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bium nigrum handelte, daher auch das generelle Verbot des Antimons überhaupt. Mit dem Verbot des Antimons allein aber statt des vollständigen P. solaris erreichten sie vollkommen ihren Zweck. Denn, war einmal das Antimon verboten, so war damit auch der P. solaris verboten, fiel das erstere, so musste der letztere mit fallen. Dass die Herren nun aber gerade den P. solaris verboten, und nicht irgend ein anderes Arcanum, das zeigt uns, dass zu jener Zeit Krankheiten häufig waren, die den Gebrauch des P. solaris erheischten. Die Artung der um 1566 vorkommenden Krankheiten bewirkte, dass den Herren gerade der P. solaris ein Dorn im Auge war. Wo sie am Krankenbette stecken blieben, und nun ein herankommender Alchemist das leicht curirte, woran sie sich vergebens abgemüht hatten, da ergab es sich beim Nachsehen durchschnittlich, dass das Nichtkennen gerade jener „elenden" Pulver die Ursache ihrer Blamage gewesen. Darum einfacher, kurzer Process: Verbieten jener Pulver! Zugleich dachten nun jene gelehrten Herren, die Krankheiten bleiben immer dieselben. Klappern, dachten sie, gehört einmal zum Handwerk, und so wird es auch bei diesen Alchemisten sein. Sprechen die da von einer Reihe von Arcanis, die sie besitzen wollen, das ist eitel Geklapper. Ihre ganze Kunst dreht sich um den P. solaris. Schneiden wir ihnen den P. solaris ab, so hat's mit den Arcanis ein Ende. Die konnten sich nicht vorstellen, dass es morgen anders sein könnte, als heute. Die konnten sich nicht denken, dass die Krankheiten sich anders gestalten könnten, und wenn sie sich anders gestalteten, dass sie dann durch irgend ein anderes Arcanum gerade so auf's Trockne gesetzt werden würden, wie zur Zeit durch den P. solaris. Und indem sie es sich nicht denken konnten, lullten sie sich in den Wollust - Traum, mit dem Verbot des Antimons die ganze Alchemie in Grund und Boden gebohrt zu haben. Und es ereignete sich, wie das unausbleiblich war, dass die Krankheiten eine andere Gestalt annahmen, es ereignete sich, dass die Krankheiten, welche zu ihrer Heilung den P. solaris erforderten, in den Hintergrund traten, und an ihre Stelle sich solche Krankheiten drängten, welche zu ihrer Heilung eines oder mehrerer anderer Arcana bedurften. Nun, da hatten die gelehrten Herren die Bescherung! Sie waren mit ihrem AntimonVerbot auf dem Trocknen. Und was thaten sie nun? Sie machten kurzen Process, und verboten alle Arcana! Als handlangender Büttel bei diesem Thun hat sich Riolanus ein monumentum aere perennius gesetzt. Diesem Riolanus, der sich nicht entblödete, die Arcana zu einem Werk des Teufels zu stempeln, hat Libavius nicht übel heimgeleuchtet in seinem: Prooemium commentarii Alchymiae ipsiusque artis apologeticum, in quo examinatur Censura scholae Parisiensis per Joannem Riolanum de Alchymia, annis 1603, 1604 edita. O, ihr traurigen Zeiten rufen wir aus, in denen die Sudeleien eines Riolanus noch einer Widerlegung bedurften!

Und nun, lieber Leser, erinnere dich der Worte des Paracelsus: Mir nach, und nicht ich euch nach, ihr von Paris, ihr von Montpellier, ihr von Schwaben, ihr von Meissen u. s. w. Seht, der setzte Paris voran in seinem Aufruf, der kannte seine Pappenheimer. Dass die von Montpellier der Pariser Fahne, auf welche mit Scheiterhaufen - Flammenschrift Riolanus geschrieben war, nachmussten, versteht sich von selbst in erster Reihe. In zweiter Reihe aber versteht es sich von selbst, dass, der Französischen Mode folgend, die von Schwaben, die von Meissen, die von Cöln, die von Wien, und was an der Donau und dem Rheinstrom liegt u. s. w. nachgehinkt kamen. Da wurde freilich die Sache nicht mit Pariser Eclat in Scene gesetzt, da wurden die Arcana im Stillen abgemurkst“. Den alchemistischen Arzt Turquet de Mayerne erklärte die medicinische Facultät von Paris für unwürdig, die Heilkunst auszuüben. Dies Factum prangt mit hervorragenden Lettern in der Geschichte der Alchemie. Welche raffinirte Quälereien aber anderorts im Stillen aufgewandt sein mögen, einem alchemistischen Arzte, der einem „hervorragenden" Schularzte im Wege stand, sein Dasein zu verleiden davon schweigt die Geschichte.

"

Wie abgefeimt dem Laien gegenüber die Arcana verketzert wurden, darüber möge uns eine Stelle bei Shakes

peare belehren. Es heisst King Henry IV., Part I., Act I.,
Scene III:
for he made me mad,

To see him shine so brisk, and smell so sweet,
And talk so like a waiting-gentlewoman

Of guns, and drums, and wounds, (God save the mark!)
And telling me, the sovereign'st thing on earth
Was parmaceti, for an inward bruise;
And that it was great pity, sc it was,
That villainous saltpetre should be digg'd
Out of the bowels of the harmless earth,
Which many a good tall fellow had destroy'd
So cowardly.

mich macht' es toll,

Dass er so blank aussah und roch so süss,
Und wie ein Kammerfräulein von Kanonen,
Von Trommeln schwatzt und Wunden (Gotterbarms!)
Und sagte mir, für inn're Schäden komme
Nichts auf der Welt dem Spermaceti bei;
Und grosser Jammer sei es, ja fürwahr,
Dass man den bibischen Salpeter grabe
Aus der harmlosen Erde Eingeweiden,
Der manchen wackern, schlanken Kerl so feige
Gefällt."

