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Heinrich Joseph Weßer, Doctor ber Philosophie u. Theologie und ord. Professor der orientalischen Philologie

an der Universität zu Freiburg im Breisgau,

und

Benedikt Welte,
Doctor der Tbeologie und ord. Profeffor an der katholiso - theologisen
Facultät zu Tübingen.

"O

Zwölfter Band.
E r g å n zung e n.

Rimpel,

Mit Approbation des bochwürdigsten Erzbischofs von Freiburg.

SANON

AFCA

LION

Freiburg im Breisgau,
Herder's de Verlag & h and I un g.

1856.

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Aachen, vom teutschen Ahha (Wasser), verdankt seinen Heilquellen Name und ursprung. Der Name Aquisgrani erscheint erst im achten Jahrhundert. Granus war ein Beiname des Apollo, den man an Thermalquellen verehrte. Ein Thurm des Rathhauses zu Aachen, der sehr tief in die Erde geht, heißt noch der Granusthurm. Münzen, Inschriften, Bäder, eine Wasserleitung beweisen den Aufenthalt der Römer in der Gegend. Doch ist der Ort aus römischen Quellen nicht bekannt. Ein Pallast bestand schon 754 zu Aachen (Baluz. II. 1391). Pipin beging 765 und 766 die Weihnachten und die Ostern auf der dortigen Villa (Perß I. 145). Carl d. Gr. liebte Aachen und wählte es zur Residenz. (Einh. vit. Carol. c. 22.) 3m 3. 796 vollendete er den Bau der neuen Hofcapelle, des berühmten Münsters. Carl baute zu Aachen ein Münster von gar großer Schönheit und schmückte es mit Gold und Silber und mit Fenstern, auch mit Gittern und Thüren von gediegenem Erz. Zu dem Baue ließ er die Säulen und den Marmor aus Rom und Ravenna berbeisdaffen, da sie anderswober nicht zu haben waren" (c. 26). Die Nachricht des zwölften Jahrhunderts, Carl babe Duadern aus der Veste Verdun für den Bau verrandt (Bouquet V. 373), ist bedenflich. Der anecdotenreiche Mönch von St. Gallen weiß, der Baumeister, ein Abt, habe ungemein viel Geld bei dem Baue unterídlagen, die Arbeiter unterdrückt und ihnen keinen Augenblick Nube gegönnt, dafür aber sei beim Brande feines Hauses, als er die Geldkisten alle auf einmal retten wollte, ein Balfen auf ihn gefallen, und habe ihn lebendig verbrannt (Perß II. 744). Peo III. foll das Münster 804 eingeweiht haben, doch Einhard, der leos Anwesenbeit in Aaden gleich nach Weihnachten 804 meldet (Pers I. 192), erwähnt nichts

Das Münster Carls bat nicht die Bafilifenform, sondern schließt sich an die byzantinischen Bauten, im Plane meist an St. Vitale zu Ravenna an. Was von dem beutigen Münster durch Carl gebaut wurde, ist ein Achted, das eine hohe Kuppel überwölbt; dieß Achteď umgibt ein sechszehnediger Umgang geringerer Höhe, aber in zwei Stocwerken, mit einem Eingange durch einen Thurmbau auf der westlidhen, und einer Doppelcapelle als Altarnisde auf der östlichen Seite. Acht starke zusammengeseßte Pfeiler ohne Capitäle, mit einem einfachen Kämpfergesimse, stüßen im Innern den Mittelbau. Ueber den Bogen, welche diese Pfeiler verbinden, erbeben sich die bedeutend höhern Arcaden des zweiten Stockwerfs, von denen jede burde eine doppelte Säulenstellung von zwei Säulen in drei Abtheilungen getheilt war. Ueber diesen Arcaden sah man die acht rundbogigen Fenster der Kuppel, endlich die Wolbung, in der in Mosaif auf Goldgrund Christus unter den 24 Aeltesten der Apocalypse dargestellt war (Wiener Bauzeitung 1850, S. 135). Auch die Fensteröffnungen waren mit Mosaik, die Kirche reich mit Metallen geschmückt. Hier also fanden später die glänzenden Königskrönungen statt. Die Künstler für den Bau waren ex omnibus regionibus cismarinis, also aus Italien und den gallischen Provinzen berufen worden (Pers II. 744). Nur der Kern des Carolingischen Baues ist erhalten. 3m 16. Jahrhundert ist die zweistöckige Altarcapelle im Dsten der Kirche durch einen hohen Chor verdrängt und die Vorballe des Gebäudes verändert Kirdenlerifon. 6.-8.

