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heißt, das betreffende Gut sei „czu vorwesen vnd vorrechten ken den herren vnd ken der stat", auch: „ken der stat vnd ken der kirchen," wird unter allen Bedingungen nicht willkürlich oder unabsichtlich diesmal von einem bloßen vorwesen ken der stat" ge= sprochen; „ken den herren" und „ken der kirchen" war „des vogelweyders hof“ eines Zinses und dergleichen enthoben, was nur auf Grund einer ausdrücklichen, wohl auch verbrieften Begünstigung, eines Privilegiums, überhaupt zulässig und denkbar erscheint.

Das findet auch sonst seine Bestätigung. Von „des vogelweyders hof" vor Dux sind noch Spuren vorhanden, allerdings nur spärliche. Er lag im Südosten, unmittelbar vor der noch theilweise erhaltenen Stadtmauer, zunächst der alten Mühlpforte, in der jezigen,,Kohlengasse.“ Der= einst einen ganzen Complex von Häusern bildend, ist das Gehöfte seit Jahrzehnten in seine Theile zerlegt, und auf dessen Acker- und Wiesengründen steht die bekannte große Durer Actien-Zuckerfabrik mit ihren Haupt- und Nebengebäuden. Das frühere „Herrenhaus“ so hieß es im Volksmunde noch vor einem Menschenalter leider gleichfalls erst in neuerer Zeit vollständig umgebaut, trägt nun die Nr. C. 144, über der Thür aber, außer einer jüngeren Inschrift, einen älteren gemeißelten Wappenschild. Von diesem Wappen, wie von dem Hause, dem eigentlichen Durer Vogelweidhofe, gedenken wir bei anderer Gelegenheit besonders zu handeln; grundbücherliche Eintragungen und anderweitige urkundliche Behelfe geben hinreichenden Stoff hiefür. Vorerst genügt zu constatiren: der Hof war ursprünglich Riesenburger Lehengut; aus dem bezeichneten Hause ging mit aller Bestimmtheit der Walther von der Vogelweyde des Durer Stadtbuches von 1389 hervor vielleicht auch ein Anderer, der zweihundert Jahre vor ihm eben denselben Namen trug und ihn zu hohen Ehren brachte vor Mit- und Nachwelt. . . . Vielleicht!

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Urbani (20 Mai): „Andreas vnßer Richter“ überläßt seine Güter an „Niclos der lozyn eydem vnd Margaretha seyner havsfraw" auf drei Jahre. Dafür soll ihm Niclos 38 Schock geben „vnd sal dy gûter vorwesen vnd vorrechten ken den herren, ken der stat vnd ken der kirchen vnd was er Mistes machet, den sal her vf des Richters erbe fåren." (Daselbst, S.

100.) 1418, Mittwoch nach Epiphanie (12. Januar): „Wanka, etwan Clement Peschels eliche hausfraw, hot vfgegeben vnd vorreychet Iren garten vnd Ir hevsel dorynne das halbe teyl hannuschen von Janik vnd Anna seyner hausfrawen vnd Iren kynden, also das hannuske den garten sal vorwesen vnd vorrechten ken den herren vnd ken der stat mit czinse, mit geschosse vnd mit der wache adir was sich dovon czu tvn gehoren wurde.“ (Daselbst, S. 107.)

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Dieses „Vielleicht“ zu erhärten, möge zunächst die äußere Möglichkeit des eben Gesagten nachgewiesen werden. Das fordert einen Blick auf die älteste Geschichte der Herren von Riesenburg. Sie ist auf das Engste verknüpft mit der Geschichte des ganzen Thals von Töplig-Dur und darüber hinaus, dessen Vergangenheit wieder weit zurückreicht in die vorhistorische Zeit des Landes.

