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Ach nein. Es ist gerade mit der Hauptzweck dieses Buches, Euch zu zeigen, dass ich nicht isolirt dastehe, dass die grössesten Männer auf meiner Seite stehen, dass sie die Arcana kannten, die ich wieder aufgefunden. Ihr werdet sehen, wie sie diese Arcana für würdig hielten, als das Substrat der Entwickeluug ihrer oft Staunen erregenden geistigen Thätigkeit zu dienen. Glaubt nur nicht, dass jene grossen Männer ihre geistreichen Arbeiten auf die Arcana basirt, an die Arcana geknüpft haben würden, wenn diese nicht etwas absolut Grossartiges wären, wenn sie keine Remedia divina wären!

Helfen die Arcana blos bei den hervorragenden epidemischen Krankheiten ?

Nein. Ich habe die hervorragenden epidemischen Krankheiten blos deswegen genannt, um Euch auf ein Terrain zu führen, wo gar keine Selbsttäuschung in Euerem Sinne bei der Beobachtung möglich ist. Man heilt mittelst ihrer Pneumonie, Pleuritis, Croup, Phlebitis (keine Eiterung), Meningitis, Mastitis, Angina (keine Eiterung), Rheumatismus acutus, Icterus, Parulis, Karbunkel, Pseudoerysipelas, Morbus Brightii acutus, Ophthalmien u. s. w. u. g. w.

Wie steht's mit den chronischen Krankheiten ?

Durch jede chronische Krankheit läuft eine Linie Stehen wir diesseits dieser Linie, 90 ist Heilung möglich, sie erfolgt an der Hand der Arcana; stehen wir jenseits derselben, so ist's mit der radicalen Heilung vorbei. Uebrigens heilt man: Dermatosen, Syphilis, Hydrops, u. s. w.

Wie heissen jene grossartigen Mittel denn?

Sie heissen: Acidum sulphuricum, Ferrum, Natron carbonicum, Natron nitricum, Liquor hepatis, Pulvis solaris ruber, Pulvis solaris niger. (Vergl. den Abschnitt: Die Arcana und ihre Darstellung.)

Wie, darunter sind ja Mittel, die sehr bekannt sind, und in jeder Materia medica stehen!

Ja, gewiss. Aber es geht mit manchen Arcanis, wie mit dem Aether. Der Aether stand in allen Materiis medicis, fand sich in jeder Apotheke vor, war Jedem bekannt. Aber Niemand ahnte, bevor es der Americaner Jackson lehrte, dass man mittelst Aethers den zu Operirenden gegen den Schmerz unempfindlich machen könne. Ganz so mit den Arcanis. Es befinden sich unter ihnen solche Mittel, welche in allen Materiis medicis stehen, sich in jeder Apotheke vorfinden, Jedem bekannt sind, aber Niemand hat bisher geahnt, dass sie Arcana sind, und als solche eine immense Tragweite am Krankenbett haben. Im Allgemeinen kam ich derartig auf die Sache, dass ich einmal

was passirt einem nicht Alles am Krankenbette? in die Lage kam, einem Patienten Natron nitricum zu verschreiben. Wie ich auf dem Heimwege war, war es mir bereits contre coeur, dass ich es verschrieben. Indessen ce qui était fait, était fait. Den anderen Tag besuchte ich meinen Patienten schon in aller Herrgottsfrühe - die Sache war mir die Nacht über im Kopf umhergegangen. Was sah ich? Einen Erfolg, der mich in Erstaunen setzte, der mir sagte, hier hat dir der Zufall ein

grosses Mittel in die Hand gegeben. Sofort sagte ich mir aber auch weiter, es ist unmöglich, dass die gütige Natur nur ein so grosses Mittel hervorgebracht haben sollte. Wie es in dieser Krankheit in Bezug auf das Nitrum liegt, so wird es in anderen Krankheiten in Bezug auf andere Mittel liegen, und wenn du diese Mittel kennen würdest, so hättest du am Krankenbett einen Schatz, von dem die Lehrer, die dich Medicin gelehrt, nie eine Ahnung gehabt haben, einen Schatz, der dir mehr bieten würde, als alle Schulgelehrsamkeit. So forschte ich denn weiter, und entdeckte successiv die übrigen Arcana. Zuerst nach dem Natron nitricum entdeckte ich das Ferrum, dann den Pulv. solaris niger und Pulv. solaris ruber, dann den Liquor hepatis. Zuletzt entdeckte ich das Acidum sulphuricum und das Natron carbonicum, womit der Leser den Beweis dafür hat, dass es bei den Arcanis wenig in die Wagschale fällt, worauf wir oben hingewiesen, dass es sich bei ihnen auch um Mittel handelt, welche in jeder Materia medica stehen, sich in jeder Apotheke befinden, Jedem bekannt sind. Beim Acidum sulphuricum und Natron handelte es sich um Mittel, welche ich bereits im fünften Semester meiner Universitätsjahre kannte, und doch ging ich, den Arcanis nachforschend, Jahre lang an ihnen vorbei, ohne zu ahnen, dass sie Arcana seien. Es hat mir viele Mühen, viele Anstrengungen gekostet, jene

