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Staat und Kirche

nach Srlaß
des Volksschulunterhaltungsgesekes vom 28. Juli 1906.

Mit dem Text dieses Gesekes
und den hierzu erlassenen Ausführungsanweisungen.

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H.

MCTVONTA

STOLBERG-T

WIS

B 122
Berlin 1908.
Verlag von Hermann Bahr

W. Linfstraße 43.

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GER
9771

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Vorwort.

Der im Jahre 1892 von der Kgl. Staatsregierung im preuBischen Landtage eingebrachte, vom damaligen Kultusminister Grafen v. Zedlik-Trüßschler ausgearbeitete Volksschulgesekentwurf sollte das gesamte Volksschulwesen auf Grundlage der Art. 14, 21—25 der Verfassungsurkunde regeln. Der Entwurf schloß sich insbesondere der Bestimmung des Art. 24 Abs. 1, betr. die möglichste“ Berücksichtigung der konfessionellen Verhältnisse, streng und in klarer Weise an. Nach monatelangen Rommissionsberatungen war alle Aussicht vorhanden, daß der Entwurf mit einigen, die Grundlage nicht verrückenden Veränderungen die große Mehrheit in beiden Häusern für sich haben würde. Die sogen. Liberalen septen jedoch einen heftigen Ansturm gegen den Entwurf in Szene, mit der Behauptung, daß die Berücksichtigung der konfessionellen Verhältnisse den Religionsgesellschaften, oder vielmehr den Kirchen einen unerträglichen Einfluß einräume, durch welchen der Bildungsstand des Volkes gefährdet oder gar die „Verdummung“ des Volkes herbeigeführt werde. Der damalige Ministerpräsident Graf v. Caprivi charakterisierte die Stellung der Freunde und der Gegner der Vorlage treffend durch die Worte: „Hie Christentum, hie Atheismus“ Atheismus insofern, als die Simultanschule zur religionslosen Schule, und die religionslose Schule schließlich zum Atheismus führt. Der Ansturm, unterstüßt durch die Aktion eines in legter Zeit vielgenannten ehemaligen Diplomaten, hatte Erfolg; die Kgl. Staatsregierung hat den Entwurf zurückgezogen.

Fahre sind seitdem vergangen. Nicht die ethische, sondern die finanzielle Seite des Volksschulwesens drängte immer mehr zu einer anderweiten geseßlichen Regelung. Jm Jahre 1905 kam ein Rompromiß zwischen den konservativen Parteien und einer liberalen Partei zustande, welcher die Grundlagen für diese Regelung, zugleich aber für die Regelung der konfessionellen Verhältnisse der Volksschule feststellte. Auf dieser Grundlage ist der Entwurf der Kgl. Staatsregierung zu dem am 28. 7. 1906 verkündeten Volksschulunterhaltungsgesek aufgebaut. Die eigentliche finanzielle Frage machte in den parlamentarischen Verhandlungen keine besonderen Schwierigkeiten. Aber zwei Fragen waren es, welche lebhafte politische Kämpfe hervorriefen: Die Frage der Konfessionalität der Volksschule, eine Frage, welche das Verhältnis zu Staat und Kirche unmittelbar und wesentlich berührt, und die Frage der Beteiligung der GeGemeinden an der Anstellung der Lehrer, welche das gedachte Verhältnis mitberührt. Am heftigsten traten die Vorkämpfer der Simultanschule gegen die Festlegung „der Konfessionsschule als Regel“ auf; die ihnen in dem Entwurfe gemachten Konzessionen genügten ihnen nicht. Ob die Lösung der Frage der Konfessionalität, wie sie im Geseke selbst zustande gekommen ist, für glüclich und befriedigend zu erachten ist, davon im Buche.

Neben dem Volksschulunterhaltungsgeseke sind noch zahlreiche anderweite Geseke, Verordnungen, Erlasse usw. in Kraft. Es war notwendig, zunächst diese Quellen, soweit sie das Verhältnis der Volksschule zu Staat und Kirche betreffen, nach Perioden geordnet, in ihrem Terte dem Leser vorzuführen.

