spricht das Herz von andern Sachen,

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Und murmelt bey sich selbst: „O! daß das gute Glück
,, Mir an Ducaten geb' ein hundert tausend Stück!
,, daß mein alter Freund; daß meine reiche Baase,
"Gar sanft und selig wår bedeckt mit grünem Grase!
O daß Nikanors Sohn, der näher erbt, als ich,
,,Noch heute kriegen möcht den lehten Todesstich:
Denn wozu dieners ihm, so großes Gut zu erben,
» Deß Leben nichtes ist, als nur ein täglich Sterben ;

,, Schwarz, mager, häßlich, bleich, vom Fieber ausgezehrt, Ein Schatten, sonder Leib, nicht eines Hållers werth.

"

Ach

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,, Ach möcht ich nur ein Weib mit großem Gut' erwerben,
„Die heute kam' ins Haus, und morgen möchte sterben!
,, Sich, wie es Nereus, dem reichen Filze glückt:

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Der schon die dritte Frau bereits zu Grabe schickt.

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Dieß ist des Herzens Wunsch. Und daß nun solch Begehren,
Als heilig und gerecht der Himmel mög' erhören:
So gehst du Morgens hin, thust dreymal einen Guß
Vom Tyber auf das Haupt, entsündigest den Fluß
Der Hingelegten Nacht i.

6. §. Im 1676sten Jahre, gab Martin Rempe, seine Siegspracht der Dichtkunst in 12. heraus, darinn drey Strafgedichte, die meistentheils die Poesie betreffen, vorfommen. Es sind viel schöne Gedanken, und lebhafte Stellen darinn: doch ist er bey weitem so scharf nicht, als Rachel, und also in keinen Ruff eines Satirenschreibers gekommen. Bald darauf erwachte der Freyherr von Ranig, ein viel feinerer Geist, der sich durch Studien, Reifen, und Umgang mit den artigsten Hofleuten nicht nur eine bessere Lebensart, sondern auch einen bessern Geschmack erworben hatte. Kurz, er ward unser deutscher Horaz. Dieser brauchte seinen Trieb zur Poesie nur insgeheim, zu seiner Belustigung, und gab sich bey seinem Leben gar nicht bloß damit. Wir sehen dieses aus seiner Satire von der Poesie, da er sich selbst die Gefahr vorrücket, wider seinen Willen, als ein Poet bekannt zu werden:

Du meynst zwar, was du schreibst, soll nie das Licht erblicken:
Wie bald kann aber dieß auch dir eins misgelücken?
Von deinem schönen Zeug entdeck, ich wie mich deucht,
Schon manch geheimes Blatt, das durch die Zechen fleucht.
So wirst du ein Poet, wie sehr du es verneinest;
Wer weis, ob du nicht bald im offnen Druck erscheineft?
Vieleicht wird dein Gedicht, des Müßigganges Frucht,
Noch bey der späten Welt einmal hervor gesucht;
Und mit dem Juvenal in einem Pack gefunden,
Wenn man ihn ungefähr in Löschpapier gewunden.

Indessen ließ er doch zuweilen seine Gedanken über den Lauf
der Welt, und sonderlich das Hofleben, auf eine sehr ge-
schickte und sinnreiche Art aus: die noch heute zu Tage den

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Ein

Eindruck macht, als ob sie iko geschrieben wäre. Seine Verse find rein, und doch nachdrücklich, fließend und doch nicht matt; voller Schärfe, und doch sein, aber allezeit schamhaft und der Tugend treu. Er übersehte sowohl aus dem Latein, als aus dem Französischen sehr glücklich; wie ein paar Stücke aus dem Horaz und Juvenal, und die Satire vom Adel aus dem Boileau zeigen. Von dieser insonderheit hat mich ein gelehrter Franzos, der hier soviel Deutsch gelernet hatte, daß er sie ganz verstund, versichert: Daß sie stärker sey, als das Original. Zum Exempel seiner Kunft im Schildern, will ich aus der IV. Sat. vom Hofleben, seine Abbildung eines obersten Staatsdieners hersegen:

Wo aber ist der Ort, der einen muntern Geist, Geschwinder, als der Hof, in seinem Vortheil weist; Und täglich Anlaß giebt, bey so verschiednen Fällen, Was man begriffen hat, aus volle Licht zu stellen? Was fehlet einem wohl, der es so weit gebracht, Daß er in seiner Höh der Misgunst Pfeil verlacht? Wenn keiner, neben ihm, dem Fürsten geht zur Seiten, Den er darf wie ein Freund, nicht wie ein Knecht, begleiten. Er heißt des Fürsten Arm, der unsre Wohlfahrt stüßt: Sein Ohr, das uns erhört; sein Auge, das uns schüßt; Die Seele, die ihn regt, auf unser Heil zu finnen; Sein Werkzeug, das er braucht, was großes zu beginnen. Man schreibts dem Unglück zu, wenns etwan übel steht, Und ihm, daß noch der Staat nicht ganz zu Drümmern geht. Ihm dankt der Fürst allein, daß er so wohl gesorget, Wenn der Soldate ficht, und noch der Kauffmann borget, Ist das nicht folgens werth, wenns einem so gelingt, Daß aller Ueberfluß durch Thür und Fenster dringt; Und daß er, sein Geschlecht in hohen Flor zu setzen, Darf eines jeden Haupt, nach eignem Willen, schätzen? Er sieht sein prächtig Haus, wie es von Marmel prahlt, Sein Bild, wie es geprägt, aus hellem Golde stralt. Die Leichenrede selbst sieht er bey seinem Leben, Im Vorrath schon gedruckt, an allen Wänden kleben. Ein solcher, der sich schaut in so erwünschtem Stand, Hat nicht sein Vatergut vergeblich angewandt, Und darf der andern Lust in Wahrheit nicht beneiden, Die ihr Gesicht an Korn, an Schaaf und Kälbern weiden.