, grossen Mittel zu entdecken. Wozu diese Mühen, diese Anstrengungen schildern ? Der Fremde hat für derartige Dinge ja doch nur ein halbes Ohr. Kurz und gut, ich kam zum Ziele, in der That ein glänzendes Ziel !

Dass ich nun, indem ich den betreffenden Weg verfolgte, nicht mehr und nicht weniger that, als den Arcanis' der Alchemisten nachforschen, das kam mir nur halb in den Sinn. Ich ahnte es von vorn herein, aber es handelte sich eben nur um eine vage Ahnung. Offen gestanden, ich mochte der Sache nicht gerade in's Gesicht schauen. Ich begriff, dass, um hier Licht, um absolute Ueberzeugung zu gewinnen, ein eingehendes Studium der Alchemisten nöthig seie. Nun denke man sich aber meine Wenigkeit bei Tag und Nacht, bei Hitze und Kälte, bei Staub, Regen, Hagel, Schnee einer umfangreichen ärztlichen, wundärztlichen und geburtshelferischen Praxis zu Fusse und zu Pferde nachkommend, und dabei sollte ich nun noch einem eingehenden Studium der Schriften der Alchemisten und was mit ihnen zusammenhängt obliegen! Wahrlich,

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mir fehlte die Lust dazu. Diese sollte erst allmälig in mir erwachen. Und sie erwachte allmälig, gewann immer grössere Dimensionen, und so gab ich mich denn jenem Studium hin.

Welche Arbeit! einzig und allein der zu vergleichen, die Arcana am Krankenbette aufzufinden. Erst das Zehnte und Hundertste durchstöbern, ob es eine Relation zur Alchemie habe, und war das Richtige säsirt, dann seinen Sinn herauscalculiren! Die Vorarbeiten Anderer auf diesem Felde sind so zu sagen gleich Null. Ich bin der erste, der die Geheimnisse der Alchemisten offen darlegt, vor mir hat es nie Jemand gethan, denn Niemand kannte sie vor mir, als die Alchemisten selbst, die aber schrieben sehr dunkel, thaten alles mögliche, um die Leute in Bezug auf ihr Wissen auf die falsche Spur zu leiten. In der That, einladende Verhältnisse bei solchem Verhalten der Dinge in Bezug auf die Quellen! Was ich Dir, geehrter Leser, im vorliegenden Buche darlege, liesest Du so glatt hin, Du kannst nicht ermessen, wie oft meine Hand ermüdet hinsank. Nun, ich bin auch hier zum Ziele gekommen, ich habe mein Aufgabe gelöst, und das vorliegende Buch giebt den Beweis dafür. Du wirst Dinge in demselben finden, von denen Du von vorn herein nicht ahnest, dass sie mit der Alchemie im Zusammenhange stehen, durch die Alchemie ihre Aufklärung bekommen.

Das Hauptinteresse wird dieses Buch wohl für den Arzt haben. Er lernt aus ihm die Arcana, und bekommt von den verschiedensten Gesichtspuncten aus, an der Hand der verschiedensten Autoritäten, den Beleg für deren Existenz.

Nicht aber blos für den Arzt dürfte das Buch fesselndes haben, sondern auch für den gebildeten Denker überhaupt. Wenn ihn auch vielleicht die Arcana und das, was sich unmittelbar an sie knüpft, minder interessiren, so dürfte er doch nicht theilnahmslos an dem vorübergehen, was eine Relation hat: zur Bibel und Dogmengeschichte (Schöpfungsgeschichte, erstes Capitel des Evangelium Joannis, der kóyns, die Symbola etc.), zum ersten Buche der Oracula Sibyllina; zu den Platonischen Schriften, namentlich dem Timaeus und dem Kritias, deren Inhalt sich die Neuzeit so circa reinweg herausträumte; zur Griechischen Philosophie; zu den Neuplatonischen Schriften; zur Indischen Alterthumskunde; zur Griechischen Mythologie; zur Geschichte der Chemie; zur Magie, Astrologie, Goldmacherkunst, Edelsteinmacherkunst, zur Kabbala (Buch Jezirah); zum Pythagoräischen Lehrsatze, zur Quadratur des Cirkels; zum Stein der Weisen, zum Perpetuum mobile u. 8. w; kurz, er dürfte nicht theilnahmslos vorübergehen an dem wunderbaren Mancherlei, welches die Alchemie ausser den Arcanis als solchen bietet, für welches die Alchemie und nur die Alchemie Aufklärung bietet.

