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Vertrage, der dann unterm 28. März förmlich vollzogen wurde, einholen konnten. Am Abend desselben Tages noch fuhr ich mit dem Minister Miquel zur ersten Sizung der Commission des Abgeordnetenhauses für den betreffenden Gesezentwurf und Miquel konnte darin mit Rücksicht auf den inmittelst erfolgten Abschluß des neuen Vertrags die Erklärung abgeben, daß die Staatsregierung einer Fassung des Gesezentwurfs zustimme, wonach die Aufhebung der Beschlagnahme unmittelbar und sofort durch das Geseß ausgesprochen wird. In der danach veränderten Fassung ist dann bekanntlich das Geseß (vom 10. April 1892) zur Geltung gelangt. Im Großen und Ganzen hat damit die Angelegenheit ihre erfreuliche, auch den Herzog und die gesammte königliche Familie befriedigende Erledigung gefunden.“

Wegen seiner Betheiligung bei der Sache hat der Herzog Brüel noch besonders durch ein anerkennendes Schreiben unter Uebersendung einer Dose mit seinem Wappenzuge in Brillanten geehrt. Seit seinem Austritt aus dem Staatsdienst war Brüel überhaupt der hannoverschen Königsfamilie näher getreten und verweilte er mehrfach auf Einladung in Gmunden. Mit besonderer Liebe verweilt er in seinen Aufzeichnungen bei diesen Erinnerungen, an deren Schluß er erwähnt, daß der Herzog von Cumberland ihn verschiedentlich bei Fragen des Unterrichts und der Erziehung der königlichen Prinzen zu Rathe gezogen und er infolge dessen in den letzten Jahren recht häufig die Ehre und Freude gehabt habe, mit der königlichen Familie in Penzing oder Gmunden zu verkehren und „mit den geringen Kräften, die mir bei meinem hohen Alter noch geblieben, da einige Dienste zu leisten, wo ich sie am liebsten verwende.“

Am 29. Februar 1896 endete das wohlausgefüllte Leben Brüels; er starb in Berlin nach nur dreitägiger Krankheit. Das Andenken des ernstchristlichen, charakterfesten und bedeutenden Mannes bleibt in Ehren.

XXXIII.

Die Einführung der Reformation im Ordenslande Preußen. "

Endlich einmal tritt den zahlreichen Besprechungen von nicht-katholischer Seite über die kirchlich-politische Revolution in Preußen vom Jahre 1525 hier eine Darlegung von katholischer Seite entgegen. Der Herr Verfasser gibt zuerst einen sehr kurzen Ueberblick der Ordensgeschichte, schildert dann das Leben des Hochmeisters Albrecht bis zur Einführung der Reformation und geht von S. 6 an auf diese selber ein. Möge es mir gestattet sein, den treffenden Ausführungen des Herrn Verfassers noch Einiges nachzufügen.

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Der Herr Verfasser sieht die moralische Qualität des Deutsch-Ordens damaliger Zeit als tief stehend an, vielleicht doch wohl als zu tief. Der Verfasser sagt (S. 10), daß dem unfläthigen Sendschreiben Luthers an die Deutsch-Ordensritter: daß sie falsche Keuschheit meiden und zur rechten ehelichen Keuschheit greifen sollen" die preußischen Ordensritter nicht unzugänglich blieben. Aber wie viele denn? Das Sendschreiben Martin Luthers ist datirt vom 28. März 1523. Am 20. März 1524 meldet dem Hochmeister der BischofStatthalter Polenz, der das eigentliche Triebrad des neuen. Evangeliums in Preußen war, daß der Ordensritter Michael von Drahe aus einem Saulus ein Paulus geworden sei.2)

1) Von Dr J Kolberg. Mainz, Kirchheim. 1897.
2) Tschackert, Urkundenbuch us w. II, 58.

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Einige Tage später folgte eine bestimmtere Meldung.) „Aus seinem mündlichen Berichte, den er mir wehmüthiglich gethan, befinde ich, daß er in seinem Gewissen ganz geängstigt wird; und nunmehr, wo in aller Welt durch das Wort Gottes erschollen, daß die Ordensgelübde nichts seien, wolle. er zum chelichen Stande greifen, den Gott geordnet und eingeseht, wenn er nur eine ziemliche Versorgung von Euer F. Gn. überkommen könne." Der Bischof-Statthalter bittet: der Hochmeister wolle ihm darauf „eine gnädige, tröstliche, christliche Antwort zuschreiben.“

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Im Dezember 1524 nennt der Deutschmeister Dietrich von Cleen in seiner Beschwerde bei dem Hochmeister über den Stand der Dinge in Preußen einen Herrn Veit von Raming, der in Preußen den Orden verlassen und geheirathet habe, ohne dafür zur Strafe gezogen zu werden.2) Die Antwort Albrechts lautet: dessen tragen wir weder wenig noch viel Wissens, denn was wir von Euch berichtet werden.“ Er verspricht Nachforschung und Verfahren nach Gebühr. In der erhaltenen Correspondenz zwischen dem Hochmeister und dem Bischof-Statthalter wird der Name des Veit von Raming nicht genannt. Es bleibt also unter den 56 Ordensrittern, die im Jahre 1524 in Preußen übrig waren, Michael von Drahe als der einzige, der seinen Wunsch, zu heirathen, ausgesprochen hatte. Und auch selbst Drahe verschob diesen Wunsch bis nach der Umwälzung von 1525.

