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Man kann sich Tieferes, Poetischeres nicht denken, als diesen Traum einer Seele, die davor zittert, ein neugeborenes Kind könne ohne die Taufgnade sterben, der im Traume mit wenigen aber tiefsinnigen Worten der Text zu den tiefsten Betrachtungen über die Heilswahrheiten als Wahlspruch mit: gegeben wird, die diese Worte zwar durch und durch versteht, aber sich nicht erklären kann, im Auge eines neugetauften Kindes, dem sie dieselben vorsagt, aber tiefes Verständniß dafür erschaut.

P. Kreiten in seinem Lebensbilde Clemens Brentano's stimmt der Diel'schen Auslegung nicht bei, sondern neigt zur Ansicht derer, die darin etwas Nebelhaftes erblicken, und legt (II, 487) die Worte der Ahnfrau, „daß sie die Worte durch und durch verstand, aber sich nicht erklären konnte", dem Dichter als eigenes Geständniß in den Mund Ich glaube, das geht doch zu weit. Das Kind von Hennegau wollte wohl mit diesen Worten sagen, sie wüßte zwar, was von ihr verlangt werde, aber könne sich es nicht erklären, wie jede unschuldige Seele, die noch ein bischen an der Welt hängt, sich dagegen sträubt, auch ihrerseits von dem Leid" zu übernehmen, das Christus von seinen Nachfolgern fordert. Der Dichter hat mit nichten seine Meinung über seine Verse aussprechen wollen, sondern nur die Wirkung, die sie auf das Ahnfräulein ausübten. Das Kindlein aber verstand es besser.

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Clemens schrieb einmal an Steinle gelegentlich der Besprechung von Bildern, welche ihm nicht gefielen: sie haben kein Kindchen im Auge". Dieses Kindchen im Auge", die naive Unmittelbarkeit, hat sich Clemens Brentano durch sein ganzes stürmisches Leben hindurch bewahrt. Nichts, was darin zu tadeln ist, und was er überschwänglicher nach Außen bereut hat, als es für die Welt nothwendig gewesen wäre, ist vergiftend bis in seine Herzfajern gedrungen. Er hat stets katholisch gefühlt und - - verstanden, aber niemals geheuchelt, weder mit Gefühlen noch mit verkleidenden Worten.

Er selbst wird ja nun wohl hoffentlich über alles Gezänke erhaben sein, das seine so gut gemeinte, aber übertriebene Offenherzigkeit heraufbeschworen hat. Aber im Interesse seines Andenkens ist zu wünschen, daß wenigstens von katholischer Seite her seine Werke auch mit dem Rindchen im Auge" betrachtet und besprochen würden; denn sein Wahrspruch war durch ein bitteres Leben hindurch:

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Stern und Blume, Geist und Kleid,
Lieb', Leid und Zeit und Ewigkeit.

Frankfurt a M.

Alphons M. v. Steinle.

XXXVIII.

Die Einführung der Reformation im Ordenslande Preußen.

(Schlußartikel.)

In Preußen allein also trat die kirchliche Autorität an die Spize der Neuerer, deren Predigt mit ihren Con sequenzen das bestehende Kirchenwesen in der Jurisdiktion, im Dogma, im Cultus zersetzte und auflöste. In Folge dessen konnte die Verwirrung in den Gemüthern und den Gewissen nirgends so groß sein, wie in Preußen. Dazu kam noch, daß dieser Bischof Polenz zugleich Statthalter war, also die weltliche Autorität mit der geistlichen in seiner Perjon vereinigte.

Herr Kolberg schildert die Art und Weise der Predigt dieser Persönlichkeiten S. 11 u. ff

Dennoch mußte einmal doch die Berechtigung dieser Prediger in Frage kommen. Albrechts Sekretär Gattenhofer, der sich in Königsberg befand, für seinen Herrn zu allen Dingen willig und brauchbar, berichtet ihm darüber wie folgt: 1)

„Es hat Dr. Martinus Luther aus Ewr. F. Gu. Geheiß und Anregung einen Prediger, Dr. Amandus genannt, zuvor Priester, der ein Weib genommen, allhier geschickt, der dann in der Altstadt Nachmittags des heiligen Tages zu predigen

1) Tschackert II, 51 Nr. 183. Histor..polit. Blätter CXXI. (1898.)

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verordnet. Er thut denn wahrlich das göttliche Wort trefflich auslegen, und den Mißbrauch der Kirchen, wie der bisher mit Lichter-Brennen und anderen überflüssigen Ceremonien geübt, umstoßen. Dieweil er denn bisweilen den Rath und die Kirchenväter der Altstadt mit rühren thut, auf Solches und Anderes Acht zu geben, sind sie ihm etwas zuwider, wollten ihn gern von sich bringen und vielleicht einen Anderen annehmen, der ihnen von Dieterich von Bern predigen thät. (Darum hat er) mich gebeten, dieweil die in der Altstadt etwas mit Listigkeit gegen ihn handeln, Ew. F. Gn. wollten ihn in Deroselbigen Schuß und Schirm nehmen, auch einem Rathe schreiben, dieweil er von Ewr. F. Gn. allhier abgefertigt, ihn das Wort Gottes in der Altstadt ungehindert verkündigen (zu) lassen. Denn ihn die Gemeine sehr wohl leiden mag, allein der Rath nicht. Darum bitte ich Ew. F. Gn. wollen sich hierin gnädiglich erweisen, damit der gemeldete Prediger in seinem vorgenommenen Werke bleiben möge. Datum am Fastnachttage".

