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geboten zu bezeichnen. Anderseits ist einzuräumen, daß er sich einem Optimismus hingab, welchen in römischen Kreisen nur wenige Männer theilten (205-211).

Was die Auffassung der berühmten Septennatsfrage durch Leo XIII. persönlich und durch hervorragende Personen in seiner Umgebung betrifft, so wünschen wir den Leser auf das Buch selbst zu verweisen. Und das Nämliche gilt von dem pikanten Histörchen, das sich an die vom Kaiser Wilhelm im August 1887 dem Papst zum fünfzigjährigen Priesterjubiläum zum Geschenk gesandte und durch Herrn von Schloezer dem heiligen Vater überreichte kostbare Mitra knüpft. Galimberti habe die Sendung einer Tiara, also eines Triregno, als Zeichen der päpstlichen Gewalt in Angelegenheiten coelestium, terrestrium, infernorum gewünscht, wogegen der Fürst Bismarck scherzend mit Bezug auf die Terrestria einige Vorbehalte gemacht habe.

Als Staatsmann im großen Sinne des Wortes faßt der Botschafter zum Schluß seine Eindrücke über den denkwürdigen kirchenpolitischen Streit kurz zusammen. Der Politik des Centrums zum Schuß der höchsten Güter des katholischen Volkes spendet er in dem nämlichen Maße seine Anerkennung, wie den Bemühungen Pius IX. und Leo's XIII, welche dem Rechte der Freiheit der Religion wie nicht minder den Interessen des religiösen Friedens gedient haben (219).

Von einem Mitgliede der höheren Klassen der Gesellschaft verfaßt, sind diese Blätter diplomatischer Geschichte auch für höhere Kreise bestimmt. Die Verbindlichkeit der Formen, in welchen sich die Darstellung bewegt, dürfte neben der inneren Bedeutung des Gegenstandes ihnen den Eingang in diese Kreise sichern. Jeder aufmerksame Leser des lichtvoll gezeichneten Bildes wird sich, unwillkürlich sagen: Wie leicht war es, in der Glühhiße politischer Leidenschaft an den Fundamenten einer mehr denn tausendjährigen religiösen Einrichtung im deutschen. Vaterlande zu rütteln! Aber wie viel Mühe und Geduld war erforderlich, um die Schäden auch nur nothdürftig auszubessern!

LXXXIII.

Ein Gedenkbuch der Glaubenstreue des Tiroler Volkes.

Ein Wort über das Land Tirol kommt immer zur rechten

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Zeit". So beantwortete die verehrte Redaktion der Hist.-polit. Blätter die Anfrage des Schreibers dieser Zeilen, ob ein Referat über die Säcularfeier des Bundes der Tiroler mit dem göttlichen Herzen Jesu im Jahre 1896 auf Grund des etwas verspäteten Gedenkbuches1) angenehm sei. Thatsächlich macht diese gut geordnete Zusammenstellung aller einzelnen Kundgebungen des edelsten Patriotismus und tiefster Religiosität, wodurch das Volk von Tirol in den Jahren 1896 und 1897 ein großartiges Schauspiel für die gläubige wie für die ungläubige Welt geworden ist, auf bleibenden Werth für den Historiker Anspruch.2) Nicht minder ist ein gutes Stück Politik für denjenigen darin enthalten, der mit dem großen Görres neben der oben künstlich gemachten und unten kunstreich ge= wachsenen Geschichte auch noch eine allerhöchst gefügte annimmt. Der katholische Glaube des Tiroler Volkes war ein mächtiger Faktor, mit dem Napoleons Politik wider Willen in einer Weise zu rechnen hatte, daß Baron Dipauli als Festredner

1) Tirol im Jubeljahre seines Bundes mit dem göttlichen Herzen Jesu. Gedenkbuch der Säcularfeier im Jahre 1896. Von Dr. Sigmund Waiz, Redakteur der Brixener Chronik. Mit 32 Jllustrationen im Texte, 4 Vollbildern und einer Musikbeilage. Brixen. Verlag des lath -polit. Preßvereins. 1897. 2) Ueber den von J. Seeber 1896 herausgegebenen „Festgruß“ zu dieser Säcularfeier wurde in Bd. 118 S. 219–224 berichtet. A. d. R.