(Schlegel).

"Saltpetre" ist Natron nitricum. Der tödtet die jungen Burschen nicht direct als „Gift", sondern cowardly, feig. Das ist so zu verstehen, dass er die Burschen feige macht, und durch ihre Feigheit unterliegen sie dann im Kampfe. Dieser Siun stellt sich heraus durch die Parallele des saltpetre mit dem parmaceti, dem Spermacet. Der letztere ist nämlich nicht nur gut for an inward bruise, sondern die Hauptsache bei ihm ist, dass er den Geschlechtstrieb stimulirt (vergl. des Mich. Ettmüller Abhandlung über den Spermacet). Ganz das Gegentheil haben wir beim Salpeter. Der ist ein Antiphlogisticum, ein Mittel gegen die Hitze, und damit gegen die Geilheit, und da der, der geil ist, muthig ist, ein Gegenmittel gegen den Muth, ein feigmachendes Mittel. So liegt der Gegensatz zwischen Spermacet und Salpeter. Dass der Thatbestand, auf den der hier redende Hotspur fusst, dass die Abzüge, die er an ihn knüpft, rein weg erschwindelt sind, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Er plappert Worte im Sinne der Schulärzte, durch deren Verketzerungs - Manoeuvres gegen das Natron nitricum Shakespeare sich hat düpiren lassen.

Uud nun genug von diesem unerquicklichen Thema! Alchemisten zwischen Paracelsus und Libavius, resp. deren Zeitgenossen.

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publicavit, sed unde illam habeat, si recte memini, non indicavit. „Kriegsmann hat sie (die Tab. smar.) in Phönicischer Sprache veröffentlicht, sagt aber nicht, wenn ich Das lautet so, mich recht erinnere, woher er diese hat." als wenn Kriegsmann eine Phönicische Tab. smar. herausgegeben hätte, und an Morhof anlehnend, haben das auch Manche gemeint. Ach nein, an so etwas ist nicht zu denken, vielmehr liegt die Sache ff. Da die Tab. smar. von einem Alexandrinischen Juden herrührt, so liegt die Ides nahe, neben dem Griechischen Urtexte habe auch ein Hebräischer existirt. Das legt es denn nahe, dass man sich die Tab. smar., wie wir sie in Lateinischer Sprache 'besitzen, einerseits in's Griechische zurückübersetzt, andeDie letzteren Idee rerseits in's Hebräische überträgt. hat Kriegsmann. Das heisst denn, Kriegsmann versucht's, die Tab. smar. in's Hebräische zu übertragen, und wird mit dem einen fertig, mit dem anderen nicht. In dem Commentar, den er zur Tab. smar. giebt, bespricht er seine Uebersetzungsversuche: - das ist der nackte Thatbestand der Sache. Nun aber schwindelt Kriegsmann uns vor, die Tab. smar. sei ursprünglich Phönicisch geschrieben gewesen, die Lateinische Uebersetzung, die wir besitzen, sei demnach eine Uebersetzung aus dem Phönicischen. Die Lateinische und Phönicische Sprache lägen aber zu fern auseinander; man könne Lateinisch wohl die Phönicischen Worte wiedergeben, nicht aber den Phönicischen Sinn. Folge hiervon sei, dass wir in der Tab. smar., wie wir sie besitzen, mehr eine Zusammenstellung von Worten hätten, als den eigentlichen Sinn, welchen der Autor der Tab. smar. seinem Schriftstücke untergelegt hätte. Dieser Sinn käme erst heraus, wenn man sich die Nun seien Sache vom Phönicischen Standpunct dächte.

ferner die Hebräische und Phönicische Sprache innig verwandt. Wüsste man daher, wie sich die Tab. smar. Hebräisch gestalte, so wisse man auch, wie sie sich Phönicisch gestalte. Kriegsmann nimmt nun an der Hand seiner Uebersetzungsversuche an, er wisse, wie sich die Tab. smar. Hebräisch gestalte, und damit habe er denn das Räthsel gelöst, wie sie sich Phönicisch gestalte, welches ihr wahrer Sinn sei. Dieser wahre Sinn sei in folgendem Wortlaut gegeben:

Verum est et ab omni mendaciorum involucro remotum. Quodcunque inferius est, simile est ejus quod est superius. Per hoc acquiruntur et perficiuntur mirabilia operis unius rei.

Quemadmodum etiam omnia ex uno fiunt per considerationem unius: ita omnia ex uno hoc facta sunt per conjunctionem.

Pater ejus est Sol, mater Luna, ventus in utero gestavit, nutrix ejus est terra.

Mater omnis perfectionis.

Potentia ejus perfecta est, si mutatur in terram. Terram ab igne separato, subtile et tenue a grosso et crasso, et quidem prudenter cum modestia ac sapientia.

In hoc a terra ascendit, in coelum hoc a terra, et a coelo rursus in terram descendit, et potentiam ac efficaciam superiorum et inferiorum recipit, hoc modo acquires gloriam totius mundi, propulsabis igitur tenebras omnes et coecitatem.

Haec enim fortitudo omni aliae fortitudini ac potentiae palmam praeripiens: omnia namque subtilia et crassa duraque penetrare ac subigere potest.

