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auf rohen Zucker. Deshalb ist der Zuckertrust immer für Anschluß Cuba's gewesen, und die großen Geldmittel der cubanischen Junta, mit denen sie Waffensendungen an die Aufrührer ausführt, sind zum großen Theil auf den Zuckertrust, im Uebrigen auf die Hochschutzöllner zurückzuführen.“1)

Indeß wäre mit dem Siege über Spanien die cubanische Frage noch keineswegs endgültig erledigt. In dem Endbeschluß des Congresses ist in dem vom Senat vorgelegten Texte die Anerkennung der „cubanischen Unabhängigkeit" weggelassen worden. Im Senat hat nämlich die „demokratische Partei" die Mehrheit, in der Kammer die „republikanische“. Lettere zog die Vorsicht der Tapferfeit vor, und wollte nichts versprechen. „Allmählich“, sagte ein Bericht aus NewYork, „kommt der Fuchs zum Loche heraus. Die von Humanität triefenden Yankec-Blätter gestehen Eins nach dem andern ein, daß, wenn auch Amerika die Unabhängigkeit Cuba's anerkenne, sich trotzdem schließlich die Annexion Cuba's nicht umgehen lassen werde. Das glauben wir schon, denn mit einem unabhängigem Cuba wäre dem Zuckertrust, in dessen Interesse ja überhaupt der Krieg gegen Spanien geführt werden soll, wenig gedient". Die Yankee-Blätter waren wüthend, als sie die Aeußerungen des jezigen Vorsizenden der bisher so hoch gefeierten Newyorker Junta, Horatio Rubens, vernahmen: „Wir wollen nichts als Unabhängigkeit. Wir wollen keine Autonomie, keinen Waffenstillstand oder irgendetwas Anderes als absolute Freiheit; die Vereinigten Staaten können die Insel nicht annektiren, ohne mit uns einen Kampf zu bestehen".2) So lautete die Sprache der Junta".

Jedenfalls wäre der Sieg dieser Parteien in den Vereinigten Staaten für die ganze Weltlage von unabsehbaren Consequenzen. Wie der Appetit wachsen würde, das hat sich vor Kurzem schon an der ungehinderten Festsetzung der

1) „Kölnische Volkszeitung“ vom 1. April d. Js. 2) Berliner „Kreuzzeitung“ vom 21. April d. Js.

Amerikaner auf Hawai in den Sandwichinseln gezeigt. In Amerika gibt es noch vierzig Millionen Spanier. „Wenn Spanien Cuba und vielleicht auch Portorico verloren hätte, so wären die Vereinigten Staaten die ausschließlichen Herren des Golfs von Mexico. Und dann würden sie, ob nun der Panama oder der Nicaragua-Canal zu Stande fommt, beherrschend in den Stillen Ocean eintreten. Auch im fernen Asien, wohin der Krieg wohl bald seine Wirkungen trüge, könnte sich dann die Landkarte in einer mehrere Großmächte Europa's beunruhigenden Weise umgestalten. Sollte es dann jenen Staaten Europa's, welche sich möglichst friedlich in Ost Asien festsehen, gewaltsame Veränderungen dortselbst vorläufig hintanhalten und Niemanden übermächtig werden lassen wollen, gleichgiltig sein, wenn Spanien von den Philippinen verdrängt würde und Japan seine Hand auf diese Inselgruppe, den compaktesten Colonialbesig Spaniens, legte? 1) Das Bismarck'sche Leibblatt in Hamburg ist außer sich bei dem Gedanken an diese Auswüchse der berüchtigten „Monroe-Doftrin":