Und so widme ich denn dieses Buch nicht nur den Aerzten, sondern allen gebildeten Denkern.

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Inhalts-Anzeiger.

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147

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453

Alchemie

1

Die Arcana und ihre Darstellung.

2

Zahl der Arcana. Zahlenphilosophie

7

Von den Farben der Arcana

10

Alchemie bei den Indern

12

Ind. Alchemie vom Gesichtspuncte der Kosmologie .

12

Ind. Alchemie vom Gesichtspuncte der Arcanologie

17

Indische Zahlenphilosophie

36

Indische Kosmogenese

43

Alchemie bei den Aegyptern. Das Wasserverwand-

lungs-Experiment

45

Alchemie bei den Juden

49

Die Schöpfungsgeschichte im 1. Cap. des 1. B. Mosis 49

Die Schöpfungsgeschichte im 2. Cap. des 1. B. Mosis 51

Gegenüberstehen der Schöpfungsgeschichten u. s. w. 56

Gott als Welterschaffer. Sechs-Tage-Schaffung 61

Jüdische Kosmogenese im Allgemeinen

62

Kosmogenese des 1. Buches Mosis im Allgemeinen 67

Besondere Kosmogenese des 1. Theiles des 1. Capitels

im 1. Buche Mosis

72

Die Jüdische Zahlenphilosophie

83

Alchemie bei den Griechen

85

Thales von Milet

85

Anaximenes von Milet.

90

Pythagoras

94

Heraklit von Ephesus

97

Atomismus.

103

Empedokles von Agrigent

105

Plato von Athen

114

Platos Schrift: Timaeus

114

Einleitung zum Timaeus

114

Interpretatiou des Timaeus

118

Platos Schrift: Kritias

Inhalt

147

Interpretation

151

Aristoteles von Stagira

157

Griechische Alchemie in Alexandrien

162

Jüdische Alchemie in Alexandrien

166

Das dreitheilige Wasserverwandlungs-Experiment

166

Neue Interpretation der bibl. Schöpfungsgeschichte. 167

Das arcanologische Experiment in Jüdischer Fassung 183

Alchem. Part. in Alexandr. - Anstreben zur Einigung 186

Allgemeine Vorbemerkungen über die Tab. smar. 188

Der Lateinische Text der Tabula smaragdina mit

Deutscher Verbal-Uebersetzung .

190

Der Text der 1. Redaction der Tabula smaragdina 191

Jüdische Interpret, der 1. Redaction der Tab. smar.

192

Griechische Interpret. d. 1. Redaction d. Tab. smar. 202

Das numerische Arrangement der 1. Red. d. Tab.

smar, nach Jüd. und Griech. Interpretation

208

Aegyptisch-kosmol. Interpret. d. 1. Red. d. Tab. smar,

209

Aegypt.-spirituelle Interpret. d. 1. Red. d. Tab. smar.

211.

Die 2. Redaction der Tabula smaragdina

212

Wie d. 7 Rubriken d. 2. Red. d. Tab. smar. entstehen 215

Das Aepypt. Gepräge der 2. Red. der Tab. smar. 217

Jüdische Interpret. der 2. Redact. der Tab. smar.

218

Griechische Interpret. der 2. Redact. der Tab. smar. 237

Aegyptische spirit. Interpret. d. 2. Red. d. Tab. smar. 249

Der Titel der Tabula smaragdina.

255

Wirkliche Einigung Alexandrinischer Alchemisten an

der Hand der Tabula smaragdina ·

256

Allgemeines über d. metaphys. Interpr. d. Tab. smar. 258

Metaphys. oder 1. Mercur-Interpret. der Tab. smar. 259

Alter der 1., 2. und 3. Redaction der Tab. smar. 270

Neuplatonismus

273

Philos Interpretation der Tab. smar.

277

Die Pömandrische Interpretation der Tab. smar.

284

D. Christliche 1. Drei-Einigkeits-Interpret. d. Tab, sm. 287

Aoyos-Interpretation der Tab. smar.

290

Þws-Interpretation der Tab. smar.

293

Der 1. Theil des 1. Cap. des Evangelium Joannis. 294

Die 2. Drei-Einigkeits- Interpretation der Tab. sm.. 301

Das Symbolum Apostolicum

304

Das Symbol. Nicaenum, das Symbol. Constantino-

politanum, das Symbol. Quicunque

312

Pythagoräische Interpretation der Tab. smar. 325

Magische Interpretation der Tab. smar.

