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thum anknüpft, recht gut würdigen, ohne auch nur im Geringsten den eigenartigen übernatürlichen Charakter der Religion Christi anzutasten. Der Festredner folgt hier vorwiegend den. Grundzügen der Augustinischen Geschichtsphilosophie, die ja an den weltgeschichtlichen Beruf des Christenthums im Sinn eines Clemens von Alexandrien erinnert, welcher in allem Wahren und Großen in der Völkergeschichte Samenkörner des göttlichen in Christus leibhaft gewordenen Logos erblickt.

Dieser Gedanke wird nun namentlich bei der Beurtheilung der christlichen Moral in den Vordergrund gekehrt. Der Verfasser wendet sich hier vorwiegend gegen die sonst geistreich geschriebene Schrift des Engländers Hatsch Griechenthum und Christenthum", welche daraus, daß manche Kirchenväter die Sprache der Stoa sprechen, den Schluß zieht, daß dieselben auch die Religion der Stoiker bekennen. Mausbach zeigt, daß dieser Schluß ein verfehlter sei und daß die christlichen Autoren von der Stoischen Weltansicht nichts wissen wollten. Seneca, Epiktet, Marcaurel, Julianus Apostata erwecken manchmal den.

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chein einer christlich humanen Gesinnung aber eben doch nur den Schein. Der Stoiker übt Wohlthätigkeit, aber ohne herzliche, mitleidige Theilnahme, ohne, wie Paulus will, sich zu freuen mit den Fröhlichen, zu weinen mit den Weinenden. Er schickt sich in die Unfälle des Lebens, aber nicht in vertrauensvoller Hingabe an Gott, im frohen Aufblick zu einer schöneren Welt, sondern in refignirter Unterwerfung unter die Naturnothwendigkeit.“

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Ein besonderes Interesse hat für uns die zweite Rede über die Werthschäßung der weltlichen Cultur vom Standpunkte der christlichen Sittenlehre. Die christliche Literatur, soweit sie die Schäden und Uebel des Paganismus bekämpft, hat einen weltflüchtigen Charakter. Daraus schien schon in alter Zeit dem Christen die ganze wirthschaftliche und bürgerliche Existenz erschwert, wenn nicht unmöglich. Einem Clemens von Alexandrien drängte sich schon diese Frage auf, die er in seiner Schrift: Quis dives salvus? sich flar zu legen suchte. Die Predigt von der Armuth im Geiste, bemerkt der Redner, erweckt bei Manchen auch heute noch die Frage: „ob nicht

vom christlichen Standpunkte das glänzende System unserer wirthschaftlichen, geistigen und politischen Bildung unter jene Herrlichkeit der Welt gerechnet werden müsse, die einst der Stifter des Christenthums als Blendwerk dämonischer Mächte von sich gewiesen hat."

In mannigfachen Wendungen erörtert der Redner das Problem; dabei werden namentlich die sogenannten modernen Ethiker gestreift, welche im Anschluß an die Evolutionslehre im Fortschritt der Cultur das höchste Ziel des Menschen, die lezte Norm des Guten und Bösen erblicken. Auch das andere Extrem, der moderne Pessimismus, wird berührt. Als goldene Mitte zwischen den Extremen wird die katholische Ueberzeugung, wie sie durch das vatikanische Concil, die Encyklika Leo XIII. über die christliche Staatsordnung in so beredten Worten sich fund gegeben, citirt. Die Aufgabe des Menschen ist, mit Dante (Inf. 11, 107) zu reden, die Herrschaft des Menschen über die Natur. Troß der Gefahren, welche die fortschreitende Cultur in sich trägt, wächst die Verantwortung der Gesellschaft, die sittliche Selbstbeherrschung mit der physischen und politischen Freiheit. Die repristinirte, namentlich durch Tolstoi und Kierkegaard vertretene pessimistische Rousseau'sche Ansicht von dem radikalen Unsegen der Cultur, bemerkt der Redner mit Recht, läuft auf einen tiefgehenden Skepticismus hinaus, auf die Ansicht von einer radikalen Antithese zwischen Glaube und Vernunft, Erlösung und Schöpfung. Dagegen wird das alte Wort der Theologen citirt: Gratia non destruit, sed supponit et perficit naturam. J. Bach.

XVI.

Die Nengestaltung der Wiener k. k. theologischen Fakultät. (Schluß.)

Wie stiefmütterlich die theologische Fakultät behandelt ist, zeigt ein Vergleich der Lehrkräfte an den vier Fakultäten; hiedurch will ich die statistischen Angaben der „Reform“ (21 ff.) nach dem heutigen Stande und den Wiener Verhältnissen ergänzen. Es lesen im Wintersemester 1897/98:

Lehrer: Theol. Fat. Philos. Fak. Jurist. Fak. Ordentliche: 6

43

20

Außerordentliche:

3

17

7

[1 noch nicht Privatdocenten: habilitirter Supplent]

58

Nicht lesen:

Med. Fat.