Hoc mundus hic conditus est.

Et hinc conjunctiones ejus mirabiles, et effectus mirandi; cum haec via sit, per quam haec mira efficiantur.

Et propter hoc Hermetis trismegisti nomine me appellarunt: cum habeam partes tres sapientiae et philosophiae universi mundi.

Consummatum est verbum meum, quod dixi de opere

solari.

Das ist nun das, was uns Kriegsmann bringt, indem er, wie Morhof sagt, Tabulam smaragdinam lingua Phoenicia publicavit. Und nachdem er es gebracht hat, giebt er sich noch nicht zufrieden, sondern bringt uns noch eine : Versio Latina Tabulae Hermeticae, Phoenicii contextus proprietatem conservans, eine Lateinische Uebersetzung der Tab. smar., welche die Eigenthümlichkeit des Phönicischen Textes beibehält, welche, indem sie eine Lateinische Uebersetzung ist, dennoch ein Phönicisches Gepräge trägt. Nun, wir denken, der Leser verliert nicht viel, wenn wir diese

Versio Latina nicht hierher setzen. Es ist das Schriftstück von vorhin ein bischen anders gedreht und gewendet. Uebrigens ist die Idee Kriegsmanns, uns noch ausser dem obigen Schriftstücke, das er die Vulgata Tabulae smaragdinae paraphrasis nennt, eine Versio Latina zu bringen, durchaus logisch. Er geht ja von der Prämisse aus, die Lateinische gewöhnliche Tab. smar., welche wir besitzen, sei nicht zutreffend, nun da liegt es nahe, dass er uns eine Lateinische Uebersetzung bringt, die zutreffender ist, und das ist seine Vulgata paraphrasis. Diese Vulgata paraphrasis soll nun aber ein Schriftstück sein, welches nicht in Lateinischem, sondern vielmehr in Phönicischem Sinne geschrieben ist; es steht eben auf dem Standpunct der Paraphrase, und nicht der Lateinischen Version. Nun da ist eine eigentliche Version in's Lateinische, gegenüber der gewöhnlichen Version wohl angebracht. So hat auch der Schwindel seine Logik.

Die Diversion, welche Kriegsmann derartig macht, dass er von Hebräischen Uebersetzungs-Versuchen auf's Phönicische springt, hängt damit zusammen, dass Plato und Jamblichus (Kritias, Vita Pythagorica) Juden und Phönicier confundiren. Der Phönicische Urtext - Schwindel ist das alchemistische Gewand, mit dem er das, was er bringt. umhüllt.

Vierte Abendländische Periode.
Libavius.

-

Andreas Libavius (Liebau), mit dem die vierte Abendländische Periode beginnt, wurde zu Halle in Sachsen geboren. Er starb als Director des Gymnasium zu Coburg. Als sein Sterbejahr wird 1616 angegeben. Aus einer Menge Schriften, die er herausgab, ist diejenige, welche unser Hauptaugenmerk auf sich zieht, seine „Alchymia“ (Erste Ausgabe 1595).

Zu Anfange dieser Schrift giebt der Autor ff. Definition von Alchemie: Alchymia est ars perficiendi magisteria, et essentias puras e mistis, separato corpore, extrahendi. „Die Alchemie ist die Kunst, die Magisterien zu machen, und nach getrenntem Körper reine Essenzen aus gemischten auszuziehen."

Daran anknüpfend sagt er: Alchymiae partes sunt duae: Encheria et Chymia. „Die Alchemie hat zwei Theile: die Encheirese und die Chemie."

Encheria est prima pars Alchymiae, de operationum modis. Die Encheirese ist der erste Theil der Alchemie: über die Arten der Arbeiten."

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Chymia est pars secunda Alchymiae, de speciebus chymicis conficiendis. Die Chemie ist der zweite Theil der Alchemie: Anfertigung der chemischen Präparate.“

Demgemäss zerfällt die ganze Schrift in zwei Theile Encheria und Chymia.

Der erste Theil, der also die Uebersicht Encheria führt, zerrällt in:

1) Ergalia. Ergalia est instrumentorum alchymicorum explicatio. „Ergalia ist die Erklärung der alchemistischen Geräthschaften."

Unter diesem Rubrum werden alsdann die Capitel gebracht; De lutandis et obstruendis Vasis; De Ampullis; De Ollis et Catinis; De Fornacum dispositione; De Athannore (eine Art Ofen); De Furno reverberii ejusque speciebus; De Furnis catinorum cum subjecto foco; De Fornace anemia; De Fornacibus athenariis; De Fornacibus conjunctis; De Supellectili tumultuaria.

2) Pyronomia. P. est caloris ad suas operas adhibendi, ignisque regendi scientia. „Die Pyronomie ist die Kenntniss, die Wärme zu den betreffenden Arbeiten anzuwenden, und das Feuer zu regieren.