Es gibt keinen Landstrich Böhmens, der so reich wäre an Denkmalen vorchristlich-germanischer Todtenbestattung, wie die Gegend von Töplig-Dux. Kaum ein Dorf, kaum ein Hügel ist daselbst zu finden, in dessen Erde nicht unzählige Gräberfunde nachzuweisen wären. Von der unmittelbaren Umgebung der Stadt Töplih und ihr selbst ist nach dieser Richtung wiederholt ausführlich gehandelt worden.1) Auch Dux und dessen Nachbarschaft hätten die gleiche Würdigung längst verdient. A. H. Faßl,' ein eifriger und glücklicher Forscher und Sammler, hat dort seit Jahren die interessantesten, werthvollsten Entdeckungen gemacht und eine große Menge der kostbarsten Alterthümer gedachter Art in seinem höchst bedeutenden PrivatMuseum (leider noch immer „Privat-Museum“!) in Töplig aufgestellt.

Verhältnißmäßig die meisten, mannigfaltigsten Schäße lieferte ihm das eine halbe Stunde oftsüdöstlich von Dur gelegene Dorf Hostomiß am Fuße des Schlehberges. Ein uraltes, ausgedehntes Gräberfeld umschließt den Ort im Halbkreise von Nordosten nach Südwesten bis dicht an die bewohnten Häuser wohl im Umfange einer Viertelmeile. Das Feld besteht aus Einzeln wie aus Massengräbern, sogenannten Flach- oder Brandgräbern; zuweilen sind in ältere auch wieder jüngere Gräber gebettet, ge= wöhnlich 1 Meter breit und 11⁄2 Meter lang, in einer Tiefe von 1 bis 11⁄2, auch, doch nur ausnahmsweise, 21⁄2 Meter. Ihre Zahl ist derzeit noch nicht annähernd zu bestimmen. Ihr Inhalt an verschiedenen Urnen, auch Kolossalurnen, steinernen Streitärten und Meißeln, Glättsteinen, Opferschalen, Armspangen, Fibeln, Ringen u. s. w. ist ungemein reichhaltig. Aehnliche Funde an Waffen und Geräthen lieferte, nicht fern davon, die sogenannte „Türken-“ oder „Schwedenschanze“ bei Sobrusan, östlich von Dux, am Riesenbach. Sie muß, nach diesen Funden zu schließen, zu den ältesten Höhenansiedlungen des Landes gerechnet werden. Südlich von Sobrusan, gegen das dortige Försterhaus, ziehen sich ganze Reihengräber mit vielen Beigaben. An Sobrusan schließt sich das Dorf Wschechlab. Neben zahlreichen Urnen finden sich dort auch Gräber mit vollständigen Skeletten, kostbaren Bronzegegenständen u. dergl. Nördlich von Wschechlab

1) S. des Verf. Töplik, S. 7 fg., und die dort bezogenen Quellen.

liegt, am Fuße des Wachholderberges, Sterbina, an dessen Südseite ein Gräberfeld aus der Bronzezeit gebreitet ist. Ebenso bergen die Gründe um Briesen und Preschen, Lang-Ujest und Liquiß im Süden und Südwesten von Dur Brandgräber u. dergl. in Masse.

Es ist hier nicht der Play, das Alles näher auszuführen.1) Mit Recht waren die im Jahre 1883 gelegentlich einer Abteufung der Riesenquelle in der erwähnten „Crenicz“, auch „Krynicz“ oder „Grünze“, nächst Dur zu Tage geförderten massenhaften Artefacte Gegenstand eingehender Besprechung.) Sie haben als „Duxer Bronze" eine gewisse Berühmtheit erlangt. Die Zahl der dort an einer einzigen Stelle in bedeutender Tiefe gehobenen antiken Fibeln, Armspangen u. s. w., zum Theil von seltener Form und Größe, wird von Augenzeugen auf mehr als viertausend geschäßt.

Diese Andeutungen werden genügen, die Thatsache nahezulegen, daß die Durer Landschaft eben schon zur Zeit, die man die vorhistorische heißt, relativ dicht bevölkert und daher wohl auch frühzeitig cultivirt war. Das erste Licht, das die Landesgeschichte erhellt, fällt auf das Bielathal und den „Biliner Gau“, zu welchem das spätere Dur gehörte.3) Der erste Přemyslide, der den böhmischen Herzogsstuhl bestieg, wurde von hier berufen. Urkundlich findet sich die „provincia Belinensis" zum ersten Male im Jahre 993, in einem Diplom, das die Gründung des Klosters Břewnow und dessen Einkünfte bestätigte, zu denen auch der Zehnt aus der Biliner Provinz gehörte. Ihrer gedenkt auch eine Urkunde des Jahres 1057.