331

Apollonius von Tyana

335

Platonische Interpretation der Tab. smar. . . 336

Die Einleitungs-Rubrik der Tab. sm. in Neuplatoni-

scher Auffassung

342

Die Tabula Memphitica

343

Die Tabula Democritica

347

Synesius.

353

Erweiterung d. metaphys. Interpret. d. Tab. smar.. 355

Lapis philosophicus-Interpretation der Tab. smar... 357

Das 1. Buch der Oracula Sibyllina

366

Hauptinhalt bis Vers 326.

366

Das 1. Räthsel des 1. Buches der Orac. Sibyll. 369

Das 2. Räthsel des 1. Buches der Orac. Sibyll. 376

Interpretation des 1. Buches der Orac. Sibyll. 379

Interpretation der Tab. smar., wie sie dem 1. Bu-

che der Oracula Sibyllina zu Grunde liegt

383

Das Alter des 1. Buches der Oracula Sibyllina u.

d. Lapis philos.-Interpretation der Tab. smar. 386

Die Schwindel-Goldmacherkunst

387

Alchemistische Schriftsteller u. s. w. zwischen De-

mokrit und Geber

392

Lapis- und Elixir-Interpretation der Tab. smar. 394

Elixiria und Lapides .

400

Die Arcana als Edelsteine

403

Die Edelsteinmacherkunst

406

Allgemeines über Gebers Metall-Interpret. d. Tab. sm. 408

Gebers Metall-Interpretation der Tab. smar.

410

Das Anhängen der Schlussrubrik an die Metall-

Interpretation der Tab. smar:

415

Darstellung d. Hydr. oxyd. rubr. mittelst Feuers allein 419

Calcinations-Interpretation der Tab. smar.

425

2. Mercur- od. Arab. L. phil.-Interpr. d. Tab. sm..

429

Nähere Notizen über die Arabische Alchemie

436

Astrologische Interpretation der Tab. smar.

438

Einleitung in d. Zeichen-Interpret. der Tab. smar.

444

Zeichen-Interpretation der Tab. smar.

447

Das Buch Jezirah .

450

Abendländische Alchemie

1. Abendländische Periode. Lapis philos.-Interpre-

tation der Abendländer,

454

Die Elementen-Zeichen-Interpretation der Tab. smar.

459

Mensch-Interpret. der Tab. smar. der Abendländer 462

Die Drachen-Interpretation der Tab. smar.

466

Die Pflanzen-Interpretation der Tab. smar.

468

Die Fermentations-Interpretation der Tab. smar.

469

Abendländische Metall-Interpretation der Tab. smar.

470

Die Stercus-Interpretation der Tab. smar.

472

Epistola Haimonis etc.

474

Der Lapis aminal., veget., mineral. Hortulanus 475

Das Ovum-Räthsel

477

Alch. Schriftsteller u. Schriften d. 1. Abendl. Per.. 479

2. Abendl. Periode. Das 8 als Ens universale . 481

Das Hervortreten der Zahl Zwölf

493

Die Bilder Alchemie

497

D. alchemistischen Schriftsteller d. 2. Abendl. Periode 500

Noch einmal Arabische Alchemie. Die 3 Principien :

Sal, Sulphur, Mercur

501

3. Abendländische Periode. Die 3 Principien bei

den Abendländern

506

L. phil.-Interpr. d. Tab. sm. a. d. Hand d. 3 Princip. 508

Pflanzen-Interp. d. Tab. sm. a. d. H. d. 3 Princip. 509

Arcanal. u. Mensch-Interpr. d. T. sm a d. H. d. 3 P. 511

Metall-Interpr. der Tab. smar. a. d. H. d. 3 Princ. 515

Basilius Valentinus

Cnrrus triumphalis Antimonii

521

Einleitende Worte

521

Summarischer Inhalt

523

Alchemisten zw. B. Valent. u. Paracelsus u. 8. w. 538

Paracelsus

538

Wie die Schulärzte gegen d. Arcana z. Felde zogen 516

Alchemisten zw. Paracelsus u. Libavius, u. s. w. 550

4. Abendländische Periode. Libavius

552

Untergang der Alchemie

555

Ueber den Alcahest

557

Schroederi Thesaurus pharmacologicus

558

Die Rolfinkschen Non entia chemica

564

Alchemistische Schrifts ler der 4. Abendl. Periode 567

Rademacher

563

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das Studium jener Schriften und Schriftstücke, die zwar der Feder von Alchemisten entflossen, die aber, nachdem sie einmal dem Publicum geboten worden, Allgemein-Gut geworden sind. Die Alchemisten hielten das Ihrige geheim, ich veröffentliche das Meinige. Wo kann denn bei so bewandten Verhältnissen meinerseits auch nur ein Schatten von Impietät gegen die Alchemisten obwalten ?

