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nehmen, einmal wegen der verschiedenartigen Stellung, welche die damalige höhere Geistlichkeit zugleich als weltliche Fürsten oder Fürstenräthe einnahmen, und außerdem weil die bedeutenderen Männer jener Tage überhaupt ein umfassenderes, universelleres Gebiet beherrschten, als man heute glaubt und fordert. Ein Nicolaus von Cusa begründet eine neue Periode in der deutschen Kartographie, ein Johann von Dalberg, Bischof von Worms, schreibt über Münzwesen, ein Benediktiner Nicol. Donis von Reichenbach gibt einen Atlas (Cosmographie des Ptolemäus) heraus. Schon Rabanus Maurus hatte De cinctu militari (Vegetius-Auszug) geschrieben und dem Kaiser gewidmet.

Von Speyer aus sah sich der Dompropst wiederholt in die Wormser Wirren hineingezogen. Das Mißverhältniß zwischen Klerus und Bürgerschaft hatte sich ums Jahr 1500 noch schlimmer gestaltet; es kam so weit, daß die Geistlichkeit die Stadt verließ und sich in der Nachbarschaft niederließ, 1500.1) Das war ein harter Schlag. Der Rath protestirte gegen diesen Auszug als etwas Unchristliches und als eine der Stadt widerfahrene Schmach, er forderte sogar eine Entschädigung von 100000 Gulden. Die Bürgerschaft wandte sich an den Papst um Untersuchung und Vermittlung Papit Alexander schrieb dem Abte Nicolaus von Schönau mit der Bitte um Beilegung der Irrung; der Abt seinerseits ernannte den Herrn Georg v. G, Dompropst zu Speyer, und Dr. Florentius von Venningen zu Schiedsrichtern. Die Verhandlungen darüber zogen sich das ganze Jahr hindurch. Im Jahre 1507 lag die Stadt Worms im Banne; sie suchte desselben los zu werden und wandte sich dieserhalb an Papst und König. Zuweilen verzagte der Rath, wie aus einem Briefe des Gesandten vom 8. Juli hervorgeht, denn die Pfaffheit ließ nicht nach mit ihren Klagen bei dem König. Am 8. Juli schreibt ihnen König Maximilian, daß

1) Tagebuch des Nolz S. 450.

die beiden Brüder von Gemmingen ihm vorgebracht hätten, wie sie von ihren Pfründen zu Worms etliche Zins, Nugungen und Gefäll in der Stadt und umb dieselbe fallen haben, deren sie zu ihrer Notdurft zu gebrauchen notdürftig seien, müßten aber in Sorgen stehen, daß man der Irrung . . . halben... darin Verhinderung begeben möchte usw. Deßhalb befiehlt er (der König), daß ihr derselben Gebrüdere v. G. ihren Wein, Frucht, Getraid, Zins, Gült, Rent und ander Zugehör durch ihre Diener und die ihrigen einfordern, sammeln und frei damit nach ihrer Gelegenheit und Notdurft mit Verkaufen, Verändern und anderweitig handeln und gefaren (willfahren) lasset, dadurch nit Not wäre, deßhalben gegen Euch (Wormser) zu handeln. 1)

Die Brüder Gemmingen hatten also wegen der ihnen zur Zeit der Irrungen von den Bürgern widerfahrenen Chicanen an König Maximilian sich klagend gewendet, worauf Letterer der Bürgerschaft ein Mahnschreiben zugehen ließ. Mehr wollte sich über Georg's Leben und Wirken nicht finden lassen Georg starb 1511, der Bruder Erpho starb 9 Jahre später, konnte also die Anfänge der durch die neu aufgekommene Lehre entstehenden Bewegung noch sehen; beide deckte derselbe Grabstein.

Wimpheling, Georg's Intimus, 9 Jahre früher geboren, überlebte den Freund um Vieles, er starb 78 Jahre alt im Jahre 1528, als die Lehre Luthers bereits volle Frucht gereift hatte.

An einem Epitaphium für Georg v. G. dürfte es nicht fehlen. Schon Würdtwein theilt im ersten Bande seiner Nova Subsidia diplomatica p. 190 seq. verschiedene Epitaphia et aliae notitiae episcoporum et aliarum personarum spirensium mit 2) und berichtet:

1) Bd. Nr. 191: Eigenhändige Copie des Jorg v. G. thumprobst zu Spier. Nolz S. 519.

2) Von Erpho gibt Würdtwein an: Ao. 1520 Erpho de G. Majoris Spirensis et S. Guidonis ppositus, Wormatiae eccl. Hiftor..polit. Blätter CXXI. (1898).

61

Anno 1511 Georgius de Gemmingen Joanne Patre matre vero Brigitta de Newenstein natus, Can. Wormatiensis ac dein praepositus Spirensis J. U. D. Philosophus etc. scripsit u. s. m.

Obiit Ao. 1511 die 15. Martii aetatis 52, sepultus Spirae in ambitu, womit also das ungefähre Geburtsjahr Georg's, nämlich 1458, gegeben ist.