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am 1. Juni 1896 in Bozen sagen konnte: „Wenn Tirol, das kleine Felseneiland, den Kampf mit dem Usurpator auszustehen wagte, gestüßt auf seinen Glauben, start im Bunde mit dem Herrn; wenn dieses Land damals dem Usurpator troßte, so wurde dadurch nicht Tirol allein gerettet. Die Erhebung Deutschlands war eine Folge der Erhebung Tirols".

Der katholische Glaube ist heute ebenso noch ein Faktor für jede Politik, und Tirol hat durch die begeisterte öffentliche Erneuerung seiner Bundestreue gegen das Erlöserherz gezeigt, wie gewaltig dieser Faktor ist. Darin liegt die zeitgemäße Bedeutung dieses Buches, das auch den edelgesinnten Akatholiken zum Nachdenken auffordert. Welche tiefe Erfassung des Christenthums tritt hier zu Tage, welcher Strom erhabener und echter Poesie ist durch diese Feier entfesselt worden, wie kraftvoll und treuherzig tritt hier der gesunde Volksgeist zu Tage! Bei dem großen Schüßenfeste, das neben der kirchlichen Feier im ganzen Lande begangen wurde, trat dics besonders deutlich hervor. War die kirchliche Feier der Bundeserneuerung ein echtes Volksfest, so war das Schüßenfest umgefehrt von religiöser Weihe gehoben. Bei der Schüßenfahne in Brixen am 10. Mai 1896 konnte deßhalb der Fürstbischof Simon Aichner in der Fest= rede sagen: „Ich kann meine Freude nicht verbergen darüber, daß die Schüßenvorstehung dieses Bild des heiligsten Herzens Jesu hat anbringen lassen an ihrer Fahne. Es ist das ein schönes Glaubensbekenntniß; es ist ein Zeichen der richtigen Auffassung des Tiroler Charakters und des Vertrauens auf das göttliche Herz Jesu. Diese Andacht ist ja bei uns eine Landesandacht. Es giebt kein Reich in Europa, wo die Andacht zum Herzen Jesu Landesandacht wäre. Das ist eine Andacht, die nicht bloß die geistliche, sondern auch die weltliche Obrigkeit im ganzen Lande auf amtlichem Wege eingeführt hat. Von jeher, von altersher war dieses Land dem heiligsten Herzen Jesu zugethan; die Verehrung zu demselben hatte tiefe Wurzeln im Volke gefaßt. Im Vertrauen auf dieses göttliche Herz sind unsere Väter in den Kampf gezogen. Das war das Losungswort: Wir vertrauen auf das göttliche Herz Jesu'." Unsere Schießstätten", hieß es dementsprechend in dem Aufrufe zum Landes-Festschießen, das ursprünglich gleich.

Histor. polit. Blätter CXXI. (1898).

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zeitig mit der kirchlichen Feier bereits im Juni hatte stattfinden sollen, sind Pflanzstätten des Gemeinsinnes, der kriegerischen Tüchtigkeit und des ererbten Patriotismus, welcher sein unerschütterliches Fundament in der Glaubenstreue unserer Bäter besißt". Die pietätvolle Rücksicht auf den Tod des Erzherzogs Karl Ludwig, des geliebten ehemaligen Statthalters von Tirol, veranlaßte das Festcomité, dieses freudige Schüßenfest von der kirchlichen Feier getrennt erst im September abzuhalten. Demgemäß gruppiren sich die mitgetheilten Festberichte der Sache. und der Zeit nach um die beiden Ereignisse, die kirchliche Bundeserneuerung im Juni und das große tirolische Festschießen im September. Die Zusammengehörigkeit beider wird durch die Landtagsbeschlüsse und die Mittheilungen und die Anordnung des Verfassers dem Leser lebhaft zum Bewußtsein gebracht.