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worden. Später hat man den Mosaifschmuck der Wölbungen, der schon längft gelitten haben mochte, durch Stuccatur verdeckt und verdorben. Die Franzosen endlich brachen die Säulen aus den Arcaden heraus, fie find jedoch 1813' aus Paris zurüdgebracht und 1844 wieder aufgerichtet worden. Kurz vor dem Tode Carls Ď. Gr. traf ein Blisstrahl das Münster, der den Reichsapfel, eine Zierde des Daches, weit hinweg schleuderte. Auch der Säulengang, der das Münster mit dem Pallaste verband, sant zusammen. In der mit Mennig geschriebenen Inschrift, die in Innern der Kirche zwischen den obern und untern Bogen rings umherlief und den Namen des Gründers: Carolus princeps verkündete, erloschen die Buchstaben, die das legte Wort bildeten. Das Ades wurde als ein Vorzeichen auf das nabe Ende des großen Kaisers gedeutet (Einh, vit. Carol. c. 32). Aachen mochte in jenen Zeiten seines Glanzes es lieben, sich mit Byzanz und Rom auf gleiche Linie zu ftelien. Seit Carl Kaiser geworden, fab es eine Reihe Reichssynoden, welche die Sree des christlichen Kaiserstaates verwirklichen belfen sollten. Sie beginnen im November 801 und ziehen sich bis Ende 802 hindurch. Andere 809 und Frühjabr 811 treffen einzelne wichtige neue Anordnungen. Die vom September 813 bei Gelegenheit der Krönung Ludwigs zeigt die leßte Anstrengung Carls zur Durchführung seiner weitgreifenden Plane. Im September 816 versammelte Ludwig der Fromme die Bischöfe, Aebte und Großen zur Reichssynode in Aachen. Sie erhob das Institut Cbrodegangs zum Reichsgefes und revidirte die Regel der Nonnen, dann 817 auch die der Mönche. Benedict von Aniane und ein anderer Abt wurden beauftragt, mittelst einer allgemeinen Klostervisitation fich von der pünstlichen Durchführung der revidirten Regel zu überzeugen. Andere Aachener Synoden unter ludwig dem Frommen sind von untergeordneter Bedeutung. Unter Lotbar II. tagten wiederholt in Aachen die lotharingischen Bischöfe unter Anführung der Metropoliten Guntbar und Theotgund, welche den Fürsten in die traurigen Ebebändel verwidelten. Was in der Folge von Synoden in Aachen angetroffen wird, fällt bis auf wenige Ausnahmen mit dortigen Reichsberathungen zusammen und ist von geringerer Wichtigkeit. Die Leiche Caris d. Gr. hatte man in dem Münster beigefeßt, über der Gruft erbob fide ein vergoldeter Bogen mit seinem Bildniß und folgender Inschrift: In diesem Grabe rubt der Leidnam Cario des großen und rechtgläubigen Kaisers, erlauchten Mehrers des fränkischen Reiche, das er 47 Jahre glüdlich regiert hat. Er starb ein Siebenziger, im Jahre“ u. 1. w. (vit. Carol. c. 31). Die Normannen verbrannten 881 Aachen, machten das Mün= ster zum Stal für ihre Pferde, und verwüsteten das Grabmal so, daß die Stelle fortan unfenntlich war. Otto III. ließ im I. 1000 nachgraben und das Grab öffnen. Der Kaiser „faß wie ein Lebender auf dem Throne, eine goldene Krone auf dem Haupte, einen Scepter in der Hand und mit Handschuhen angethan, durch welche die Nägel der Finger hindurch gewachsen waren. Otto gebot, dem leich name neue Gewänder anzulegen, und die Nägel der Zehen zu ergänzen. Von den Gliedern war noch feines durch Fäulniß zerstört außer der Nasenspiße, welche Otto aus Gold wieder berstellen ließ. Nachdem Dtto einen Zahn aus dem Munde des Kaisers zum Andenken mitgenommen, wurde das Grab geldlossen“ (Per8, VII. 106). Am 29. December 1165 wurde es aufs Neue geöffnet und die Gebeine Carlo durdFriedrid Barbarossa bei glänzend versammeltem Reichstage erhoben. Seit der Mitte des zehnten Jahrhunderts, zuerst bei Mönd Benedict aus dem St. Andreastloster am Berge Soracte (Perß, ill. 709), vernimmt man in Sagen piel von einem Kreuzzuge, den Carl d. Gr. unternommen, und von wel. dem er reiche Reliquiensdäße aus Conftantinopel ins Abendland mitgebracht habe. Gegen Ende des zwölften Jahrhunderts erscheint die Sage bei Helinand, bald darauf bei Alberid von Trois fontaines und bei Vincentius von Beauvais, in der Form, er habe eine Reliquie der Dornenkrone, einen Splitter vom hl, Kreuz, das Schweißtuch des Herrn, das Kleid der Mutter Gottes, die Windeln

