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E. Koeppel, Ueber die "Vision of Petrarch"

überhaupt nicht von dem jungen, siebzehnjährigen Spenser übersetzt worden sind.

I10

Zum schluss fasse ich meine ansicht von Spenser's verhältniss zu den gedichten des "Theatre" kurz zusammen. Für Spenser, dessen streng protestantische, in seiner jugend fast puritanische gesinnung uns aus seinen dichtungen genugsam bekannt ist, war die polemik gegen Rom von besonderer wichtigkeit, er hat deshalb auch die antikatholische schrift van der Noodt's in Theodore Roest's englischer übersetzung aufmerksam gelesen. Die von kräftigen holzschnitten begleiteten gedichte am anfang des buches fesselten ihn, die berühmten namen Petrarca und Du Bellay lockten ihn versuchte sich in einer poetischen neubearbeitung der beiden cyclen

- er

wann, wissen wir nicht zu sagen, sehr wahrscheinlich in den anfängen seiner dichterlaufbahn, bevor er sich in die composition eigener, grösserer dichtungen vertiefte. An den reimgedichten des Petrarcacyclus hat er wenig geändert, er begnügte sich, von einigen geringfügigen textänderungen und metrischen besserungen abgesehen, mit der ergänzung der zwölfzeiler zu vierzehnzeiligen sonetten und mit der anfügung eines neuen sonetts für den beseitigten, vierzeiligen abgesang im "Theatre". Weil er bei dieser bearbeitung nur wenig eigenes dazugegeben hatte, setzte er in seinem manuscript unter den titel The Visions of Petrarch die notiz formerly translated. Bei seiner bearbeitung der Du Bellay'schen sonette hingegen sah sich Spenser zu keinem derartigen vermerk veranlasst, weil er hier einen gründlichen neubau vorgenommen hat. Der blank verse von 1569 ist durch den reimvers ersetzt, der französische text wurde verglichen und die im "Theatre" fehlenden vier sonette des "Songe" wurden eingefügt. Bei dieser berücksichtigung des urtextes und bei seinen selbständigen übersetzungen aus dem Französischen unterscheidet sich Spenser in auffälligster weise von dem übersetzer von 1569. Dieser schliesst sich, auch wenn er wie bei den Petrarca-gedichten mit der schwierigkeit des endreims zu kämpfen hat, der französischen vorlage möglichst genau an, übersetzt richtig mit wenigen und belanglosen versehen Spenser hingegen übersetzt frei, mit starken abweichungen und vielen missverständnissen: wiederholt hat er sogar die richtige fassung von 1569 bei seiner umarbeitung verdorben. Dieselbe, ihn von dem gewissenhaften übersetzer von 1569 trennende eigenart bekundet Spenser auch in seiner ganz selbständigen übersetzung von Du Bellay's "Antiquitez de Rome". Wenn je innere gründe beweiskraft besessen haben, so liegt sie in dem von mir 1. c.

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p. 68 ff. gesammelten material gegen die identität des übersetzers von 1569 mit Spenser.

Mit der umformung der sonette Du Bellay's war Spenser's interesse an den gedichten des "Theatre" erschöpft, die durch keinen berühmten namen empfohlenen apocalyptischen blank verse sonette hat er, nach dem stand der überlieferung zu schliessen, ganz unberücksichtigt gelassen.

Strassburg i. E., Febr. 1899.

II.

E. Koeppel.

DIE WENDT'SCHEN THESEN.

III.

Soll es dem im jahre 1900 in Leipzig abzuhaltenden neuphilologentage möglich gemacht werden, über Wendt's bekannte thesen1) abzustimmen, so ist es nicht nur wünschenswerth, sondern sogar nothwendig, dass noch vor dem zusammentritte des neuphilologentages jede these von den schulmännern der verschiedenen deutschen länder gründlich besprochen werde. Da ich nun während meiner vierzehnjährigen lehrthätigkeit an österreichischen oberrealschulen schon zehn jahre lang nach der neuen methode unterrichtet habe, so sei es mir gestattet, die Wendt'schen thesen vom österreichischen standpunkte einer besprechung zu unterziehen und so ein scherflein zur klärung der ansichten beizutragen.