Neuerdings hat Roth aus dem im Seminar zu Mainz befindlichen handschriftlichen Syntagma Helwichii die Speyrer Dominschriften veröffentlicht im Freiburger Diöcesanarchiv XIX, 210, darunter Georg. a G. I. V. D. praep. Spir. ob. 1511 15. Martii, aetatis 52, mens. 10 dies 22.

Einen Blick zurückwerfend können wir den Worten des Freundes Wimpheling zustimmen und in der That Georg v. G. bezeichnen als eine „Zierde der Speyrer Kirche", aber auch als einen Mann des Wissens und zwar als einen solchen, in welchem Glaube und Wissen keineswegs in Zwiespalt stand, sondern zu einem harmonischen Ganzen sich zusammenfand, wie solches bei dem älteren Humanismus überhaupt der Fall war.

F. Falt.

can., ob. MDXX die XIIII Nov. Spirae in ambitu sepultus:
Roth a. a. D.: Erpho a G., I. V. D., praep. Spir. S. Guid. et
Brussaliensis, frater Ggii praedicti, ob. 1520 14 Nov. sepultus
in fratris tumulo.

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LXXXII.

Ein französischer Diplomat über die Beilegung des Culturkampfes."

Der französische Publicist Georges Goyau hat sich nach einer doppelten Richtung einen Namen gemacht. In Verbindung mit zwei anderen Schülern der École française de Rome, André Peraté und Paul Fabre, welcher er auch selbst seine Ausbildung verdankt, stellte er 1895 im Verlag von Firmin Didot ein hervorragendes Werk über den Vatikan an's Licht.2) Vom apostolischen Palast, der seit 1870 zwei Päpsten als Gefängniß dient, seinen Ausgang nehmend, hat Goyau in geradezu meisterhafter Weise sich verbreitet erstens über die allgemeine Geschichte des Papstthums, und sodann über die

1) Comte Édouard Lefebvre de Béhaine. Léon XIII et le Prince
de Bismarck. Fragments d'histoire diplomatique avec pièces
justificatives (Munich 1872-1879. Rome 1882-1887) In-
troduction par Georges Goyau. Paris P. Lethielleux [1898].
8°. LXXXVIII. 480 pag. 3u beziehen in Deutschland durch die
Firma Friedrich Pustet in Regensburg.

2) Eine deutsche Ueberseßung erscheint jezt in Lieferungen bei Ben-
ziger in Einsiedeln: Der Vatikan. Die Päpste und die
Civilisation. Die oberste Leitung der Kirche. Mit einer
Einleitung von Cardinal Bourret und einem Nachwort von
Vicomte Melchior de Vogué. Aus dem Französischen übersezt
von Karl Muth. Mit 482 Autotypen und 10 Lichtdruckbeilagen.
Bis jet sind 12 Lieferungen (à 1 M.) von diesem Prachtwerk
erschienen. Gejammtpreis 24 M..
A. d. R.

oberste Leitung der Kirche. In Rom herangebildet, von den großen Ueberlieferungen des heiligen Stuhles durchdrungen, hat Goyau als würdiger Schüler des französischen Instituts in Rom, welches heute unter der Leitung von Louis Duchesne blüht, sich aber auch zugleich eine edle Unabhängigkeit des Urtheils über die Träger des Pontifikats und die Thatsachen der Geschichte bewahrt. Mit den Ergebnissen deutscher Wissenschaft innig vertraut, weiß er die Fabel von der Schenkung Constantins und das Machwerk des Fälschers Isidor im Lichte moderner Untersuchungen darzustellen. Seine Ausführungen über Annatenwesen und Nepotismus sind geeignet, auch solche Forscher zu befriedigen, welche gewohnt sind, an diese Erscheinungen den denkbar strengsten Maßstab anzulegen.

Im verflossenen Jahre hat Goyau deutschen Zuständen seine Aufmerksamkeit zugewendet.1) Ein vorurtheilsfrei gezeichnetes Bild der heutigen Lage des deutschen Protestantismus seinen französischen Landsleuten vorzulegen, das war der Zweck, den er angestrebt und auch erreicht hat. Allbereits hat diese Arbeit in Berliner Kreisen die Aufmerksamkeit gefesselt und dem Verfasser, wenn auch keine allseitige Billigung, so doch die Anerkennung eines redlichen Forschers eingetragen, welcher sich sehr fleißig in der deutschen Literatur umgesehen und persönlich von deutschen Zuständen gewissenhaft Kenntniß ge

nommen.

Mit besonders lebhaftem Interesse wird jeder deutsche Katholik die neueste Arbeit eines so geistvollen Mannes, wie Georges Goyau ist, zu Hand nehmen. Sie enthält im Wesentlichen den Abdruck einer Reihe von Artikeln, welche der ehemalige Botschafter der französischen Republik beim heiligen Stuhl, Edmund Graf Lefebvre de Béhaine, im Laufe des Jahres 1897 in der Pariser Revue des deux Mondes erscheinen ließ. Dieselben enthalten seine Erinnerungen an die diplomatische Sendung des preußischen Gesandten Herrn von Schloezer in Rom zur Beilegung des Culturkampfes. Duneben hatte der Botschafter, welcher als französischer Gesandter in

1) Georges Goyau. L'Allemagne. Le Protestantisme. Paris 1897. Librairie académique Didier.

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