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JN4451
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Das Recht der Uebersetzung ist vorbehalten.

Vorwort.

Zwischen Ende 1861 und Anfang 1864 ließ ich in den
,,Deutschen Jahrbüchern“ eine Reihe von Beiträgen zur Geschichte
des Verfassungslebens in Preußen erscheinen. Die heftigen Be-
wegungen des Verfassungsconflicts zogen mich allmählich von der
Betrachtungsweise ab, welche für die beabsichtigte wissenschaftliche
Sichtung des Stoffes mir zuträglich schien. Unter der Ungunst
derselben Verhältnisse unterlagen die „Deutschen Jahrbücher“,
und in ihnen wurde mir der einzige gewohnte Ort meiner Ver-
öffentlichungen entzogen. So brach meine literarische Thätigkeit
im Jahre 1864 ab. Kurz darauf wurde ich in das preußische
Abgeordnetenhaus gewählt, und unter der Last der parlamen-
tarischen Aufgaben kamen mir die früheren literarischen Arbeiten
ganz aus dem Sinn, bis ich vor einiger Zeit von befreundeter
Seite wiederholt angegangen wurde, jene Beiträge gesammelt
herauszugeben. Als ich dieselben, zum Zwecke der Prüfung,
endlich wieder durchlas, nahm ich zu meiner eigenen Genug-
thuung wahr, daß ich jeßt, neun bis zwölf Jahre nach den ein-
zelnen Daten der Veröffentlichung, von dem Inhalt nichts zurück-
zunehmen und an der Darstellung nichts Wesentliches einzuschränken
hatte. Auch schienen mir die behandelten Gegenstände noch der
Beachtung werth. Die Errichtung des Deutschen Reiches ver-
mindert nicht, sondern erhöht eher noch das Interesse für die
Entwickelung des Verfassungslebens in dem Staate, welcher inner-
halb des Reiches als leitende Straft zu wirken berufen ist. Für
Preußen aber lohnt es sich zu beobachten, wie viel von den Auf-
gaben, mit denen meine Darstellungen sich beschäftigen, seitdem
gelöst worden, wie die theilweise Lösung erfolgt, was von der
Zukunft noch zu fordern und zu erwarten ist. Es lohnt ferner
zu beobachten, wie die politische Culturentwickelung in Preußen
von dem Geiste der deutschen Politik zwar ergriffen, doch in
ihrem Zusammenhange nicht unterbrochen wird. Der Umstand,
daß die verhältnismäßig lange, überdies an Ereignissen und Um-
gestaltungen ungewöhnlich reiche Zwischenzeit vor meiner eigenen
Prüfung die früheren Darstellungen nicht unbrauchbar gemacht
hat, läßt mir die gesammelte Herausgabe derselben nicht unge-
stattet erscheinen.

Natürlich habe ich die einzelnen Beiträge einer sorgfältigen

Durchsicht unterworfen. Der innere Zusammenhang war von

Hause aus vorhanden, doch mußte ich jeßt die Reihenfolge so

umordnen, daß das Mäherverwandte auch räumlich näher an-

einander rückt. Einige Abänderungen im vorgetragenen Stoffe

waren unvermeidlich, aber ich habe sie in feinem weiten Umfange

und nur da vorgenommen, wo sie durch den Ablauf der Zeit

des Verständnisses wegen geboten waren. Als erheblichstes Bei-

spiel erwähne ich die eingeschaltete Abhandlung unter der Ueber -

schrift: ,,Anfang und Ende der neuen Aera" (Nr, III, S. 159

bis 178). Während id, im Jahre 1863 die in der Reihenfolge

jeßt unmittelbar vorangehende Abhandlung „Die Regentschaft“

niederschrieb, genügte ein einleitendes Kapitel, welches das Schick-

sal der neuen Aera in allgemeinen Zügen andeutete, da ich die

genaue Erinnerung der Thatsachen vorausseßen durfte. Heute

mußte ich, um allgemein verständlich zu sein, den geistigen Inhalt

des Zeitabschnittes an eine kurze Sfizze der Ereignisse anlehnen.

In anderen Beiträgen mußte ich, was ausschließlich der Stim-

mung des Tages entsprungen oder angepaßt war, weglassen
oder passend erseßen. Doch habe ich nirgends den Inhalt ver-
ändert und in der Form war ich bedacht, den Gesammtton nicht
zu beeinträchtigen, in welchem die Abhandlungen ursprünglich
abgefaßt worden sind. Deshalb glaube ich mich zu dem An-
spruch berechtigt, daß die Arbeiten, welche ich durch die Heraus-
gabe im Ganzen aufs neue bestätige, dennoch als die Arbeiten
der früheren Jahre beurtheilt werden.
Berlin, den 1. December 1873.

Eduard Lasker.

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