Zu these I. Dass Wendt entschieden zu weit geht, wenn er als oberstes ziel des unterrichts » die beherrschung der fremden sprache<< aufstellt, hat schon Klinghardt am neuphilologentage selbst mit folgenden worten ausgesprochen): »Das kann doch eigentlich ernstlich nicht gemeint sein, dass ein schüler jemals dazu kom

1) Da Wendt's thesen in diesem blatte, bd. XXVI, p. 254 f. im zusammenhang abgedruckt sind, so durfte hier im interesse der raumersparniss von der vollständigen wiederholung jeder einzelnen füglich abgesehen werden.

Die red.

2) Verhandlungen des VIII. allgem. deutschen neuphilologentages zu Wien. Hannover, Berlin, Carl Meyer, 1898, s. 96.

men könnte. Ich habe recht fleissig gearbeitet, kann aber nicht sagen, dass meine schüler die französische sprache beherrschen<<. Wenn es schon im Französischen nicht gelingt, die schüler bis zur beherrschung der fremden sprache zu bringen, so wird dies im Englischen um so weniger möglich sein, als ja diesem an den meisten lehranstalten eine viel geringere unterrichtszeit eingeräumt ist als dem Französischen. Besonders grell ist dieses missverhältniss in Oesterreich, indem hier den 28 wöchentlichen stunden, die in den sieben classen der oberrealschule dem französischen sprachunterrichte gewidmet sind, nur 9 englische unterrichtsstunden, die sich gleichmässig auf die drei obersten classen vertheilen, gegenüberstehen. Wenn trotz dieser für das Englische ziemlich ungünstigen verhältnisse der neue österreichische »normallehrplan der realschulen« für das Englische dasselbe lehrziel vorschreibt wie für das Französische, nämlich »einige fertigkeit im mündlichen und schriftlichen gebrauche der fremden sprache«, so ist diese forderung so hoch, dass man über dieselbe nicht hinauszugehen braucht. Freilich muss zugestanden werden, dass ein tüchtiger lehrer, dem eine grössere stundenanzahl zu gebote steht und der das glück hat, eine schwache classe mit besonders begabten schülern zu unterrichten, sich dem von Wendt aufgestellten lehrziele mehr oder weniger nähern kann, wenn es ihm auch nicht gelingt, dasselbe ganz zu erreichen.

Ebenso ideal wie die eben besprochene ist auch die zweite forderung der ersten these, dass den unterrichtsstoff das fremde volksthum bilden solle. Bis zu einem gewissen grade wird diese forderung schon nach den jetzigen lehrplänen erfüllt. So heisst es z. b. in den ‘Instructionen' zum neuen normallehrplan der österr. realschulen, p. 69: »Die wahl der lectüre erfolge vornehmlich nach zwei gesichtspunkten. Sie soll geignet sein, einerseits den geist zu bilden und das gemüth zu veredeln, andererseits die kenntniss der geschichte, geographie und der culturellen einrichtungen England's zu vermitteln«. Es kann aber nicht gebilligt werden, dass die fremdsprachliche lectüre der oberclassen der realanstalten lediglich in den dienst der realien trete und die herz und gemüth bildende seite der englischen litteratur vollständig vernachlässige.

Gegen die 2. these: »Die unterrichtssprache ist Französisch oder Englisch«, ist im grunde nichts einzuwenden, wenn sie nicht bis zur äussersten consequenz getrieben wird. Selbst die bedenken, die früher gegen die anwendung der fremdsprache bei der ein

übung der grammatischen regeln vorgebracht wurden, sind nunmehr geschwunden; denn die oben erwähnten 'Instructionen' schreiben p. 75: »Es ist nicht einzusehen, warum kurze und einfache regeln der formenlehre oder syntax nicht englisch formulirt werden sollen<<. Aber dem lehrer soll es im massenunterricht doch gestattet sein, wenn er es für gut findet, hie und da eine schwierigere sachliche oder sprachliche bemerkung in der muttersprache vorzubringen. Sehr zutreffend ist, was in dieser beziehung director M. Walter in seiner programmabhandlung, 'Englisch in der untersecunda nach dem Frankfurter reformplan' (1898, p. 10) sagt: »Daher muss als oberster grundsatz gelten: Wende die muttersprache nur dann an, wenn sie das verständniss der neu zu erlernenden sprache schneller erschliesst; vermeide sie, wenn dir die möglichkeit geboten ist, dich durch handlungen, vorführung von gegenständen oder deren abbildungen, durch hinweis auf schon bekanntes, durch umschreibung in der fremden sprache verständlich zu machen.<<

