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christliche Tugenden geübt. Von allen Perioden stand die Reformationsperiode auf der niedrigsten Stufe, alle Neucrungen, die während dieser Zeit eingeführt wurden, waren Verschlechterungen, man kann demnach in der Reformation nicht das Wehen des heil. Geistes erblicken. Je mehr sich dicje Ueberzeugung Bahn bricht, desto eher ist eine Vereinigung mit der wahren Kirche möglich.

XXXV.

Die Anfänge der Regierung Papst Pius IX.

Papst Gregor XVI. war gestorben, 1. Juni 1846. Der erste Eindruck der Todesnachricht war überall ein tiefer. Aller Schichten der Bevölkerung bemächtigte sich eine düstere Stimmung. Auf allen Pläßen, in allen Straßen Roms eine wogende Menge, sichtlich überrascht, ergriffen, nicht ohne eine gewisse Beängstigung, was die nächsten Tage aus den Provinzen bringen. würden. Durch das allgemeine Gedränge hier und dort Trommler mit Wacheverstärkungen; vorüberziehende Haufen. von Galeerensträflingen, die man aus Vorsicht von der Zwangsarbeit schnell abgeführt hatte; den Corso durchfliegende Couriere, die den Cardinal-Legaten und den transalpinen Cardinälen die Todesbotschaft zugleich mit der Einladung zum Conclave zu überbringen hatten. Auch von den Vertretern der auswärtigen Mächte wurden Eilboten nach allen Richtungen abgesandt.

In der Hauptstadt selbst folgten bei einem großen Theil der Einwohnerschaft auf die erste Betäubung nur zu schnell Anzeichen einer ziemlich frivolen Stimmung; nebst gefühlloser Gleichgültigkeit machte sich das aufreizende Wühlen der im Geheimen wirkenden Umsturzparteien bemerkbar, weßhalb die

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Polizeibehörde eruste Vorsichtsmaßregeln traf. Das Militär fam nicht aus den Kleidern, die Officiere durften ihre Kasernen nicht verlassen, Alles sollte in fortwährender Bereitschaft bleiben; um sie bei guter Laune zu erhalten, bewilligte der CardinalCamerlengo den Soldaten doppelte Löhnung.

Noch ernster als in der Hauptstadt stand es in manchen Provinzen, namentlich den Marken und den Legationen. Die Cardinal-Congregation entsandte in die Hauptorte der Provinzen General-Commissäre oder Pro-Legaten, welche mit einer Anzahl von Vertrauensmännern die höchste Gewalt für die Civilverwaltung der Provinz repräsentirten. Die nächste Gefahr drohte einerseits in Ancona, wo erst furz vor dem Tode Gregors XVI. abermals deutliche Beweise politischer Wühlerei zu Tage traten, anderseits in Bologna, das seit den Zeiten. der Restauration 1815 wiederholt den Hauptsiz aller Unzufriedenheit und Geheimbündelei abgegeben hatte. Auch jezt regte es sich in Bologna; doch um die Bewegung in einen geregelten Gang zu bringen, schlug Mario Minghetti eine Petition an den Camerlengo und an die demnächst zum Conclave einzuberufenden Cardinäle vor; sie sollten an die Rathschläge, welche 1831 die Vertreter der europäischen Großmächte der päpstlichen Regierung ertheilt hatten, und an die im Sinne jener Vorstellungen verheißenen Provinzialräthe erinnert werden; diese Provinzialräthe hätten die öffentliche Meinung zu vertreten, um die so nothwendigen Reformen und Verbesserungen im Staatswesen zu berathen und in Ausübung zu bringen. Diese Petition tam nur auf Umwegen in die Hände des Camerlengo's. Mittlerweile ahmten andere Städte, wie Rimini, Osimo bei Ancona, das Beispiel Bologna's nach und baten in ihren Denkschriften zugleich um Ertheilung einer Amnestic für die politischen Gefangenen und Flüchtlinge.