Vom Jahre 1040 ab werden die Gaugrafen von Bilin ramentlich aufgeführt: Prkosch, Eppo, Mstislaw, des Boris oder Borso Sohn, u. s. w. Boris und Mstislaw gelten als die nachweisbaren Ahnen der späteren Riesenburger, nach ihrem Wappenzeichen, einem Rechen (hrabie),

1) Es liegt mir ein sehr detaillirter Bericht des Herrn A. H. Faßl über die von ihm an sämmtlichen bezeichneten und vielen anderen Orten durchgeführten Ausgrabungen vor, der bei anderem geeigneten Anlasse verwerthet werden soll. 2) St. Berger in Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale, VIII., Neue Folge, p. LXXX sq. — Památky archaeologické, XII (1882), 44 a d. C. G. Laube in Mittheilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen, XXI (1883), 110 fg. Des Verf. Töplit, S. 8 fg.

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3) Vergl. B. Scheinpflug: Studien zur Geschichte von Offegg, in Mitthei= lungen des Vereins für Gesch. der Deutschen in Böhmen, XVIII (1880), S. 244 fg., und Desselben: Zur ältesten Geschichte von Bilin, daselbst, XX (1882), S. 229 fg.

Hrabieschise genannt. Von ihnen hatte, wie behauptet wird, Mstislaw seinen Siz in der Burg Ossegg, an Stelle des heutigen Alt-Ossegg. Er wurde der Biliner Grafschaft im Jahre 1061 durch Wratislaw Il. entsegt. Ihm folgte in demselben Amte Cojata, Sohn des Wschebor, gleichfalls aus dem Geschlechte der Hrabieschiße, „qui tunc primus erat in palacio Ducis."1) Er war kein Freund der Deutschen, die der Herzog begünstigte. Um so entschiedener wandten sich seine nächsten Nachkommen, wie die Herrscher des Landes, mehr und mehr dem deutschen Wesen zu, das, wie bekannt, unter Bořiwoj II. und Wladislaw II. sich im Lande außerordentlich verbreitete. Grabissa, der dem Herzog Bořiwoj II. große Dienste leistete, stand bei ihm in großem Ansehen.2) Er wird im Jahre 1145 zum legten Male genannt.

Bald nachher um das Jahr 1156 stiftete Herzogin (seit 1158 Königin) Judith, zweite Gemahlin Wladislaws II., Tochter des Landgrafen Ludwig von Thüringen, unfern von Ossegg, zu Töpliß, ein Kloster der Benedictinerinnen, das sie mit reichen Einkünften ausstattete. Töplig war Judiths Lieblingsaufenthalt und wurde ihre legte Ruhestätte.3)

Wohl aus derselben, wenn nicht bereits aus viel früherer Zeit stammt ein Baudenkmal besonderer Art, dessen nothwendig hier gedacht werden muß eine von Ossegg her den heutigen Paß von Riesenberg durchschneidende, höchst eigenthümliche Straße auf den Kamm des Gebirges und weiter in das alte Meißnerland, nach Thüringen und Sachsen. Einer unserer erfahrensten und tüchtigsten Fachmänner im Straßenbau, Professor Franz Ritter v. Rziha, hatte gelegentlich des Baues der Dur-Bodenbacher Eisenbahn, speciell der Strecke Offegg-kommotau, Veranlassung, gedachten Straßenzug näher zu untersuchen und mit den anderen alten, über das Erzgebirge führenden Paßwegen der dortigen Gegend zu vergleichen. Er spricht der auf den ersten Blick täuschend an einen Römerbau gemahnenden. Riesenberger Straße als solcher ein sehr hohes Alter und eine hohe historische Bedeutung zu und verlegt ihre Bauzeit „in die romanische Bauperiode, also in das 11. oder spätestens das 12. Jahrhundert.“4)

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1) Cosmas Prag., Monum. Germ. hist. Script., IX, 79.

2) Erben, regesta Boh., I, 113 sq. (1145).

Böhmen, I, 350 und 369.

