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z. B. meine Ableitung von tranquillus aus trahere (vgl. Th. I. S. 82.) nur dem Ungeübten gekünstelt scheinen kann, während sie so evident ist, als die von credulus aus credo *). Diese verschiedene Orthographie ist theils ein Werk des Zufalls, wie zi B. diribitores aus dirimere, theils ein Erzeugniss der Sprachentwickeluug, um eine Nebenform mit nuancirter Bedeutung zu gewinnen, wie invitus ne↔ ben invisus, oder cremare als Causativum neben crepare besteht..

Aber wo hört die blos orthographische Verschiedenheit auf, und wo fängt die Verwechselung wesentlich verschiedener Laute an, und wie weit reicht diese letztere? Diese Gränze ist freilich schwer zu bestimmen, denn es giebt kaum einen Buchstaben, von welchem sich nicht die Fähigkeit, in jeden andern überzugehn, durch irgend eine Analogie nachweisen liesse, wie z. B. aus Kanne's Verwandtschaft der griechischen und deutschen Sprache zu ersehen ist. Wenn auch viele solcher Analogieen bei gründlicherer Untersuchung wegfallen, wie z. B. die Identität von lympha und nympha (vgl. Th. II. S. 16.); oder der unmittelbare Uebergang von dis in bis (vgl. Buttmann's Lexil. Th. II. S. 263.), so bleibt es doch höchst wahrscheinlich, dass z. B. libare und liquere einerlei Stamm sei. Gleichwohl habe ich diese und ähnliche Bemerkun

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* Wenn jemand tranquillus lieber von tégŋv und zvλíw ableitet, so kann ich mit ihm eben so wenig streiten als übereiustimmen.

gen absichtlich unterdrückt, weil sie mehr der Spra chenvergleichung als der Wortforschung angehören, und die Identität dieser zwei Zeitwörter ihren Sinn und Begriff um nichts klarer macht, auch nicht leicht in der Wortforschung auf die Möglichkeit solcher Uebergänge der Buchstaben in einander et→ was gebaut, ja sie kaum angewendet. Kurz, die blose Verwechselung der Dentalen mit Dentalen, der Gutturalen mit Gutturalen, der Labialen mit Labialen, ihre Verstärkung mit nahe verwandten Lauten modern und ähnliche Veränderungen, der Uebergang von aino, von o in u, von uin i sind in der Wortbildungslehre nothwendige Erschei→ nungen, die in der Physiologie der Sprachorgane ihren Grund haben und keiner historischen Analo gie bedürfen; dagegen die Verwechselung der Gutturalen mit Labialen und Dentalen und umgekehrt, der übrigens häufige Vortritt eines c, g, f, p oder s u. a. vor einen Consonanten oder Vocal, der Uebergang von a in i, von e in o und ähnliches, betrachte ich als mehr zufällige Erscheinungen oder Idiotismen einzelner oder mehrerer Sprachen, deren Vorhandensein in der fraglichen Sprache ich erst durch historische Analogieen nachzuweisen suchte, ehe ich eine etymologische Behauptung darauf zu gründen wagte.

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33. Fluentum. Fluctus. Unda. Aqua. Humor. Lympha.

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S. 1

18

27

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36. Lutum. Limus. Coenum. Sordes. Squalor. Paedor.

Illuvies.

Situs.

35

37. Lutosus. Luteus. Lutulentus. Obscoenus. Spurcus. 38. Polluere. Contaminare. Inquinare. Spurcari.

50

53

39. Lues. Contagium. Pestis. Pestilentia. Pernicies.

Exitium.

40. Lumen. Lux. Jubar.

41. Lucere. Splendere. Nftere. Fulgere. Micare. Coru

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scare.

70

42. Lucidus. Luculentus. Illustris. Illuminare. Illustrare.

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45. Celsus. Excelsus. Procerus. Altus. Sublimis. Arduus. 93

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49. Celer. Velox. Pernix. Strenuus. Properus. Festinus. 123

50. Delictum. Peccatum. Maleficium. Flagitium. Scelus.

Nefas.

51. Scelestus. Sceleratus. Nefarius. Nefandus.

52. Culpa. Vitium. Noxia. Noxa. Noxius. Sons.

S. 139

151

53. Culpare. Reprehendere. Vituperare. Arguere. Incusare. Accusare. Criminari. Insimulare.

156

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57. Aspernari. Spernere. Contemnere. Despicere.
58. Venerari. Vereri, Revereri. Adorare. Metuere. Ti-
mere. Formidare. Trepidare.

178

184

59. Modestia. Moderatio. Temperantia, Continentia. Ab

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213

60. Gratias habere, agere, referre. Gratari. Gratulari.

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31.

Fluere. Manare. Liquere.

1. Die nahe Verwandtschaft von fluere und manare in den Augen der Alten erhellt aus folgenden Stellen: Cic. Tusc. IV, 1. Pythagorae doctrina cum longe lateque flueret, permanavisse mihi videtur in hanc civitatem. Curt. IV, 2, 14. Si extrinsecus cruor fluxisset, Macedonibus id triste futurum; contra quum ab interiore parte manaverit, urbi, quam obsidere destinassent, exitium portendere. Auf eine Verschiedenheit dagegen deutet die Verbindung bei Cic. N. D. I, 15, 39. Tum ea, quae natura fluerent atque manarent, ut et aquam et terram et aëra. Ebend. II, 19, 50. Multa a luna manant et fluunt, quibus animantes alantur augescantque. Der Sache nach bedeuten beide Zeitwörter dieselbe Erscheinung; aber fluere bezeichnet das Fortströmen, mit Rücksicht auf die Bewegung der Flüssigkeit, manare aber das Ab- oder Ausströmen, mit Rücksicht auf die Mittheilung der Flüssigkeit. Die Ursache des fluendi ist die, dass das Flüssige keinen Damm hat und nach dem Gesetze der Schwerkraft abwärts fliesst; Sen. Q. N. III, 3. Ut stet aqua aut fluat, loci positio efficit; in devexo fluit, in plano continetur et stagnat.

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