Die Arcana und ihre Darstellung. Die Arcana sind: 1. Acid. sulphuricum. 2. Ferrum. 3. Natron carbonicum. 4. Natron nitricum. 5. Liquor Ammoniaci hydrosulphurati s. hydrothionici.

Wir nennen denselben kurzweg Liquor hepatis, da

es sich um Ammoniak-Schwefelleber (hepar) handelt. 6. Die Verbindung von Hydrargyrum oxydatum rubrum

mit Sulphur auratum. Wir nennen dies Arcanum:

Pulvis solaris ruber. 7. Die Verbindung von Hydrargyrum oxydatum rubrum

mit Stibium sulphuratum nigrum laevigatum. Wir

nennen dies Arcanum : Pulvis solaris niger. Was die beiden letzten Arcana betrifft, so nennen wir sie Pulvis, Pulver, von der Pulverform, in welcher sie gegeben werden. Das Adjectiv solaris fügen wir dem Pulvis bei auf Grund des, an der Hand der metaphysischen Interpretation der Tabula smaragdina (s. später) als Sol gefassten Hydrargyrum oxyd. rubrum. Dem einen Pulvis solaris geben wir den Beinamen ruber, roth, auf Grund seiner rothen Farbe, Pomeranzen - Farbe überhaupt, und auf Grund der rothen Farbe, der Pomeranzenfarbe des Sulphur auratum im Besonderen. Dem andern Pulvis solaris geben wir den Beinamen niger, schwarz, auf Grund seiner schwarzen Farbe überhaupt, und auf Grund der schwarzen Farbe des Stibium sulphuratum nigrum im Besonderen,

Alchemie. Die Alchemie ist die Lehre von den Arcanis und den Speculationen, welche man an sie knüpfte. Diese Speculationen bilden ein buntes Mancherlei, welches wir im Verlaufe dieses Buches successiv kennen lernen werden. Der Leser wird dabei mannigfach Gelegenheit haben, die

wunderbare Geistestiefe derer, von denen diese Specula1 tionen herrühren, das ist der Alchemisten, kennen zu lernen.

Er wird Gelegenheit haben, in geistige Relation zu Männern 1

zu treten, welche als tiefe Denker in der Geschichte der gebildeten Menschheit die ersten Plätze einnehmen.

Die Kenntniss der Arcana ist alt, uralt, verliert sich in's graueste Alterthum. Bereits die vedischeu Gottheiten lehnen an die Arcana. In der vedischen Kosmologie, welche sich an diese Götter lehnt, haben wir schon ein alchemistisches System, abgerundete Speculationen, welche sich an die Arcana knüpfen. Von der Kenntniss der Arcana bis zur abgerundeten Speculation, welche sich an sie reibt, ist aber immerhin ein grosser Schritt. Wie lange Zeit mögen also die Arcana den Veden vorangehen!

Wie so eben angedeutet, treten bei den Indern die Arcana zur Gottheit in Relation. Die Relation der Gottheit zu den Arcanis zieht sich durch die ganze Alchemie. Und mit Recht. Mag sich auch das göttliche Wirken allenthalben in der Natur offenbaren, bei den Arcanen tritt es doppelt dreifach, hundertfach in den Vordergrund. Es ist gar zu wunderbar, wie diese einfachen Dinge die Gesundheit geben, das Leben erhalten.

