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Motto:

„Lafontaine lieben ist fast dasselbe, wie Molière lieben, es heisst die Natur lieben, die ganze Natur, das naive Gemälde der Menschheit, eine Darstellung der grossen Comödie, die sich vor unseren Augen entrollt und sich in hundert Acten in tausend kleine Scenen zertheilt.

Aber warum die beiden trennen? Lafontaine und Molière, die trennt man nicht, man liebt sie gemeinsam.

(St. Beuve causerie du lundi 13. Juillet. 1863.

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Diese Gesammtausgabe der Lafontainischen Fabeln mit deutschem Commentar ist nach denselben von der Kritik für richtig erkannten Grundsätzen gearbeitet wie meine Ausgaben Molières und Racines. Auch hier bemühe ich mich auf wissenschaftlicher Grundlage ein tieferes Verständniss des grossen Dichters, über dessen Bedeutung die Einleitung sich ausspricht, anzubahnen. Ich gebe deshalb unter Vermeidung alles Ueberflüssigen in knapper Form die mir nöthig scheinenden Sinnund Worterklärungen immer da, wo die Kenntniss des modernen Französisch und das gewöhnliche Wörterbuch nicht ausreichen, wo Ausdrücke, Namen, Wendungen und Anspielungen historisch, cultur- und sprachgeschichtlich zu erklären und durch Parallelstellen zu erläutern sind, indem ich dabei häufig auf die älteren Französischen Dichter und die Römischen Classiker, durch die Lafontaine vielfach angeregt worden ist, hinweise. Die reichen Quellen, aus denen der Dichter schöpfte und deren Stoffe er in so eigenthümlicher Weise selbstschöpferisch reproducirte, werden fortwährend angeführt, gelegentlich wird dabei auch auf die Nachahmungen, die ihm zu Theil geworden sind, hingewiesen.

Ohne den Franzosen in ihren fortwährenden Bewunderungsausrufen zu folgen, konnte ich mich doch nicht der ästhetischen Bemerkungen, wo sie sich mir aufdrängten und die allgemeinen Urtheile der Einleitung zu bestätigen dienten, enthalten.

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Sollte ich nicht immer in der Behandlungsweise das Richtige getroffen haben und sollte mir Irrthümliches entschlüpft sein, so möge der Umstand, dass dieser Versuch einer wissenschaftlichen Bearbeitung Lafontaines der erste in Deutschland gemachte ist, zur Entschuldigung dienen. –

Das von mir stets in selbständiger Auffassung und Redaction benutzte Material findet sich zum Theil in den Arbeiten von Jacobs, Meissner, Champfort, Walkenaer, Gérusez, St. Marc Girardin, Taine etc. und in den Ausgaben von Walkenaer, Gérusez, Colincamp, Lemaistre und Moland. Auf Warianten ist nur da Rücksicht genommen, wo sie den Sinn beeinflussen.

Man lese pag. 3 Z. 12 weicht statt gleicht, pag. 4 Z. 19 theilt statt theil', pag. 9 Z. 8 hinter Sitten, schildern und pag. 119 Z. 8 v. unten vitium statt vitam. Einige Errata in Accent- und Zeichensetzung sind nicht Sinn entstellend.

Oldenburg, Ostern 1877.
A. L.

EINLEITUNG.

Lafontaine und seine Fabeln.

Jean de Lafontaine ist den Franzosen nicht allein der unnachahmliche Schöpfer einer neuen Fabelpoesie, er gilt ihnen auch für einen der grössten Dichter ihres Landes. Er ist ein Geistesverwandter Molières und steht gleich diesem neben den gezierten, schönrednerischen Hofdichtern seiner Zeit in voller Originalität da, eben so wie seine unregelmässigen, leichten und springenden Verse neben ihren steifen, monotonen Alexandrinern. Er vertritt wie Villon und Béranger die volksthümliche Poesie und wie Rabelais und Régnier den altgallischen Geist, den esprit gaulois. Ein Zögling der Renaissance wusste er die Eleganz des Classicismus mit der Natürlichkeit und Naivetät der mittelalterlichen Poesie zu verschmelzen, und bildet somit eine Brücke zwischen den früheren Jahrhunderten und der Neuzeit. Der Einfluss seiner Fabelpoesie ist bei uns erloschen. Unsere Romantiker haben die Fabel mit der gesammten didactischen Poesie in die Rumpelkammer des Veralteten geworfen, und nur noch selten wendet sich ein neuerer Deutscher Dichter, wie der ächtpoetische Schweizer Emanuel Fröhlich ihr zu, während sie in Italien, Spanien (man denke an Hartzenbusch und Jerica) und Frankreich (man denke an Lachambaudie und Viennet) noch heute reiche Blüthen treibt. Diese Gattung, an der sich schon die Lebensweisheit der Orientalen, der Griechen und Römer erfreute, die die Deutschen La Fontaine, Fabeln. I. 1

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