Die Persönlichkeit dieses Drahe, der im Winter 1524/25 von dem Bischof-Statthalter nach Liefland geschickt wurde, um von dem Meister Walter von Plettenberg eine Beisteuer für den Hochmeister zu erlangen, wird einigermaßen beleuchtet durch die Apostrophe, welche der Ordensritter Philipp von Kreuz nach dem Abfalle von 1525 an ihn niederschrieb: 3)

1) A. a. D. 60 Nr. 204.

2) Joachim, Die Politik Albrechts u. s. w. III, 344.

3) Scriptores rerum Prussicarum. V, 380.

„Herr Michael von Drahe, Du hast an dem frommen Meister zu Liefland gar übel gethan, als Du in der Botschaft bei ihm warst und betrogest ihn mit Deinen guten Worten um die 20,000 Horngulden, und wußtest doch wohl, daß man mit Schaltstücken umging" u. s. w.

Die Schaltstücke, auf welche Philipp von Kreuz hier hindeutet, war der Krakauer Vertrag vom April 1525 mit Polen, durch welchen Albrecht das Land Preußen, welches er als Hochmeister im Namen des Ordens verwaltete, von dem Polenkönig als erbliches Eigenthum zu Lehen geschenkt erhielt. Daß, wie Herr Dr. Kolberg S. 8 f. berichtet, der Orden in Preußen in mehr als einer Beziehung verfallen war, dürfte nicht zu bezweifeln sein. An der Urheberschaft jenes Vertrages jedoch ist nicht ein Verfall des Ordens überhaupt mitschuldig, sondern, wie Philipp von Kreuz wiederholt betont und wie aus den kundbaren Zeugnissen zur Evidenz nachgewiesen werden kann. der Krakauer Vertrag ist von Seiten des Ordens das Werk der vier Häupter: des Hochmeisters, der zwei Bischöfe von Samland und von Pomesanien und des Ordensritters Friedrich von Heideck. In ihrem Plane verschlangen sich kirchliche Momente mit politischen entscheidend jedoch und maßgebend sind die legteren.

Man wolle mir einen kurzen Rückblick verstatten.

In dem vierzehnjährigen schweren Hauptkriege mit Polen unterlag der Orden, und Polen diktirte ihm 1466 den sog. ewigen Frieden von Thorn. Polen nahm dem DeutschOrden den westlichen Theil des Landes mit Marienburg, dem Hauptsize des Ordens und beließ ihm nur den östlichen Theil, so jedoch, daß es für dasselbe von dem Hochmeister den Lehnseid forderte. Diese polnische Ueberspannung des Siegerrechtes machte einen wahren Frieden sehr schwer, zumal da die Autoritäten in Kirche und Reich, der Papst, dem der Orden unmittelbar unterstand, und der Kaiser als Oberlehnsherr, dem Friedensschlusse von Thorn die Be

stätigung versagten. Aber die Kraft des Ordens war gebrochen, und daher fügten sich fünf Hochmeister nach einander jener harten Bedingung des Friedens von Thorn.

Nach dem Tode des lezten dieser fünf, Martin von Tiefen, regte sich stärker als zuvor in dem Orden die Neigung zum Widerstande. Bis dahin erblicken wir in der langen Reihe der Hochmeister von Hermann von Salza an kaum einen fürstlichen Namen. Damals erwuchs der Gedanke, durch die Wahl eines deutschen Fürstensohnes zum Hochmeister eine festere Anlehnung an den Reichsfürstenstand zu gewinnen. Es geschah. Die Wahl fiel auf den Prinzen Friedrich, einen jüngeren Bruder des Herzogs Georg von Sachsen. Friedrich weigerte sich des Lehenseides für Polen. Doch nur wenige Jahre waren dem an Kraft und Begabung reichen jungen Manne vergönnt. Er starb 1510. Der Orden verfuhr demselben Gedanken gemäß wie vorher. Er erwählte einen der zahlreichen Söhne des Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Anshach, den erst zwanzigjährigen Albrecht, der, mit vielen reichsfürstlichen Häusern verwandt, durch seine Mutter Sophia aus dem Hause Jagello, zugleich ein Neffe des Polenkönigs Sigismund war.

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Albrecht, mit wiederholter Berufung auf die NichtBestätigung des Friedens von Thorn durch seine höchsten Oberen, den Papst und den Kaiser, verweigerte den Lehnseid für Polen. Demnach mußte er sich darauf gefaßt machen, daß der König Sigismund ihn zwinge. An Rührigkeit," sagt H. Kolberg, hat Albrecht es nicht fehlen lassen, vielfach aber an staatsmännischer Klugheit." Noch an mehr ließ Albrecht es fehlen. Er regierte nicht als das Haupt einer Corporation, deren höhere Mitglieder bestimmte Rechte der Mitberathung hatten, sondern wie ein souveräner Fürst, der seine Räthe sich wählt nach eigenem Ermessen. Demgemäß gerieth er mehr als einmal in seinem Leben unter die Herrschaft von Günstlingen, zuerst unter diejenige eines Dietrich von Schönberg, der, nicht dem Orden angehörig,

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