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des Christkindleins und den Arm des alten Symeon damals von Byzanz nach Aaden gebracht. Nach einem Brande in Aachen 1236 werden die Windeln, worein der Herr gewickelt war in der Krippe, das mit Blut besprißte Pendentudy, und ein Kleid der Mutter Gottes anfangs vermißt, dann aber unter den geflüchteten Geräthfdaften wieder hervorgefunden; worüber der Propst des Stifts noch auf dem Sterbebette eine Urkunde ausfertigen läßt (Alberici chron. a. 1238). Auch weiß die Legende yon einer jabrlichen Zeigung der Heiligthümer zu Aachen am 13. Juni. Im Mittelalter gehört Aachen seiner Heiligthümer wegen zu den besuchtesten Wallfahrtserten. Im 13. Jahrhundert scheint die Zeigung von sieben zu fieben Jahren aufgekommen zu sein, die noch jeßt üblich ift. In dem benachbarten Cornelimünster ging 1359 die Zeigung von sieben zu sieben Jahren neben der jährlichen her; es stromte dann aus den verschiedensten Weltgegenden viel Volf nach Aachen und Cornelimünster. Auch die hl. Brigitta (+ 1373) pilgerte in Begleitung befreunDeter Geistlicher und laien nach St. Compostella, zu den Häuptern der bl. drei Könige in Cöln, und zu den Reliquien der bl. Jungfrau in Aachen (vita, $ 59). Nachrichten über die Aachenfahrt im 15. und 16. Jahrhundert grenzen, was den Zusammenfluß von Menschen aller Gegenden und Nationen betrifft, fast ans Unglaubliche. In den Aachener Heiligthümern dürfen wir Carolingische Erwerbungen erblichen; bei mehreren ist solches sogar bistorisch nachweisbar. Auch ist die byzantinische Abkunft für die meisten der noch jest in Aachen verehrten Neliquien und Heiligthümer unzweifelhaft. Die Heiligthumsfahrt in Aachen gehört noch jeßt zu den glänzendften und besuchtesten religiösen Volksfesten des Rheinlandes. Was die Krönungen betrifft, so ließ erst Otto I. fich wieder in Aachen krönen. Fortan wurden fast alle teutschen Könige bis auf Ferdinand I. in Aachen gefrönt. Bei der boben Wichtigkeit der freien Reichsstadt Aachen ließ fich erwarten, daß auch in ihr die Reformation früh versuchen werde, fich Eingang zu verschaffen. Die erste Spur findet fid im 3. 1524. Ein Landstreicher nämlich begann gegen die Kirde zu declamiren, der Magistrat ließ ihn greifen und bald liefen aus Mastricht und Wesel Anzeigen ein, die den neuen Prediger (dwerer Verbrechen verdächtigten. Er gestand und ward als Mörder hingerichtet. 1533 wurde im Hause eines Aacheter Bürgers lutherifd gepredigt. Der Herzog von Jülich, als Vogt der Stadt, serbot es, auch wurden Etliche wegen Nichtachtung dieser Verbote bingerichtet. An geheimen Anhängern der Neuerung fehlte es nicht, allein fie zeigten sich äußerlich katholisch. Diesen gelang es, zu bewirken, daß der Magistrat 1544 mehreren aus den Niederlanden vertriebenen Familien , wahrscheinlich Anhängern der Reformation, die Uebersiedelung nach Aachen gestattete, und sie gar mit Geld unterstüßte, um bort Tuchfabriken anzulegen. Seit 1550 wird denn audy in Aachen gegen die Kirche in der übliden Weise gesungen und gelästert. Allmählig bildete sich eine wallonische und eine teutsche protestantische Gemeinde. König Ferdinand traf vergeblich Vorfebrungen zur Erhaltung des katholischen Glaubens in der Stadt. Adam von Zeuel batte vorzugsweise die Aufnahme der vertriebenen Niederländer bewirft; er, schon lange Kryptoproteftant, wurde 1552 Bürgermeister. Zeuel nebst seinem Anhange forderte 1555 vom Magiftrat die Anftellung eines wallonischen Predigers; als sie verweigert wurde, fam dennoch ein reformirter Prediger aus Antwerpen nach Aachen und organisirte die wallonisdie Gemeinde. Außer ihm fungirten bald noch einige Prediger in der Stadt. Auch Wiedertäufer gab es in Aachen, gegen die jedoch der Magistrat einschritt. Admählig waren auch Aachener Eingeborne übergetreten; die Neuerer wagten es, bei einigen protestantisden Fürsten eine Bittsdrift an den Magistrat zu erwirken, um eine Kirche zu erhalten. Zene Fürsten fhidten einen eigenen Gesandten an den Magistrat, die St. Foilanskirche für die Proteftanten zu begehren. Allein der Magistrat, durch den Kaiser, den König von Spanien, den Churfürsten von Cöln, den Herzog von Jülich und durch den Drdinarius der Stadt, den Bischof von Lüttich, ermuthigt, schlug das Begehren rund ab.

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