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violatos, pollutos. Verr. II, 45, 99. In his sacris polluendis, quae non modo manibus attingi, sed ne cogitatione quidem violari fas fuit. Und V, 72, 187. Sacra polluta et violata sunt. Sall. Cat. 23. Quasi pollui consulatum credebant, si eum quamvis egregius homo novus adeptus foret. Und Jug. 67. (63) Indignus illo honore et quasi pollutus, womit Liv. IV, 3, 9. Quin etiam (si diis placet) nefas esse ajunt, plebejum consulem fieri! zu vergleichen ist. Liv. VI, 41. Omnes cerimonias polluimus, wie Cic. Dom. 40. §. 105 und Suet. Čaes. 6 und 74. Liv. XLV, 5. Sacram hanc insulam et augusti totam atque inviolati soli esse? cur igitur iam homicida sanguine regis Eumenis violavit?

pollu

8. Das seltene und der edlen Sprache ziemlich fremde spurcari, conspurcari, von porcus (vergl. oben S. 52) entspricht wohl eigentlich dem deutschen Besauen oder der ehrbareren Deminutivform dieses Wortes Besudeln, worin die Stammsilbe Sau kaum zu verkennen ist. Aehnlich ist hudeln gebildet, d. h. wie einen Hund behandelu; das d aber ist euphonischer Sperrconsonant wie in prodesse, allodanós und lodern, von Lohe. Doch denkt der Deutsche wenig an den Ursprung, wenn besudeln, wie Adelung lehrt,,, ein anständiger Ausdruck einer ,, an sich unanständigen Sache ist " *).

*) Ernesti n. 668. Contaminare eigentlich mit schmuzigen un,,reinen Händen berühren; ist aber nur tropisch gebräuchlich. ,,Inquinare (von cunae nach den Grammatikern) wird von ,,Schmuz und Unflath gesagt, der sich von aussen an etwas ,,hängt. Polluere wird von allen schändenden und veruurei,,uigenden Gegenständen gesagt."

39.

Lues. Contagium. Pestis. Pestilentia.

Pernicies.

Exitium.

1. Ursprünglich war wohl lues nur ein Synonymum von illuvies, wie noch bei Senec. Troad. 585. Carceris coeci luem dasselbe bedeutet, was in carcere paedor bei Lucan. II, 73. Denn auch das Zeitwort lavare war ehemals in der Bedeutung verunreinigen gebräuchlich, nicht durch Enantiosemie, sondern als simplex pro composito, illuere, polluere. Vergl. Non. p. 675, 35. Goth. Lautum etiam inquinatum vel maculatum. Aber die gewöhnliche Bedeutung Seuche findet sich schon in einem der ältesten Monumente der lateinischen Sprache, im Carm. Fratrum Arvalium, vorausgesetzt, dass man luerem oder luervem richtig durch luem erklärt. In diesem Sinne kann, man lues als Substantivum von polluere betrachten. Cic. Harusp. resp. 12. Ut eos ludos haec lues impura polluerit. Sen. Ir. I, 15. Morbidis pecoribus, ne gregem polluant, ferrum demittimus. Denn die Begriffe von Unreinigkeit und Krankheit liegen ziemlich nahe neben einander, wie in Griechischen auch λυμα, λύμη und λοιμός, und vielleicht merda und morbus *).

*) Diese Bedeutung hat, wenn ich nicht irre, morbus auch in der vielbesprochenen Stelle Hor. Carm. I, 37, 9.

Contaminato cum grege turpium

Morbo virorum.

Ich glaube, dass weder contaminato sich unmittelbar auf die

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2. Anderer Ansicht sind die alten Grammatiker. Fe stus: Lues est diluens ad nihil, tractum a Graeco hús, woselbst Dacier: Morbus a luendo, quia eo solvuntur corpora. Andere haben diese Ansicht durch Erinnerung an Avoerens vooos unterstützt. Non. p. 512, 22. Goth. Lues a rebus solvendis proposita. Licin. Mac. Ann. II Nequaquam sui lavandi reluant arma lue. Wenn hier lues, wie Forcellini und Scheller meinen, das Wasser bedeutete, so könnte man lues auch von fluere ableiten, wie luxus, und durch diffluens erklären, demnach die Ausbreitung des Krankheitstoffes Grundbegriff wäre. Allein gewiss

heisst lues bei einem Historiker kurz vor der Zeit des Cicero nicht das Wasser. Er wählte wahrscheinlich lues der Alliteration wegen für pestis, und wollte, wenn man über den Sinn eines so einzelnen Fragmentes eine Vermuthung äussern darf, etwa folgendes sagen: In keinem Fall sollen sie, um sich selbst zu reinigen, ihre Waffen durch ein Verderben, das sie verbreiten, abwaschen. Diesen Gedanken könnte z. B. ein Senator aussprechen gegen den Vorschlag, die in den caudinischen Pässen entehrten Waffen durch einen Vertilgungskrieg gegen die Samniter wieder rein zu waschen. Isidor. IV. Lues a labe et luctu vocata.