„Die Art und Weise der Einmischung, welche von Seiten der Vereinigten Staaten in die spanisch- cubanische Angelegenheit stattfindet, stellt eine derartige Erweiterung der Monroe-Doktrin und einen so bedenklichen Präcedenzfall dar, daß sich alle Staaten, die auf dem amerikanischen Festlande und auf den Inseln, die im geographischen Sinne zu ihm gerechnet werden. müssen, Besitzungen und Interessen zu wahren haben, dadurch für die Zukunft bedroht fühlen müssen. Die Monroe-Lehre, wie sie von ihrem Verkünder, dem fünften Präsidenten der Vereinigten Staaten, James Monroe (1817 bis 1825), aufgestellt wurde, war ursprünglich mehr defensiver Natur und ging lediglich dahin, keine Einmischung europäischer Mächte in die inneren Angelegenheiten der amerikanischen Staaten zu dulden; später wurde ihr die Auslegung gegeben, keine europäische Macht fünftig mehr festen Fuß in Amerika fassen zu lassen und

1) Aus Madrids Wiener „Neue Freie Presse“ v. 8. April d. Js

den europäischen Einfluß auf Amerika zu bekämpfen, während sie nach der jezigen Auffassung die Vereinigten Staaten berechtigt, die europäischen Staaten gegebenen Falles aus ihren Besitzungen auf dem amerikanischen Festlande oder den Inseln einfach zu vertreiben, auch wenn der Washingtoner Regierung nicht der geringste Rechtsanspruch auf die betreffenden Gebiete zusteht. Wir können nur wiederholen, daß diese Anwendung der Doktrin eine insolente Anmaßung der übrigen Welt gegenüber ist, ein durch nichts gerechtfertigter Gewaltakt, der den Widerspruch aller nicht zu den Vereinigten Staaten gehörigen amerikanischen und derjenigen europäischen Staaten hervorrufen muß, die auf (geographisch) amerikanischem Terrain etwas zu verlieren haben. Um sich über die Ungeheuerlichkeit der Anmaßung klar zu werden, welche in der gegenwärtigen Anwendung der Monroedoktrin durch die Vereinigten Staaten liegt, muß man sich ein europäisches Analogon dazu denken, 3. B. daß irgend ein europäischer Staat, etwa Frankreich oder Rußland, den Anspruch erheben wollte, er habe darüber zu bestimmen, was in Europa geschehen dürfe oder nicht, irgend welche Veränderungen oder Grenzverschiebungen seien ohne seine Zustimmung nicht erlaubt. Die amerikanischen Gesetzgeber und Politiker sind offenbar durch die großen Reichthümer ihres Landes zum Größenwahn verführt worden; sie überschäßen die eigene Berechtigung eben so sehr, wie sie die Unabhängigkeit der übrigen amerikanischen und der europäischen Staaten von dem Willen der Yankee-Republik unterschäßen." 1)

Wer sollte aber nun Einhalt thun? Etwa England? Aber England ist durch die Zwei- und Dreibünde aus dem Continent so hinausgeärgert, daß es nicht zu verwundern wäre, wenn es diesseits und jenseits der zwei Weltmeere mit den Vereinigten Staaten und mit Japan, der neuen Großmacht, zum neuesten Dreibund sich zusammen schlöße. Man muß eben jegt an Alles glauben, seitdem es — „kein Europa mehr gibt", wie der Unglücksvogel Beust vorausgesagt hat.

1) Berliner „Kreuzzeitung" vom 21. April d, J§.

Histor. polit. Blätter CXXI. (1898).

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LXXI.

Die Briefsammlung des feligen Canisius. 1)

