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Das Recht der Uebersetzung in fremde Sprachen ist vorbehalten.

Mein junger Freund!

Wie die vor mehreren Jahren von mir herausgegebene 'Prima' ihre erste Anregung und kräftigste Ermunterung in meinem mündlichen und schriftlichen Verkehr mit strebsamen Jünglingen gefunden hat, die für den geeigneten Abschluss ihrer Gymnasialstudien des wissenschaftlichen Rathes und einer eingehenden pädagogischen Anleitung bedurften, so ist auch die gegenwärtige Schrift zunächst und allermeist durch eine Reihe mündlicher und schriftlicher Fragen veranlasst worden, welche befreundete junge Männer theils unmittelbar vor ihrem Eintritt in das akademische Studium, theils während der ersten Semester desselben an mich gerichtet haben, und die ich nach Kräften zu beantworten bemüht gewesen bin. Da diese Fragen nicht persönlicher und individueller Art waren, sondern meist das innere Wesen, den Charakter, den Umfang oder die Methode des philologischen Studiums selbst betrafen, so schien es mir der Mühe werth zu sein, meine Gedanken über die Art, wie die nur allzukurz bemessene drei- (höchstens vier-) jährige Studienzeit für die Bewältigung des überreichen philologischen Lehrstoffes am Erfolgreichsten verwerthet werden könne, zu einer übersichtlichen Hodegetik zu verarbeiten, durch deren Hilfe der angehende Philolog, noch ehe sich ihm die Pforten zum Tempel seiner Wissenschaft erschliessen, wie in der Vorhalle sich über die einzelnen weiten Tempelräume und die reichen Tempelschätze im Voraus zu unterrichten im Stande wäre.

Freund, Philologie. 4. Aufl.

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Mehr als solch eine übersichtlich geordnete erste Anleitung zur Orientirung für Philologie-Studirende will die gegenwärtige Schrift nicht sein.*) Eine frühzeitige Orientirung in seiner Wissenschaft aber erscheint für den Philologen um so nothwendiger, als er nicht gleich den Studirenden der Theologie, Jurisprudenz und Medicin an eine ihrem Inhalt und Ziele nach fest abgegrenzte Fachwissenschaft herantritt, vielmehr an eine solche Wissenschaft, deren vieldeutiger Name allein schon zu sehr verschiedenartigen Auffassungen ihres Wesens veranlasst, und deren Stellung innerhalb und als eines Theiles der Wissenschaften der sogenannten 'philosophischen Facultät' nach vielen Richtungen hin eine so wenig gesonderte ist, dass ihre mannigfaltigen Berührungspunkte mit der Geschichte, Politik, Philosophie, Aesthetik, mit der allgemeinen und vergleichenden Sprachwissenschaft den nicht zum Voraus sicher orientirten Studirenden nur zu leicht in Gefahr bringen, durch das Verfolgen der vielfach sich verzweigenden Seitenrichtungen sein Hauptziel aus dem Auge zu verlieren.

In Rücksicht auf den hodegetischen Zweck dieser Schrift vertheile ich ihren Stoff unter nachfolgende fünf Abtheilungen: I. Abtheilung: Name, Begriff und Umfang der Phi

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lologie.

Die einzelnen Disciplinen der Philologie.

Vertheilung der Arbeit des Philologie-Studirenden auf sechs Semester. Die Bibliothek des Philologie-Studirenden.

Die Meister der philologischen Wissenschaft in alter und neuer Zeit.

*) Eine ausführliche Darstellung der Philologie und ihrer einzelnen Disciplinen enthält das Werk: Triennium philologicum oder Grundzüge der philologischen Wissenschaften, für Jünger der Philologie zur Wiederholung und Selbstprüfung bearbeitet von Wilhelm Freund. In sechs Semester-Abtheilungen. I. Abtheilung in zweiter Auflage, Leipzig, 1879, bei Wilh. Violet.

I. Abtheilung.

Name, Begriff und Umfang der Philologie.

Das rege geistige Leben der Hellenen hat ihre Sprache mit drei inhaltschweren Wörtern bereichert, um die sie jede and ere Sprache der Welt beneiden kann; es sind dies die Bezeichnungen für ihr lebendiges Interesse am Lernen, am Wissen und an der Unterredung: φιλομαθία, φιλοσοφία, φιλολογία.

Von diesen drei Wörtern ist das letzte eine Schöpfung des specifisch-attischen Geistes: die den Attikern angestammte Lust am Reden und Disputiren hat für den ihr Huldigenden die treffende Bezeichnung Redelustiger, Redefreund', φιλόλογος erfunden. Und zwar heisst φιλόλογος = ὁ φιλῶν λόγους sowol derjenige, welcher selbst gern spricht, als der, welcher gern Reden hört. In ersterer Beziehung wird das 'gern- und vielredende' Athen in Plato's Gesetzen vor Plato's Zeit findet sich das Wort noch nicht gegenüber dem 'wortkargen' Laceals die 'Redelustige', als

dimon und Kreta (βραχύλογος) φιλόλογος bezeichnet. Νόμοι 1. p. 641, e (ein Athener spricht zu einem Spartaner und einem Kreter):

τὴν πόλιν ἅπαντες ἡμῶν Ἕλληνες ὑπολαμβάνουσιν ὡς φιλόλογός τέ ἐστι καὶ πολύλογος, Λακεδαίμονα δὲ καὶ Κρήτην, τὴν μὲν βραχύλογον, τὴν δὲ πολύνοιαν μᾶλλον ἢ πολυλογίαν ἀσκοῦσαν.

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