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zu lassen, daß sie in Gefahr seien und Allarm schlagen mußten. Es ist flor, wie die Aussichten des ganzen Slaventhums steigen, wenn zu der Einigung aller österreichischen Slaven untereinander noch die feste Freundschaft und das Zusammenwirken Rußlands und Lesterreichs auf der Balkanhalbinsel in Betreff der Slaven und des ganzen Orients kommt".

Es ist nicht ohne Bedeutung, daß der Zeit nach die Zusammenkunft der beiden Kaiser in Petersburg und de Erlaß des Grafen Badeni über die verhängnißvollen Sprachenverordnungen für Böhmen zusammentrafen. Der Minister wollte, hieß es, sich eine feste Mehrheit für die neue Feststellung des Ausgleichs mit Ungarn schaffen und dazu sich der Jungczechen versichern. Aber fonnte er eine solche Mehrheit nicht auch auf anderem Wege haben, und konnte er die Gefahr verkennen, die seinem Vorgehen von den verschiedenen Parteiungen des österreichischen Deutsch-Liberalismus drohte? Der Liberalismus hatte, wie die Wahlen mit jedem Jahre mehr ergaben, im Volfe zusehends an Boden verloren, er war nicht nur zur Minderheit herabgesunken, sondern er sah den völligen Untergang vor sich. Zu seiner Wiederauffrischung war eine Rettungsthat bis zum Verzweiflungskampf erforderlich, und dazu bot der Minister Anlaß und Gelegenheit durch die Anregung der Nationalfrage. Unter diesem Banner einigten sich die Judenliberalen" und die Nicht - Judenliberalen; die lehteren, obwohl blos eine Handvoll im Parlament, commandirten die Manöver und die Schlachten in der Obstruktion. Konnte der Minister wirklich von dieser Entwicklung keine Ahnung haben, und auch der Monarch nicht, der ihn bis zum Aeußersten festhielt und ihn nur mit dem wärmsten Dank entließ?

Um dies neue Desterreich zu durchschauen, braucht man ja nur nach Prag zu blicken, das wieder zur völligen Hussiten-Stadt geworden ist. Man hat oft gelesen, daß Prag vor fünfzig Jahren noch eine deutsche Stadt war. Noch vor Kurzem hat ein alter Besucher der Stadt erzählt:

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fein anständig gekleideter Mann hätte auf den Straßen czechisch zu sprechen gewagt, das wäre ihm verübelt worden. Jezt tragen die Deutschen, um sich vor Angriffen zu sichern, auf der Straße das Band der czechischen Trikolore im Knopfloch. Die Wuth der aufgehezten Massen kennt keine Grenzen. Wehe dem, der es wagt, auf der Straße ein deutsches Wort zu sprechen. Ein angesehener Advokat, der mit seinem Begleiter ein paar Bemerkungen in deutscher Sprache auszutauschen sich erlaubte, wurde von einer Anzahl junger Burschen angehalten, in gröblichster Weise beschimpft und unter dem Beifallsgejauchze der Menge in's Gesicht gespuckt." Aue Prag ist auch der geheime Befehl hinaus ergangen, daß die Juden gerade so zu behandeln seien wie die Deutschen. Natürlich weil sie überall die Avantgarde des deutschen Liberalismus waren. Namentlich jüdische Geschäfte wurden unter dem Rufe geplündert: „Auf gegen die Deutschen und Juden!“ 1)

An dem Tage, wo die Säbel der Polizeiwache im Wiener Reichsrathe vergebens Ruhe zu schaffen versuchten, schrieb das liberale Hauptorgan: „Der Constitutionalismus, der gegenwärtig so tief gesunken ist, kann sich vielleicht wieder erheben. Aber der Blick in das Wesen der österreichischen. Parteien, den dieser Tag eröffnete, ist furchtbar. Man hat da Parteien und Nationalitäten kennen gelernt, die den Gegner mehr haffen, als sie das eigene Volk lieben, und der Staat ist zu beklagen, der aus solchen Elementen zusammen

1) Wiener Neue freie Presse“ und Münchener „Allgemeine Zeitung vom 2. Dezember d. Js. Aus Graz wurde kurz vorher von einem Ausspruch des ehemaligen liberalen Führers der Deutschböhmen Dr. Schmeykal berichtet: „Die größte Dummheit, die wir Liberalen gemacht haben, war unser Kampf gegen die Katholiken; ohne diesen stünden wir Deutschen heute anders; dafür sind wir nun im Banne der Juden, nun ist's zu spät." S. Wiener „Reichspost“ vom 31. Oktober d. Js.