Die in der dritten these: »Die fremde sprache wird nicht getrieben, um daran die muttersprache zu lernen« enthaltene, etwas sonderbare behauptung erklärt Wendt selbst mit folgenden worten 1): >>Durch diese these will ich in aller schärfe gegen eine auffassung protestiren, die in gegnerischen oder von der reform. nur scheinbar und äusserlich überzeugten kreisen ein beliebtes schlagwort bildet«. Er wendet sich also gegen jene allzu ängstlichen collegen, welche fürchten, dass ein betrieb des fremdsprachlichen unterrichts ohne anwendung der muttersprache gegen das concentrationsprincip verstosse, welches verlange, dass jede unterrichtsstunde zugleich eine deutsche stunde sein müsse. Diese übertriebene ängstlichkeit sucht auch geheimrath Münch zu verscheuchen, indem er in seinem vortrage »Die bedeutung der neueren sprachen im lehrplan der preussischen gymnasien<< (Verhandlungen etc., p. 37) sagt: »Wo es gilt, eine fremde sprache zu erlernen, da hat, sofern dieses erlernen am erfolgreichsten durch vermeidung der sprachvermischung geschehen kann, jene norm keine geltung zu beanspruchen<<.

In seiner 4. these: »Das übersetzen in die muttersprache beschränkt sich auf die fälle, wo formelle schwierigkeiten dazu zwingen<«<, entfernt sich Wendt am meisten von den anhängern der mässigen reform, welche die übersetzung aus der fremden sprache ins

1) Verhandlungen etc., p. 69.

E. Kölbing, Englische studien. XXVII. 1.

Deutsche für eine geistige gymnastik halten, auf die sie nicht verzichten können. Wendt kann diese übersetzung auch nicht ganz entbehren; aber er will sie nur dort anwenden, wo >>formelle schwierigkeiten dazu zwingen«. Meines erachtens fährt man hier, wie überall, am besten, wenn man die goldene mittelstrasse wandelt. Das stetige übersetzen eines fremden textes ist allerdings etwas langweilig und erfordert eine beständige, scharfe controle von seiten des lehrers, da die schüler leicht dazu neigen, durch eine zu wörtliche übersetzung ihrer muttersprache gewalt anzuthun. Doch ist und bleibt eine gute deutsche übersetzung der beste prüfstein dafür, dass der schüler den sinn des fremden textes wirklich richtig erfasst hat. Will man aber in das ewige einerlei des lesens und übersetzens eine abwechslung bringen und zugleich schneller in der lectüre vorwärts kommen, so ist es sehr empfehlenswerth, bei leichteren stellen von der übersetzung abzusehen nud sich bloss durch abfragen des inhaltes in der fremden sprache zu überzeugen, ob der text von den schülern verstanden worden ist oder nicht. Demnach könnte vielleicht die 4. these so formulirt werden; »Das übersetzen in die muttersprache kann bei stellen, die den schülern keine schwierigkeiten machen, entfallen<<.

Gegen die 5. these: »Das übersetzen in die fremdsprache ist nur gelegentlich zu üben« haben wir in Oesterreich, was das Englische betrifft, nichts einzuwenden. Denn erstens bleibt bei der geringen anzahl englischer stunden für derartige übungen keine zeit übrig, und zweitens wird als englische maturitätsarbeit nur eine übersetzung aus dem Englischen gefordert, so dass wir unsere schüler gar nicht auf das übersetzen in die fremdsprache einzudrillen brauchen. Wendt hat vollkommen recht, wenn er in these 6 fordert, dass dem schüler die kenntniss der synonyma, der idiomatischen wendungen und der stilistischen eigenheiten der sprache nicht etwa aus systematischen hilfsbüchern beigebracht werden, sondern dass der schüler dies alles unmittelbar aus der lectüre und im lebendigen verkehr mit dem lehrer schöpfen solle. Um die schüler in der erfassung der unterschiede zwischen der eigenen und der fremden sprache zu üben, empfiehlt er von zeit zu zeit a) musterübersetzungen von fremdsprachlichen stellen, »welche aus inneren oder äusseren gründen zu einem vergleiche der beiden idiome geeignet sind«, ins Deutsche, b) übersetzungen von zusammenhängenden, gut geschriebenen deutschen texten in die fremde sprache. So macht Wendt auch den freunden des übersetzens ein kleines zugeständniss, fügt

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