3) Die Regimina. Wir bekommen deren eine Unmasse präsentirt: Operationes proparasceuasticae et alias quovis modo encheiresi servientes; Fusio; Deliquium in aëre; Deliquium embapticum; Separatio, et nominatim ea, quae fit per ablationem; Seperatio per subductionem: ubi Filtratio; Clepsydria; Separatio per abscessum; Putrefactio; Resolutio per medicinam; Separatio per abscessum in dilutione; Calcinatio reverberii; Calcinatio specialis; Cinefactio; Laevigatio; Granulatio; Corrosio; Amalgamatio; Fumigatio; Corrosio per aquas fortes; Corrosio per pas tam; Corrosio per pulveres; Extractio et quidem primum: Expressio; Prolectatio et Sublimatio; Sublimatio per

dis

tantiam; Sublimatio per superficiem; Destillatio; Destillatio ascensoria per alembicum; Destillatio per inclinationem; Destillatio per descensum, ubi: Descensio; Transsudatio; Secunda Transsudatio destillatoria, quae fit inhumando; Tertia Transsudatio per sartaginem; Descensoria Destillatio per lignum; Coadunatio, ubi primum: Incineratio; Incorporatio; Colliquatio; Confusio quae est Synchesis; Conglutinatio; Coagulatio per separationem; Coagulatio per comprehensionem; Exaltatio, ejusque prima species: Maturatio; Digestio; Circulatio; Fermentatio; Projectio Gradatio; Cementatio; Fulminatio; Coloritium; Restinctio. Der zweite Theil, der also die Ueberschrift Chymia führt, zerfällt in drei Abschnitte:

1) De Magisteriis, 2) De Extractis, 3) De Speciebus chymicis compositis.

Magisterium est species chymica ex toto citra extractionem, impuritatibus duntaxat externis ablatis, elaborata exaltataque. „Magisterium ist ein chemisches Präparat, an welches man sich im Ganzen nicht mittelst der Extraction macht, nur derartig ist es bearbeitet und exaltirt, dass ihm die äusseren Unreinigkeiten genommen sind.“

Extractum est, quod e corporea concretione, relicta crassitie elementari, extrahitur. „Extract ist das, was aus der körperlichen Masse derartig ausgezogen wird, dass die elementare rohe Derbheit unterwegs bleibt."

Species composita est, quae ex simplicibus sigillatim uno processu elaboratis componitur. „Species composita ist das Präparat, welches zusammengesetzt wird aus einzelnen Stoffen, welche jegliche für sich dargestellt werden."

In diesem zweiten Theile tummelt uns Libavius durch das hindurch, was wir in der sogleich folgenden Interpretation der Tab. smar. in der siebenten Rubrik als Apparatus medicamentorum aufführen, benutzt aber jede Gelegenheit, um zu alchemistischen Speculationen über Quecksilber, Edelsteine, Materia prima u, s. w. u. s. w. überzugehen.

Zugleich benutzt er diesen zweiten Theil des Buches, um uns (Ende des Abschnittes über die Magisterien) die Elemente und die Principien vorzuführen.

Der Alchymia des Libavius liegt eine Besonder-Interpretation der Tab. smar. zu Grunde. Dieselbe ist folgende.

Es werden acht Rubriken angenommen. Es sind die sieben der astrologischen Interpretation mit angehängtem Completum est.

Zweite Rubrik.

Quod est inferius bis adoptione.

Im Anlehnen an die Metall-Interpretation der Tab. smar. an der Hand der 3 Principien werden die superiora und inferiora als die 4 Elemente und 3 Principien verwerthet.

Was die res una betrifft, so haben wir bereits bei der arcanologischen Interpretation der Tab. smar. an der Hand der 3 Principien darauf aufmerksam gemacht, dass man die res una, die Materia prima, als Materia ultima nehmen kann, dass man sagen kann, darin besteht gerade das miraculum, dass die Materia prima an der Hand des Verbrennungs - Processes zur Materia ultima wird. Materia ultima aber im Griechischen Sinne = Arcana. Dann haben wir

Quod est inferius etc.: die 4 Elemente und die 3 Principien dienen dazu, die Wunder der Arcana zu Stande zu bringen.

Es liegt die Idee nahe, dass man sagt, wir haben im grossen Ganzen den Apparatus medicamentorum. Von diesem bilden die Arcana einen Theil, und zwar den hervorragenden Theil. Diese Idee liegt an und für sich so nahe, dass es weiter nicht nöthig ist, ihr aus den Antecedentien der Alchemie eine Folie zu geben. Will man das aber thun, so kann man sich an Paracelsus, halten, welcher Arcana und Schulmittel mannigfach untereinanderwürfelt. Hält man sich nun an diese Idee, so liegt es im Anlehnen an die Antecedentien der Abendländischen Alchemie nahe, die res natae als den Apparatus medicamentorum aufzufassen. Denn die Abendländer beziehen ja die res natae auf das animale, vegetabile und Mineral-Reich, nun, der Apparatus medicamentorum umfasst Stoffe aus diesen drei Naturreichen. Bei solcher Auffassung hat man dann

omnes res natae fuerunt ab una re: Die Arcana stellen sich an die Spitze des Apparatus medicamentorum. Also

Et sicut res omnes etc.: Wie die res omnes von Gott stammen, wie Gott der Vater der Welt ist, so stammt der Apparatus medicamentorum von den Arcanis, so sind die Arcana der Vater des Apparatus medicamentorum. Das aber ist, wie wir so eben bereits gesagt, die Arcana stellen sich an die Spitze des Apparatus medicamentorum. Die adoptio des Nachsatzes restringirt die absolute Parallele zwischen Gott als Vater der Welt, und den Arcanis als Vater des Apparatus medicamentorum.

Dritte Rubrik.

Pater ejus est Sol bis in terram.