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gesezt ist".) Das conservative Blatt aber brachte aus der Ferne eine Betrachtung über die Ursachen der staatsrechtlichen Zerrüttung in der Gegenwart und aus der Vergangenheit:

,,Armes Desterreich! Nie kann es zur Ruhe kommen; während von Osten die Magyaren rütteln, miniren und nur zu viele Steine aus dem stolzen Baue schon losgelöst haben, wüthen jezt auch im Inneren der Stammmonarchie die Glieder gegen einander zur Freude, zum Jubel und zum einzigen. Nußen jener östlichen Nachbaren! Aber woher kommen alle diese traurigen Erscheinungen, dieser unglückselige Dualismus, dieser selbstmörderische Nationalitätenhader, bei dem der alt= ehrwürdige Kaiserstaat immer mehr an innerer Macht und äußerem Ansehen verlieren muß -woher? Es ist immer nur das unglückselige Jahr 1866 mit seinem Bruderkriege, aus dem alles seitherige Mißgeschick des Habsburger Reiches hergeleitet werden muß, und so auch die gegenwärtige parlamentarische Calamität in Desterreich. Gebe Gott, daß die Folgen jenes Unglücksjahres, vorab die Schwächung der öst: lichen Vormacht, nicht einmal an den Urhebern im Norden im Nothfalle sich bitter rächen! Daß auch durch die Scandale in Wien der Parlamentarismus überhaupt und überall die schwerste Schädigung, immer größere Mißachtung bei Fürsten und Völkern erleiden muß, wer könnte das mißkennen! Hoffen wir, daß eine starke eiserne Hand recht bald dem wüsten Treiben ein Ende macht; wir glauben, daß man überall, wo Gefühl für Recht und Anstand wohnt, eine solche Hand segnen würde; denn so kann es doch unmöglich noch länger fortgehen. Ueberall, wo ich hinkomme, höre ich diese Ansicht nur noch mit weit schärferen Ausdrücken, die sich auf dem Papiere unmöglich wiedergeben lassen!" 2)

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Was nun das neue Einvernehmen der „im Orient zunächst betheiligten zwei Mächte“ den Oesterreichern, im Ge

1) Wiener Neue freie Presse“ vom 27. November d. Js. 2) Aus Maden . Wiener „Vaterland" vom 1. December d Js.

folge Rußlands, eintragen wird, das muß sich erst zeigen. Ueber nähere Abmachungen schwirren nur unsichere Gerüchte. Sicher ist nur so viel, daß die jüdische Finanz, troß der Mißhandlungen im Czechenland, dem Beifall der Delegationen zum voraus ihren Segen gegeben hat. Sie war gegen Badeni in dem inneren Kriege, sie ist für Goluchowski wegen des äußeren -- „Friedens“. Denn für den Kapitalismus wird er immerhin Profite abwerfen, wie auch die alte Ost= mark dabei wegkommen wird.

II.

Von der Wiedergeburt katholischen Lebens im
XIX. Jahrhundert.

I.

Je näher die Jahreswenden der Säcularwende kommen, um so dringender laden sie ein, Rückblicke nicht in den engen Schranken der Jahresgeschichte zu halten, sondern ihnen weitere, universalhistorische Horizonte zu geben.

Auch ein glaubensloser Geschichtsforscher späterer Zeiten wird sich der Einsicht nicht verschließen können, daß sich im XIX. Jahrhundert ein Umschwung zunächst auf religiösem Gebiet vollzogen hat, der aber bald auf die socialen Zustände und auf die Culturentwicklung Einfluß gewann und behielt. Wir meinen die Renaissance katholischen Lebens.

In der Morgenfrühe des Jahrhunderts hat Görres, der Gründer dieser Zeitschrift, das christliche Banner wieder entfaltet; als er in der Mitte des Jahrhunderts heimging, wehte es auf vielen wiedergewonnenen Posten. Auch am Ausgang des Jahrhunderts ist sein Name noch eine Parole,

welche deutsche Katholiken zu wissenschaftlicher und literarischer Arbeit vereint. An dem Wiedererwachen katholischer Ueberzeugungen hat Görres' Zeitschrift redlich mitgearbeitet, weit länger schon, als durch ein halbes Jahrhundert. Und so möchte es denn nun und hier am Plaze sein, daß etwas darüber gesagt werde, wie es kam, daß solche Wiedergeburt nöthig wurde, und wie es kam, daß sie sich herrlich vollzog. Allerdings eröffnet sich uns da der Ausblick auf ein unermeßlich weites Gebiet historischer Kämpfe und Siege, socialer Wandlungen und Gestaltungen, und es liegt am Tage, daß wir an auch nur annähernd erschöpfende Behandlung nicht denken. Allein es dürften bei der Wichtigkeit der Sache auch kleine Beiträge ihre Berechtigung haben.

Unterscheiden wir vorab die äußere und die innere Geschichte dieser Wiedergeburt und beschränken uns zunächst darauf, die Aufgabe der äußeren Geschichte ins Auge zu fassen. Sie müßte von den feindseligen Mächten handeln, die seit 1750 sich wider die Kirche und das Christenthum erhoben, von ihren Angriffen, ihren Erfolgen, dem Widerstand, der ihnen entgegengesetzt ward.

Offenkundig ist die historische Thatsache, daß von der Mitte des vorigen Jahrhunderts an eine neue Epoche im Leben der streitenden Kirche begann der Weltkirche trat eine neue Weltmacht entgegen, die im Lauf von 150 Jahren sich schon zweimal so vollkommen gewandelt hat, daß ihr neue Namen beigelegt wurden. Der historische Rückblick zeigt demnach drei aufeinander folgende kirchenfeindliche Weltmächte: die Aufklärung, den Liberalismus und den Socialism u s. 1)

1) Wir nehmen hier und im Folgenden Liberalismus und Socialismus in historischem Sinn; den Liberalismus, als diejenige Weltanschauung und Weltmacht, die sich im XIX. Jahrhundert so nannte; den Socialismus, als die Lehre, die sich zum Atheismus, zur socialdemokratischen Republik, als einzig berechtigter Staatsform, zur Verwerfung des Privateigenthums bekennt.

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