3. Da in contagio, wofür Dichter und die Prosa des silbernen Zeitalters auch contagium gebraucht, zunächst

Unzucht der Eunuchen bezieht (denn aus Tac. Ann. XV, 37 erhellt, dass contaminatus ein euphemistischer Ausdruck für castratus war, ohne weitere moralische Nebenbeziehung), noch auch morbo; wenn man die ganze Stelle so paraphra¬ sirt: cum grege contaminatorum turpium non virorum, sed cum morbo potius virilis sexus. So Soph. Oed. C. 805. Lõμa τῷ γήρα. Plat. Protag. p. 322, d. Τοῦτον . . κτείνειν ὡς νότ σαν πόλεως.

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nur der Begriff der Mittheilung (welche erst durch ein xar Eonv hinzugedachtes Object von schlimmer Art zur Ansteckung wird) nicht wie in lues der eines Uebels selbst hervortritt: so kann man zuvörderst contagio als einen Euphemismus für lues, wie contaminare für polluere betrachten.

4. Pestis erklärt Junius bei Vossius durch PERESTIS, von peredere; andere bringen es mit pessum in Verbindung. Allerdings ist der Stamm per, aber pestis ein davon ́unmittelbar gebildetes Substantivum, wie ich Th. I. S. 49, 61 und 65 in pessimus, pravus und perperus Adjectiva nachgewiesen habe. Die Termination ist die nämliche wie in sementis, und das r hat sich dem näher angeschmiegt, wie in custos und festinus, von curare und ferre.

5. Selbst die veraltete Nebenform, von pestis, welche Festus erhalten hat: Pesestas inter alia, quae inter precationem (vulgo: interpretatores) dicunt, cum fundus lustratur, significare videtur pestilentiam, ut intelligi ex caeteris possit, cum dicitur: Avertas morbum, mortem, labem, nebulam, impetiginem, ist nicht durch Composition mit edere, sondern blos durch per mit der Termination von egestas, majestas, tempestas zu erklären.

6. Wenn diese Ansicht richtig ist, so hat Festus pesestas nicht genau genug durch pestilentia übersetzt. Denn pestilentia ist keine blose Nebenform von pestis, sondern ein Compositum von pestis und olere. Die ältere Schreibart war wohl pestulentia, durch einen Umlaut des o, wie in truculentus, suculentus, lutulentus, während sich in vinolentus, violentus, sanguinolentus und andern das o

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behauptete. Dass eine ältere Form pestilentus wie macilentus statt pestilens existirte, bezeugt Gell. XIX, 7. Aber wie pesestas von pestis, so ist pestilitas eine veraltete oder vielleicht poetische Nebenform von pestilentia, bei Lucr. VI,

1096. 1123. 1130.

7. Demnach bezeichnet pestis das Verderben, syn-. onym mit exitium und pernicies, oder gewöhnlicher das verderbliche Wesen selbst, dagegen pestilentia nur etwas demselben Aehnliches (vgl. Th. I. S. 42) und zwar zarov eine allgemeines Verderben drohende Krankheit, synonym mit lues und contagio; wie schon aus dem Th. I. S. 33 auseinandergesetzten Verhältniss von pestiferus, opp. salutaris, Verderben, Rettung bringend, zu pestilens, opp. saluber, Krankheit, Gesundheit bringend hervorgeht *). Nur Dichter gebrauchen auch pestis var' ¿§ov für pestilentia: Ennius Ann. XVI. ap. Prisc. IX. P. 453. Kr.

Hos pestis necuit, pars occidit illa duellis.

8. Daher lässt sich pestis zu lues nicht eigentlich in das Verhältniss von Species und Genus setzen, wie Valla Eleg. IV, 22 thut. Pestis hat eine grössere Sphäre, als lues, insofern nicht blos tödtliche Krankheiten, sondern alle Arten von Verderben dahin gehören; die lues hat andererseits eine grössere Sphäre als pestis, sofern sie alle Seuchen sie mögen tödtlich sein oder nicht, in sich

schliesst.

*) Das Gegentheil lehrt Popma p. 459 mit Verweisung auf Gambarella Oppos. 585. Pestilentiae opponitur proprie conservatio et salus, pesti autem salubritas.

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