Als wir den ersten Band der von P. Braunsberger veröffentlichten Briefsammlung des sel. Petrus Canisius in diesen Blättern (Bd. 118, 928 ff.) zur Anzeige brachten, waren wir in der glücklichen Lage, dem Fleiße, der Genauigkeit, der seltenen Akribie des gelehrten Herausgebers ein uneingeschränktes Lob spenden zu können. Derselbe Beifall ist dem bedeutenden Unternehmen auch von akatholischer Seite zu Theil geworden. Alle Kritiker, die das neue Werk besprachen, haben einstimmig dessen hohen Vorzüge anerkannt. „Ohne Zweifel“, heißt es in dem Centralblatt für Bibliothekswesen, wird dieser Briefwechsel einer der wichtigsten und best herausgegebenen für die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts werden". Erwähnungs. werth ist besonders das Urtheil, das jüngst der bekannte Historiker Philippson, der nicht gerade ein Freund der Jesuiten ist, über Braunsbergers Arbeit in der Pariser Revue historique (Tome 66. 1898. . 147) abgegeben hat: „L'éditeur a mis en réquisition plus de 260 archives et bibliothèques avec une ardeur et une patience réellement admirables, et il publie ses trouvailles nombreuses avec une science qu'il faut hautement reconnaître. Sa connaissance de la littérature relative à son sujet est très vaste, et il la met à profit avec la plus grande impartialité".

Auch der vor kurzem erschienene zweite Band der hochinteressanten Briefsammlung verdient unsere volle Anerkennung.

1) Beati Petri Canisii, Societatis Jesu, Epistulae et Acta. Collegit et adnotationibus illustravit Otto Braunsberger, eiusdem societatis sacerdos. Vol. II. 1556-1560. Friburgi, Herder. 1898. gr. 8°. LXI, 950 Seiten. (Preis M. 16)

Der Briefwechsel beginnt hier mit der Zeit, wo der hl. Ignatius gestorben (Juli 1556) und wo kurz vorher Canisius zum Provinzial für Oberdeutschland ernannt worden war; die Correspondenz erstreckt sich bis Ende 1560. Es werden aus dieser Zeit 283 Briefe mitgetheilt, von denen die meisten bisher ungedruckt waren; zudem finden sich in den zahlreichen kritischen Anmerkungen und Erläuterungen über 400 aus handschriftlichen Quellen entnommene Fragmente. Hieraus schon läßt sich schließen, wie inhaltreich der neue Band ist.

"

Daß die hier veröffentlichten Schriftstücke für die bessere Kenntniß des Charakters des ersten deutschen Jesuiten von grundlegender Bedeutung sind, braucht wohl nicht eigens hervorgehoben zu werden. Namentlich erscheint Canisius in seinen Briefen als ein Mann des zuversichtlichsten Gottvertrauens. Er beklagt einmal (S. 379) die erbarmenswerthe Verzagtheit" der deutschen Bischöfe. Daß in den damaligen trostlosen Verhältnissen manche den Muth sinken ließen, darf nicht Wunder nehmen. Um so mehr muß man das unerschütterliche Vertrauen des demüthigen Ordensmannes bewundern. Obschon er mit allerhand inneren und äußeren Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, so wurde er doch niemals kleinmüthig; und wie er selber von felsenfestem Vertrauen auf Gottes Beistand beseelt war, so suchte er auch anderen, dem Kaiser Ferdinand I., dem Herzog Albrecht von Bayern und dessen Räthen, den Bischöfen und Geistlichen, seinen eigenen Ordensgenossen großes Vertrauen einzuflößen. Gerade dieser Umstand macht auch heute noch die Briefe des Seligen zu einer erhebenden, stärkenden Lektüre; man lernt daraus, daß man auch in den schwierigsten Verhältnissen nie den Muth verlieren darf, sondern daß man, wie einmal Canisius an den Ordensgeneral Lainez schrieb (S. 138), wider die Hoffnung in ausharrender Geduld und festem Vertrauen arbeiten muß (Fructum adferre nullum hic posse videmur, nisi in patientia, in spe contra spem laborantes).

Das Gottvertrauen des pflichteifrigen Ordensmannes sollte nicht zu Schanden werden; auf seinen Arbeiten ruhte ein sichtbarer Segen. Staunen müssen wir über den mächtigen Einfluß, den dieser Eine Mann in Deutschland ausgeübt hat. Bezeichnend für seine ganze Thätigkeit sind die Erfolge, die seine

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