Die Alchemisten hielten ihre Arcana geheim: - eine eigenthümliche Sache! Eine Reihe alchemistischer Vorspiegelungen haben keinen andern Zweck, als dem Publicum, dem Laien, Dinge vorzuführen, die ihn vom Wege ablciten sollten, den Arcanis auf die Spur zu kommen. Mit dem Geheimhalten der Arcana Hand in Hand geht die dunkle, mysteriöse, versteckte Schreibweise der Alchemisten. Einige haben es darin zu einer wahren Virtuosität gebracht. In ihrem Geheimhalten der Alchemie überhaupt und der Arcana im Besonderen gingen die Alchemisten so weit, dass sie, wie wir im Verlaufe dieses Buches sehen werden, den zum Sünder stempelten, mit Höllenstrafen bedrohten u. s. w., der sich beikommen lassen möchte, das Geheimniss zu enthül. len. Im Sinne dieser Leute handeln wir also nicht, wenn wir das Geheimniss der Alchemie im Allgemeinen offen darlegen, und im Besonderen die Arcana aus dem Dunkel herausführen, mit denen sie stets umgeben waren. Hierbei wollen wir nun nicht weiter den Allgemeinstandpunct zeichnen, den wir bei unserem Thun der Menchheit gegenüber einnehmen, und die Alchemisten cinnahmen. Einen Besonderstandpunct indess in's Auge fassend, wollen wir die Frage aufwerfen : Handeln wir für unsere Person nicht den Alchemisten gegenüber unpietätisch, indem wir das, was sie Jahrtausende rerborgen, offen darlegen? Wir glauben diese Frage mit „Nein" beantworten zu müssen. Ganz abgesehen davon, dass das Interesse der Menschheit im grossen Ganzen den Sonderinteressen der Alchemisten vorgeht, ganz abgesehen daron nehmen wir den Alchemisten gegenüber einen, unsere Individualität betreffenden, eigenen Standpunct ein. Die Alchemisten lehrten einer den andern die Arcana, weihten einer den andern in das Verständniss ihrer Schriften ein. Und indem so ein Alchemist der Lehrer des andern wurde, verpflichtete der Lehrer den Schüler, im Allgemeinen die Sache geheim zu halten, und nur im Besonderen dem mitzutheilen, den er für würdig hiele, des Geheimnisses theilhaftig zu werden, und diesem alsdann wieder dieselbe Verpflichtung des Geheimhaltens auszulegen. Mit derartigen Situationen haben wir aber nichts zu thun. Uns hat Keiner die Arcana gelehrt, und also noch viel weniger unter Verpflichtung des Gebeimbaltens gelehrt. Wir haben sie selbst entdeckt. Uns hat Keiner in die Geheimnisse der alchemistischen Speculationen eingeweiht. Wir haben sie durch eigenes Studium, ohne die Lehre, die Beibülfe eines Anderen, und also noch viel weniger auf Grund einer, an Geheimhaltungs-Verpflichtungen erfolgte Lehre, Beihülte eines Anderen, herausbekommen, berausbekommen durch

Acidum sulphuricum. Heut zu Tage wird das Acidum sulphuricum, die Schwefelsäure, fabrikmässig dargestellt, und kommt unter 2 Formen im Handel vor, als Nordhäuser Vitriol-Oel und als Englische Schwefelsäure.

Die Alchemisten stellten sich durchschnittlich die Schwefelsäure aus dem grünen Vitriol, Eisenvitrio), dar. Dieser kommt natürlich vor, indem er sich durch Verwittern des Schwefelkies es bildet. Um Schwefelsäure aus dem grünen Vitriol zu gewinnen, erhitzt man denselben an der Luft. Dadurch wird er, der gleich schwefelsaurem Eisen-Oxydul, theilweis in schwefelsaures Eisenoxyd verwandelt und verliert einen Theil seines Krystallwassers. Dieser also umgewandelte Vitriol wird alsdann destillirt. Auf Grund der Destillation geht die Schwefelsäure über; Eisenoxyd bleibt in der Retorte zurück.

Die auf diese Weise gewonnene Schwefelsäure ist braun und raucht an der Luft. Sie stellt das Acidum sulphuricum sumans dar. Um aus ihr das, zum medicinischen Gebrauche zu verwendende Präparat zu gewinnen, wird sie abermals destillirt, rectificirt, und ergiebt dann das Acid. sulphuricum depuratum, 8. rectificatum, s. medicinale.

Das Acidum sulpbur. fumans der Alten läuft dem heutigen Nordhäuser Vitriol-Oel parallel.

Eine ganz besondere Weise, die Schwefelsäure zu be. reiten, kommt erst bei den abendländischen Alchemisten

Ihr zufolge schmilzt man Schwefelblumen, zündet sie an, und setzt eine gläserne Glocke darüber. Dann sammelt sich ein Dunst an den Wänden der Glocke, derselbe wird füssig, und die so erzielte Flüssigkeit ist eben Schwefelsäure. Beguin in seinem Tyrocinium chymi. cum schildert die Sache mit folgenden Worten: Ponatur sub campana vitrea vas terreum cum sulphure, quod accendatur. Ita vero vas subjectum ad campanam adaptetur, ne fumi egredientes fammam suffocent, sed libere in illam subvecti in liquorem densentur, qui in scutellam

vor.