Was die Tendenz des Buches betrifft, so kann der Verfasser nur die Ausführungen hier wiederholen, welche er früher an anderer Stelle gemacht hat:

„Sorgen Sie dafür, daß Meinem Volke die Religion erhalten bleibe.“ Aus der Anrede des hochseligen Kaisers und Königs Wilhelm I an das preußische Staatsministerium. – „Ich will, daß der seit Jahrhunderten in Meinem Hause heilig gehaltene Grundsaß religiöser Duldung auch ferner allen Meinen Unterthanen, welcher Religionsgemeinschaft und welchem Bekenntniß sie auch angehören, zum Schuße gereiche. Ein jeglicher unter ihnen steht Meinem Herzen gleich nahe – haben doch Alle gleichmäßig in den Tagen der Gefahr ihre volle Hingebung bewährt. Mit der sozialen Frage enge verbunden erachte 3ch die der Erziehung der heranwachsenden Jugend zugewandte Pflege. Muß einerseits eine höhere Bildung immer weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden, so ist doch zu vermeiden, daß durch Halbbildung ernste Gefahren geschaffen, daß Lebensansprüche geweckt werden, denen die wirthschaftlichen Kräfte der Nation nicht genügen können, oder daß durch einfeitige Erstrebung vermehrten Wissens die erziehliche Aufgabe unberücksichtigt bleibe. Nur ein auf der gesunden Grundlage von Gottesfurcht in einfacher Sitte aufwach sendes Geschlecht wir d hinreichend Widerstandskraft besißen, die Gefahren zu überwinden, welche in einer Zeit rascher wirthschaftlicher Bewegung, durch die Beispiele hochgesteigerter Lebensführung Einzelner, für die Gesammtheit erwachsen.“ Aus dem Erlaß des hochseligen Raisers und Königs Friedrich III. an den Reichskanzler und Präsidenten des Staatsministeriums. — ,,Mein in Gott ruhender Vater hat mit derselben Pietät, welche mich fhm gegenüber beseelt, nach Seiner Thronbesteigung Sich in den öffentlichen Urkunden, welche Sein politisches Vermächtniß darstellen, die Politik und die Werke Meines verewigten Großvaters angeeignet, und ich bin entschlossen, Ihm auf diesem Wege zu folgen." Aus der ersten Th ronrede Kaisers und Königs Wilhelm II.

Jene Säße waren stets und sind auch jeßt und für die Zukunft Programm der Hohenzollernschen Herrscher, insbesondere auch für die Gestaltung des Volksschulwesens. Die konstitutionelle Staatsform aber hat es mit sich gebracht, daß von demselben seit Anfang der siebenziger Jahre des vorigen Jahrhunderts abgewichen werden konnte, zum Schaden der Schule, zum Schaden des Volks, zum Schaden des Staates. Denn unser dem äußern Anschein nach allerdings blühendes Volk sschulwesen ist seitdem erkrankt, weil ihm eine der Grundlagen entzogen ist, auf welcher allein die Erziehung der heranwachsenden Jugend zur Gottesfurcht und zur Bürgertugend möglich ist, durch welche dem Volke die Religion erhalten bleiben kann. Während früher Staat und Kirche gemeinschaftlich die Volksschule Leiteten und das Volk zu einem Heldengeschlecht heranzogen, ist seit jener Zeit das bisherige innige Band zwischen Schule und Kirche vollständig gelöst und die Schule tatsächlich reine Staatsanstalt, ein Tummelplaß für die wechselnden Majoritäten, und ist die heranwachsende Jugend das Objekt reiner Parteibestrebungen geworden. „ Wer die Jugend hat, der hat die Zukunft.“ Welche traurigen Früchte dieses gezeitigt hat, liegt sonnenklar vor uns in den seit der neuern Schulgeseßgebung von Jahr zu Jahr steigenden sozialen Gefahren. Die Volksschule erzieht nicht mehr; der Unglaube und mit ihm die Schrankenlosigkeit und die Unzufriedenheit mit den Verhältnissen der materiellen Eristenz greifen immer mehr um sich. Ohne Religion keine Erziehung, ohne Bekenntnis keine

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