Der Passus von Pater ejus est Sol bis terra est bringt die Oefen. (S. bei den Arabern.) In den Oefen hat man ein technisches Mittel, um zum Apparatus medicamentorum zu gelangen, sie bilden chemische Geräthschaften. Aber ausser ihnen giebt es noch andere chemische Geräthschaften, und daher

Pater omnis telesmi etc. In den Oefen hast du zwar wichtige chemische Geräthschaften, so wichtig, dass sie an der Spitze der chemischen Geräthschaften stehen, dass sie in dieser Beziehung den pater telesmi bilden. Indessen ihre virtus ist keine integra, sie wird erst zur integra, wenn sie vertitur in terram, wenn zu ihnen die terra tritt, das sind alle die materiellen Dinge, um welche es sich bei den chemischen Geräthschaften handelt.

Also es bringt die vorliegende Rubrik die chemischen Geräthschaften.

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Fünfte Rubrik,

Sic habebis bis penetrabit.

In der gloria hat man das, was die vorliegende Interpretation der Tab. smar. bringt, ohne den Apparatus medicamentorum und die Arcana, welche an seiner Spitze stehen. Das, was die gloria in dieser Beziehung umfasst, zersplittert sich die omnis res subtilis et solida. Die fortitudo umfasst den Apparatus medicamentorum. Sie zählt in Bezug auf das animale, vegetabile, Mineral-Reich nach der Drei, und vincit et penetrat das, worin sich die gloria zersplittert. Dass bei einer solchen Ausbeutung der fortitudo die Arcana, indem sie mit dem Apparatus medicamentorum zusammengewürfelt werden, in den Hintergrund gedrängt werden, kann man nicht sagen. Denn die auf diese Weise ausgebeutete fortitudo führt auf die res natae. Von denen steht es aber nach der zweiten Rubrik ein für allemal fest, dass sie fuerunt ab una re, dass die Arcana an ihrer Spitze stehen.

Sechste Rubrik.

Sic mundus creatus bis hic.

Die creatio mundi bezieht sich auf die zweite Rubrik, in welcher davon die Rede ist, dass die res omnes fuerunt ab uno.

Hinc erunt adaptationes bezieht sich auf die dritte und vierte Rubrik. An die res una werden die chemischen Geräthschaften und die Regimina adaptirt.

Quarum modus est hic bezieht sich auf die fünfte Rubrik, in der dem, was die fortitudo umfasst, ein Uebergewicht gegeben wird über das, was die gloria umfasst.

Siebente Rubrik.

Itaque vocatus sum bis mundi.

Libavius zählt sich die Drei, welche dem Hermes trismegistus zu Grunde liegt, heraus als 1) Apparatus medicamentorum, 2) Chemische Geräthschaften, 3) Regimina. Er nimmt dabei an, dass, wenn er den Apparatus medicamentorum hat, dass er dann die Arcana implicite hat, und nimmt ferner an, dass, wenn er die Arcana hat, dass er dann in Bezug auf 4 Arcana: die 4 Elemente, in Bezug auf 3 Arcana: die 3 Principien hat. Wohlbemerkt, er constatirt sich also streng genommen seinen Hermes trismegistus auf Kosten der Arcana, der Elemente, der Principien.

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Untergang der Alchemie.

Libavius war ein sehr eifriger Alchemist. Ausser seiner
Alchymia hat er noch weitläufige Commentarien zu dieser,
und ausser diesen noch eine Reihe anderer alchemistischer
Abhandlungen geschrieben. Seine Gesammtwerke umfassen
zwei ganz respectable Folianten. Aber denken wir uns
diesem eifrigen Alchemisten gegenüber die Alchemie als
Personalität, so kann diese Personalität Alchemie in Be-
zug auf Libavius sagen: Gott behüte mich vor meinen
Freunden, meiner Feinde werde ich mich selbst schon
erwehren! Wir wollen gerade nicht sagen, dass die Wucht
der Faust, die Finesse der Diplomatie, welche gegen die
Alchemie spielten und von denen wir in einem Besonder-
abschnitte gesprochen, nicht von Einfluss auf sie waren, es
liegt auf der Hand, dass dies elende Treiben der Alche-
mie Abbruch that. Indessen diesem elenden Treiben an
und für sich ist die Alchemie nicht erlegen, sie erst er-
legen dem hinzukommenden guten Willen eines Libavius.
Libavius hat der Alchemie ihr Grablied gesungen!

Die Sache liegt ff. Libavius bringt in seiner Interpre-
tation der Tab. smar. einen Abriss dessen, was er als In-
begriff der Alchemie aufgefasst haben will. Dabei bringt
er eine Reihe von Dingen, welche dahin gehören, wie er
aber fertig ist, biegt er dem Hermes trismegistus zu Liebe
ab, und constatirt nur 3 Dinge, welche den Inbegriff der
Alchemie bilden.

Sehen wir der Libavischen Interpretation der Tab. smar.
in's Auge, so kann man das, was sie bringt, enger und
weiter fassen. Z. B. man kann den Apparatus medica-
mentorum enger gefasst nehmen als Eins, man kann ihn
weiter gefasst in Bezug auf das animale, vegetabile, Mi-
neral-Reich nehmen als Drei. U. s. w. Unternehmen wir
es nun, das was die Libavische Interpretation bringt, auf
die engsten Gränzen zu bringen, so haben wir die ff. Cal-
culation.

Dass im Quod est inferius etc. Elemente und Princi-
pien zusammen gebracht werden, qualificirt diese dazu,
nicht auseinander gerissen zu werden. Sie können also
aus dem Eingesichtpunct aufgefasst werden. Dann haben
wir pro primo: Elemente und Principien. Res una und
res natae mit einander zu verschmelzen, geht schwer an.
Das würde der hohen Stellung, welche die Arcana im Ap-
paratus medicamentorum einnehmen, gar zu nahe treten
heissen. Also liegt es gar zu nahe, dass wir sagen, wir
haben pro secundo: die Arcana, pro tertio: den Appara-
tus medicamentorum im Allgemeinen. Mit diesem Appa-
ratus medicamentorum im Allgemeinen können wir uns
aber pro tertio begnügen. Wir brauchen also nicht den
Apparatus medicamentorum specialisirend in Bezug anf
animales, vegetabiles, Mineral-Reich auseinander zu reis-
sen. Pro quarto haben wir alsdann die chemischen
Geräthschaften. Endlich pro quinto haben wir die
Regimina.

