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von Stiglmayr in seinem Programmauffage dargelegten Gründen beizukommen sei, indem er nachwies, daß nicht nur Procopius von Gaza um 470, sondern auch Synesius von Cyrene die Schriften des Dionysius bereits gekannt und benüßt haben, daß sie also geraume Zeit vor 480 geschrieben worden sein müssen.

Eine seltene Ironie des Schicksals, die hier gewaltet hat. Während Stiglmayr mir noch jüngst verkündigte, daß mein erster Waffengang mit ihm mißglückt sei, und des Sieges sich rühmte, hatte ihm schon vor Jahresfrist Dräseke zu verstehen gegeben, daß ihm der Beweis für seine These nicht gelungen, daß diese unhaltbar sei. Dräseke gibt sein Urtheil mit den Worten:1)

„Ich denke, in den vorstehenden Bedenken gezeigt zu haben, daß Stiglmayrs Versuch, die für die Abfassung der Schriften des Dionysius im 4. Jahrhunderte sprechenden Zeugnisse zu entkräften, nicht stichhaltig sei. Wir haben ihr Vorhandensein schon vor der Mitte des 4. Jahrhunderts wahrnehmen und ihre Wirkung an verschiedenen Zeugnissen verfolgen können, so daß die ausdrückliche Anführung und Benützung der selben als Werke des Dionysius durch Procopius von Gaza um 470 nunmehr in das volle Licht des geschichtlichen Verständnisses gerückt ist“.

1) A. a. D. S. 408 und 409.

Nirschl.

LXXVII.

Rückblicke nud Ausblicke.

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Aus Oesterreich Mitte Mai 1898.

Der Reichstag ist vertagt, um den Delegationen Play zu machen. Gott sei Dank, daß man für einige Wochen von der Qual befreit ist, täglich den wüsten Debatten, von welchen das Palais am Franzensring widerhallte, folgen zu wüssen. Vielleicht dämmert so manchem der anständig gesinnten deutschen Politiker aus den Verhandlungen des österreichischen Delegations-Ausschusses doch die Ahnung auf, daß man seine Meinung frisch und frei sagen kann, ohne grob zu werden, wie ein Sackträger, und daß man auch die abweichenden Ansichten Anderer anhören kann und muß, ohne zu strampeln, wie ein dummer Junge, und ohne zu schimpfen, wie ein Fischweib. Bis heute wenigstens haben die Delegations Verhandlungen einen glatten Verlauf genommen. Der Minister des Aeußeren, Graf Gol uch o w s k i, heimste am 12 d. Mts. wiederum allseitigen Beifall für seine der Erhaltung des Friedens gewidmete Politik ein. In der That scheint nach seinen Aeußerungen der politische Horizont ohne drohende Wolfen - tro des Cubanischen Krieges und troß der noch bestehenden Differenzen im Orient. Wir wollen das hoffen, wiewohl in Ostasien schlimme Verwicklungen jeden Tag eintreten fönnen. Man begreift aber, daß Desterreich-Ungarn sich vorsicht und die zweifellos viel

Histor..polit. Blätter CXXI. (1898)

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zu schwache Kriegsflotte verstärken will. Beispiele ziehen. So bescheiden aber auch die Forderungen im Vergleich zu den deutschen Bewilligungen sind, so wird man sie doch nur mit Ach und Krach durchdrücken können. Denn unsere Finanzen sind nicht so glänzend, wie die des deutschen Reiches.

Daß in der Diskussion auch der inneren Lage Cisleithaniens gedacht wurde, darf bei der Neigung der deutschen Opposition, jede politische Aktion mit ihren Schmerzensschreien zu stören, nicht verwundern. Der „verfassungstreue" Graf Stürgth hielt es für politisch klug, den Minister des Aeußern zu interpelliren, wie er über den Einfluß des nationalen Kampfes in Desterreich auf die Gesammtpolitik des Reiches denfe. Dabei bewegte sich der Graf in dem für die Zukunft der Deutschen in Oesterreich so verhängnißvollen Irrthume, daß die Deutschen die Träger des Dreibunds und der heutigen Reichspolitik seien, und daß mit der Zurückdrängung der Deutschen der Dreibund an Sicherheit verlieren müsse. Indem der Minister kurz und bündig versicherte, daß der Dreibund in alter Kraft fortbestehe, lehnte er es ab, sich in die innerpolitischen Verhältnisse Cisleithaniens einzumischen, erklärte aber sehr zutreffend, daß die beklagten Zustände die Führung der auswärtigen Politik nicht erleichtern. Schärfer setzte natürlich der Czeche Dr. Kramar ein, dem es erwünscht war, die Bedeutungslosigkeit des Dreibundes für die Machtstellung Oesterreich-Ungarus zu behaupten Derselbe werde um so inhaltsloser, je besser und fester sich das freudig zu begrüßende Einvernehmen mit Rußland gestalte, so daß es sich kaum noch lohne, den Bund principiell zu bekämpfen. Damit geht der czechische Redner freilich viel zu weit; es zeigt das aber, wie thöricht es von den deutschen Politikern ist, die Deutsch-Liberalen als Stüze und Träger der Dreibund-Politik zu feiern. Denn diese Stütze wäre im Ernstfalle trog aller Großmannssucht — viel zu schwach. Ueberdies hat die Dreibundspolitik den mäch