7. §. Wenn wir also an diesem einen deutschen Horaz aufzuweisen haben, so ist Benjamin Neukirch unser Juvenal zu nennen. Seine männlichen und recht feurigen Satiren, erwerben ihm diesen Namen mit Rechte: zumal, da er nicht mit Scherzen und lachen, sondern im Ernste und mit brennendem Eifer die bittersten Wahrheiten heraus saget. Zuerst stellte uns dieselben Secr. Hanke unter seinen Gedichten, noch bey des Verfassers Leben, ans Licht: hernach habe ich sie in der Sammlung seiner Gedichte wieder auflegen lassen. Er hat

gleichfalls eine Weile in Berlin das Hofleben, und alle Lüste und Beschwerden desselben kennen gelernet. Sein Verdruß brach also zuweilen darüber aus; sonderlich, wenn er erwog, daß er mit seiner Muse, so lange Bes ser daselbst am Hofe war, nicht empor kommen konn

te.

Man lobte seine Gedichte, und ließ ihn darben, wie er selbst öfters klaget: da er doch ein Geist war, der wie ein Virgil in Rom, einem neuen Königreiche zu einer der vornehmsten Zierden gereichen konnte. Allein auch sonst hat er seine Gedanken über die Kinderzucht, über die drey Hauptlaster, u. a. m. sehr bitter, und nachdrücklich ausgelassen. Zur Probe will ich ein Stück aus der VII. Satire, auf unverständige Poeten herseßen; darinnen zugleich ein Theil seines berlinischen Schicksals, unter Friedrichen dem Weisen, und seinem Nachfolger zu sehen ist.

So hab ich manchen Tag und manche Nacht verreimt,
Und oft ein großes Lied von Zwergen hergeträumt;
Verliebten ihre Luft in Zucker zugemessen;
Betrüger reich gemacht, mich aber gar vergessen.
Und ob mich endlich gleich mit der verjährten Zeit,
Ein kurzer Sonnenblick bey Hofe noch erfreut;
Und Preußens Salomo, den ich mit Recht gepriesen,
Mir zu der Ehrenburg den Vorhof angewiesen :
Ward doch durch seinen Tod, der alles umgekehrt,

Mein Glück und auch zugleich mein ganzer Ruhm verzehrt.
Nun lacht die Wucherschaar, bey ihren Judengriffen,
Daß ich der Tugend Lob auf Hoffnung hergepfiffen;

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Die Zungendrescherey den Musen nachgesetzt,

Und wahre Weisheit mehr, als Geld und Gut, geschätzt;
Und daß ich, da der Hof zum Laufen mich gezwungen,
Nicht noch zu rechter Zeit in Schulenstaub gesprungen;
Die matte Dürftigkeit im Mantel eingchüllt,
Mit leerer Wissenschaft die Jugend angefüllt;
Die Kinder gegen Lohn den Todten vorgetrieben,
Und wöchentlich ein Lied für Thaler hingeschrieben.
Hieben verbleibt es nicht. Die schwärmende Vernunft
Der von der Hungersucht bethörten Dichterzunft,
Die sich durch falsche Kunst auf den Parnaß geschlichen,
Von der gesetzten Bahn der Alten abgewichen,
Mit frecher Hurtigkeit gefüllte Bogen schmiert,
und alle Messen fast ein todtes Werk gebiehrt;
Wird so verwegen schon, daß sie Geseze stellet,
Der Griechen Zärtlichkeit das Todesurtheil fället,
Des Maro klugen Witz in Kinderclassen weist,
Horazens Dichterkunft verrauchte Grillen heißt,
Und alles, was sich nur nach alter Kraft beweget,
Auf lüsternem Papier mit Dinte niederschläget.
Da nun dieß Wespenheer von Tag zu Tage wächst,
Und jeder Knabe schon nach Narrenwasser lechzt:
Was Wunder ist es denn, wenn Ruhm und Ehre stirbet,
Die Kunst zu Grabe geht, und Tugend gar verdirbet?

8.S. Philander, Menantes und Corvinus, haben uns zwar satirische Gedichte geliefert, allein, sie sind mehrentheils zu matt, und zu wässerig gerathen: Günther aber ist zu jung in das Strafamt getreten, daher seine Satiren nur Rhapsodien heißen können, die ihm eine ausschweifende Jugendhiße eingegeben. Er denket zwar bisweilen fehr munter, feurig und glücklich; allein mehrentheils ohne Ordnung und Regel: denn er fällt von einem aufs andere, das sich zu keiner Hauptabsicht zusammen reimet. Ja oft scheinen gar die Reime seine Verse gemacht zu haben; weil die Sachen sich nicht besser zusammen schicken, als ob er sie zusammen gewürfelt håtte. Indessen verdient er so gut, als ein Rousseau gelesen zu werden, mit dem ihn der Herr von Bar verglichen hat. Wie sehr ist es zu bedauren, daß diefer starke Dichter seine Epitres diverfes, nicht in deutscher Sprache geschrieben hat: so würden wir ihn mit Recht für

unsern

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