-

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Also das was die Libavische Interpretation als Theile
der Alchemie bringt, ergiebt, wenn wir es auf die eng-
sten Gränzen bringen, eine Fünf, welche umfasst:
Elemente und Principien,

die Arcana,

den Apparatus medicamentorum,

die chemischen Geräthschaften,

die Regimina.

Diese Fünf lässt sich nicht weiter restringiren. Libavius
aber restringirt sie dem Hermes trismegistus zu Liebe
zur Drei. Und indem er das thut, mag er wohl dem
Hermes trismegistus als solchem gerecht werden, der Sa-
che selbst thut er Zwang an. Eben dadurch aber, dass
er ihr Zwang anthut, singt er der Alchemie ihr Grablied,
er sprengt sie in die Luft.

Des Libavius Nachfolger nämlich sagen, die Libavische

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Interpretation der Tab, smar. ist absolut gerechtfertigt. Der
Hermes trismegistus aber bringt einen Riss in die Sache.
Denn wo es sich bei der engsten Restriction um eine Fünf
handelt, da kann die Drei nicht in den Vordergrund ge-
schoben werden. Nun kann aber die Lage der Sache
dem Hermes trismegistus nicht weichen, also muss der
Hermes trismegistus der Lage der Sache weichen. Und
so nahm man denn den Hermes trismegistus einfach als
Hermes, der den Titel trismegistus führt, ohne dass dieser
Titel irgendwie von Einfluss auf die Theile der Alchemie
ist, welche sich um ihn als Schutzpatron der Alchemie
gruppiren. Libavius, sagt man, constatirt an der Hand
seiner Interpretation der Tab. smar. eine bestimmte An-
zahl von Theilen der Alchemie. Das ist ein Allgemein-
Thun seinerseits, dem Beifall zu zollen ist. Diese Summe
von Theilen restringirt er auf die Drei: Apparatus medi-
camentorum, chemische Geräthschaften, Regimina. Das
ist ein Besonder-Thun seinerseits, dem man Beifall zollen
kann, wenn man will, dem man aber keinen Beifall zu
zollen braucht. Die Autorität des Libavius tritt wohl
dafür ein, dass man, indem man die Theile der Alchemie
vor sich hat, eine Restriction eintreten lassen kann,
sie tritt aber nicht dafür ein, dass diese Restriction nun
gerade die zu sein braucht, die ihm von seinem inviduel-
len Standpuncte beliebt. In dieser Beziehung kann jeder
sich auf seinen eigenen Standpunct stellen. Wer gar
nicht restringiren will, nun der lasse es bleiben. Wer
aber restringiren will, der restringire, wie es ihm richtig
dünkt; wie weit er in seiner Restriction gehen will, wel-
che Puncte er hervorheben, welche er fallen lassen will,
das ist seine Sache, wenn er nur bei den Theilen bleibt.
welche die Libavische Interpretation der Tab. smar. im
Allgemeinen bringt. Auf die Weise kann Jemand aus der
Libavischen Interpretation irgend einen Theil hervorhe-
ben, und ihn auf sein Panier schreiben er ist ein Al-
chemist. Also um uns an die Fünf zu halten, welche die
Restringirung der Theile ergiebt: Der ist ein Alchemist,
welcher sich die Arcana hervorhebt, sich ohne jegliche
alchemistische Speculation an diese hält. Der ist ein Al-
chemist, welcher sich Elemente und Principien hervorhebt,
mag er nun derartig für sie eintreten, dass er naturphi-
losophische oder naturhistorische Calculationen über sie an-
stellt, oder derartig, dass er an sie den Lapis philos. knüpft
und damit in den Bereich der gewöhnlichen alchemi
stischen Speculationen tritt, und diese in der althergebrach-
ten Weise weiter ausbeutet, oder derartig, dass er mit
dem Lapis philos. auf die Schwindel-Goldmacherkunst los-
steuert. Der ist ein Alchemist, welcher sich den Appara-
tus medicamentorum hervorhebt, und eine Pharmakopöe,
eine Pharmakologie, eine Materia medica schreibt, nament-
lich wenn er der Sache irgend eine mysteriöse Folie giebt,
die dem alchemistischen Standpunet wohl ansteht, z. B.
wenn er Mittel aus dem Mineralreich, Chemikalien in den
Vordergrund schiebt, wenn er in Bezug auf die Pflanzen der
Constellation Rechnung trägt, unter welcher sie zu sam-
meln sind, u. s. w. Der ist ein Alchemist, der sich mit
den chemischen Geräthschaften beschäftigt. Der ist ein
Alchemist, der sich mit den Regimina beschäftigt, Und
weiter ist der ein Alchemist, der sich aus diesen fünf
Einzeldingen mehrere hervorhebt, und einer Vereinigung
von Arcana und Apparatus medicamentorum Rechnung
trägt, wer der Vereinigung von Apparatus medicamentorum,
chemischen Geräthschaften und Regimina Rechnung trägt,
u. s. w. Dabei ist et nun natürlich nicht nöthig, dass man
sich gerade an die Restrictions-Fünf hält, denn von der steht
in der Libavischen Interpretation der Tab. smar. nichts ge-
schrieben. Man kann also weiter greifen, sich die Eins Ele-
ment-Princip in die Zwei Element und Princip zersplittern,
sich die Eins des Apparatus medicamentorum, anlehnend
an den ursprünglichen Begriff der res natae, in die Stoffe
zerspalten, welche medicamentös und nicht medicamentös
sind, welche dem animalen, dem vegetabilen, dem Mineral-
Reich zufallen, und so das Manoeuvre von vorhin einfach
und complicirt wiederholen: man ist ein Alchemist.