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appositam destillet. „Man sotze unter eine Glasglocke ein Als in der späteren Zeit der abendländischen Alchemie irdenes Gefäss mit Schwefel, und zündet diesen an. Man die Chemikalien unter den Schulärzten eine weitere Ver. muss indess dem untergesetzten Gefäss der Glocke ge- breitung erhielten, warfen sich die Alchemisten dem Magenüber eine solche Stellung geben, dass der sich ent- noeuvre in die Arme, dass sie den Schulärzten statt der wickelnde Dampf die Flamme nicht erstickt, sondern frei Arcana solche Chemicalia bąten, welche eine nähere oder in die Glocke aufsteigen kann, wo er sich dann zu einer fernere Aehnlichkeit mit den Arcanis, eine nähere oder ferFlüssigkeit condensirt, die in eine herangesetzte Schale nere, directe oder indirecte Relation zu den Arcanis hat. herabtröpfelt.“ Der Process beruht darauf, dass beim ten, Derartigen Chemikalien suchten sie die AufmerksamVerbrennen des Schwefels in der Luft sich schwefelige keit der Schulärzte zuzuwenden, um sie von den Arcanis Säure bildet. Diese geht bei Luftzutritt, durch den Sauer- abzuwenden. So geschab es denn nicht selten, dass ein stoff der Luft, in Schwetelsäure über. Es geht nur lang- Schularzt meinte, er habe ein Arcanum in Händen, wo er sam vor sich, dass sich auf Grund des Luftzutrities die nichts anderes batte, als ein mystificirtes Arcanum. schwefelige Säure höher oxydirt, das ist, gus schwefeliger Auf die Weise nun wurden den Schulärzten statt des Säure Schwefelsäure wird. Daher wird im Grossen die Natron carbonicum und Natron nitricum eine Reihe von Sache so angegriffen, dass man mit der, beim Verbren- Mittel- und Neutralsalzen an die Hand gegeben und annen des Schwefels sich bildenden schwefeligen Säure sal- empfohlen. petrige Säure in Berührung bringt. Hier giebt dann die salpetrige Säure einen Theil ihres Sauerstoffes der schwe

Liquor hepatis. seligen Säure. Auf die Weise stellt man heute die Eng. Das einfachste, um sich dies Arcanum darzustellen, ist, lische Schwefelsäure dar, welche dem zuletzt aufgeführten dass man Schwefelwasserstoff in Spiritus salis Ammoniaci alchenistischen Präparate (Spiritus Sulphuris Beguini, Spi- leitet, Diese Methode der Darstellung ist den späteren ritus Sulphuris per campanam etc.) zur Seite steht, wie das Abendländern bekannt. Die älteren Alchemisten dagegen zuerst aufgeführte Präparat dem Nordhäuser Vitriol - Oel schlugen einen viel complicirteren Weg ein; sie gewannen zur Seite steht. Zum medicinischen Gebrauche ist auch den Liquor hepatis durch Destillation von Schwefel, Sal. das durch Verbrennen des Schwefels gewonnene Präparat miak und Kalk, zu rectificiren.

Die abendländischen Alchemisten nannten den Liquor Merrum.

hepatis, nicht sowohl per euphemismum, als vielmehr scherz

weis: Balsamum ; statt des Uebelriechenden" nannten sie Vom Ferrum, Eisen, gebrauchten die Alchemisten verschie. ihn den „Woblriechenden." Balsamum ist nämlich, wie dene Präparate, Man mag das Eisen pharmakologisch zu- das Griechische Baloauov, ein wohlriechender Stoff. Dieser bereiten, wie man will, seine Heilkraft bebält es immer, Name gab die Basis ab, den Schulärzten statt des Liquor das ist eben ein Grundcharakter des Eisens. Man gebe es hepatis mystificationsweis andere Mittel zu präsentiren, dem Patienten da, wo es passt, dann wird die Natur sich Auch ist er die Basis für die pharmakologische Bezeichschon fügen, in Bezug auf das Präparat ist sie nicht weiter

nung „Balsam.“ sehr wählerisch. Alchemistisch, das ist weniger therapeutisch- Der pharmakologische Begriff Balsamum wird in den alchemistisch als chemisch-alchemistisch, speculativ-alche- neueren pharmakologischen Handbüchern nicht genau bemistisch drängt sich unter den Eisenpräparaten das Ferrum stimmt. Ein Balsam in pharmakologischer Beziehung entsulphuricum in den Vordergrund, und zwar deshalb, weil bält ein ätherisches O el. Das ätherische Oel für sich wir in ihm den Vitriol haben, und an diesen sich, auf macht noch nicht den Balsam aus, es muss vielmehr Loch Grund der Bereitung, die Schweselsäure knüpft.

etwas hinzukommen, und das ist das Corpus pro balsamo. Natron carbonicum,

Also: ätherisches Oel + Corpus pro balsamo = Balsamum,

Corpora pro balsamo sind: Fett, fette Oele, Harze, Wachs Daş Natron carbonicum, das kohlensaure Natron, wittert und derartige Stoffe, wie selbst Honig u. 8. W.; nicht aber, an Felsen und aus der Erde aus.

wie das einige Pharmakologen wollen, Spiritus vini. Es Auch kann das kohlensaure Natron durch Verbrennen

ist also beispielsweis das Balsamum vitae Hoffmanni kein verschiedener Pflanzen, welche am Meeresstrande wachsen, Balsam, es ist vielmehr eine einfache Lösung ätherischer gewonnen werden.