33

31

22

83

3 Prof.10 Doc. 3 Prof., 5 Doc. (2 Prof.)

Ihrem wissenschaftlichen Charakter nach ist die theologische Fakultät am innigsten mit der philosophischen verwandt; mit der juristischen oder gar der medicinischen wird sie wohl niemand vergleichen wollen. Wenn wir also darauf Rücksicht nehmen, daß die philosophische Fakultät ungefähr viermal so viele Hörer hat als die theologische, so ergibt sich ein ganz guter und wohl auch dem Finanzminister verständlicher Schlüssel für die Anzahl der Professuren und wissenschaftlichen Institute (Seminarien) an der theologischen Fakultät.

Hiftor. polit. Blätter CXX. (1997.)

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Und mit diesem Schlüssel würde den Bedürfnissen der theologischen Wissenschaft am leichtesten entsprochen, ungefähr so, wie es während Maurers Studienzeit die „Reform" gewünscht. Dort heißt es nämlich S. 24 f.: „Daß die Erfolglosigkeit solcher Bemühungen (des Episkopates nämlich) starke Zweifel an der Opferwilligkeit der Regierung für die theologischen Fakultäten erregt und von neuen Schritten und Bitten (jo??) abschreckt, ist klar. Und doch wäre die Vermehrung der Lehrkanzeln und Lehrkräfte ein so ganz einfaches ... Mittel zur wissenschaft: lichen Hebung der theologischen Studien. . . Nebst den neu hinzukommenden Lehrkräften, wie man solche um gutes Geld, wenn auch procul et de ultimis finibus, gewiß leichter bekommen könnte, wären auch die bisherigen dadurch erleichtert und könnten mehreres leisten.“

„Ein Lehrer einer höheren Wissenschaft," fährt die „Reform“ a. a. D. fort, „bedarf, soll er anders seinen Schülern mit aller Kraft seines Geistes nüßen, nicht blos einer täglichen sorgsamen Vorbereitung auf seine Lehrstunde, sondern er muß auch eine entsprechende freie Zeit haben, um sich selbst aufzufrischen, sich immer weiter fortzubilden, immer tiefer einzudringen in den unermeßlichen Schacht der Wissenschaft. Es gilt von der Theologie insbesonderc, daß je weiter man darin fortschreitet, desto tiefer man fühlt und flarer erkennt, wie unabsehbar mehr noch zu erforschen, auszuarbeiten, zu erlernen ist. Sonst wird er bald erfalten und mechanisch werden.... Wenn

er des Tages eine Lehrstunde hat, so scheint uns in der Regel dies genug; mehr ihm aufbürden, heißt (im allgemeinen zu sprechen) seine Kräfte aufreiben oder das wissenschaftliche Leben in ihm erstarren machen“. („Reform“ 23 und 24.)1)

An anderer Stelle (81 ff.) jagt die Reform" ganz treffend:

„Pluribus intentus minor est ad singula sensus. Theilung der Arbeit ist heute überall dort das Losungswort, wo Vieles und Großes soll geleistet werden. Bei einer geringen Zahl von Professoren wäre an dem bisherigen Lehrplane nicht viel zu ändern. . . Aber in Oesterreich hat man im Bereiche der Theologie nur das parce seminare zum obersten Princip erhoben, über das parce metere ist man überaus entrüstet!"

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Wenn aber," heißt es (82 f.) weiter, eine hohe Regierung sich entschließen wollte, die theologischen Fakultäten nach demselben Fuße zu behandeln wie die weltlichen, dann könnten die Vorschläge der (von der Reform") genannten erfahrenen Männer über die wünschenswerthe Erweiterung des Lehrplanes zum großen Theil Berücksichtigung finden. Wer sollte nicht von ganzem Herzen wünschen, daß Vorlesungen über alle Hauptfächer der Philosophie 2), Erklärung einzelner Kirchenväter und Scholastiker, ja selbst von heidnischen Klassikern . . . neben den eigentlichen theologischen Lehrfächern nebenhergingen! Wer sollte nicht wünschen, daß bei der ausgedehnten Literatur der Dogmatik, bei ihrer innigen Berührung mit den verschiedensten philosophischen Systemen der älteren und neueren Zeit, bei der Schwierigkeit, alles dieses zu be

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1) Das a a. O. folgende Kapitel über „die Sterilität der theolog= ischen Professoren Desterreichs“ ist noch heute in besonderer Weise lesenswerth und enthält alle Momente zu einer gerechten Be urtheilung der Lage.

2) Inzwischen, in Wien wenigstens, geschehen.

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