Die meisten dieser Richtungen finden sich in der vierten
Abendländischen Periode durch Schriftsteller vertreten, alle
diese Schriftsteller sind „Alchemisten", ihre Jünger sind
Alchemisten. Da nun aber überall, allüberall Alchemisten
sind, so haben die eigentlichen Alchemisten keinen Platz
mebr, sie gehen unter. Wo überall, allüberall die poma

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als

In den ersten Zeiten der vierten Abendländischen Periode
ist Alchemie auf Grund des vorher Exponirten ein Collec-
tiv-Ausdruck für die verschiedensten Dinge. Allmälig lichtet
sich aber das Terrain, und zwar in ff. Weise. Die Ar-
cana gehen successiv unter, die machen also Keinem mehr
Kopfzerbrechen. Der Apparatus medicamentorum
solcher wird den Schulärzten zugeschoben; in Bezug auf
seine Darstellung, das ist also in Connex mit chemi-
schen Geräthschaften und Regimina, wird er den Apo-
thekern zugeschoben. Elemente und Principien in Bezug
auf ihre Ausbeutung zum Lapis philos. und von diesem
zur Schwindel-Goldmacherkunst werden den Goldschwind-
lern zugeschoben. Die wahre alchemistische Speculation
im alten Sinne wird successiv zu einem in der Luft schwe-
benden Dinge, denn indem die Kenntniss der Arcana mehr
und mehr schwindet, wird ihre praktische Grundlage mehr
und mehr untergraben. Es bleiben damit für die Alchemie
die Ausbeutung der Elemente und Principien in natur-
philosophischem oder naturhistorischem Sinne einerseits,
und andererseits chemische Geräthschaften, Regimina, Stoffe
des Apparatus medicamentorum, welche zum Heilen blos
eine entferntere Relation haben oder in entfernterer Relation
gedacht werden, resp. die Zusammenfügung dieser einzelnen
Dinge. Und die in diesem Sinne ausgebeutete Alchemie
gestaltet sich successiv zu dem, was wir heute Chemie

nennen.

Es ist so die allgemeine Rede, Libavius sei der, der die
neue Alchemie angebahnt habe. Das ist richtig und nicht
richtig, wie man's gerade nimmt. Die Alchemie wird zer-
splittert, ihre Theile zersprengt. Die Theile sammeln sich
nun wieder mit Ausnahme der Arcana hier und da, und
einige von ihnen sammeln sich unter der Gestalt dessen,
was die Grundlage zur heutigen Chemie abgiebt. Will
man das nun ein Anbahnen der neuen Chemie nennen, so
hat Libavius allerdings diese angebahnt, denn er ist es,
von dessen Interpretation der Tab. smar. die Sache aus-
geht. Verbindet man indessen mit dem Urtheile, Libavius
habe die neue Alchemie angebahnt, den Sinn, die Alchy-
mia des Libavius mit ihren Commentarien sei das erste
Handbuch über Chemie, wenigstens denn der erste Anlauf
zu einem solchen, so ist das nicht richtig. Es trifft zwar
zu, dass nach der Schablone der Libavischen Alchymia
die ersten Handbücher über Chemie zugeschnitten sind,
das sind aber zufällige Berührungspuncte auf beiden Seiten.
Wenn irgend Jemand ein Alchemist von altem Schrot und
Korn ist, so ist es Libavius, und dieser sein Standpunct
incorporirt sich auch in jeder Zeile seiner Alchymia und
ihrer Commentarien.

Ueber den Alcahest.

Die vierte Abendländische Periode ist auf dem Terrain
der eigentlichen alchemistischen Speculation sehr mager.
Sie hält sich an das Alte, ohne Neues zu produciren.
Zwar wird über die 3 Principien mannigfach speculirt, in-
dessen es wird dabei der eigentliche Boden der 5 Sal-
Sulphur-Mercur-Interpretationen der Tab. smar. im Allge-
meinen und in specie der Boden der Pflanzen-Interpretation
an der Hand der 3 Principien nicht verlassen, selbst vor
Lavoisier von denen nicht, welche sich, wie z. B.
Stahl mit seiner Phlogiston-Theorie, den Anschein gaben,
die Sache exact chemisch anzugreifen. Nur ein neues
alchemistisches Problem taucht auf, das ist das Problem
vom Alcahest. Mit ihm hat es ff. Bewandtniss.

Das Wort Alcahest ist eines von jenen abenteuerlichen
Worten, die sich Paracelsus das Vergnügen macht, uns
zu präsentiren. Es findet sich in der Abhandlung De vi-
ribus membrorum Lib 2., Cap. 6. (Baseler Quartausgabe,
1589, dritter Theil, S. 8). Dort heisst es: „Es ist auch
der Liquor Alcahest grosser krafft in der Leber" und
ferner: Darumb euch allen die in der Medicin zuerfareu
ist, das jhr wissen, Alcahest zu prepariren" (quare vobis
omnibus, qui colitis medicinam, opus, ut noscatis praepa-
rare Alcahest). Hier ist es auf den P. solaris oder auf das
Quecksilber abgesehen.

