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versehens war an Stelle der Antikenschwärmerei und der klassischen Mythologie die christliche Vergangenheit, das Mittelalter getreten. Der Katholicismus war wieder literaturfähig geworden. Selbst Aug. Wilhelm Schlegel, der fühlste Verstandesmann unter den Romantikern, folgte den Spuren Wackenroders mit seinen Sonetten auf die Dresdener Gemälde; er feiert die Madonna, die heil. drei Könige, St. Lucas, den Schußpatron der christlichen Maler.

Eines dürfen wir bei den Anfängen dieser romantischreligiösen Richtung nie übersehen. Die Begeisterung für den Katholicismus war bei den älteren Romantikern eine religiöse Begeisterung der Kunst und Poesie zu lieb. Poesie und Kunst sollten sich wie in alter Zeit an der Religion erwärmen und sich unter Beihilfe der Religion mit tiefsinnigem Inhalte füllen. Erst allmählich gewannen Dichter und Künstler auch ein Verhältniß zur Religion als solcher.

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Tieck hatte zu den „Herzensergießungen“ einen eigenthümlichen Aufsatz beigesteuert, in welchem er den Uebertritt eines deutschen Malers zum Katholicismus schildert. Allein nur seiner Kunst und seiner Geliebten zu liebe war dieser begeisterte Schwärmer in Rom zum alten Glauben zurückgekehrt. Die Kunst hat mich allmächtig hinübergezogen und ich darf wohl sagen, daß ich nun erst die Kunst so recht verstehe und innerlich fasse. Kannst du es nennen, was mich so verwandelt, was wie mit Engelsstimmen in meine Seele hineingeredet hat, so gib ihm einen Namen und belehre mich über mich selbst; ich folgte bloß meinem innerlichen Geiste, meinem Blute, von dem mir jezt jeder Tropfen geläuterter vorkömmt. Ach! glaubte ich denn nicht schon ehemals die heiligen Geschichten und die Wunderwerke, die uns unbegreiflich scheinen? Kannst du ein hohes Bild recht verstehen und mit heiliger Andacht betrachten, ohne in diesem Momente die Darstellung zu glauben? Und was ist es denn nun mehr, wenn diese Poesie der göttlichen Kunst bei

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mir länger wirft?" Dieses Phantasiespiel Tiecks, diese poetische Belehrung sollte in der Folgezeit im Leben verschiedener romantischer Dichter und Künstler reale Wirklichkeit gewinnen, nicht zwar bei Tieck selbst, wohl aber bei Friedrich und Dorothea Schlegel, bei Friedrich Overbeck, den Brüdern Veit, Schadow u. A.

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Der Traum des kunstliebenden Klosterbruders von einer Kunst im Bunde mit der Religion sollte sich ebenfalls erfüllen. Ihn machten zur Wirklichkeit die „Klosterbrüder von San Isidoro“, jene Gruppe von deutschen Künstlern in Rom, die sich 1810 mit Friedrich Overbeck, dem neuen Giovanni da Fiesole an der Spize, in den verlassenen Zellen des Klosters San Isidoro am Monte Pincio niederließen und mit wenig Geld und viel Begeisterung das große Werf der Neubelcbung religiöser Kunst begannen. Welch' eine fruchtbare Zeit für die religiöse bildende Kunst uun anbrach, wie die Freunde und Schüler der Cornelius und Overbeck bald in allen Gegenden Deutschlands ihre reiche Thätigkeit entfalteten, fann hier nur beiläufig erwähnt werden. Die Namen Heß und Schraudolph, Steinle und Führich, deren Werke so viele Kirchen und Profangebäude Deutschlands zieren, werden so bald nicht in Vergessenheit gerathen.

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Von den Herzensergießungen" erhielt die romantische Begeisterung für das Alterthümliche, besonders für die große Vergangenheit deutscher Kunst und Dichtung einen wirksamen Antrieb und folgenreiche Anregungen, denen wiederum die deutsche Wissenschaft gar vieles zu verdanken hat. Wie schon Herder, so suchen auch unsere Romantiker das Naive, Originale und Volksthümliche. Aus diesem Zuge ihres Geistes schöpft die Erforschung des deutschen Alterthums den größten Gewinn. Aug. Wilh. Schlegel sicht sich seit 1798 in der altdeutschen Literatur um; er be ginnt eine Bearbeitung des Tristan" und plant eine solche von den „Nibelungen". Durch seine Berliner Vorlesungen

(1803-1804) erweckt er das Interesse für die mittelalterliche Poesie in weiteren Kreisen. Tieck läßt 1803 eine Ausgabe der Minnesänger" erscheinen. Tieck und Joseph Görres heben die poetischen Schäße, die in den alten Volksbüchern vergessen und verachtet liegen. Brentano und Arnim erlauschen mit Wonne die Klänge der alten Volkspoesie und lassen die gemüthsinnige Herrlichkeit des alten Volksliedes in neuer Kraft erstehen (Des Knaben Wunderhorn“). Aus dieser ganzen Strömung erwächst die deutsche Philologie und Alterthumswissenschaft, die seit Grimm und Lachmann ein weites herrliches Feld durchackert.