Wie schon aus diesen flüchtigen Andeutungen hervorgeht, war die öffentliche Lage im Kirchenstaate beim Ableben Gregors XVI. feineswegs befriedigend, und zwar sowohl hinsichtlich der politischen Verhältnisse als auch in Bezug auf die Zustände in der Verwaltung, in der Rechtspflege und auf wirthschaftlichem Gebiete. Der hervorragende österreichische Historiker, Freiherr v. Helfert hat in einer sehr interessanten Studie

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über Gregor XVI. und Pius IX.") diese Zustände und Verhältnisse auf Grund authentischer Quellen eingehender dargestellt. Dieser mit Benutzung von Metternich'schen Schriften und . . Botschaftsberichten aus Rom“ verfaßten geschichtlichen Arbeit sind auch die oben angeführten Mittheilungen entnommen und ihr gehören die nachfolgenden Daten über die Anfänge der Regierung Pius IX. ebenfalls an. Baron Helfert gibt ein überaus anschauliches Bild von den ersten Monaten der Regierung dieses großen Papstes und gerne folgt man der unparteiischen, wahrheitsgetreuen Erzählung, welche in manchen Punkten die bisherigen Darstellungen und Auffassungen berichtigt. Und nun nehmen wir den Faden unserer Skizze wieder auf.

Außer der Lage der öffentlichen Dinge in Rom und im Kirchenstaate zog begreiflicher Weise vor Allem der Ausfall der bevorstehenden Papstwahl die allgemeine Aufmerksamkeit des In- und Auslandes auf sich. Beim Tode Gregors XVI. betrug die Zahl der Cardinäle 62; davon 30 in Rom, 17 in den päpstlichen Provinzen, 8 in anderen Theilen Italiens, die übrigen 7 (!) jenseits der Alpen oder des Oceans. Wer von diesen Papst werden sollte, darüber gab es im römischen Publikum die verschiedensten Muthmaßungen. Man schied die Cardinäle in zwei Lager: in die „Starren“ und in die „Liberalen". Zu den Ersteren zählte man die Anhänger des verstorbenen Papstes, der Jesuiten und des Cardinal-Staatssekretärs Lambruschini, deren Ansicht war, „daß man nur durch Beharren in der bis jetzt betretenen Bahn, durch entschiedenes Festhalten on dem, was im Innern bestand und nach Außen gewonnen war, durch entschiedenes Ablehnen der neuen Ideen, von denen die Zeit bewegt wird, die überlieferten alten schirmen, mit ihnen aufrecht bleiben, sich wohl befestigen und das also Gewonnene vermehren könne; nichts sei gefährlicher als mit feindlichen Gesinnungen zu liebäugeln, ihnen zu Gefallen zu

1) Gregor XVI. und Pius IX. Ausgang und Anfang ihrer Regierung. Oktober 1845-November 1846. Von Frhr. v. Helfert. Prag, 1895. gr 8. IV u. 189 S. (Die Studie erschien in den Schriften der böhmischen Kaiser Franz Josefs-Arademie zu Prag)

ändern und zu verschieben“. Die „Liberalen“ hingegen hatten die Ueberzeugung, daß die Curie bei rücksichtsvoller Beachtung der öffentlichen Stimme Alles zu erwarten, bei gewaltsamer Unterdrückung derselben Alles zu befürchten habe; man traute den Cardinälen dieser Richtung den ernsten Willen zu, auf die manigfachen wunden Stellen des waltenden Systems eine weiche und pflegende Hand zu legen. Von den auswärtigen Regierungen stand die sardinische auf Seite der Starren", Frankreich nahm den entgegengeseßten Standpunkt ein. Im CardinalsCollegium selbst waren die Meinungen und Neigungen sehr getheilt, so daß man sich auf ein länger dauerndes Conclave gefaßt machte. Man hatte nicht weniger als 6000 ScrutiniumZettel drucken lassen, womit man bei täglich zweimal stattfindender Abstimmung etwa drei Monate das Auslangen finden konnte. Es kam jedoch ganz anders.