Croll sagt in seiner Schrift Basilica chymica: Aqua
sapientiae philosophorum una est, quae omnia metalla et
lapides ab impuro Puncti quaternarii coagulationis vinculo

philosophice et naturaliter liberat: nec est sub coelo modus
alius dissolvendi physice Corpus Solis, quam per univer-
sale menstruum Mercuriale philosophorum, totius naturae
secretissimum. „Es giebt ein Weisheits-Wasser der Philo-
sophen, welches alle Metalle und Steine von den unreinen
Banden der Coagulation des Punctum quaternarium philo-
sophisch und natürlich befreit, und es giebt unter dem
Himmel keine andere Art, das Corpus Solis physich auf-
zulösen, als durch das Universal-Quecksilber-Menstruum der
Philosophen, welches das grösste Geimniss in der Natur
ist." Hierbei ist es nun auf das Ens universale Queck-
silber abgesehen. Dass das Quecksilber Alles in der Welt
zu sich hinüberzieht, fasst Croll derartig auf, als wenn alle
Stoffe sich in ihm auflösten-eine bildliche Anschauung,
welche nahe liegt.

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Helmont (geboren 1577, gestorben 1644) hat nun die
citirte Stelle Crolls vor Augen, und giebt dem Quecksilber,
insofern es als Ens universale ein allgemeines Lösungs-
mittel ist, den Paracelsischen Namen Alcahest.

Von Unkundigen wurde das dann so verstanden, als
gäbe es ein Etwas, Alcahest genannt, welches factisch alle
Stoffe auflösen könne, und die Alchemisten thaten einer
solchen Auffassungsweise Vorschub. Ueber den Alcahest
ist in seiner Weise gerade so tolles Zeug gefabelt worden,
als über die Goldmacherkunst, den Homunculus u. s. w.
in ihrer Weise. So ziemlich wurden den Schwärmern die
Augen aufgerissen durch folgende Worte des Kunkel,
Laboratorium chymicum, 3. Theil, Cap. 38: „Ich schliesse
demnach also: Ich lege einen Kieselstein, will der andern
Edelgesteine geschweigen, in ein Glass, und giesse den
Alcahest drüber; welches sollte er am ersten angreiffen,
das Glass, so aus Kieselsteinen gemacht ist, oder den
Kieselstein, der härter ist? Nun saget er (Helmont) ja
klar, er könne durch die Handarbeit das Glass, Thon und
Kalck, auch Schwefel zu Saltze machen, das eben so
schwer, als sein Cörper selbst seyn soll. Dieses Gefäss
aber zu der Solution müste das Geheimniss seyn, so weit
über den Alcahest gienge, weil es aus diesem allen nicht
bestehen könnte, und wäre meinem Bedüncken nach, so
geheim und so gewiss als der Alcahest. Wann ich die
Prahlerey, welche so viele von diesem Worte machen, be-
trachte, indem es einer heisst: Alcali est, der andere
nennet es: All geist, der dritte: Allest est, etc., so muss
ich seinen eigentlichen Nahmen (weil doch ein solches
Menstruum nicht seyn kann, was Helmont von ihm schrei-
bet,) nennen, und ist eigentlich dieser: Alles Lügen heisst,
oder alles Lügen est." Kunkel meint also, das Universal-
Lösungsmittel Alcahest könne doch nicht wie die Wolken
in der Luft hängen, wenn man sich dasselbe als Realität
dächte, so müsse man sich doch denken, man habe es in
einem Gefässe vor sich stehen. Woher aber dies Gefäss
nehmen? Wie kann von einem Gefässe für ein Ding die
Rede sein, welches, indem es mit diesem Gefässe zusammen-
kommt, dasselbe auflöst? Wie kann also von der Realität
des Alcahestes die Rede sein, wo jegliches Substrat fehlt,
an der Hand dessen er sich als Realität präsentiren kann?
Schroederi Thesaurus pharmacologicus.

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Wir wissen, dass man sich an der Hand dessen, was
die Libavische Interpretation der Tab. smar, bringt, das
Recht nimmt, diejenigen Theile der Alchemie, welche sich
an jene Interpretation knüpfen, entweder einzeln für sich,
oder mehrere im Verein herauszuheben, und an sie dann
den Begriff Alchemie zu knüpfen. Dieses Manoeuvre führt
nun zu einem Thun, welches zu den genialsten gehört,
welche die Alchemie aufzuweisen hat, und welches den
Glanzpunct der vierten Abendländischen Periode bildet.
Es ist nämlich das Thun, sich aus den Libavischen Theilen
der Alchemie die Arcana und den Apparatus medicamen-
torum herauszuheben, und beide zu Einem verschmolzen
dem ärztlichen Publicum unter der Gestalt einer Pharma-
kologie, einer Materia medica oder wie man es sonst
nennen will, zu bieten. Auf die Weise erhalten dann die
Aerzte die Arcana zwar nicht direct auf ein directes
Bringen der Arcana kann es bei der Aegide des Geheim-
haltens, unter der die Alchemisten kämpfen, ja gar nicht
abgesehen sein sie erhalten sie zwar
nur dunkel ge-
zeichnet und unter einem Wuste von Mitteln vergraben,
aus dem sie sich schwer herausfinden lassen, indessen
sie erhalten sie doch. Und das ist bei dem Dunkel, mit

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