Einige Tage später, am 26. Februar, berichtet abermals Gattenhofen:1) „Ich kann Ewr. F. Gn. auch nicht bergen, daß das göttliche Wort allhier ordentlich und wohl gepredigt wird. Derhalben sich ereignet, daß alle Altaria in der Altstadt und dem Kneiphof im Thume abgedeckt, das Kirchengeräth durch die Gilden in Verwahrung genommen, die Altäre einestheils abgebrochen, die Gößen oder Heiligen aus der Kirchen genommen, also daß man des Tages nicht mehr als Eine Messe nach Christi Einsegung halten thut, wiewohl sich allerlei Unterredung derhalben begibt, auch bisweilen solches Thun mit anderer Ordnung vorzunehmen wäre. Es will aber Niemand der Kaße die Schelle anbinden; (daher) befürchte ich mich, es möchte sich der Tage eins ein Unwille erheben; denn meines Erachtens ist in dieser und anderer Sachen fein anderer Mangel, denn daß der Hausvater

1) Tschackert II, 55. Nr. 190.

nicht vorhanden ist: in dessen Beisein dürfte man mancher Sachen nicht gedenken, will geschweigen mit der That zu üben oder vorzunehmen".

Der Sinn der Rede ist offenbar: der Rath der Altstadt und der Prediger Amandus sind wider einander: daher ist das Einschreiten des Hochmeisters erforderlich.

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Dieser zauderte nicht. Am 2. März schrieb er aus Nürnberg an den Bischof Polenz: 1) Es ist an Ew. Lbd. unsere freundliche Bitte, dieselben wollen mit allem Fleiße über Dr. Amandus halten, und wo er je der Unbilligkeit nach dessen wir uns doch keineswegs versehen ge= drungen (würde), ihn in unseren Schuß und Schirm nehmen“. Am 4. März erließ er ein anderes noch ungleich bedeutsameres Schreiben an den Rath der Altstadt Königsberg. Es lautet wie folgt: 2)

1) Tschackert II, 56. Nr. 192.

2) A. a. D. Ausführlicher bei Faber II, 103.

„Wir haben nicht aus gering wichtigen, sondern aus beweglichen Ursachen uns hier außen um tapfere und verständige Leute, die das heil. Wort Gottes zu verkündigen und dem gemeinen Manne einzubilden geschickt und erfahren, mit allem Fleiß beworben. Und haben erstlich so viel erlangt, daß Euch vor Anderen auch als den Getreuen, denen wir mit allen Gnaden gewogen, ein gelehrter, erfahrener und der h. Schrift verständiger Mann, Dr. Amandus genannt, zugefertigt (worden ist). Nun können wir wiederum bei uns ermessen, daß vielleicht derselbe mit seiner Lehre, die auch den alten menschlichen Misbräuchen in allen Artikeln nicht, jedoch der rechten bewährten Schrift gemäß, nicht Jedermann gefällig sein möchte dessen uns denn Christi unseres Seligmachers selbst auf Erden Leben, Predigen und Unterweisung, die auch nicht Allen annehmlich, ein Gezeugnis'.

„Weil wir aber aus fürstlicher, regierender Obrigkeit in Allem was unrecht, Einsehen zu · haben verpflichtet, wollen wir vor vielen anderen Dingen diejenigen, so von Gott sein Wort auszubreiten berufen und verordnet, pflegen, aufrichten und erhalten. Demnach da wir obgedachten Dr. Amandum Euch Allen zum Besten und zur Unterweisung hinein verordnet, er sich auch seinem Amte gemäß erzeiget und beweiset, nichts Anderes denn die göttliche Wahrheit verkündigt, (so) ist unser ernstlicher Befehl, Euch in dem Irrigen unterweisen zu lassen, woran Ihr ungezweifelt mehr Freude als Abneigung haben werdet. Wo Ihr aber einigerlei Verhinderung, die obgemeldetem Prediger unverschuldet zugefügt werden möchte, in Erfahrung kommt, Euch dabei so bezeuget, daß Jedermann Handhabung der Gebühr, Verhütung der Aergernis u. s. w. bei Euch zu spüren habe“.

In jenen durch den Druck hervorgehobenen Worten des Hochmeisters tritt die Wichtigkeit der Sache zu Tage. Er erläßt an den minder willigen Rath der Altstadt Königsberg den ernstlichen Befehl, sich von dem Prediger Amandus unterweisen zu lassen. Er will also das Kirchenwesen in seinem Lande seiner weltlichen Gewalt unterworfen wissen, es zu einem Annex derselben machen.

Erwägen wir, daß von Seiten der Neuerer ein solches Bekenntniß oder gar eine kirchliche Verfassung nicht vorhanden, vielmehr alles der Subjektivität dieser Prediger anheim gestellt war: so fonnte der nächste Erfolg der hochmeisterlichen Befehle nur die Negation sein, die Zerstörung der bisherigen kirchlichen Jurisdiktion, die Irreführung des Volkes. Es entwickelte sich, wie Herr Kolberg sagt (S. 16), eine Kanzel-Demagogie. Die Consequenzen waren Klosterund Bildersturm, Plünderung u. s. w.

Es würde zu weit führen auf diese Einzelnheiten einzugehen. Es kommt vielmehr darauf an zu sehen, wie der

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