Oele, zu denen Balsamum Peruvianum hinzukommt, in Dann kommt es in natronhaltigen Quellen und Seen vor Weingeist. Ist die Verbindung des ätherischen Oeles mit (Natronseen Aegyptens, Columbiens).

dem Corpore pro balsamo eine natürliche, so ist der BalEndlich gewinnt man das Natron carbonicum aus dem

sam ein natürlicher, ist sie eine künstliche, so ist der Kochsalz. Dieses wird mittelst Schwefelsäure in schwefel. Balsam ein künstlicher. So ist Balsamum Perusianum saures Natron verwandelt. Das schwefelsaure Natron wird ein natürlicher Balsam, weil die Vorbindung des ätherimit kohlensaurem Kalk und Kohlenpulver gemengt und schen. Oeles mit dem Harze hier eine natürliche ist. Die geglüht und so in kohlensaures Natron übergeführt, wel- Verbindung von Oleum Bergamottae mit Oleum Amygdaches aus der Masse durch Auslaugen und Krystallisiren er- larum dulcium ist dagegen ein künstlicher Balsam, weil halten wird.

hier Oleum Bergamottae mit dem Corpore pro balsamo: Die Alchemisten bedienten sich hauptsächlich des zuerst Ol. Amygdal, künstlich zusam

ammengebracht ist. Das 17. erwähnten, natürlich vorkommenden kohlensauren Natrons, und 18. Jahrhundert hatte eine Menge künstlicher Balsame welches sie dann zum medicinischen Gebrauche zu reinigen zum inneren Gebrauch, und die damaligen Schulärzte hat hatten, und des, aus dem Kochsalz gewonnenen kohlen- ten eine besondere Vorliebe für derartige Compositionen. sauren Natrons.

Das hängt damit zusammen, dass sie meinten, indem sie Natron nitricum.

in derartigen Mitteln „Balsam" hätten, hätten sie nun den

Balsam der Alchemisten, den Liquor hepatis. Schwerlich Schwerlich fällt es jemandem heut zu Tage ein, sich das gebraucht heute noch ein Arzt derartige künstliche Balsame Natron nitricum, das salpetersaure Natron, den kubischen pro usu interno. Pro usu externo dagegen sind die künstSalpeter, künstlich darzustellen, wird es doch

in grosser lichen Balsame noch heut zu Tage in Gebrauch, z. B. das Menge aus Südamerica eingeführt. Dieser aus Südamerica Unguentum Rosmarini compositum, die Lösung verschieeingeführte sogenannte Chili-Salpeter braucht, um medici- dener ätherischer Oele in Ol. Amygdalarum dulcium, Oleum nisch gebraucht zu werden, blos gereinigt zu werden. provinciale (namentlich als Haaröl) u. 8. w.

Die Alchemisten stellten sich das salpetersaure Natron Zu diesem Begriffe eines pharmakologischen Balsams gåkünstlich dar, und zwar entweder aus dem Kochsalz oder ben nun die Alchemisten den Impuls. Die abendländische aus dem Natron carbonicum.

Darstellung des Liquor hepatis vor Augen habend, sagten Um es aus dem Kochsalz darzustellen, wird Kochsalz mit sie nämlich, es handelt sich beim Liquor hepatis um eine Salpetersäure übergossen, und die Salzsäúre abdestillirt. Das Lösung von Schwefel in einem flüssigen Alkali. Nun nannin der Retorte zurückbleibende unreine salpetersaure Natron ten sie aber ein flüssiges Alkali: Oleum, Oel, und so laugt man aus, und lässt es krystallisiren.

kommt heraus: Liquor hepatis ist die Lösung von SchweUm das salpetersaure Natron aus dem kohlensauren Na- fel in Oel. Damit war die Sache aber nicht absolvirt. tron zu erhalten, bringt man direct kohlensaures Natron Jegliches flüssige Alcali ist ein Oel. Wenn man also mit Salpetersäure zusammen, Dann entsteht unter Ent

sagt, Liquor hepatis ist die Lösung von Schwefel in Oel, weichen von Kohlensäure salpetersaures Natron.

80 kann es sich auch um die Lösung von Schwefel in

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