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Am 14. Juni Abends bezogen die fünfzig anwesenden. Cardinäle in feierlicher Prozession das Conclave; der erste Wahlgang fand am 15. zehn Uhr Vormittags statt; die meisten Stimmen, fünfzehn an der Zahl, fielen auf Lambruschini, der auch von den meisten auswärtigen Mächten, namentlich von Oesterreich, begünstigt wurde. Da aber die erforderliche Zweidrittel-Majorität 34 Stimmen betrug, so mußte der Wahlgang wiederholt werden. Bei jedem der folgenden Wahlgänge verlor jedoch der Cardinal-Staatssekretär Lambruschini an Stimmen; beim vierten Wahlgange (am 16. Juni Abends) erhielt der Bischof von Imola, Cardinal Graf Johann Maria MastaiFerretti, mit 37 von 50 Stimmen die erforderliche ZweidrittelMajorität und ward dadurch zum Papste gewählt.

Cardinal Mastai fungirte beim vierten Wahlgang als einer der drei Scrutatoren. Als die Zahl der auf seinen Namen lautenden Stimmzettel auf 28 gestiegen war, nebelte es ihm vor den Augen, Angstschweiß trat vor seine Stirne, Thränen perlten aus seinen Augen; er bat seine Mitbrüder, einen andern. an seine Stelle treten zu lassen. Dadurch wäre aber das Scrutinium unterbrochen worden und hätte seine Giltigkeit verloren. Sie baten ihn daher, sich ein klein wenig zu erholen, und gewiß hat diese tiefe Erregung (bemerkt Baron Helfert), diese ungeheuchelte Scheu vor der Größe, der er entgegenging,

ihm das Herz mehr als eines von solchen erobert, die ihm bis dahin minder hold gewesen waren. Nach Beendigung der Wahl hatte der Gewählte noch immer nicht seine volle Kraft zurückgewonnen, er erbebte in heiligen Schauern, bis er zuleht mit zitternden Lippen sagte: „Ego indignus servus tuus, fiat voluntas tua!" Er nahm als Papst den Namen „Pius“ an, in dankender Erinnerung an Papst Pius VII., dem er seine frühe Verehrung gewidmet hatte, und empfing sofort die Huldigung der Cardinäle, seiner bisherigen Ranggenossen. Auch die Vertreter der auswärtigen Mächte eilten herbei, den neuen Papst huldigend zu begrüßen, der erste der französische in vollem Staat, die andern in ihren Civilkleidern. Noch in der Nacht, die auf seine Wahl solgte, sezte Pius IX. ein Schreiben an seine Angehörigen in Sinigaglia auf: Der gütige Gott, der erniedrigt und erhöht, hat sich herabgelassen, mich aus dem Nichts zur höchsten Würde, welche die Welt zu bieten vermag, zu erheben;" weit entfernt, darüber zu frohlocken, möchten sie Mitleid mit ihrem Bruder haben: „Bittet und betet für mich!"

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Die Verkündigung des Wahlerfolges fand erst am folgenden Tage statt. Die Römer nahmen die Nachricht anfänglich mit einiger Zurückhaltung auf; erst als, von Cardinälen geführt, der Gewählte in Person erschien, als ihn die Menge sah in seiner hohen Gestalt, mit seinem schönen Antlitz; als er, dem Thränen die Worte ersticken wollten, mit einer würdevollen Anmuth und Hoheit zum ersten Male den apostolischen Segen ertheilt: da brach unermeßlicher Jubel aus, der sich in verstärkter Weise wiederholte, als Pius IX. einige Stunden später aus dem Quirinal zum Vatikan fuhr. Endlose Evviva's, Schwenken der Hüte und Wehen von Tüchern mit den tausenderlei Rufen La benedizione, la benedizione!" geleiteten das neue Oberhaupt der Kirche und des Kirchenstaates. Beim Eintritt aus der Sixtinischen Kapelle, wo die zweite Huldigung der Cardinäle stattfand, in die Halle der St. Peterskirche war der Jubel der Menge so betäubend, daß Sänger und Instrumente mit den Chören, welche sie anzustimmen hatten, verstummen mußten. Die Freude, das Entzücken, die Begeisterung war bald allgemein, es war ein wonniger Taumel, der Alles mit sich fortriß. „Ah, ch'è bello!" riefen Weiber aus dem Volke

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