tigsten Träger stets in den Ungarn gefunden, die kraft ihrer geschichtlichen Traditionen in dem Dreibund einen starken Rückhalt für ihre innere Politik und für ihre staatsrechtlichen Bestrebungen erblicken. War es auch für den Minister des Aeußern ein Leichtes, die Anzapfungen des politisirenden Grafen und seines fortschrittlichen Helfers Pergelt abzuweisen, so bleibt es immer bedauerlich, daß ohne jeden zwingenden Grund der alte, fast vergessene Dissens bezüglich der äußern Politik wieder wachgerufen wurde. Wollen die Deutschen die alleinigen Träger der äußern Politik sein, so würden sie stark genug sein müssen, sie auch mit Geld und Blut durchzuführen. Das ist aber unmöglich; darum geziemt es, auch hierin bescheidener zu denken und zu versuchen, trozdem mit mehr Klugheit und Voraussicht, als mit beleidigendem Prahlen und mit ödem Poltern auch in der äußern Politik die Interessen des deutschen Volkes in Desterreich zu wahren

Denn darüber fann unter einsichtsvollen Politikern fein Zweifel sein, daß die Taktik der deutschen Opposition troh vorübergehender Erfolge dem deutschen Volke feinen Nußen bringen kann. Die Völker Desterreichs sind nun einmal auf ein friedliches Neben- und Untereinander-Wohnen angewiesen und jeder Volksstamm, welcher in der Vertretung seiner eigenen Interessen weiter geht, als es zur Sicherung jeines Bestandes nothwendig ist, schädigt nicht nur das Ganze sondern auch sich selbst. Ich bin nun weit entfernt zu behaupten, daß die Opposition gegen die Badeni's chen Sprachenverordnungen an sich unberechtigt war; aber sie ist in ihren Zielen zu weit gegangen und hat sich in ihren Mitteln gänzlich vergriffen, und so ist sie die Ursache der inneren Wirren geworden, an welchen wir nun seit einem Jahre leiden.

Was hat sich in unserem vielgeprüften Desterreich seit den Maitagen 1897 alles ereignet! Die Zeit cilt schnell und je rascher und je reicher sich die Ereignisse folgen, um

so leichter werden sie vergessen. Wohlthuend wirkt die Erinnerung an die parlamentarischen Tumulte, an die Straßenaufläufe, an die Egerer Scenen, an die Prager Verwüstungen, an die landesverrätherischen Agitationen, und endlich an die lezten parlamentarischen Novemberschlachten freilich nicht; aber es ist heilsam, alles dessen zu gedenken, um das Facit der wüsten Oppositionspolitik ziehen zu können.

Die politische Bilanz des Jahres 1897 lautet für Desterreich wahrlich betrübend. Vor allem hat die staatliche Autorität schwere Einbuße erlitten. Man denke an die Wiener Studentendemonstrationen, an die Studentenstrikes, an die Tumulte auf der Ringstrasse, an die Grazer und Prager Excesse. In Wien schien man die Märztage des Jahres 1848 copiren zu wollen. All' diesen Demonstrationen und Ausschreitungen gegenüber zeigte sich die öffentliche Gewalt nicht gewachsen; in Wien war sie unschlüssig und in Prag thatsächlich zu schwach. Die Wiener Demonstranten verkündeten jubelnd, daß Graf Badeni vor ihren Drohungen gewichen sei und die Hofburg sie fürchte Hat der gebildete und ungebildete Mob erst begriffen, daß man vor seinen Tritten zittert, dann mag die Regierung zusehen, wie sie ihn im Zügel halten kann. Mit der bisherigen Wiener Methode sicherlich nicht.

Neben der staatlichen Autorität hat aber auch die Krone an Ansehen verloren. Mitten aus den Vorbereit ungen zu den Kaiserfesten ertönen Rufe, die man glücklicherweise früher nicht in Desterreich hörte, Rufe, aus welchen Verrath am Reiche und an der Dynastie spricht. Schönerer und seine Leute im Parlamente und im Lande huldigen der Theorie von der Treue auf Kündigung und machen kein Hehl daraus, daß ihre Herzen und ihre Wünsche jenseits der schwarzgelben Grenzpfähle gehen. Und leider ist ihr Anhang größer, als man bei der gerühmten Anhänglichkeit des Volkes an die Dynastie glauben sollte. Wohin Schönerer, Wolf und andere Agenten der antiösterreichischen Partei

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