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Fr. Palacky, Geschichte von

3) S. des Verf. Töplik, S. 15 und 19 fg.

4) Prof. v. Rzi ha begründet seine Ansicht in einem dem Verf. übersandten Schreiben mit einem reichen geschichtlichen und technischen Material. Wir geben dem Techniker das Wort. An der Hand eines Längenprofils der Straße legt er dar, daß sie vom Fuße der jetzigen Riesenburg außergewöhnlich ansteigt, stellenweise 1: 4, im Mittel 1:6. „Dies ist eine Steigung,“ fährt Prof. v.

Die Landschaft, die wir im Auge haben, war also „spätestens" in der zweiten Hälfte lezteren Jahrhunderts - und darauf ist Gewicht zu Legen keineswegs mehr ein von der Außenwelt abgeschlossener Erdenwinkel, im Gegentheil. Ihr fehlte es nicht an einer guten, sicheren Verbindungslinie mit dieser Welt; und da diese Linie, wie nicht zu zweifeln, einem Verkehrsbedürfnisse entsprungen war, so ist auch mit Bestimmtheit anzunehmen, daß es an einem solchen Verkehr nicht mangelte, einem Austausche der Güter längs jener Straße: der materiellen wie der geistigen Güter.

Die Zeit nach König Wladislaws Tode die Jugendzeit Walthers von der Vogelweide zählt zu den traurigsten und bewegtesten Perioden böhmischer Geschichte. Zehnmaliger Thronwechsel binnen vierundzwanzig Jahre war für das Land von verhängnißvollen, ja verheerenden Wirkungen. In solchen allgemeinen Wirren dachte freilich Niemand daran, Auf

Rziha fort, welche nur mühsam mit dem Wagen genommen werden kann und selbst einem Pferde schwer fällt, das einen Reiter zu tragen hat. Nun besteht die merkwürdige Thatsache, daß diese steile Partie des Weges gepflastert ist. Die Pflasterung erfolgte aus zwei Gründen: einmal um die Steilheit leichter überwinden zu können, zweitens und hauptsächlichst aber, um den Weg gegen das Auswaschen durch Regenwasser zu schüßen. Es verräth vom technischen Standpunkte die ganz ungemeine Wichtigkeit des Weges, und findet sich ein solches Pflaster auf keinem anderen alten Wege im Erzgebirge vor. Dieses Pflaster aber ist ganz eigenthümlicher Natur. Es ist nämlich kein sogen. Kopfpflaster, sondern ein aus flach hingelegten und dauerhaft unter einander verbundenen Platten bestehendes sogen. Flachpflaster. Dieses Pflaster ist in der Ansicht von oben so gestaltet, daß der Steinverband dem Aeußeren des griechischen und römischen Cyklopenmauerwerkes gleichsieht. Ein derartiges Pflaster dürfte in ganz Böhmen nirgend anderswo vorkommen und erinnert ganz auffällig an das Pflaster, welches man noch heute in Pompeji sehen kann, so daß ich, als ich es das erste Mal sah, geradezu ganz erstaunt war und ebenso wie bei dem Schwarzen Thurme in Eger sofort an eine Arbeit aus der Markomannenzeit denken mußte. Ob dieses Pflaster wirklich so alt ist, kann ich ohne näheres Aufgraben nicht behaupten; aber das Eine läßt sich vom technischen Standpunkte aus sicher sagen, daß es ein ganz seltenes Borkommen ist, welches im späteren Mittelalter nicht mehr als Straßenpflaster erscheint und auch in der Neuzeit bei Straßenbauten gar nicht mehr angewendet wird. Ich muß mich vielmehr dahin entscheiden, dieses Pflaster mindestens bis in die romanische Bauperiode, also in das 11. oder spätestens das 12. Jahrhundert zu verlegen, demnach in die Zeit, wo der Steinbau durch die Mönche in Böhmen erweckt wurde und Königin Judith anläßlich des Baues der ersten Prager Brücke (1167) fremde Werkleute zu Prophanbauten in das Land zog.“ . . Prof. v. Rziha behält sich vor, auf die behandelte Frage in einer besonderen Abhandlung ausführlich zurückzukommen.

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