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Es wurde im Vorhergehenden darauf hingewiesen, daß die Herzensergießungen" eine Anzahl novellistischer Künstlergeschichten enthalten. Diese Künstlererzählungen sind wiederum der Ausgangspunkt für die zahlreiche Familie der Künstlerromane, Künstlernovellen und Künstlerdramen unseres Jahrhunderts. (Der Einfluß von Goethes „Wilhelm Meister" auf diese neue Species darf natürlich nicht vergessen werden.) Das Interesse an eigenartigen, von der Phantasie beherrschten Individualitäten, über deren Leben und Schaffen der poetische Schleier des Geheimnißvollen, Uebergewöhnlichen liegt, reizt zunächst Wackenroder und die Romantiker. Der Künstlerroman Sternbald“ schließt sich unmittelbar an die „Herzensergicßungen“ an. Es folgen Dorothea Veits „Florentin“, Novalis „Heinrich von Ofterdingen", Ticcks Dichternovellen. Wir können auch auf Mörikes „Maler Nolten“, auf Eichendorff'sche Erzählungen und andere verwandte Schöpfungen vorwärts blicken.

Läge das kleine Schriftchen der „Herzensergießungen“ um Jahrhunderte zurück, in literarhistorisch dunkeln Epochen, in denen sich die Entwicklungslinien des deutschen Geisteslebens nicht mit solcher Klarheit und Sicherheit verfolgen lassen, wie in neueren Perioden: es würde keinem Menschen. beifallen, auf diese unscheinbare Keimzelle so mächtige und weitverzweigte Erscheinungen unserer Literatur und Kunst

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zurückzuführen. Natürlich war es nicht so sehr die geistige Webermacht des früh verstorbenen Wackenroder, die einer Generation ihr Siegel aufdrückte, sondern nur gerade in Verbindung mit der übrigen Zeitstimmung und literarischen Situation, in Verbindung mit Tieck, Novalis, Schleiermacher, den Brüdern Schlegel gewinnt der schlichte, bescheidene Klosterbruder jene ungeahnte Bedeutung. Er wird zum Beg und Ziel zeigenden Anreger im romantischen Kreise. Vor allem danken wir ihm, daß der ernste Ideengehalt der Religion wieder Eingang fand in Kunst und Dichtung. Mag viel Unvollkommenes, Verworrenes und Dilettantisches sich eingeschlichen haben, wir freuen uns auch über vieles Große, Schöne, Erhabene, Innige, und richtig charakterisirt Eichendorff das Gute und Verschlte der ganzen Bewegung und ihres Urhebers mit den Worten: Man fühlt, eine so zufällige, musikalisch-luftige Bekehrung (die Befehrung unseres deutschen Malers in Rom ist gemeint) wird kaum länger dauern als die Musik, die sie hervorgerufen. Dennoch leugnen wir nicht und haben es schon oben angedeutet, daß die Gluth und Junigkeit, womit Wackenroder die Sache auffaßte, in der Kunst eine Erschütterung und Anregung erweckte, welcher die erschlaffte Zeit bedurfte; und in der That ist aus dieser religiösen Kunstbegeisterung im Anfang dieses Jahrhunderts die deutsch-romantische Malerschule hervorgegangen. Seitdem freilich hat die eilfertige Zeit ihren Geschmack wieder gewandelt und, anstatt der Madonnen und Heiligenbilder, das sogenannte Genre beliebt. Wir wollen den Maler keineswegs mit einseitiger Aengstlichkeit auf blos kirchliche Motive beschränken; denn nicht durch die Wahl profaner Gegenstände an sich wird die Kunst schon profanirt, da sich ja alle Erscheinungen des Lebens, wenn man nur will, religiös erfassen und darstellen lassen. Aber es bleibt wohl zu erwägen, ob die Malerei den tiefen Ernst, der aller Kunst Noth thut, ja ob sie überhaupt auch nur eine tüchtige Schule sich wird bewahren können, wenn sie dem würdigsten, im

Volksgefühl aller Zeiten begründeten Inhalte entsagt, wenn sie aus den Kirchen in die Plauderfäle und Boudoirs, von der stillen Erbauung des Volkes an die modisch wechselnden Gelüste der Weltleute und Dilettanten gewiesen wird. Was dem Zeitgeiste dient, ohne ihn über sich selbst zu heben, wird nothwendig von ihm übergerannt und beseitigt."

Graz.

Dr. Johann Ranftl.

XI.

Die Freimaurerei im Oriente von Hannover.

Unter obigem Titel war im Jahre 1859 in Hannover ein Buch erschienen, welches nur für Freimaurer bestimmt war. Aeußerlich war dasselbe eine Festschrift, welche der am 14. Januar 1857 erfolgten Aufnahme König Georgs V. in den Freimaurerbund, sowie der Tags darauf stattgehabten Einweihung eines neuen Logenhauses zu Hannover gelten sollte.

Prächtig, zum Theil kunstvoll ausgestattet, geschmückt mit dem Porträt des damals schon erblindeten Königs und „Seiner Majestät dem Allerdurchlauchtigsten Ehrwürdigsten Großmeister in tiefster Ehrfurcht gewidmet", ist das Werk anscheinend nur in wenigen Exemplaren in der fgl. Hof: buchdruckerei hergestellt worden. Infolge der Unvorsichtigkeit, welche die Erben eines ehemaligen Besizers des uns zu gegangenen Exemplars begangen hatten, war das leßtere in den Schrein eines braunschweigischen Antiquars gerathen, von dem wir dasselbe erstanden hatten.

Schon auf den ersten Blick war zu erkennen, daß wir es hier mit einer authentischen, weil officiellen Dar

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