Die Wallfahrten nach Maria Zell, nach Paray-le-Monial und nach Rom, sowie der Einfluß der Tiroler Landesfeier auf deu österreichischen Katholikentag in Salzburg sind geschickt in die nächsten auf Tirol bezüglichen Festberichte eingeflochten. Daß die sachliche und nüchterne Berichterstattung auch auf die Mängel aufmerksam macht, die hie und da in der Anordnung der Feste hervorgetreten sind, erhöht den Werth des Buches, das sich als eine Art Documentensammlung mit seinem reichen und interessanten Inhalte der Kritik entzieht. Desto mehr ist hier hervorzuheben die nachdrückliche und geschickte Weise, womit durch die Vorrede und das Schlußwort die Bedeutung dieser Feier für die gegenwärtige Lage Desterreichs betont ist. Das Andenken an den großen Fürstbischof von Brixen Vincenz Gasser und an seine prophetischen Worte, die er als Professor und Abgeordneter bei der deutschen Nationalversammlung zu Frankfurt vor 50 Jahren geschrieben und gesprochen hat, wird hiebei entsprechend geehrt. Den denkenden Leser aber überkommt dabei Wehmuth und Trost zugleich. Auch ohne die ausdrückliche Erwähnung des Kampfes der Tiroler um die Glaubens, einheit unter der weisen und energischen Führung des Fürstbischofs Gasser erscheint die ganze großartige Feier als ein lauter Protest des verwundeten katholischen Tiroler Herzens gegen den Frevel, den es im Kampfe für seinen „kostbaren Edelstein im Ehrenkranze Tirols", die Glaubenseinheit, hat erdulden müssen.

Die Vergewaltigung des ganzen Volkes durch die liberale Regierung in diesem Punkte war das Werf des Mannes im Sprüchworte, der den Ast absägte, auf dem er sitt. Dem tiefer Blickenden erscheinen die gegenwärtigen Wirren in Desterreich hauptsächlich als eine Folge des religiösen Liberalismus und des preisgegebenen katholischen Gedankens, der sich in der gewaltsamen und ungerechten Unterdrückung der Glaubenseinheit in Tirol gegen den einmüthigen Willen des so kaisertreuen Volkes vielleicht am schreiendsten gezeigt hat. Die Politik des grundfatlosen Experimentirens ist seitdem in Desterreich nicht von der Tagesordnung abgesetzt worden. Auch in die lichten und freudigen Schilderungen des Festberichtes ist der tiefe Schatten dieser religiös-sittlichen Verelendung Oesterreichs eingedrungen. So ist in der Schilderung des Festes zu Innsbruck (S. 214) Folgendes zu lesen: Wenigstens ein bischen Flaggenschmuck hätte man den Kasernen wünschen mögen; namentlich der gegenüber dem Jesuitencollegium, wo die Festprozession ihren Ausgang nahm, wäre es so gut angestanden, da doch auch die Universität ein paar Flaggen zur Verfügung hatte. Wohl kam das Militär, Landesschüßen und Kaiserjäger, zur Aufrechterhaltung der Ordnung bei der Prozession in Verwendung und es löste diese Aufgabe gewiß zur Zufriedenheit. Aber es mußte für das Militär doch auch bitter sein, immer nur den Zuschauer zu spielen, jezt - wie einst. Die Neuen Tiroler Stimmen waren gar in der Lage, mitzutheilen, daß am Herz-Jesuseste in Junsbruck die gesammte Mannschaft der berittenen Landesschüßen zur Lehmpflasterung der Stallungen den ganzen Tag über commandirt war, so daß es nur ca. zehn Dienstfreien möglich war, ihrer Sonntagspflicht Genüge zu leisten!!" Es muß mitgetheilt werden, daß das Municipium von Trient abgelehnt hat, der Einladung zur Feier zu folgen, weil es seine nationalen Ansprüche darin nicht berücksichtigt fand. Nicht minder haben die Anhänger und Verfechter der confessionslosen Neuschule zur Festseier mit der ihnen eigenen Niedertracht Stellung genommen. Dem gegenüber bereitet der Glaubenseifer bei diesem Feste dem patriotischen und katholischen Desterreicher großen Trost, und in Wien konnte man, wenn man wollte, sehen, worauf die Regierung sich in ihrer

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